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#TBT: Als der harte Winter über die Künstliche Intelligenz hereinbrach
AI #TBT 4 Min Lesezeit 8 Kommentare

#TBT: Als der harte Winter über die Künstliche Intelligenz hereinbrach

Künstliche Intelligenz gilt heute als Allzweckwaffe für viele Probleme, doch das war nicht immer so. Bereits zwei KI-Winter gab es, und ein neuer könnte schon bald drohen. Doch warum bekam die Künstliche Intelligenz eigentlich kalte Füße?

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Was ist der KI-Winter?

Im Winter kühlt sich das Wetter ab, es wird - zumindest manchmal - frostig und ungemütlich. Das war in den als KI-Winter bezeichneten Perioden nicht anders, allerdings bezieht sich diese Abkühlung nicht auf die Wetterlage, sondern auf das Interesse, die Forschung und die Investitionen in den Bereich der Künstlichen Intelligenz. Aus verschiedenen Gründen gingen die in den bisher zwei KI-Wintern deutlich zurück - der KI-Winter hatte damit begonnen.

Erster KI-Winter 1974-1980

Mit den ersten maschinellen Übersetzungssystemen, die in den 1960er Jahren und damit in der Hochphase des Kalten Krieges aufkamen, startete der erste Hype der Technologie, die später als Künstliche Intelligenz für Furore sorgen sollte. Vor allem die USA stürzten sich auf die Möglichkeit, Nachrichten aus Russland und China möglichst schnell und automatisch übersetzen zu können, um dem Klassenfeind stets einen Schritt voraus zu sein. Selbst wenn sich schnell herausstellte, dass das alles doch nicht so einfach war wie gedacht, war damit der Grundstein für den KI-Boom gelegt.

Die amerikanische Defense Advanced Research Projects Agency, abgekürzt DARPA, investierte Unsummen in die KI-Entwicklung und trieb die Technologie voran, und das fast ohne Kontrolle oder strenge Bedingungen für die Forscher. Das Motto war: Hier habt Ihr Geld, macht was draus, und zwar schnell!

Zu hohe Erwartungen an die Künstliche Intelligenz

Das konnte nicht gut gehen. Das Mansfield Amendment zwang die DARPA dazu, die Spendierhosen auszuziehen und KI-Projekte ab sofort gezielter und kontrollierter zu fördern. Die Forscher wurden fortan kritischer beäugt, und das nicht nur in den USA: In Großbritannien veröffentlichte Professor Sir James Lighthill den sogenannten Lighthill-Report zur Künstlichen Intelligenz. Der kam zum Ergebnis, dass die KI ein kompletter Fehlschlag sei und nichts leisten könne, das nicht auch mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen erreichbar sei. Viele der hochgelobten KI-Algorithmen würden an Problemen der echten Welt sofort scheitern und seien nicht mehr als ein Spielzeug.

Dieser Schlag hatte gesessen. AI-Forscher wie Hans Moravec kritisierten auch ihre Kollegen, die viel zu hohe Erwartungen bei DARPA und Co. geweckt hätten und immer gewagtere Prognosen über die Wunderwerke der Künstlichen Intelligenz wagten. Das war kontraproduktiv: Mit der DARPA verlor eine der wichtigsten Förderer der KI das Interesse. Das SUR-Projekt zum Verstehen gesprochener Sprache der Carnegie Mellon University geriet zum Fiasko, und in der Folge wurden immer mehr Fördergelder weltweit gestrichen. Nun war er da, der erste KI-Winter.

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Zweiter KI-Winter 1987-1993

Im Laufe der 1980er Jahre entwickelte sich ein neues KI-System zu einem enormen Erfolg. Das erste kommerzielle KI-System hieß XCON, wurde ebenfalls an der Carnegie Mellon University entwickelt und versprach Einsparungen im Millionenhöhe für die Unternehmen, die es einsetzten. Die Programmiersprache LISP entstand und wurde der gemeinsame Nenner der KI-Entwickler. Bis 1985 war eine komplett neue KI-Industrie entstanden, die über eine Milliarde Dollar in die Entwicklung steckte. Dazu war auch spezialisierte LISP-Hardware nötig, welche die neue Sprache verstehen und umsetzen konnte.

