Nix verpassen? AndroidPIT bei Telegram

SmartHome-Bündnis: Amazon, Apple und Google ziehen an einem Strang

6 Min Lesezeit 6 min 24 Kommentare 24
Michael Büttner

Wer sein Zuhause smart machen will steht vor einigen Herausforderungen. Welches System passt zu welchem anderen System? Mit welchem Smartphone, Lautsprecher oder Fernseher kann ich das System befehligen? Auf welchen Standard setze ich beim ersten Produkt? Mit solchen Fragen soll aber bald Schluss sein. Denn die größten Anbieter wollen es Einheitlich und ein unbekannterer wird offener. 

Zwei gute Nachrichten für Fans von Smart-Home-Lösungen auf einen Streich: Ein paar der größten Tech-Firmen der Welt wollen ein einfaches System für einen einheitlichen Standard schaffen. Dazu will Silicon Labs und die Z-Wave-Alliance den Smart-Home-Standard Z-Wave offener gestalten.

Google, Amazon und Apple: Das Konglomerat ist mächtig

Wenn es um Endverbraucher-Technik geht, kommen wohl die wenigsten von uns an Google, Amazon oder Apple vorbei. Diese drei und die Zigbee Alliance wollen einen einzelnen Standard für die Kommunikation im Smart Home auf IP-Basis initialisieren. Damit soll es Entwicklern einfacher gemacht werden, neue Produkte auf den Markt zu bringen. Vor allem aber, soll die Kommunikation zwischen den Produkten so vereinfacht werden, dass quasi alles mit allem, also hersteller- und systemübergreifend - verbunden werden kann. 

Der Zusammenschluss der drei Tech-Giganten mit der Smart-Home-Allianz wird im Netz auf einer gesonderten Seite präsentiert. Das Ganze nennt sich „Project Connected Home over IP“. Ziel des Projektes ist laut den Informationen auf der Seite, „Geräteherstellern den Bau von Geräten zu erleichtern, die mit Smart Home- und Sprachdiensten kompatibel sind“. Als Beispiele werden hier Amazon Alexa, Apple Siri, Google Assistant und „anderen“ genannt. 

Der Google Home Mini / © AndroidPIT

Nicht nur Amazon, Google und Apple 

Dass es nicht nur die drei großen Unternehmen betrifft, wird dann klar, wenn man sich anschaut, welche Hersteller in der Zigbee-Alliance versteckt sind. Darunter sind unter anderem IKEA, Samsung SmartThings, Schneider Electric und Silicon Labs sowie Somfy. Damit hat man auch noch ein kleines How-is-how der Smart-Home-Anbieter im neuen Projekt versammelt. 

Das Ziel ist dabei weitreichend: „Das geplante Protokoll wird bestehende Technologien ergänzen. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe ermutigen die Gerätehersteller, weiterhin Innovationen mit den heute verfügbaren Technologien zu entwickeln“. Die Basis des Projekts ist das Internet Protokoll, IP. 

Über die Netzwerkschnittstellen WLAN bis zu WiFi 6 (802.11/a/b/g/n/ac/ax) und Bluetooth 5.0 soll die Kommunikation laufen. Doch damit nicht genug. Auch über die klassischen LAN-Kabel, also den Ethernet-Anschluss, und dem Mobilfunknetz sollen sich die einzelnen Komponenten im smarten Zuhause verbinden. 

Was das alles für Euch bringt? Die Allianz drückt es so aus: „Wenn die Arbeitsgruppe das Ziel erreicht, können die Kunden sicher sein, dass das Gerät Ihrer Wahl in Ihrem Heim funktioniert und dass sie es mit Ihrem bevorzugten System einrichten und steuern können“. Ihr könnt Euch also, so die Utopie, Gerätschaften kaufen wie Ihr wollt und alles funktioniert über den Standard, den Ihr am liebsten habt. 

Alte Geräte lassen sich nicht umrüsten

Was aber wohl nicht funktionieren wird ist, dass man bereits bestehende Produkte auf den neuen Standard umrüstet. Zumindest lässt sich das aus einer Aussage ableiten, die erklärt, dass man sich auf neue Produkte konzentrieren will. Der Grund wird nicht erklärt und ist wohl eher in den Vermarktungsbüros als in den Entwicklungsabteilungen zu suchen. 

Apples HomePod / © Google Immagini

Die ersten Produkte sollen wohl von den drei großen Anbietern kommen und Geräte beinhalten, die sich bewährt haben und nur angepasst werden müssen. Für Entwickler neuer Geräte sollen Ende 2020 die Spezifikationen des neuen Kommunikations-Protokolls bereitstehen. Dann können auch andere Anbieter mit neuen Produkten loslegen.

