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6 Min Lesezeit 29 Kommentare

Siri Proactive vs. Google Now: Kann Apple das bessere Google sein?

Proactive nennt sich das neue Hirn von Apples Sprachassistent Siri. Und das kann einiges - wenn auch kaum etwas, das Google Now nicht schon lange kann. Aber kann Apple Google in seinem eigenen Spiel schlagen? Das zeigt unser erster Vergleich Siri Proactive vs. Google Now.

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Es ist wie all so oft: Google stellt eine Innovation vor und Apple nimmt sie, macht sie schöner, nutzerfreundlicher und verkauft sie als brandneu. So haben wir es nun auch wieder auf der WWDC 2015 erlebt. Denn wer zuhörte, als das neue Feature Proactive vorgestellt wurde, musste sich fühlen, als würde er eine Zusammenfassung der letzten Google I/O mit Einspielern aus I/Os der letzten Jahre sehen.

Was ist Proactive?

Siri ist Apples charismatischer Sprachassistent, der es Nutzern erlaubt, Informationen per Spracheingabe abzurufen. Was Siri bisher jedoch fehlte, ist Kontextbewusstsein. Auch war Siri bisher lediglich die Stimme des iPhones, nun soll es zu seinem Gehirn werden. Und dafür ist Proactive zuständig, denn es verleiht Siri ungeahnte Möglichkeiten. Ungeahnt zumindest für iPhone-Nutzer. Schauen wir, ob der Vergleich Siri Proactive vs. Google Now uns neue Erkenntnisse liefert.

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Siri soll dank Proactive nicht mehr nur noch auf Anfragen warten, sondern so proaktiv werden wie Google Now. / © Apple

Was kann Proactive?

Kurz gesagt: Nichts, das Google Now nicht schon länger kann. Betrachten wir ein paar Beispiele:

Nach Bildern suchen: iPhone-Nutzer werden in iOS 9 künftig die Möglichkeit haben, ihr Smartphone per Sprachbefehl nach ganz bestimmten Fotos zu durchsuchen, also bspw. “Zeige mir Bilder aus New York City”. Siri wird also zur Organisationsinstanz für das Smartphone und zeigt dann die gesuchten Bilder, ohne dass der Nutzer die Fotogalerie öffnen muss. Google Now bietet diese Möglichkeit bereits seit geraumer Zeit.

Infos aus E-Mails ziehen: Wer Google Now verwendet, weiß, dass Googles Assistent Inhalte bspw. von E-Mails durchsucht und so Termine wie Flüge und Verabredungen direkt in den Kalender eintragen und zur gegebenen Zeit daran erinnern kann, sich auf den Weg zu machen. Siris Proactive kopiert diese Intelligenz nun und bringt sie auf das iPhone.

Kontextbezogene Informationen: Was Google Now unter anderem so hilfreich macht, ist, dass es dem Nutzer Informationen bringt, bevor dieser um sie gebeten hat. Wenn ich Google Now aufrufe, finde ich dort im Idealfall Karten zu allen Dingen, die mich interessieren, seien es Sportergebnisse, Informationen zu öffentlichen Verkehrsmitteln oder Restaurants in der Nähe oder einfach das Wetter. Google Now ist also der Dreh- und Angelpunkt der Informationsbeschaffung in Android. 

Proactive macht Siri nun zu genau diesem Dreh- und Angelpunkt. So wird dem Nutzer oben genannte Informationen gegeben, wenn sie relevant sind und Apps vorschlagen, die der Nutzer seinem Nutzungsverhalten entsprechend zu bestimmten Zeiten oder an bestimmten Orten braucht. Dieses Feature kennen wir von diversen Android-Launchern wie z.B. Aviate. Auch hier sehen wir also ganz klar die Parallelen im Vergleich Siri Proactive vs. Google now.

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Kommt Euch dieser Bildschirm bekannt vor? Siri liefert dank Proactive all das, was Google Now teils schon seit 2012 kann. / © Apple

Kontextbewusstsein 2.0: Kontextsensitivität ist das Stichwort für die Technologie unserer Zeit. Was Android M auszeichnet und eine der größten Enthüllungen der Google I/O 2015 war, ist Now on Tap, die nächste Generation des Kontextverständnisses. Google versteht, was der Nutzer will, wenn er sich an Now wendet und hört zu, was für Musik man gerade hört oder liest mit, wenn man mit einem Freund chattet, und kann dann den Kontext einer Anfrage automatisch einordnen. Genau diese Fähigkeit hat Apple nun auch Siri verliehen. Öffne ich bspw. eine E-Mail und bitte Siri dann, mich “daran zu erinnern”, versteht Siri, was mit “daran” gemeint ist. Es sieht quasi, wo der Nutzer gerade hinschaut.

Durchsuchen von Apps: Auch dies ist ein Kern-Feature von Google Now, das allerdings noch in den Kinderschuhen steckt, also die Verschmelzung von Apps und Google Now. Der Gedanke dahinter ist, Google restlos mit jedem Aspekt des Smartphones zu vernetzen und die Schlucht zwischen App- und Web-Inhalten zu überbrücken. Wir können, wenn App-Entwickler die nötige API erst flächendeckend umgesetzt haben, Google Now eine Suchanfrage geben, und es wird uns passende Ergebnisse nicht nur aus dem Web ziehen, sondern direkt aus relevanten Apps, sofern wir sie haben.

