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Smartphone-Fotografie: Die wichtigsten Begriffe erklärt [GLOSSAR]

Smartphones sind für viele längst zur Hauptkamera geworden. Doch wenn man sich ein bisschen mit den kleinen, potenten Knipsen beschäftigt, stolpert man immer wieder über Begriffe, mit denen man nicht unbedingt sofort etwas anfangen kann. Die wichtigsten Begriffe aus der Smartphone-Fotografie haben wir hier für Euch erklärt. 

xperia z2 camera teaser
© AndroidPIT

Blende 

Die Blende ist die Pupille der Kamera. Je weiter sie geöffnet ist, desto mehr Licht fällt auf den Sensor. In der Dunkelheit weiten sich unsere Pupillen, um noch etwas sehen zu können. Entsprechend muss die Blende je weiter geöffnet werden, je weniger Licht zur Verfügung steht. Blende und Belichtungszeit hängen also unmittelbar zusammen: Je größer die Blendenöffnung ist, desto kürzer ist die Belichtungszeit. Gleichzeitig verringert sich bei zunehmender Blendenöffnung die Tiefenschärfe, also der Bereich eines Bildes, der scharf dargestellt wird. 

Die maximale Blendenöffnung wird als f/x.xx angegeben - je kleiner die Zahl, desto größer die Blendenöffnung. Moderne Smartphones erreichen meistens Werte im Bereich von f/2,0 bis f/2,8.  

Verschlusszeit

Die Verschlusszeit oder Belichtungszeit ist die Zeit, in der Licht auf den Film beziehungsweise den Sensor gelangt, um ein Bild aufzunehmen. Die Belichtungsdauer wird in 1/xxx s (Sekunden) angegeben - 1/30 s entspricht also einer Dreißigstelsekunde. Je länger die Verschlusszeit, desto höher das Risiko von Verwacklungen. Kürzere Verschlusszeiten können durch Anhebung des ISO-Werts oder Öffnung der Blende erreicht werden; längere Verschlusszeiten eignen sich für künstlerische Wischeffekte im Bild und Langzeitaufnahmen. 

Weißabgleich

Unterschiedliche Arten von Licht haben unterschiedliche Temperaturen, die in der Einheit Kelvin gemessen werden. Tageslicht zum Beispiel (mittleres Sonnenlicht) hat eine Temperatur von 5.500 Kelvin, Kunstlicht bewegt sich hingegen in einem Bereich von 3.100 - 3.400 Kelvin.

color temparature
Farbtemperaturskala mit der entsprechenden Lichtfarbe. / © Hołek  / CC BY-SA-2.5-pl

Das menschliche Auge ist in der Lage, diese verschiedenen Lichtfarben automatisch auszugleichen, sodass wir neutrale Farben (Weiß, Grau, Schwarz) immer als solche wahrnehmen. Bei Digitalkameras benötigt man für diesen natürlichen “Seheindruck” den Weißabgleich (bei Smartphones meist automatisch). Nur mit dem richtigen Weißabgleich werden neutrale Farben auch als solche dargestellt. Unkorrekte Farben lassen sich im Nachhinein nur bedingt und unter Qualitätsverlust bearbeiten - deshalb sollte man beim Aufnehmen schon auf Farbstiche im Bild achten und im Zweifelsfall den Weißabgleich an die Beleuchtungssituation anpassen (Kunstlicht, Tageslicht, Bewölkt, Neonröhre etc.).   

Fokus 

Der Fokus ist die Funktion, die dafür sorgt, dass eine Aufnahme an der gewünschten Stelle scharf ist. Moderne Smartphone-Kameras verfügen in der Regel über einen Touch-Fokus: Hier tippt man einfach auf die Stelle im Sucherbild, die nachher auf der Aufnahme scharf sein soll, der Fokus richtet sich dann automatisch danach aus. Die Ermittlung der Schärfeebene erfolgt für gewöhnlich anhand von Tiefeninformationen und Kontrasten im Bild. Besonders bei schlechten Lichtverhältnissen kann es deshalb sein, dass die Kamera keinen Orientierungspunkt findet oder das Fokussieren länger dauert. Smartphones der unteren Preisklasse haben oft nur einen festen Fokus - hier kann man den Schärfebereich nicht selbst festlegen. 

Optischer Bildstabilisator (OIS)

Ein OIS soll die leichten Wackler ausgleichen, die man so gut wie nicht vermeiden kann, wenn man ein Foto aus der freien Hand macht. Je länger die Verschlusszeit (also die Zeit, in der ein Bild aufgenommen wird), desto schneller können sie ein Foto verhunzen. Außerdem werden Wackler je schneller sichtbar, desto mehr man an ein Motiv heranzoomt.

