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Warum Datenschutz jeden angeht (und nicht nur diejenigen, die etwas angestellt haben)

Wir leben in unruhigen Zeiten. Man hat aktuell den Eindruck, als gelangten überall auf der Welt zeitgleich Menschen an die Macht, die nur ihre eigenen, persönlichen Interessen im Blick haben. Es scheint, als gewinne derzeit derjenige, der am Lautesten ist. Egal ob in Großbritannien, den USA, Russland oder gerade in der Türkei – die Sachlichkeit scheint sich zurückzuziehen, und die Politik wird gefühlt radikaler.

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Gleichzeitig vertrauen wir Menschen immer mehr Unternehmen unser Allerheiligstes an: unsere Daten.

“Nicht schon wieder eine Datenschutzdebatte”, höre ich Euch jetzt aufstöhnen. Man hat ja schließlich nichts verbrochen und von daher nichts zu befürchten. Und wer interessiert sich schon, wohin man gerade läuft, was man so schreibt oder welche Dinge man im Internet bestellt?

Ohne Daten gäbe es heute viele Geschäftsmodelle gar nicht

Offen gestanden gehöre auch ich zu den Menschen, die recht sorglos mit ihren Daten umgehen. Schließlich bekomme ich dafür auch eine Menge: kostenlose Office-Programme à la Google Docs, E-Mail, Gratis-Unterhaltung bei YouTube oder einen virtuellen Trainer bei Runkeeper. Statt mit Geld bezahlen wir mit unseren Daten – zum Beispiel, welche Videos wir uns angucken. Daraus können dann Interessen abgeleitet werden, und vor dem nächsten Gratis-Filmchen sehen wir dann vielleicht den neuesten Star-Trek-Trailer. Oder der Anbieter einer Lauf-App findet heraus, mit welchen Schuhen seine Nutzer präferiert laufen – und verkauft die Werbeflächen an die Konkurrenz.

Soweit, so gut. Das tut niemandem weh, sondern kann durchaus noch als Service verstanden werden. Was aber, wenn wir jetzt die Marketing-Brille abnehmen und die eines totalitären Staates aufsetzen? Dann ließe sich aus den Daten allerhand mehr auslesen. E-Mails und Social-Media-Einträge deuten beispielsweise auf politische Ansichten hin. Im harmlosesten Fall werden im Gegenzug Videos mit politischen Statements eingeblendet. Und im Zweifelsfall können ganze Bewegungsprotokolle und -muster erstellt werden, um so Menschen zu denunzieren, zu verfolgen oder zu überwachen.

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Fabien Roehlinger
Ich weiss, dass meine Daten die Server für Google Mail bezahlen. Aber das ist mir egal.
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Zugegeben: Das ist ein Horrorszenario, welches ich (bisher) als schlechte Science-Fiction abgetan habe. Selbst mit dem in den USA geltenden Patriot Act – einem Gesetz, mit dem staatliche Behörden mit relativ geringem Aufwand auf sämtliche in den USA gespeicherte Daten zugreifen können – konnte ich mir kaum eine Situation vorstellen, in der man (oder konkreter ich) ins Fadenkreuz von staatlichen Institutionen geraten könnte. Denn nur die USA sind aus meiner Sicht in der Lage, auf derart umfassende Daten zuzugreifen (fast alle erfolgreichen Internet-Unternehmen sitzen in den USA), diese zu analysieren und gegebenenfalls Zusammenhänge zu erstellen. Und selbstverständlich habe ich mir sowieso nichts vorzuwerfen.

Es fängt beim Profiling an und hört bei staatlichen Aktivitäten auf

Der nach Walmart zweitgrößte Discounteinzelhändler der USA, Target, verschickt regelmäßig Gutscheine. So auch vor einiger Zeit in Minneapolis, woraufhin dann ein wütender Mann in die Filiale stürmte und sich beim Filialleiter darüber echauffierte, dass man seiner Tochter offenbar falsche Gutscheine zugeschickt habe. “Meine Tochter hat diese hier in der Post gefunden. Sie ist noch in der Highschool und Sie schicken ihr Rabattmarken für Babysachen und Kinderbetten? Wollen Sie sie etwa ermuntern, schwanger zu werden?”

