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Kommentar 4 Min Lesezeit 38 Kommentare

"True Social": Der seltsame Boom von Vero

Die Social-Media-Branche ist einerseits sehr beständig – Facebook, Twitter und Instagram sind seit Jahren angesagt – und andererseits sehr dynamisch, wie etwa der rasante Aufstieg von Snapchat gezeigt hat. Nun gibt es Vero, und jeder will bei dem neuen Dienst mit dem Slogan "True Social" dabei sein. Seltsam nur: Vero gibt es schon drei Jahre lang, warum also jetzt der Boom?

Bei Vero sieht alles ein bisschen so aus wie bei Instagram, nur mit düsterem Hintergrund. Zwar gibt es keine Stories, dafür Collections. Werbung gibt es nicht, dafür die Möglichkeit, Bilder nur mit ausgewählten Kontakten zu teilen statt mit der ganzen Welt. Drei Klassen gibt es: Enge Freunde, Freunde und Bekannte, dazu die Option, öffentlich und für alle sichtbar seine Bilder zu posten. "True Social" also, volle Kontrolle, wer was sieht, und das einfacher als bei Facebook, wo genau das gleiche durch die Einteilung von Kontakten in verschiedene Gruppen möglich ist.

Die Vero-App, die im Google Play Store als "ab 18" gelistet wird, dümpelte seit dem Start 2015 mehr oder weniger unbemerkt vor sich hin. Doch seit Kurzem steigt die Zahl der Mitglieder sprunghaft an. Jeder will auf einmal dabei sein, Instagram ist für manche Beobachter schon abgeschrieben.

Sex sells auf Social Media

Doch woher kommt der aktuelle Boom von Vero denn nun? Den Stein ins Rollen gebracht hat offenbar der Anbieter selbst, und zwar zusammen mit einer ganzen Reihe von vorwiegend weiblichen Influencern, viele davon recht zeigefreudige Cosplayer. Wie das Magazin OMR ermittelt hat, sind auffällig viele dieser bei Instagram beliebten Menschen in kurzer Zeit zu Vero gewechselt. Es wird vermutet, dass die Besitzer hierfür eine Menge Geld in die Hand genommen haben. Keine schlechte Strategie, denn Profile mit vielen Fans anderswo ziehen diese dann wiederum auch zu Vero, und irgendwann fragt jeder: "Bis Du schon bei Vero?" Ein Phänomen übrigens, das ich in Journalistenkreisen auf dem Mobile World Congress ebenfalls beobachtet habe. Keiner will die neusten Trends verpassen, und genau dadurch werden sie erst zum Trend.

vero
Vero hat ähnliche Funktionen wie andere Dienste und sieht sehr modern aus. / © AndroidPIT

Mal ehrlich: Sich zu bemühen, Nutzer zu gewinnen, ist das Letzte, was man den Besitzern von Vero vorwerfen kann. Einen Dienst, den niemand nutzt oder der nach drei Jahren immer noch nicht genug Geld abwirft, kann man nur entweder einstampfen oder versuchen zu beleben. Dass die Besitzer nicht aus dem Silicon Valley oder aus dynamischen Start-Up-Kreisen kommen, sondern aus der Oberschicht des Libanon – Milliardär Ayman Hariri ist der Sohn des früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri – spielt keine unmittelbare Rolle. Wie bei jedem Social-Media-Dienst sollten sich die Nutzer aber bewusst sein, wem sie da ihre Daten und Fotos anvertrauen. In einem Interview sagt Hariri: "Ich war frustriert davon, wie die großen Netzwerke mit der Privatsphäre ihrer Nutzer umgehen." Dass Vero nun schlagartig so beliebt wird, scheint den Gründer zu überraschen: "Wir konnten uns nicht darauf vorbereiten."

Vero kostet wohl bald Geld

Übrigens: Derzeit ist Vero kostenlos, doch ob das so bleibt, ist nicht sicher. Die aktuelle Aktion, nach der die erste Million Nutzer einen lebenslangen Gratis-Account erhalten, wurde nach Erreichen der Millionengrenze ohne Limit und "bis auf Weiteres" ausgedehnt.  Auf der Vero-Website heißt es jedoch, man werde die Preise für künftige Nutzer demnächst verkünden.

Ich werde Vero die nächste Zeit ein wenig intensiver testen. Bis jetzt fällt vor allem eines auf: Die App ist unheimlich langsam. Immer wieder passiert minutenlang gar nichts, Fehlermeldungen sind an der Tagesordnung. Man merkt, dass die Server nach – übertrieben formuliert – jahrelangem Nichtstun unter dem aktuellen Ansturm ächzen. Doch damit muss umgehen können, wer im Zentrum eines Hypes steht. Vor allem, wenn man ihn offenbar selbst ausgelöst hat.