LG G2 studio 1
Die Kamera des LG G2 hat einen optischen Bildstabilisator (OIS). / © AndroidPIT

Es gibt zwei Arten von optischen Bildstabilisierern, entweder am Objektiv (bei Spiegelreflexkameras) oder am Bildsensor, also in der Kamera. Beide funktionieren ähnlich: Bewegliche optische Elemente gleichen die Bewegung aus, die von Sensoren in der Kamera erfasst wird. Diese Optimierung sorgt für weniger verwackelte Bilder, geht aber mit einem leichten Qualitätsverlust (in Form chromatischer Abberationen) einher.      

ISO

Ein Begriff aus der Zeit der analogen Fotografie, der die Lichtempfindlichkeit des Films beschreibt. Bei höherer Lichtempfindlichkeit (also höherer ISO-Zahl) kann man bei gleicher Belichtungszeit in dunkleren Umgebungen fotografieren. Die Emfpindlichkeit digitaler Bildsensoren kann manuell eingestellt werden, im Automatikmodus regeln die meisten Kameras das von selbst. Höhere Empfindlichkeit ist zwar gut bei schlechtem Licht, führt aber zu höherem Bildrauschen und Verlust von Detailschärfe. Die meisten Smartphone-Kameras beherrschen ISO-Werte zwischen 100 und 1.600.   

Bildrauschen

Als Bildrauschen bezeichnet man die kleinen Unregelmäßigkeiten im Bild, die keine oder fehlerhafte Farbinformationen beinhalten und in Farbe und/oder Helligkeit vom eigentlichen Bildinhalt abweichen. Für gewöhnlich steigt das Bildrauschen mit dem ISO-Wert, sichtbar wird es vor allem in dunklen Bildbereichen und bei schlechten Lichtverhältnissen. Zusätzlich gilt: Je geringer der Abstand zwischen den einzelnen Pixeln auf einem Sensor und je kleiner die Pixelgröße, desto weniger Photonen können die Pixel aufnehmen und desto mehr Rauschen entsteht. 

High Dynamic Range (HDR) 

High Dynamic Range bedeutet soviel wie hoher Kontrast- oder Dynamikumfang. Bilder, die mit dieser Technologie aufgenommen werden, stellen große Helligkeitsunterschiede besser dar als “gewöhnliche” Fotos. Das menschliche Auge ist in der Lage, einen deutlich größeren Kontrastumfang wahrzunehmen, als es Kamerasensoren können. 
Moderat bearbeitete HDR-Bilder kommen deshalb dem natürlichen Seheindruck deutlich näher, da Über- und Unterbelichtungen vermieden und mehr Bilddetails erhalten bleiben. Viele moderne Smartphones haben einen automatischen HDR-Modus, in dem ein Bild entweder aus einer Belichtungsreihe (meistens 3 Bilder) erzeugt wird oder die dunklen Bildbereiche von der Software künstlich aufgehellt und gleichzeitig helle Bildbereiche abgedunkelt werden. Mit Apps wie Snapseed kann auch im Nachhinein ein HDR-Effekt erzeugt werden. Zu Fluch und Segen dieser Möglichkeit habe ich mich hier geäußert

snapseed 1
Ein Beispiel für den Unterschied zwischen einem herkömmlichen Foto und einem mit Snapseeds "HDR Scape"-Funktion bearbeiteten Foto. / © AndroidPIT

HDR+

Eine HDR-Technologie, die zum Beispiel beim Nexus 5 zum Einsatz kommt. Der Modus (HDR+ ist nur ein Marketingbegriff) macht im Grunde nichts anderes als das, was man auch mit digitalen Spiegelreflexkameras macht, um ein HDR-Bild zu erzeugen: Die Kamera nimmt eine Belichtungsreihe von drei Bildern auf - eines davon unterbelichtet, eines korrekt und eines überbelichtet. So erhält man auch aus den dunklen und den hellen Bildbereichen Informationen, die der Sensor mit nur einem Bild nicht aufzeichnen könnte. Ein Algorithmus setzt die Bilder anschließend zusammen.   