AndroidPIT payback 2701
Auch außerhalb der digitalen Welt hinterlassen wir viele Daten / © AndroidPIT

Nach der Durchsicht der Gutscheine musste der Filialleiter feststellen, dass die Gutscheine für Wickelkommoden und Schwangerschaftsmode ganz offensichtlich an die Tochter adressiert waren. Er entschuldigte sich aufrichtig beim Mann und meldete sich ein paar Tage später erneut, um den Vater für den Ärger um Verzeihung zu bitten. Zu seinem Erstaunen entschuldigte sich dieser dann beim Fililalleiter. “Ich hatte ein längeres Gespräch mit meiner Tochter. Dabei musste ich feststellen, dass es Aktivitäten in meinem Haus gibt, von denen ich keine Ahnung hatte. Sie wird im August ein Kind bekommen. Und ich bitte Sie um Entschuldigung.”

Das war im Jahr 2012. Was war passiert? Natürlich war es damals kein Versehen von Target, der jungen Frau diese Werbung zu schicken. Vielmehr haben die Algorithmen des Unternehmens so gut funktioniert, so dass man die werdende Mutter anhand ihres Kaufverhaltens als “schwanger” einstufen konnte.

Solche Algorithmen basieren auf “Big Data”, und es gibt sie nicht nur im Marketing. Es liegt nahe, dass auch Behörden auf die Macht der Daten setzen – und einschreiten, bevor etwas passiert. Die bayerische Polizei testet in einigen Feldversuchen das “Predictive Policing”. Heißt: Verbrechensbekämpfung ohne vollzogenen Tatbestand.

"Predictive Policing" ist schon heute Realität bei der deutschen Polizei.

Das klingt erstmal alles nicht schlecht. Gerade in den unruhigen Zeiten, in denen wir aktuell leben, sehnen sich Menschen nach dem Gefühl der Sicherheit. Was aber, wenn sich Algorithmen täuschen? Oder wenn man plötzlich ins Fadenkreuz von Ermittlern gerät, nur weil zufällig Terroristen ein ähnliches Verhaltensmuster aufzeigen?

Man stelle sich vor: Ein junger Mann geht gerne in die Eisdiele, die sich zufälligerweise neben eines Salafisten-Treffpunkts befindet. Davon weiß er aber nichts. Er stellt irgendwann fest, dass er deutlich mehr Sport machen müsste und ändert seinen eher trägen Bewegungsstil. Wegen Renovierungsarbeiten kauft er im Baumarkt Bleichmittel, Kalk und andere Dinge. Die Algorithmen der Nachrichtendienste schlagen an, und beim nächsten Einreiseversuch in die USA wird er an der Immigration Control abgewiesen.

...und wer bewacht die Wächter?

Nun mag man vermuten, dass sich ein solches Missverständnis ja einfach aufklären ließe. Allerdings wachsen die beim Profiling verwendeten Datenmengen stetig an – und gleichzeitig kommen in der Datenverarbeitung in zunehmendem Maße neuronale Netze zum Einsatz, um der Informationsflut Herr zu werden. Neuronale Netze arbeiten nach extrem einfachen Regeln, doch aus diesen simplen Gesetzen entsteht ein Apparat, dessen genaue Funktionsweise sich im Nachhinein nur noch sehr schwer bis überhaupt nicht mehr nachvollziehen lässt. Doch wie kann man sich nun als ein Profiling-Opfer erklären, wenn der fatale Output das Ergebnis einer Black Box, und der Input aufgrund seiner Masse überhaupt nicht mehr greifbar ist?

Hinzu kommt, dass unsere Daten nur solange sicher sind, solange diese nicht missbräuchlich verwendet werden. Hier war ich mir lange Zeit sicher, dass das niemals geschehen würde. Der Patriot Act war zwar auch für mich ein grober Eingriff in unsere Bürgerrechte. Allerdings heiligte für mich der Zweck die Mittel. Dass eine Regierung ein so mächtiges Werkzeug, wie unserer aller Daten willkürlich einsetzen könnten, erschien mir völlig unrealistisch.