Und, jetzt mal ehrlich: Seid Ihr auch schon bei Vero? ;)

Via: Heise Quelle: Vero, OMR, Forbes

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Top-Kommentare der Community

  • Sebo vor 2 Monaten

    Diesen ganzen Social Media Quatsch brauch man nicht. Was interessiert es mich wer gerade wo ist und was macht und wie die Konsistent des Morgenstuhl war?
    Ebenso was interessiert es andere was ich mach und wo ich bin? Außer die ganzen "Mitleser"
    Böse Stasis, bespitzelt jeden, aber jeder gibt hier alles von sich Preis.
    Diese ganzen Netzwerke hätten denen damals ne Menge Arbeit erspart.

    Was muss ich auch teilen und mitteilen was einem gefällt? Ist doch eh nur dafür das das Konsumverhalte der Menschen zu studieren, was in ist und was nicht...usw usf....

38 Kommentare

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  • So richtig verstehen tue ich das ganze nicht. Nun gut, ich bin eh eine andere Generation. Wir hatten ja früher Freunde, da gab es noch gar kein Facebook:-) Also auch als alter Mann (Mitte 50) bin ich soweit technikaffin, das ich ohne Probleme die Social Medien händeln kann. Ich bin auch bei Facebook, habe ich mich allerdings lange Jahre gegen gewehrt. Aber um an bestimmte Informationen zu kommen, und sei es nur von meinem Sportverein, muss man ja da sein. Nur der weitere Nutzen erschließt sich mir nicht. Mal ehrlich, mich interessiert nicht was andere zum Essen hatten, oder anderen belanglosen Schei..! Und es sollte umgekehrt auch keinen interessieren, was ich gerade mache. Aber die Welt ist wohl extrem oberflächlich geworden. Ich treffe meine Freunde lieber in der, wie man es heute nennt, Realität. Da unterhalten wir uns von Angesicht zu Angesicht und trinken dabei ein Bier. Daher brauche ich auch keine neue Sau, die durchs Netz gejagt wird. Soll ich jetzt auch noch auf Vero die Konsistenz meines Stuhlgangs teilen?
    Meine Erklärung für Social Medien ist, das die Jungen heute so wenige sind. War mein Jahrgang noch 1,5 Mill. sind es ja heute nur noch wenige Hunderttausend.
    Da braucht man sowas vielleicht, weil alle soweit auseinander wohnen. Wir brauchten nur auf die Straße gehen und man traf zig Kumpels.
    Das ist die einzig rationale Erklärung, welche die Jungen nicht schlecht aussehen lässt.
    Denn wenn das leben immer mehr im Netz stattfindet, haua, haua.
    Aber bitte, wenn`s scheen macht.


  • Installiert... Nutzt niemand den ich kenne... Deinstalliert.... Wo ist der Boom?
    ... Außer in den diversen Blogs???


  • Mat S. vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    Das ganz große Problem sind die Algorithmen, die für uns Nutzer total undurchsichtig sind und uns in unserer Reichweite beschränken. Ich habe erst gestern ein Video eines Fotografen gesehen der gesagt hat: "Ich hab auf Facebook zwar viele Fans, aber wenn ich ein Bild poste, dann sehen es vielleich 10% wenns hoch kommt. Das ist dann nur frustrierend und macht kein dann einfach keinen Spaß mehr. Denn ich poste ja meine Bilder auf der Plattform damit die Menschen sie sehen können und nicht damit die Plattform die Bilder vor ihnen versteckt."
    Und so geht es eben vielen Leuten die vor allem Content produzieren. Das Facebook die Reichweite beschränkt, in der Hoffnung dadurch Geld zu verdienen, stoßt vielen bitter auf. Aber nicht nur das: Facebook macht sich damit selbst kaputt. Und so haben neue Dienste wie jetzt Vero echt eine Chance, viele Nutzer abzugreifen. Der Hype kommt nicht gerade überraschend: Das 2018er Update führt eben diese Reichweitenbeschränkung jetzt auch bei Instagram ein. Und da viele "Influencer" darunter leiden, reichen schon wenige aus um eben einen Erdrutsch in Richtung Vero auszulösen.


