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Shitstorm gegen Twitter: "Reißt diese Mauer nieder!"

Weil Twitter externe Entwickler einschränkt und den Dritt-Apps, die die Twitter-API nutzen, nicht mehr als 100.000 Nutzer zugesteht, hagelt es schlechte Bewertungen für die offizielle Twitter-App im Play Store. Dieser Shitstorm wirft gleich mehrere Fragen auf: Darf Twitter andere Apps einschränken, um die Verbreitung der eigenen App zu fördern? Schließlich nutzen diese Dritt-Apps eine Infrastruktur, die Twitter aufgebaut hat. Ist die Kritik der Nutzer und die Art des Nutzer-Protests effektiv? Wird damit nicht viemehr das Bewertungssystem des Google Play Store missbraucht?

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Reagan twitter falcon
"Tear down this wall!" - der berühmte Ausspruch von Ronald Reagan findet in den Protesten gegen Twitter wieder Verwendung. / © National Archives and Records Administration / AndroidPIT

Mit der Einführung der neuen API v1.1 hat Twitter für Dritt-Apps eine Beschränkung von 100.000 Tokens eingeführt. Jeder Account nutzt ein Token, also können Twitter-Clients nur noch höchstens 100.000 Nutzer haben. Wer zwei Accounts nutzt, braucht allerdings auch zwei Tokens, entsprechend verringert sich die tatsächliche Nutzerzahl zusätzlich. Mehr Tokens gibt es für die Dritt-Clients nur mit Zustimmung von Twitter, und die ist anscheinend schwer zu bekommen.   

"Twitter, tear down this wall!"

Betroffen von den Restriktionen ist unter anderem der beliebte Twitter-Client Falcon Pro. Zahlreiche Nutzer möchten Twitter abstrafen, indem sie die offizielle Twitter-App im Play Store schlecht bewerten. Das Motto lautet: “Twitter, tear down this wall!” Ob das berühmte Diktum von Ronald Reagan, mit dem er Michail Gorbatschow 1987 zum Abriss der Berliner Mauer aufforderte, berechtigt ist, sei mal dahingestellt. Der Token-Streit wirft noch andere Fragen auf, die im Internetzeitalter von grundlegender Bedeutung sind. Die erste lautet ganz banal: Darf Twitter das?

Auf der einen Seite steht das Unternehmen Twitter, das wie alle anderen Firmen wirtschaftlich denken und Geld einnehmen muss. Das funktioniert im Fall von Twitter zum Beispiel über gesponsorte Tweets in der Twitter-App. Die Rechnung ist einfach: Je mehr Nutzer Dritt-Apps nutzen, desto weniger Geld verdient Twitter. Da scheint es nur legitim, wenn das Unternehmen von seinem Gebrauch macht und Nutzung seines Dienstes durch Dritte einschränkt. 

Auf der anderen Seite haben die Apps von Drittanbietern entscheidend dazu beigetragen, dass Twitter so populär geworden ist. Ohne diese externen Anwendungen wäre der Dienst nicht dort, wo er heute ist. Außerdem sind in den Augen der User viele Dritt-Apps schlicht besser. Die massive Kritik an der eigenen App wird zwar weniger, doch immer noch haben Anwendungen wie Falcon Pro in den Augen vieler Nutzer deutlich die Nase vorn. Im Interesse der Nutzer und aus Gründen der Fairness sollte Twitter also alle Beschränkungen aufheben.

Token-Beschränkung: Der richtige Weg?

Die zweite Frage lautet: Ist die Token-Beschränkung der richtige Weg zu mehr Umsatz? Die Nutzer, die jetzt lautstark protestieren, werden mit großer Wahrscheinlichkeit nicht auf die offizielle Twitter-App umsteigen, wenn sie Falcon Pro oder andere nicht mehr nutzen können. Eher wird das Gegenteil der Fall sein. Und die Nutzer, die das Thema nicht interessiert, werden wahrscheinlich auch vorher schon die offizielle App genutzt haben, zumal diese auf vielen Smartphones bereits vorinstalliert ist und auch nicht ohne Umwege deinstalliert werden kann. Eine Alternative für die Token-Deckelung wäre die Auslieferung von gesponsorten Tweets über die API, also die Integration von Werbung als Bedingung für mehr als 100.000 Tokens.  