Dass wir bisher fast schon unbedarft auf Datenschutz mehr oder weniger verzichten, kann man wahrscheinlich damit erklären, dass wir im Großen und Ganzen auf unsere Rechtsstaatlichkeit vertrauen. Wie empfindlich diese ist, sieht man alleine schon daran, dass ein Staat wie Frankreich aufgrund des Terrors gezwungen ist, seine Regierung mit Sonderrechten auszustatten und dieses Mandat immer wieder zu verlängern. Was also, wenn ein eher totalitär ausgerichteter Staat die Macht über so viele Daten hätte? Kann man sich sicher sein, dass ein solches System die Daten nicht auch für Säuberungen nutzen würde, um beispielsweise mehrere tausend andersdenkende Staatsbedienstete loszuwerden? Können wir darauf vertrauen, dass die teils aufgeheizte Stimmung auch Demokratien in der westlichen Welt taumeln lässt?

FR
Fabien Roehlinger
Ich kenne die Bedenken zum Thema "Datenschutz", aber ich nutze Dienste wie Facebook, Google oder Pokémon Go trotzdem.
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Nicht missionieren, aber aufklären!

Um ehrlich zu sein gehen mir viele Datenschutz-Artikel ziemlich auf den Senkel. Sie kommen oftmals sehr schulmeisterlich daher und lassen mich mit den mahnenden Worten "Du solltest auf der Hut sein – Skynet ist nah!" zurück. Von Verschwörungstheorien hat niemand etwas. 

Trotzdem möchte ich beim Aufklären helfen und ein Bewusstsein dafür schaffen, dass all das, was wir heute an digitalen Spuren hinterlassen, auch irgendwann gegen uns verwendet werden könnte. Und zwar  unabhängig davon, ob wir nun etwas getan haben. Oder eben auch nicht.

In diesem Sinne: 

"I'll be back!"

Top-Kommentare der Community

  • Aries vor 4 Monaten

    Endlich mal ein kritischer Artikel! Vielen Dank dafür!

    Ich höre schon die Stimmen "Dann darfst Du kein Smartphone nutzen". Aber nicht einmal das schützt davor, dass meine Daten nicht in den großen Datenbanken landen. Dafür sorgen die anderen, bei denen ich in den Kontakten stehe, die mich auf Fotos in sozialen Netzwerken markieren usw.

    Wenn ich noch selbst darüber bestimmen könnte, wer, wann, welche Daten von mir bekommt, wäre das noch akzeptabel. Wenn ich die AGB und Datenschutzrichtilinien der von mir genutzten Dienste und Apps nicht lese, ist das mein Problem. Aber wir alle gehen mit Daten Dritter unbewußt leichtfertig um. Noch viel schlimmer: Wir machen uns dazu keine Gedanken. Und wenn wir darauf hingewiesen werden, wischen wir das Problem mit "Die können doch alles knacken" vom Tisch.

  • Michael K. vor 4 Monaten

    Ich bin mir nicht sicher, ob man den Schluss einfach ziehen kann. Besonders für kurze Kommentare eigenen sich manche Themen einfach besser als andere.
    Ich habe mir auch überlegt, einen ausführlichen Kommentar zu dem Thema zu schreiben. Das hat aber so viele Facetten (wer sammelt Daten, wer wertet sie, evtl. zum eigenen Schaden aus, welche dritte Parteien, wie bösartige Hacker, zukünftige Arbeitgeber oder der eigene Partner können mit Online-Daten, das können auch Aussagen in Kommentaren wie diesem sein, mir gegenwärtig oder in Zukunft Schaden zufügen), dass der Kommentar endlos lang geworden wäre, sehr viel Zeit gekostet hätte, und wegen seiner Länge vermutlich dennoch kaum gelesen worden wäre.
    Ich halte das Thema für sehr interessant, und finde durchaus, es sollte in zukünftigen Artikeln weiter beleuchtet werden. Beschränkt man sich dabei auf kleinere Ausschnitte aus der Gesamtthematik, wie Datenerfassung durch staatliche und ausländische Geheimdienste, oder eben nur durch die sozialen Netzwerke oder durch Banken und Online-Händler, dann eignet es sich vielleicht auch besser zur Kommentierung in kurzen Kommentaren.