Auflösung

Die Auflösung eines Bildes wird aus der Summe der Bildpunkte in der horizontalen sowie in der vertikalen Richtung errechnet und für gewöhnlich in Megapixel (MP) angegeben. Ein Beispiel: Ein Foto mit einer Auflösung von 5.344 x 4.008 Pixeln entspricht einer Auflösung von 22 Megapixeln (21.418.752 Pixel). Grundsätzlich gilt: Je höher die Auflösung, desto mehr Details enthält ein Bild, desto größer ist aber auch die Datei. 

photo resolution
Ein Vergleich der Bildgröße bei für Smartphones gängigen Auflösungen. / © AndroidPIT

Pixel

Ein Pixel oder ein Bildpunkt ist die kleinste Einheit in einem Foto. Jedes digitale Bild ist eine Zusammensetzung aus sehr vielen dieser Bildpunkte. Je mehr Pixel ein Bild hat, desto höher ist die Auflösung, der Detailreichtum und die Schärfe des Bildes. Mehr Pixel bedeutet aber nicht automatisch auch eine höhere allgemeine Bildqualität - auch die Größe des Sensors ist hier wichtig.

Megapixel 

Ein Megapixel entspricht einer Million Pixel. Die Auflösung von Bildern beziehungsweise Bildsensoren wird überlicherweise in Megapixel angegeben. Die Kameras von modernen Spitzen-Smartphones bieten in der Regel eine Auflösung zwischen 8 und 16 Megapixel, Sonys aktuelle Modelle Xperia Z1 und Z2 bringen es auf rund 20 MP und führen damit unter den Android-Smartphones das Feld an.   

UltraPixel

Ein Kunstbegriff von HTC, der mit dem HTC One (M7) eingeführt wurde. Im Grunde geht es hier um einen Paradigmenwechsel, weg von immer mehr Megapixeln und hin zu weniger und dafür größeren Bildpunkten. Die Idee dahinter ist, dass größere Bildpunkte mehr Licht aufnehmen können - laut HTC bis zu 300 Prozent mehr als gewöhnliche Smartphone-Kamerasensoren. Die Sensoren des HTC One (M7) und des One (M8) haben entsprechend nur eine Auflösung von 4 Megapixeln. 

Sensorgröße

Wie wir gelernt haben, sind Megapixel nicht alles - vielmehr ist die Größe des Sensors ausschlaggebend für ein gutes Foto. Je größer der Sensor, desto mehr Licht kann jeder einzelne der lichtempfindlichen Bildpunkte auf ihm aufnehmen, um ein Bild zu produzieren. Mehr Licht bedeutet mehr Informationen, und das bedeutet bessere Bilder mit einem größeren Dynamikumfang, weniger Bildrauschen und besseren Ergebnissen bei wenig Licht.  

sensor size
Zum Vergleich: Der Größenunterschied zwischen einem Sensor mit 1/3,2 Zoll (rot), 1/3 Zoll (grün) und einem Vollformatsensor ist gewaltig. / © AndroidPIT

Das Problem bei Smartphones ist: Um das Gerät selbst kompakt zu halten, muss auch der Bildsensor möglichst klein sein. Die meisten Smartphone-Kameras haben einen Sensor im Größenbereich von 1/3.2 Zoll bzw. 4,54 x 3,42 Millimeter. Der Sensor des HTC One ist mit 1/3 Zoll (4,8 x 3,6 mm) etwas größer. Zum Vergleich: Bei Profi-DSLR-Kameras misst der Sensor 36 x 24 Millimeter (Vollformat). Je mehr Megapixel auf den kleinen Sensor gequetscht werden, desto kleiner werden die einzelnen Bildpunkte, und desto weniger Informationen können sie aufnehmen. Deshalb ist es nicht unbedingt besser, mehr Megapixel zu haben.

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Top-Kommentare der Community

  • Henrik 11.06.2014

    Sehr guter Artikel ;-)

  •   56
    Nico Heister 11.06.2014

    Ganz einfach: Dieser Artikel ist eine Sammlung von Fachbegriffen und nicht auf einen bestimmten Hersteller ausgelegt. Sonys Xperia-Modelle werden aber auch noch im Artikel selbst erwähnt, ich zitiere:

    "Sonys aktuelle Modelle Xperia Z1 und Z2 bringen es auf rund 20 MP und führen damit unter den Android-Smartphones das Feld an."

    Das hast Du aber bestimmt nur überlesen...

  • Gaby S. 11.06.2014

    Das passt hier nicht her!

49 Kommentare

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  • Toller Artikel, DANKE!

    Habt ihr vielleicht noch Tipps welche Handys mit Kameras ausgestattet sind, die auch bewegte Motive einwandfrei fotografieren können? Mit dem Galaxy S3 klappte das hervorragend aber sonst habe ich noch kein neueres Modell gefunden :(

  • @ Johannes u.AP. ein Artikel der wirklich als gelungen zählt. Informativ und dem Usern Zweck dienlich. So hatte ich AP auch mal verstanden gehabt. Also,vielen Dank und ruhig etwas mehr davon.

