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A/B-Test: Wie viel ist Euch WhatsApp wert?

Verfasst von: Andreas Seeger — 20.11.2012

In den letzten Tagen ging es rund um WhatsApp ja wieder hoch her im Netz. Das Thema bleibt immer das Gleiche: Muss man bald für den SMS-Ersatz bezahlen? Die Antwort lautet: nein. Ein paar Überlegungen zur Strategie der WhatsApp-Macher und dem Dilemma, in dem sie stecken.

Die Sachlage

WhatsApp gilt als SMS-Killer. Ein Messenger, der seit seinem Start im Mai 2009 eine fulminante Erfolgsgeschichte erlebt hat. Es gibt ihn für jede wichtige mobile Plattform und mittlerweile werden laut Wikipedia mehr als 10 Milliarden Nachrichten verschickt – pro Tag. Eine Zahl, die man sich mal auf der Zunge zergehen lassen sollte.

Die Frage ist nur: Profitieren die Macher von dem Erfolg? Verdienen sie Geld mit der Nutzung?

Die Kosten für WhatsApp unterscheiden sich von Plattform zu Plattform. iPhone-Besitzer müssen die App in Apples App Store für einmalig 79 Cent kaufen, während alle anderen Plattformen den Messenger im ersten Jahr kostenlos nutzen dürfen, danach sollen sie 99 US-Cent pro Jahr bezahlen.

Das Geschäftsmodell ist historisch gewachsen

Dieses inkonsistente Bezahlsystem hat meiner Meinung nach historische Ursachen. WhatsApp für iOS ging im Mai 2009 an den Start. Die erste finale Android-Version erschien im Oktober 2010, mehr als 1 Jahr später – zu einer Zeit also, in der Android zwar schon zu einem Schwergewicht im Mobilfunkmarkt gewachsen war, in der aber gleichzeitig die Bezahlbereitschaft für Android-Apps noch ausgesprochen niedrig war. Selbst heute ist die Kostenloskultur bei Android viel ausgeprägter als bei iOS. Wer ein iPhone oder iPad hat, gibt viel leichter einen Euro aus als ein Android-Nutzer, das zeigen alle Studien.

Was mache ich also, wenn ich einen Messenger-Dienst aufbauen will, dessen Erfolgsvoraussetzung lautet: Reichweite aufbauen? Denn die Nachrichten lassen sich ja nur verschicken, wenn der Messenger auf den Geräten installiert ist.

Die Antwort liegt auf der Hand: In einem von einer Kostenloskultur dominierten Ökosystem biete ich meine App natürlich kostenlos an.

Dabei liegt es aber auch auf der Hand, eine Bezahlschranke gleich mit einzubauen und anzukündigen, damit die Hürde für die Nutzer nicht mehr ganz so hoch ist, wenn irgendwann in der Zukunft zur Kasse gebeten wird. Deshalb hat WhatsApp von Anfang an an seine Android-Nutzer kommuniziert, dass sie nur im ersten Jahr kostenlos sind und danach 99 US-Cent fällig werden. 


Mein WhatsApp-Konto läuft noch bis 2021, weil ich die App irgendwann mal für iOS gekauft habe. Aber auch wenn das Abo bei Euch bald abläuft: Ihr müsst (noch) nicht zahlen! / (c) as/AndroidPIT
 

Das WhatsApp-Dilemma

Das ist jetzt allerdings schon zwei Jahre her und diese Tastache zeigt: Sie trauen sich nicht! Denn was, wenn die Nutzer danach in Horden zur Konkurrenz rennen, die es ja mittlerweile zahlreich gibt

Der Ausweg aus dem Dilemma lautet: A/B-Test. Laut Wikipedia ist das:

"...eine Testmethode für Werbetestzwecke, bei der eine Originalversion eines Werbemittels gegen eine veränderte Version getestet wird."