  • Izzy vor 4 Monaten

    Was aber noch lange kein Grund dafür ist, die eigenen Daten auch noch selbst Frei-Haus dort einzuliefern :)

131 Kommentare

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  • C. F. vor 4 Monaten Link zum Kommentar

    Tja, was soll man sagen? Nach einer Woche war's nur Schall und Rauch - die Artikel drehen sich wieder überwiegend um Pokemon Go und Samsung. Schade. Sehr schade. Wo doch dieses Thema wirklich viel mehr bietet, als nur mal einen Artikel im halben Jahr. Über Datensicherheit und Privatspäre könnte man wöchentlich schreiben.

    Hier wäre doch mal ein guter Gesprächsstoff:

    "Ist der Suchtfaktor von Pokémon GO derartig hoch, dass es Nutzern egal wird, was mit ihren Daten passiert? Oder ist das eher in der Alltagsblindheit zu begründen, die dafür sorgt, dass Datenschutzbedingungen einfach ignoriert werden?"

    https://www.psw-group.de/blog/pokemon-go-virtuelle-monster-bringen-reelle-datenschutz-probleme/3355

    • Dass solche Artikel nicht wöchentlich kommen, war klar. Ein halbes Jahr ist allerdings noch nicht rum...
      Und Artikel, die mit Pokémon GO zu tun haben, sind alles andere als guter Gesprächsstoff.
      MMn gar nicht weiter drüber berichten, umso schneller gerät dieser Bockmist in der Versenkung ;-p

  • Und wie genau sollte man sich nun verhalten?!
    Daten werden doch schon immer in irgend einer Form gesammelt - und sei es nur via diverse Kundenkarten... Selbst wenn ich heue nicht Online bin, kein Telefon besitze/nutze, keine Kundenkarten habe und zum Bezahlen keine Kreditkarten o.ä. nutze, sondern immer nur Bargeld, werde ich spätestens bei einem größeren Betrag (zb. Autokauf) genötigt anzugeben, woher ich das Geld habe (wegen eventuellem Schwarzgeld...)! Was passiert, wenn die Regierungen dieser Welt das Bargeld abschaffen wollen, brauche ich jetzt wohl nicht weiter erörtern?
    Ich könnte schon heute nicht einmal irgendwo auf dieser Welt völlig anonym leben - sobald ich irgendwie mit der Zivilisation in Berührung komme, werde ich "Daten-dienstlich" erfasst. Und wenn es dann keine Daten zu meiner Person gibt, ist das suspekt ... könnte ja ein Terrorist sein ...
    Man kann nicht verhindern, DAS Daten über einen gesammelt werden (jemand der krampfhaft versucht dies zu verhindern, fällt noch mehr auf...), man sollte aber kontrollieren, WELCHE Daten gesammelt werden können - manchmal kann das durchaus unbequem werden ;)

    • C. F. vor 4 Monaten Link zum Kommentar

      "Und wie genau sollte man sich nun verhalten?!"

      "...man sollte aber kontrollieren, WELCHE Daten gesammelt werden können -..."

      Da hast Du Dir die Antwort ja selber gegeben.

  • Ein sehr guter Artikel. Auch die Kommentare habe ich gespannt gelesen.
    Das Thema ist vielfältig. Gelegentlich mehr davon bitte.

    Auch AndroidPit hat Google Analytics und füttert das System. Mit jedem Besuch auf Android Pit

  • N. T. vor 4 Monaten Link zum Kommentar

    Sehr sachlicher, gelungener Artikel.
    Immer, wenn ich über das Thema nachdenke bekomme ich auch etwas Bammel und bewundere meinen Bruder der aus Datenschutzgründen auf Facebook, Whatsapp und Co verzichtet. Aber im nächsten Moment blende ich die Gedanken dazu wieder aus. Ich weiß, dass es nicht richtig ist und unsere Daten sehr viel Wert sind. Ich denke auch, dass das Internet über mich, im Vergleich zu anderen, deutlich weniger weiß. Aber wahrscheinlich immer noch viel zu viel.
    Danke aber für den tollen Artikel, der einen mal wieder etwas aufweckt!

    • C. F. vor 4 Monaten Link zum Kommentar

      "Aber im nächsten Moment blende ich die Gedanken dazu wieder aus.".....Warum?