    • C. F.
      • Blogger
      vor 2 Monaten Link zum Kommentar

      Dann frage ich mich, warum solche Leute nicht richtige social media wie GNUsocial oder Diaspora verwenden. Die haben zwar (noch) viel weniger user, aber dafür viel höhere Reichweite unter den usern. Und das ganze ohne Werbung, Tracking, etc...


  • Zum Thema vermeintliche Privatsphäre bei Vero lohnt ein Blick in den Kuketz Blog.

    "Vero: Die nächste »Social-Network« Sau wird durch’s Dorf getrieben"

    Allein durch Öffnen der App (ohne Registrierung) macht man sich schon nackig.


    • C. F.
      • Blogger
      vor 2 Monaten Link zum Kommentar

      Wenn Du Dich um Privatsphäre sorgst, dann geh doch mal zu https://webbkoll.dataskydd.net/en und gib in der Suchleiste androidpit.de ein. Viel Spaß beim lesen der Ergebnisse...


      • Aries vor 2 Monaten Link zum Kommentar

        Den Satz habe ich von Dir ja bereits über einen anderen Kanal gelesen. Plötzlich argumentierst Du mit den Argumenten, die wir zwei bei WhatsApp immer kritisiert haben.

        Das Tracking über Browser kann man einschränken, ja sogar recht weitgehend unterbinden. Das Tracking innerhalb eines Walled Garden kannst Du nur durch Datensparsamkeit kontrollieren. Je sparsamer du wirst, desto weniger Sinn macht die Mitgliedschaft.

        Ich jedenfalls mache nicht mit, nur weil gerade ein neuer Hype existiert. Die AGB sind sind ganz so, wie der Slogan vermuten lässt und zudem nicht auf deutsch. Wir haben doch dazu aufgerufen, die AGB lesen. Englisch verstehen die meisten nciht gut genug für juristische Texte. Nicht zuletzt frage ich mich, wenn ich DIenste aus den USA schon kritisch sehe, warum soll ich dann auf einen Dienst aus einem weniger freien Land vertrauen?

        Social Media war mal gut gedacht, mittlerweile dient es aber vornehmlich kommerziellen Interessen der Betreiber, aber auch politische Interessen lassen sich nicht mehr ausschließen. Nicht umsonst blockiert China vieles. Wirklich stabil ist der Libanon nicht. Kippt die politische Macht, könnten ganz schnell politische Interessen das Netzwerk überwachen.


      • C. F.
        • Blogger
        vor 2 Monaten Link zum Kommentar

        Ich argumentiere ja nichts. Ich habe lediglich webbkoll und AP als Beispiel genannt, wie man sich schon nackt auszieht, wenn man "nur" eine Webseite besucht und sich gleichzeitig um seine Daten und Privatsphäre sorgt. Drum empfehle ich in erster Linie GNUsocial oder Diaspora anstatt facebook, Mastodon als Twitter-Alternative


  • "der seltsame boom" in den Medien... sonst noch nie was gehört.


  • jeroME vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    lest mal die Nutzungsbedingungen genauer durch... da wird dir schwummerich. Ne , sowas wollten wir schon bei FB und bei Instagramm ned, deswegen erst gar nich installiert


    • C. F.
      • Blogger
      vor 2 Monaten Link zum Kommentar

      Was steht denn drin?


      • Aries vor 2 Monaten Link zum Kommentar

        Hast Du die AGB etwa nicht gelesen?

        Für die, die AGB nicht gelesen haben oder nicht verstanden haben: Vero teilt die Daten - genauso wie WhatsApp mit Facebook - innerhalb des Firmenverbundes.


  • Sebo vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    Diesen ganzen Social Media Quatsch brauch man nicht. Was interessiert es mich wer gerade wo ist und was macht und wie die Konsistent des Morgenstuhl war?
    Ebenso was interessiert es andere was ich mach und wo ich bin? Außer die ganzen "Mitleser"
    Böse Stasis, bespitzelt jeden, aber jeder gibt hier alles von sich Preis.
    Diese ganzen Netzwerke hätten denen damals ne Menge Arbeit erspart.

    Was muss ich auch teilen und mitteilen was einem gefällt? Ist doch eh nur dafür das das Konsumverhalte der Menschen zu studieren, was in ist und was nicht...usw usf....


  • in vero vanitas


  • Natürlich nutze ich Vero. Warum auch nicht? Mal ein bisschen offener werden, was Neues angeht, tut immer gut. Man darf nicht immer nur die Gefahren sehen.


  • Tenten vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    Dum spiro, vero.


  • Gibt es diese App nur im PlayStore? Bei Apple finde ich sie nicht. 😱

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