WhatsApp für Android gibt es mittlerweile ja ebenfalls in zwei Versionen: eine kostenlose und eine kostenpflichtige. Die kostenpflichtige Version bekommen aber nur die Nutzer, die nach freundlicher Aufforderung bezahlt haben. Mit dieser einfachen Methode können die WhatsApp-Macher mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen:

  • Die Nutzergruppe sondieren, die bereit ist, Geld auszugeben.
  • Das Medienecho und die Reakionen der Nutzer beobachten und daraus Bezahlstrategien für die Zuknunft ableiten.

Denn man muss kein Mathe-Crack sein, um auszurechnen, dass das Abo-Verfahren von Android (jährlich 99 US-Cent) viel lukrativer ist als das Einmal-Zahl-Prinzip von iOS.

Ist Euch eigentlich schon aufgefallen, dass noch NIEMAND dokumentiert ist, dessen WhatsApp-Account gesperrt wurde, weil er NICHT bezahlt hat?

Was hier gerade läuft, ist ein riesiger Feldversuch, den man erst mal einfach ignorieren sollte. Man sollte es so machen wie unser Leser Tobi S.:

"Habe die Meldung auch bekommen. Man konnte auch die Bezahlung vornehmen. Hab ich aber nicht gemacht. Und siehe da kostenlos verlängert. Blöd wer zahlt!"

Denn wenn jetzt zu viele nach Aufforderung zahlen, werden irgendwann in Zukunft alle zur Kasse gebeten.

Titelfoto: CFalk/pixelio.de, Nico Heister/AndroidPIT)

Der studierte Historiker hat schon für viele verschiedene Publikationen im Mobilfunkbereich gearbeitet, unter anderem für Europas größtes Telekommunikationsmagazin CONNECT. Er ist an der Ostsee aufgewachsen, lebt aber schon seit mehr als 12 Jahren in Berlin. Das Meer vermisst er immer noch.

100 Kommentare

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  • Hans Meiser 31.01.2013 Link zum Kommentar

    Ich weiß imme rnoch nicht was ich mit dem Ding soll... Ich hab das Programm jetzt seit 4 Monaten aufm Smartphone... und?
    Was soll ich damit? Was kann ich damit? Was will ich damit?
    Ist doch nix anderes als ICQ, oder?!

  • Sebastian H. 02.12.2012 Link zum Kommentar

    Geld bezahlen, dafür dass ich mein komplettes Adressbuch an einen dubiosen Anbieter übertrage? Die sollen mir mal ein realistisches Angebot machen, was sie MIR für meine Daten zahlen, dann denke ich vielleicht drüber nach.

    Die verdienen an meinen Daten und wollen auch noch Geld dafür? Zum Glück bin ich nicht so blöd.

  • JPsy Droid 22.11.2012 Link zum Kommentar

    Einzige gute an den Apple-Jüngern: Man macht keine riesen Sache daraus 99ct für eine (gute) App zu zahlen. Scheiß geiz-ist-geil - DAS pisst mich bei den Android Usern an, alles umsonst, ja nciht paar ct zahlen.

    pfui...

  • PeterShow 21.11.2012 Link zum Kommentar

    Manche Leute sind hier echt etwas krank also etwas ausführlicher meine Standpunkte:

    1.
    Whatsapp bzw. das Unternehmen das WhatsApp anbietet, ist keine Wohlfahrtsorganisation und auch nicht die Caritas oder das Rote Kreuz. Ich sehe also keinen Sinn darin da was zu spenden bzw. zu zahlen wenn man nicht muss.

    2. Es ist ein Großes Unternehmen und macht so was gezielt und wenn die Geld wollen machen die das schon komplett zahlungspflichtig ohne Schlupflöcher. Es ist kein kleiner Programmierer der von dem Geld leben musss, die machen ganz anders Geld dazu der nächste Punkt

    3. WhatsApps verdient einen Haufen Kohle mit der App. z.B. wird von jedem User das komplette Adressbuch hochgeladen. Für solche Andressen (die man legal verkaufen darf) wird ein haufen Geld bezahlt. Die Adressen im Phone sind ja auch aktuell. Ein Spammer oder Phishing-Versender kauft sich z.B. Adressen von Leuten die am 22. Dezember Geburtstag haben. Denen wird dann ein Geburtstagsgruß und gleich noch das passende Spam/Werbung/Phishing präsentiert.