      • N. T. vor 4 Monaten Link zum Kommentar

        Gute Frage. Wahrscheinlich weil ich mit irgendwas anderem wichtigen beschäftigt bin und vergesse wie wichtig es eigentlich ist. Vielleicht auch, weil WhatsApp und Co einfach praktisch sind.

      • Es ist die Konfrontation.
        Sie ist nicht angenehm.

        Keep calm

      • C. F. vor 4 Monaten Link zum Kommentar

        Aber wenn man mal seinen inneren Schweinehund überwunden hat, dann isses klasse...

  • C. F. vor 4 Monaten Link zum Kommentar

    Überzeugende Argumente gegen Massenüberwachung
    Es gibt eine Menge gute Argumente gegen staatliche Massenüberwachung. Mit Hilfe von Threema-Nutzern haben wir die besten zusammengetragen:

    Unvereinbarkeit mit Demokratie:

    Durch staatliche Massenüberwachung werden die Bürger unter Generalverdacht gestellt, was ein ausdrückliches Misstrauensvotum des Staates gegenüber seiner Bürger ist. Durch diese anlasslose Überwachung wird das Vertrauensverhältnis von Bürger zu Staat tiefgründig gestört.

    Massenüberwachung stellt die Umkehrung des demokratischen Grundprinzips dar, wonach die Bürger die Regierenden überwachen, und ist somit mit den Werten einer Demokratie nicht vereinbar.

    Zweifelhafter Nutzen:

    Massenüberwachung tangiert primär unbescholtene Bürger, da Kriminelle ohnehin auf unüberwachte Kanäle oder schwer überwachbare Kommunikationsformen ausweichen, welche für gewöhnliche Bürger nicht praktikabel sind.

    Massenüberwachung wird mit Terror-Bekämpfung gerechtfertigt. In der Vergangenheit hat sich Massenüberwachung jedoch nicht als taugliches Mittel erwiesen, um Terror-Akte zu vereiteln.

    Unliebsame Folgen und unnötige Risiken:

    Wer überwacht wird (und darüber Bescheid weiss), ändert sein Verhalten und letztlich sein Denken. So führt Massenüberwachung von Selbstzensur des Einzelnen zu einer konformen Gesellschaft als Ganzem.

    Massenüberwachung verunmöglicht vertrauliche Kommunikation. Anwälte und Ärzte können nicht mit Klienten resp. Patienten kommunizieren, ohne ihre gesetzliche Schweigepflicht zu verletzen.

    Durch Massenüberwachung gesammelte Daten können gestohlen werden. Mit jeder Vervielfältigung von Daten wird die Gefahr erhöht, dass Unberechtigte Zugriff darauf erlangen.

    Durch Massenüberwachung gesammelte Daten können missbraucht werden. Selbst wenn ein Missbrauch zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich erscheint, können gegenwärtig gesammelte Daten in Zukunft missbraucht werden.

    Es ist noch nicht absehbar, welche Rückschlüsse die durch Massenüberwachung gesammelten Daten – insbesondere Metadaten – auf ihre Erzeuger zulassen. Somit ist unklar, worauf man sich mit Massenüberwachung überhaupt einlässt.

    Entgegnung auf «Ich habe nichts zu verbergen»:

    «Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten» ist kein gültiges Argument, weil Privatsphäre ein Wert an sich ist und nicht nur zu wahren ist, wenn es etwas zu verbergen gibt.

    Wer Massenüberwachung mit der Begründung befürwortet, er habe nichts zu verbergen, muss gemäss dieser Logik auch bereit sein, Überwachungskameras in seinem Schlafzimmer installieren zu lassen (oder aber zugestehen, dass er dort etwas zu verbergen hat).

    Wer Daten erzeugt, ohne dabei geltendes Recht zu verletzen, sollte frei bestimmen können, was damit geschieht. Die anlasslose Speicherung durch den Staat kommt einer Enteignung gleich.

    Befürworter von Massenüberwachung argumentieren: Wer sich nichts zuschulden kommen lässt, muss auch nichts verbergen. Aber wer sich nichts zuschulden kommen lässt, muss auch nicht überwacht werden.