  • Sehr toller Artikel. Hat wirklich Spaß gemacht zu lesen, auch wenn ich das Meiste bereits wusste. Weiter so!

  • Reicht für jeden Otto-Normal-Knipser hier, der nur am nölen und maulen ist und für den das Smartphone längst zur Hauptkamera geworden ist ;-)
    Kurze Übersicht mit dem grundsätzlichsten - passt!

  • Ein sehr guter Artikel.Aber es gibt immer diese Meckerköpfe.Leider.

  • danke für diesen artikel! die ganzen infos werden mir sicher in zukunft helfen entsprechende einstellungen optimaler zu nutzen. denn für alles sind die voreingestellten "auto-werte" sicher nicht brauchbar. es ist ja so - die smartphone kameras heute können eine ganze menge, aber kaum jemand nutzt das volle potential seiner cam und dann brauch man sich auch nicht wundern wenn die ergebnisse nicht stimmen.

    nochmal vielen dank für den artikel!

  • Super Artikel, der mehr Megapixelhype ist für mich recht unverständlich. Für Ottonormaluser reichen meines erachtens gut 8 MP wenn sie dafür eine gute Bildqualität liefern. Viele verstehen nur nicht, dass die Megapixel nicht aussagend sind für Bildqualität.

    • Ja das stimmt. Meine DSLR mit 12 kommt einer mit 18 locker hinterher! :D

    • Es würden sogar 2mp in den meisten Fällen reichen. Denn üblicherweise werden die Fotos unverändert in full Hd betrachtet, was wiederum 2mp entspricht. Erst bei Ausschnittsvergröserungen oder beim Ausdruck merkt man die höhere Auflösung.

  • Hey AP und Community,
    es wäre nett beim Thema Fokus, die Modi.....
    Mittenbetont
    Matrix
    Spot
    zu erklären..... die Begriffe stellen kein Problem dar, aber die
    Funktion schon eher... wann benutze ich welche Funktion und
    was für Aufnahmen mache ich am besten mit welchem Modi.
    LG

    • Diese Modi betreffen allerdings nicht den Fokus, also die Schärfeebene, sondern die Belichtungsmessung ;-)

      Wann Du welchen Modus nutzt, hängt von Deinem Motiv ab: Ist zum Beispiel dein Motiv im Zentrum des Suchers recht hell (Zum Beispiel ein Gesicht im Licht einer Kerze) und die Umgebung sehr dunkel, wird dein Smartphone bei der Matrix-(oder Mehrfeld-)Messung das Bild insgesamt zu hell belichten, da es einen Mittelwert aus mehreren Messfeldern berechnet.
      Bei der mittenbetonten Messung werden ebenfalls mehrere Messfelder herangezogen, allerdings wird die Beleuchtungssituation im Zentrum des Motivs stärker gewichtet als an den Bildrändern. Die Spotmessung schließlich bezieht sich nur auf einen kleinen Bereich in der Bildmitte.

  • Ich finde die Kamera von Nokia Lumia 1020 ist doch besser als beim Z2

  • super! +1

  • Sehr schönes Glossar und einfach erklärt. Ich würde noch Bokeh und Brennweite hinzufügen. Meine Freundin hat das g2 und ich das Z, ihres hat wesentlich weniger Brennweite und damit mehr Weitwinkel. Ist für Handyfotografie sehr praktisch mehr Weitwinkel zu haben. Bokeh könnte man eventuell beim Fokus einbauen und mit dem Thema Tiefenschärfe. Weiter so!

    •   23

      Handy-Kameras und eine variable Schärfentiefe - zwei Welten prallen aufeinander :D . Damit muss man sich bei Handy-Kameras nun wirklich nicht auseinandersetzen.
      Und wenn man möchte, dass die qualitativ ohnehin bescheidenen Handyfotos zu allem Überfluss auch noch möglichst stark verzerrt werden, dann ist eine möglichst kurze Brennweite praktisch, ansonsten aber nicht.

      • Bei der neuen Googlekamera gibt es, wenn ich mich nicht irre ein künstliches Bokeh. Es sieht wirklich schrecklich aus. :)

  • Informativer Artikel, gut erklärt.

  • Man könnte diese Reihe doch fortführen indem man auch andere Begriffe erklärt; Prozessor, Ram, Ppi usw... Danach könnte man Alles rund ums System rannehmen (Software halt) und danach wiederrum Rooten... Und es gibt sicherlich noch mehr interessante Gebiete und Begriffe die der Normalnutzer nicht kennt!

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