Auch die Kritiker müssen sich eine Frage gefallen lassen: Ist der gewählte Weg des Protests - schlechte Bewertungen im Play Store - richtig und legitim? Steckt dahinter nicht vielmehr blinder Aktionismus? Bei der Bewertung einer App sollte deren Funktionalität und Qualität im Mittelpunkt stehen, nicht die Kritik an der Politik des Unternehmens dahinter. Allen Menschen, die Informationen über die App suchen, hilft dieser Shitstorm herzlich wenig. Aber: Wie kann man als einfacher Nutzer sonst Einfluss nehmen, Druck ausüben und dafür sorgen, dass man von den Unternehmen gehört wird? Welcher Weg, wenn nicht dieser?

Twitter und die Community: Verhärtete Fronten

Ich denke, dass man Twitter durchaus zugestehen kann, dass es die Verwendung seiner Programmierschnittstellen an bestimmte Bedingungen knüpft. Dafür gibt es aber mit Sicherheit bessere Wege als eine Token-Deckelung. Damit verschreckt Twitter vielmehr seine Community, sowohl auf der Nutzer- als auch auf der Entwickler-Seite. Dass sich dagegen Protest regt, ist nur verständlich. Was denkt Ihr dazu? Findet Ihr das Vorgehen von Twitter legitim? Und sind die Proteste in dieser Form gerechtfertigt? Diskutiert in den Kommentaren!

12 mal geteilt

22 Kommentare

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  • Und da sind sie wieder: Die "Wer braucht Twitter?" - Trolle.

    Gegenfrage: Wer braucht nutzlose Kommentare von Leuten, die gar nicht wissen, wovon sie reden?

    Zum Thema: Natürlich ist Twitter hier vollkommen im Recht. Aber interessiert mich das? Nö.
    Denn es stimmt: Ohne die Apps von Drittanbietern wäre der blaue Vogel wohl ganz schnell abgestürzt.
    Ich glaube.. nur "leidenschaftliche" Twitterer verstehen wirklich, was es bedeutet, wenn seine Lieblingsclients plötzlich wichtiger Funktionen beraubt werden.
    Und eben diese Nutzer(ohne die Twitter gar nicht funktionieren würde) sind es auch, die "emotional" auf diese Beschneidungen reagieren. Zu Recht, wie ich finde.

    Ich persönlich habe "Das Original" aber schlecht bewertet, weil es schlicht und ergreifend... Kacke³ ist.

  • Ein bisschen hinterhältig ist es ja schon, wenn man zunächst eine API veröffentlicht, mit der externe Entwickler auf die Twitter-Dienste zugreifen können, und dann, nachdem sich herausstellt dass diese Dritthersteller bessere Anwendungen schreiben können, als man selbst, die Nutzung der API so einschränkt, dass der Erfolg der Anwendungen beschränkt wird.
    Kein Wunder, dass die Entwickler verärgert sind.

  • Aaskereija: "Wie gut das ich Twitter total nutzlos finde :D"

    Dito!

  • Tja... wer SOWAS nutzt muss mit SOWAS rechnen.

  • Der Entwickler von 'Falcon Pro' hat mittlerweile seine App (aus Frust?) aus dem Playstore gelöscht . Wer als bisheriger Käufer die App noch nutzen will es wurde über den offiziellen Twitter Account @falcon_android dieser apk Link veröffentlicht.

    " They clearly got their eye on Falcon. Gonna lay low for a while. All existing users, remember you can use this APK : docs.google.com/file/d/0B0t8yJSTwEGaM0hkUEE0U0d5WHM/edit?usp=sharing"

  • Was ist eigentlich das Problem von gesponserten Tweets? Einfach diese als Nutzungsbedingung für die Api festlegen und gut is.

  • Bis jetzt haben sie eine Bewertung von 4,0. Das ist recht gut.

    Was ein echter Shitstorm im Playstore ist kann man an litres esehen:
    https://play.google.com/store/apps/details?id=ru.litres.android

    Die haben wegen ihrem Kampf gegen Moon+Reader immer noch
    5.540 1-Sterne-Bewertungen. Und die Durchschnittsbewertung liegt bei 2,6 Sternen.

  •   5

    Wie gut das ich Twitter total nutzlos finde :D

  • twitter ist ohne user nichts, user nutzen lieber apps von dritten...das sollte Herrn Twitter zu denken geben.