    Entgegnung auf die Rechtfertigung durch erhöhte Sicherheit und Terrorbekämpfung:

    Kein noch so hoher Grad an Überwachung kann je völlige Sicherheit garantieren. Die Forderung nach mehr Überwachung mit Berufung auf erhöhte Sicherheit ist daher schrankenlos.

    Massenüberwachung wird mit Terror-Bekämpfung gerechtfertigt. Ein mögliches Ziel terroristischen Kalküls ist aber die Subversion der demokratischen Gesellschaft, und die Preisgabe der Privatsphäre ist diesem Ziel gerade zuträglich.

    Massenüberwachung wird mit Terror-Bekämpfung gerechtfertigt. Dem Terrorismus durch Vereitelung von Anschlägen habhaft zu werden, ist jedoch nur Symptom-Bekämpfung, und es werden nie alle geplanten Terror-Akte verhindert werden können. Um Terrorismus nachhaltig zu bekämpfen, müssen dessen Ursachen angegangen werden.

    Quelle: https://threema.ch/press-files/content/arguments_against_mass_surveillance_de.html

    • Sehr gut! Ganz der Meinung.
      Hier auch was interessantes:

      www.kuketz-blog.de/?s=Überwachung+

  • A. K. vor 4 Monaten Link zum Kommentar

    Wie sieht es eigentlich mit Facebook und Schattenprofilen aus? Hab kein FB und ich finde es irgendwie doof, dass FB Schattenprofile erstellt. Ich meine woher nehmen die sich das Recht? Das ist eine Prinzipsache und fast schon mit Stalking vergleichbar.
    Kann man dagegen vorgehen bzw ist das überhaupt rechtens?

    • Da Facebook keine deutsche Firma ist kann der Bürger selber nichts machen. Deutsches Recht ist nicht anwendbar.

      • Blowfly vor 4 Monaten Link zum Kommentar

        natürlich kann der Bürger was machen. Er macht bei Facebook einfach nicht mit.

      • Fabien Roehlinger
        • Admin
        • Staff
        vor 4 Monaten Link zum Kommentar

        Das ist natürlich der einfachste Weg. Auf der anderen Seite wird man das Menschen aber auch nicht so einfach begreiflich machen können. Aus meiner Sicht müssen die demokratischen Staaten wenigstens so tun, als wolle man seine Bürger und deren Rechte schützen. Aktuell leben wir in diesem Bereich wirklich im wilden Westen.

        Wörtlich gesprochen...

      • Blowfly vor 4 Monaten Link zum Kommentar

        der einfachste Weg scheint das für die vielen Facebook-Junkies offensichtlich nicht zu sein, sonst würden es ja alle machen. Sag du mal einem Raucher (oder anderweitig Drogenabhängigen), der zwar nicht mehr rauchen möchte aber nicht davon loskommt, dann hör doch einfach auf ;-)
        Ich hab beides hinter mir, hab einfach aufgehört ;-) Ich war Facebook-Nutzer der ersten Stunde (die meisten in D hatten noch nicht mal Internet), wenn auch von Anfang an nicht sonderlich euphorisch, aber als die nervigen Benachrichtigungen a la "hilf Stefan seine Farm weiter aufzubauen..." überhand nahmen, die Leute ständig nur noch belanglosen Müll posteten wie "bin jetzt am Flughafen München und langweile mich" , "der Hund von Tante Käthe hat Durchfall", Katzen- und Essensfotos etc, da ist das ganze in totales Desinteresse meinerseits abgedriftet - schon lange bevor das ganze FB generalstabsmäßig durchkommerzialisiert wurde. Mein Account existiert noch (zum Glück nie mit Klarnamen angelegt und keine Fotos gepostet) aber ist eigentlich tot.
        Und Rauchen ging eines Tages in der Tat von heute auf morgen, ganz ohne Plan ;-)

        Aber das aus deiner Sicht die demokratischen Staaten mindestens so tun sollten als ob sie unsere (Datenschutz)Rechte wahren, ist ja wohl kompletter Unsinn. Entweder machen sie es richtig oder gar nicht, wir haben schon genug Alibi-Politik die nix bewirkt. Und genug Fake-Politiker a la Dobrindt und Konsorten haben wir auch schon, da ist bestimmt kein weiterer Bedarf ;-)

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