Für den Kunden sollen, abgesehen von der verbesserten Konnektivität zwischen einzelnen Produkten, keine Änderungen spürbar sein. Die einzelnen Plattformen werden weiter über die Individuellen Interfaces der einzelnen Anbieter gesteuert. Eine Einheits-App, Spracheingabe, Desktop-Steuerung oder einen einheitlichen Smart-Home-Hub soll es also nicht geben.

Z-Wave wird auch offener

Das Z-Wave-Konglomerat hat angekündigt die Spezifikationen seines Protokolls bis zum dritten Quartal 2020 ebenfalls zu öffnen. Damit wird der Standard für Heimautomation ebenfalls offener und kann open source genutzt werden. "Die Z-Wave Alliance wird dazu beitragen, die Interoperabilitätsprobleme zu lösen, die die Einführung von Smart-Home-Geräten behindern", sagte Mitch Klein, Geschäftsführer der Z-Wave Alliance. „Die Mitglieder werden gemeinsam an einer einzigen Sub-GHZ-Konnektivitätslösung arbeiten, die die Vorwärts- und Rückwärtskompatibilität, die Interoperabilität, die Sicherheit und die Robustheit gewährleistet, die für das Wachstum des IoT erforderlich sind. 

Die Chance für Smart-Home und das Risiko für die Sicherheit

Zwei Dinge haben die Entwicklung von Smart-Home-Lösungen bisher aufgehalten: Eine kräftige Portion Skepsis gegenüber der Datensicherheit und die Inkompatibilität unterschiedlicher Systeme und Produkte. Das zweitere ändert sich jetzt vielleicht. Und das ist wirklich eine sehr gute Nachricht. Denn gerade wenn die drei großen Anbieter Apple, Google und Amazon zusammenarbeiten und dann auch noch die vielen ebenfalls großen Mitglieder der ZigBee-Aliance – hier vor allem Samsung und IKEA – dann kann etwas richtig gutes entstehen.

Mehr Konnektivität ...

Mit der Aussicht werde ich mir den Markt nun doch mal genauer ansehen. Bisher habe ich mich vor einem intelligenten Zuhause gedrückt. Ich habe probehalber ein Bosch-Sicherheitssystem installiert, was aber bis auf die Überwachung meiner Bude nicht viel tut und damit der Spaßfaktor etwas eingeschränkt ist. Für eine Sicherheitslösung mit Kameras und Bewegungsmelder war und ist mir eine Insellösung lieber. Bosch hat sein System bei Bedarf abgeschirmt. Es kann aber auch mit Alexa verbunden werden, was die Datensicherheit wohl nicht gerade erhöhen dürfte. Doch zurück zum eigentlichen Thema. 

Bosch bietet eine Insellösung für sein SmartHome-System / © Amazon.de

Gerade die Kombination aus verschiedenen Produkten von unterschiedlichen Herstellern, aber mit einem gemeinsamen Standard, den man aber in der Bedienung gar nicht zu Gesicht bekommt, beziehungsweise den man nicht spürt, könnte zu einem echten Boom in der Smart-Home-Welt führen. Nicht gleich und wahrscheinlich auch nicht schon 2020, aber sobald sich ein solches System in den Köpfen der Nutzer etabliert hat und die Angst abgebaut ist, wird sich meiner Meinung nach das intelligente Zuhause kräftig verbreiten. 

… mit größerem Risiko?

Eines ist jedoch auch klar: Wenn es bald einen Standard gibt, der von Google, Apple, Amazon und Samsung festgelegt wird, werden sich kleine Anbieter, die nicht auf diesen Standard setzen, wohl vom Markt verschwinden. Das birgt ein Risiko: Insellösungen können sinnvoll sein. Gerade dann, wenn es um heikle Anwendungsfälle geht. Und wenn es diese nicht mehr gibt, wird man sich auf einen recht offenen Standard des Monopolisten verlassen müssen. Und wie mit Nutzerdaten in US-Firmen umgegangen wird, zeigten schon die 2019er-Datenskandale rund um die Audio-Transkriptionen von Apple, Google, Facebook, Amazon und Microsoft.

Das mag bei einem Ehestreit zwar unangenehm sein, bei der Überwachung von beispielsweise pflegebedürftigen Menschen oder Kindern und den damit verbundenen intimen Daten wie beispielsweise Krankheiten, muss man sich schon überlegen, ob man auf den Luxus eines smarten Zuhauses lieber pfeift.  

Was haltet Ihr von der Entwicklung? Feiert Ihr die bessere Konnektivität zwischen den Komponenten oder sorgt Ihr Euch um Eure Daten? 

MEHR ANZEIGEN

Kommentare

Kommentare

Beim Laden der Kommentare ist ein Fehler aufgetreten.