Doch 1987 brach der Markt für diese Hardware komplett zusammen, denn das PC-Zeitalter brach mit den ersten Workstations von Unternehmen wie Sun Microsystems heran. Die machten die teuren LISP-Maschinen überflüssig, in die viele Konzerne so viel Geld gesteckt hatten. Die Computer, zu denen sich bald auch solche von IT-Giganten wie Apple und IBM gesellten, konnten einfach mehr. Eine komplette Industrie im Wert von einer halben Milliarde US-Dollar war innerhalb eines einzigen Jahres überflüssig geworden. Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder.

Es dauerte lange, bis sich die Industrie davon erholte, auch weil viele der hoch gelobten LISP-Unternehmen in der Folge scheiterten. Erst Anfang der 1990er Jahre begann sich die Künstliche Intelligenz zu erholen. Kleinere Projekte, die mit wenig Aufwand erfolgreich umgesetzt wurden, kamen der Technologie ebenso zugute wie die immer schneller steigenden Rechenleistungen und Speichermengen, die zudem immer günstiger wurden. Spätestens Mitte der 2000er Jahre stiegen auch staatliche Förderprogramme wieder deutlich an. Auch die DARPA erwachte beim Thema Künstliche Intelligenz wieder aus ihrem Dornröschenschlaf. Die EU pumpte ebenso hunderte Millionen in die KI wie China und Russland - der noch immer andauernde Boom der Künstlichen Intelligenz hatte begonnen.

Die Aussichten für die Zukunft

Und wie sind die Wetteraussichten heute für die KI? Kurz- bis mittelfristig auf jeden Fall heiter und sonnig mit einer ziemlich geringen Aussicht auf merkliche Abkühlung. Aber langfristig ist es durchaus möglich, dass der Künstlichen Intelligenz die hohen Erwartungen, die der Technologie momentan aufgeladen werden, erneut auf die Füße fallen. Und dann heißt es vielleicht doch wieder: Warm anziehen, der Winter kommt.

Quelle: The AI Winter

8 Kommentare

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  • KI, ist ein Wort, dem die Systeme halt im Alltagsgebrauch bei weitem nicht gerecht werden, darum gibt es für mich auch noch keine "KI", wenn das Marketing "KI" anpreist, dann lügen es schlicht weg, weil es einfach keine Intelligenz ist, sondern einfach ne hochentwickelte Software die aufs Lernen ausgelegt ist, aber halt nur nach den eingegebenen Parametern.... Und wenn sich das ändern sollte, dann kann man es ruhig mal KI nennen und dann sollte die Menschheit in Deckung gehen, denn wenn die KI merkt, wer sie da nutzt, oh weia.....


  • Solange das eigene Hirn 👉🥶👈 nicht einfriert, ist alles in Ordnung.
    Das Künstliche Intelligenz in Verbindung mit Mensch und Technik, ist schon sehr faszinierend. Solche Gedanken treibten uns schon in den 80er und 90er vor die Flimmerkiste... Wer kann sich noch an die Superhelden erinnern wie Bionic Six, der Sechs Millionen Dollar Mann, Galaxy Rangers, Robocop, Inspektor Gadget (Der vereinfachte Robocop),usw.


  • Der künstlichen Intelligenz würde etwas Abkühlung nicht schaden. Im Moment hyped das ja derart, dass praktisch alles als künstliche Intelligenz verkauft wird. Selbst das einfachste Miniprogramm ist nicht mehr nur Software, sondern KI. Im Zuge des Hypes werden Erwartungen geschürt, die die KI im Leben nicht in den nächsten Jahrzehnten erfüllen kann.


    • Selbst ne einfache programmierbare Kaffeemaschine, wird mittlerweile mit Künstlicher Intelligenz verscherbelt. Hab gesucht und gesucht aber keine KI gefunden.


    • Es gibt auch gar keine künstliche Intelligenz, alles nur Bullshitbingo und Marketing, schade nur dass aber auch so Tech-Magazine wie Apit immer wieder auf diesen Blödsinn reinfallen und einfach nur Pressemitteilungen abtippen anstatt mal selbst ein paar Fragen zu stellen.


  • Künstliche Intelligenz ist scheinbare Intelligenz ... und der nächste Winter kommt bestimmt.

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