    4. WhatsApp ist handwerklich Mist! Die Sicherheitsmängel wurden schon tausendmal kritisiert und nicht verbessert. Als Passwort wird z.B. die ID des Geräts verwendet, sehr toll.. Und für so eine unsichere App soll man also noch zahlen??

  • Marc Sigrist 21.11.2012 Link zum Kommentar

    Ich bin weiß Gott keiner, der nicht drauf schaut, was er für sein Geld bekommt...naja meistens...:-))

    Daher gebe ich nicht für jeden Dienst, der mir heutzutage angeboten wird blind etwas aus. Für WhatsApp würde ich aber ohne mit der Wimper zu zucken ein paar Euro zahlen. Tolle App, die mir viel bietet und dabei keine Zicken macht. Da müssen sich andere, die z.T. unverschämte Preise für ihre Leistungen verlangen ordentlich strecken, um an diesen Dienst ran zu kommen. Sollen se was verlangen....1 - 2 - 3 Euro....passt....

  • swissroland 21.11.2012 Link zum Kommentar

    --

  • A M 21.11.2012 Link zum Kommentar

    99 cent sind echt nicht die welt aber google sollte mal mehr bezahloptionen anbieten zB paypal , paysafecard oder play store karte so wie beim fallobst ;)

  • Andreas Seeger 21.11.2012 Link zum Kommentar

    Leute, was soll diese Aufregung? 99 Cent sind auch Geld und warum soll ich die für etwas bezahlen, das ich woanders umsonst bekomme? Das unterschwellige Mitleid mit den "armen Entwicklern", das mit dieser Diskussion transportiert wird, ist ebenfalls fehl am Platz. Für alle, die es nicht wissen: WhatsApp Inc. ist ein Startup in San Francisco mit viel Risikokapital und die Leute, die dort arbeiten, nagen bestimmt nicht am Hungertuch. Sie haben Eure Daten und wer weiß, was sie damit machen. Und die Sicherheitsprobleme? Habt ihr die auch schon vergessen?

    Noch einmal: Eine Moralisierung geht völlig am Kern der Sache vorbei und ist nichts anderes als eine Vereinfachung komplexer Sachverhalte.

  • Claus B. 21.11.2012 Link zum Kommentar

    Warum wird eigendlich WhatsApp nicht endlich mal für Android Tablets freigegeben???????

  • Erwin S. 21.11.2012 Link zum Kommentar

    Ich finde für solche Meldungen fast keine Worte mehr. Wenn man bedenkt dass es hier um 99 Cent geht, dann versteh ich die Welt nicht mehr. Demnächst wird hier bei Androidpit noch diskutiert, ob WhatsApp nicht eigentlich UNS bezahlen müsste, damit wir auch ihren Service nutzen.

  • JeGu 21.11.2012 Link zum Kommentar

    Ich finde das für ein Programm mit dem Ich auch noch Geld sparen ein kleiner Obolus gezahlt werden kann..

    Ich finde nur die Entwickler sollten dabei jede Plattform gleich behandeln und die Preise gleich halten....

  • 5
    chance 21.11.2012 Link zum Kommentar

    Zwei bekloppte Artikel zu Whatsapp in zwei Tagen.... Ich lösche jetzt meinen account hier...

    Wer nicht mal 0,99€ für eine App im JAHR zahlen will, die einem bestimmt mindestens 50€ im Jahr spart (SMS FLAT + MMS + AUDIO), ist einfach ignorant. Wohl kaum eine APP hatte in den letzten Jahren einen Einfluss wie WHATSAPP! Diese kleine APP treibt Mobilfunkkonzerne in den Wahnsinn. Diese APP bringt Innovation! "Aber dafür 99 CENT bezahlen?!?!? NIE IM LEBEN!" Wie irre sind hier denn einige?

    Ein Aufruf zum Zahlboykott hat dieser Blog und die gesamte Androidcommunity nicht verdient! Tschüss...