  •   18

    Ich finde Twitter ist zu 100 Prozent im recht. Fair oder nett ist anders aber das steht ja auch nicht zur Debatte.
    In Sachen Missbrauch der Kommentarfunktion im play store sehe ich es genauso. Richtig ist es nicht, die Funktion sollte sich ausschließlich auf die Anwendung beziehen aber wie wir bereits im Fall des moonreaders gesehen haben, funktioniert es. 10000 anonyme Mails wirken weniger, als 100 die öffentlich gemacht werden. Denn es ist ein kommerzielles Unternehmen und DAS ist die beschissenste Werbung, die existiert ^^

    An den ersten Kommentator:
    Wtf?
    Wir reden über Äpfel und du fängst mit Hamstern an :O

  • In dem... kein normaler Mensch.. als Argument weggelassen wird und statt dessen Ich benutzt wird. Dieses Guru gehabe, der meint zu wissen wie andere Welten auszusehen haben, ist als Argument nicht zu gebrauchen. Wir alle leben doch in einer eigende Welt, frei und selbstbestimmt. Und. auch wenn Facebook und co. nicht für jeden sich erschließt, so sollte der Respekt nicht verloren gehen. Das die Argumente viele Vorurteile bedient lasse ich mal außen vor.

  • Twitter soll seine offizielle App einfach mal besser machen. Kann doch nicht so schwer sein. Dann haben alle ihre Ruhe.

  • Wie kann sich ein User anders artikulieren dass er mit einem Zustand unzufrieden ist, als so.

  •   14

    Wer Falcon Pro weiterhin nutzen möchte,
    für den hat der Entwickler eine .apk zum Download bereitgestellt,
    Falcon Pro Funktioniert damit bei mir wieder1a,
    Artikel hierzu und Dl:
    http://www.smartdroid.de/falcon-pro-bleibt-dicht/

    Zu den Play Store Bewertungen, einerseits eine gute
    Orientierungs-Möglichkeit, anderseits durch die ungerechtfertigten
    negativen Bewertungen schlecht für die Entwickler,
    mir fällt auch nichts ein wie das Ganze optimiert werden könnte.
    Immer wider gerne für negative Bewertungen genommen:
    Apps die ausschließlich zur Freischaltung von „Pro-Version“
    und so ähnlichem gekauft werden,
    also die die kostenlose Version voraussetzen,
    von dem Kunden aber nicht installiert wurden,
    werden oftmals Betrugs Warnungen & Apps läßt sich nicht nutzen u.ä.veröffentlicht,
    dabei ist ausschließlich Error 40 für den „missglückten“ Kauf verantwortlich!

  • nox 24.06.2013 Link zum Kommentar

    Habt ihr nicht selber einst für miese Bewertungen im Play Store gesorgt in Verbindung mit dem Moon Reader?
    Ich weiß es war ein vertretbares Ziel.
    Es stellt aber eine klassische Frage nur halt in einer Onlineversion. Ab wann ist Gewalt verhältnismäßig und wieviel Gewalt darf überhaupt sein.

  • ich kann Ingo K. nur zustimmen ätzend so Leute wie "iche nicht du" die keine Ahnung von der Materie haben und deren Ansichten über die von jedem anderen stellen. Schön für dich, wenn du es nicht benötigst. Für mich ist Twitter meine Informationsquelle Nr. 1 nicht von Freunden sondern für meine Interessen, allgemeine News aber auch für meinen Job. Ich bekomme Infos über Twitter zeitnah, geordnet und gefiltert.

  • @iche nicht du Ich nutze sowohl Twitter als auch Facebook und insbesondere Twitter für die Kommunikation zwischen den echten Freunden, sogar mehr als über WhatsApp. Aber kein normaler Mensch baucht so einen dämlichen Kommentar, wie der von dir.

    "Wird damit nicht vielmehr das Bewertungssystem des Google Play Store missbraucht?" Genau das ist auch meine Ansicht, denn die Bewertungen sollten sich wirklich auf die App beziehen und da ist die Native-App zwar nicht das Gelbe vom Ei, aber auch keinen 1-Stern schlecht. Diesen Weg finde auch sehr grenzwertig als Aktion, wo bei ich auch die API-Beschneidung seitens Twitter auch ein Unding finde.

  • @iche nicht du:

    Bist Du schon auf die Idee gekommen, dass man Kanäle wie bspw. Twitter auch für Nachrichten (im Sinne von Neuigkeiten) nutzen kann?
    Ich habe in Twitter bspw. fast keine Bekannten/Freunde/etc, sondern die offiziellen Kanäle von ARD, Reuters, Androidpit etc.

  • In anderen Bereichen der Wirtschaft wird es ja auch geregelt. Denn auch der dritt Anbieter verdient sein Geld. Geregelt... Regeln.. sind wichtig, auch wenn das hier wenig auf Verständnis stoßen wird.

  • Soweit ich weiss ist Twitter nicht Open Source - daher kann der Entwickler das tun. Wenn das anderen nicht gefällt können die ja ein Open-Source Konkurenzprodukt starten.

    Privat nutze ich daher ja auch Linux statt Windows - ausser für einige ältere Spiele...

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