  • 2
    Chrisso 21.11.2012 Link zum Kommentar

    Sich für hunderte Euros ein Smartphone zulegen und hier Seitenweise über Centbeträge heulen, Leute was soll das?
    Und noch der Tip einfach nicht zu bezahlen!
    Was würde losbrechen wenn wieder für jede SMS bezahlt werden müsste?
    Einfach lachhaft das Thema!

  • Sebastian Hoeft 21.11.2012 Link zum Kommentar

    0,99 US$ also bitte! Das ist jetzt echt nicht die Welt. Finde denbservice wirklich gut und dafür das man nicht mit Werbung oder ähnlichem belästigt wird ist der Preis voll ok. Ich habe gezahlt, und würde es wieder. Es ist fair.

  • 19
    SH K. 21.11.2012 Link zum Kommentar

    der einzige grund warum whatsapp so verbreitet ist, ist doch weil es als erster messenger auf verschiedenen os lief und weil es bis dato für android umsonst ist. wäre chaton z.b. schneller gewesen und whatsapp würd jetzt mit 99ct auf den markt kommen, würden die wenigsten es installieren. inzwischen gibt es aber genügend alternativen. auch bessere alternativen die mehr bieten. chaton läuft z.b. auch auf dem pc, mit tango kann man videotelefonie führen, mit viber kann man telefonieren. oder kakaotalk, das non plus ultra in korea. und diese dienste sind alle umsonst. und kommt mir nicht mit datenschutz. wer garantiert, das whatsapp die 99ct für datenschutz ausgibt ;)
    für mich gibts auf jeden fall keinen grund an whatsapp festzuhalten, da ich es vielleicht 1x im monat nutze. das wäre ja dann 6mal teurer als ne sms.

  • mapatace 21.11.2012 Link zum Kommentar

    Finde es auch traurig wie viele es an soziale Kompetenz fehlt. Anscheinend nicht in der Lage, Leistung zu erkennen und zu würdigen und noch schlimmer... sich in der Geizt ist geil Mentalität, auch noch zu rühmen. Ein seltsamer Anspruch und Grundhaltung den einige für sich als Lebensmodell führen.

  • swissroland 21.11.2012 Link zum Kommentar

    Armes trauriges Land! Ein Aufstand wegen 99 Cent! Zum Glück bin ich Schweizer!

  • Firat 21.11.2012 Link zum Kommentar

    ich schäme mich den gemeinsamen betriebssytem auf meinem smartphone mit solchen schmarotzern zu teilen.

    echt kindergarten hier. seitenlange diskussion um 99 cent was nicht mal voll und ganz beim entwickler ankommt, wegen paypal gebühren, mwst. etc.

    als ob die entwicklung und die infrastruktur von der zentralbank spendiert werden.

    und den vergleich mit msn gleich knicken. hinter msn steht microsoft und die haben genug holz um solche entwicklungen zu leisten. abgesehen davon ist msn werbung finanziert, was bei whatsapp nicht der fall ist.

  • Benjamin H. 21.11.2012 Link zum Kommentar

    Mir wurde vor ca. 2 Monaten gesagt mein Jahr ist abgelaufen und ich habe gezahlt und ich habe da auch kein Problem mit gehabt, 99cent im Jahr sind nichts und für einen Dienst der mir viel Geld spart und mit dem ich sofort alle Leute erreiche zahle ich das auch gerne

  • Ivan Jovanovic 21.11.2012 Link zum Kommentar

    AndroidPit empfiehlt die Zahlungsaufforderung zu ignorieren und der Beispieluser sagt "blöd wer zahlt"???!

    Ich mag AndroidPit wirklich sehr und lese es jeden Tag. Aber diese Aktion hier ist wirklich unter aller sau.... Jeder von uns hat verhältnismäßig viel viel Geld gespart durch Whatsapp. Beispiel: eine SMS kostet etwa 9 Cent, das sind etwa 10 SMS ODER der Jahresbeitrag für Whatsapp. Und ich gehe hier nur auf Textnachrichten ein. Dabei ist fast jede dritte Nachricht ein Bild oder Audio oder Video. Also MMS.

    Also nach so einem Artikel könnt Ihr euch echt was schämen liebe AndroidPitler!!!!!

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