Dank Proactive zieht Siri nun nach. Wenn der Nutzer also bspw. nach einem Rezept sucht und eine App auf dem iPhone hat, die Rezepte beinhaltet, wird Siri jene App durchsuchen und passende Suchergebnisse aus der App anzeigen und dem Nutzer den direkten Einstieg in die entsprechende App anbieten. Ich muss also nicht mehr einzelne Apps durchsuchen, sondern durchsuche mit Hilfe des zentralen Nervensystems des Smartphones, das sich in iOS 9 Siri nennt - und seit ein paar Jahren auf Android-Smartphones Google Now.

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Kalendereinträge kann Siri dank Proactive automatisch anlegen, indem es die nötigen Informationen aus E-Mails und dergleichen zieht. Wie Google Now. / © Apple

Proactive vs. Google Now: Der große Unterschied

Wenn sich Siri und Google Now also derart ähneln, was ist dann wirklich neu an Proactive? Neu ist vielleicht wenig, anders ist jedoch ein wichtiger Aspekt: Während Google Now 100 prozentig Cloud-basiert ist und eine Internetverbindung benötigt, verspricht Proactive, völlig lokal zu funktionieren, also auf dem Smartphone. 

Das soll konkret bedeuten, dass Apple im Gegensatz zu Google keine in der Cloud gespeicherten Nutzerprofile erstellt und die Anonymität des Nutzer so wahrt, denn alle Suchanfragen werden Smartphone-intern abgewickelt und nicht in der Cloud gespeichert. 

Das hat Vor- und Nachteile. Datenschützer werden sich ohne Zweifel freuen, sollte Apple seine Versprechen einhalten. Ein weiterer Vorzug dieser lokalen Verarbeitung von Suchanfragen ist die Tatsache, dass sie so in weiten Teilen auch offline funktioniert, ein Luxus, den Google uns vermutlich nie gewähren wird. Google Now ohne Internet ist unbrauchbar.

Doch es gibt auch einen Nachteil, denn die Cloud ist zugleich ein mächtiges Archiv, das sich nicht auf dem Mikrokosmos Smartphone replizieren lässt. Die Rechenleistung des zentralen, web-basierten Gehirns ist um ein kaum kalkulierbares Vielfaches größer, als das, was sich innerhalb des kleinen Käfigs machen lässt, den unser Smartphone darstellt. Was Proactive also ohne Cloud-Unterstützung leisten kann, bleibt abzuwarten. Schließlich ist Googles Datensammelwut, so verhasst sie auch sein mag, zugleich ein Grund dafür, dass es uns derart viele nützliche Informationen liefern kann. Hier wird sich zeigen müssen, ob Apples es auch ohne schafft.

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Wenn Nutzer Siri bitten, sie an etwas zu erinnern und bspw. gerade eine E-Mail offen ist, in der es um das geht, woran man erinnert werden möchte, kann Siri dank Proactive den Kontext der Erinnerungsanfrage verstehen. / © Apple

Fazit

Der Vergleich Siri Proactive vs. Google Now hat uns also wenig Neues gebracht. Funktional scheint Siri dank Proactive alles andere als eine Revolution zu sein, wir Android-Nutzer haben zumindest keinerlei dringenden Grund zum Neid. Aber auch hier gilt die alte Weisheit, dass fast alles, was Apple von Google klaut, am Ende besser umgesetzt ist. Daher haben wir Grund zur Hoffnung, dass das neue Siri am Ende auch uns Android-Nutzern zugutekommen wird, denn wenn es um intuitive und butterweiche Nutzererfahrungen geht, kann Google Now noch einiges lernen.

Top-Kommentare der Community

  • Nico R. 08.06.2015

    Der Abschnitt "Kontextbewusstsein 2.0" ist leider nicht richtig. Googles Now in Tap tut viel mehr als an eine E-Mail zu erinnern, es wertet die E-Mail auch aus und zeigt passende Aktionen an.

29 Kommentare

Neuen Kommentar schreiben:

  • Ich habe so das Gefühl als sei ich manchmal der einzige, der Google Now so gut findet.. ☺


    • 2-L 10.06.2015 Link zum Kommentar

      Alles okay! Kannst Du doch auch...


    • Das Gefühl hast nicht nur du. Ich denke auch oft, ich bin der einzige Mensch, der mit seinem Smartphone spricht und sich über jede akkurate Antwort und jede hilfreiche Kontextinformation freut ;)


      •   13

        Nein,seit ihr natürlich nicht. aber macht es Sinn, sich im Androidforum über Apple und sein Siri zu vergleichen? Ich benutze Google Now, und habe bisher was ich wissen wollte immwr richtig zur Antwort bekommen. Wer Siri besser findet muss zu Apple.oder?


      • Absolut, wer Siri will, hat nur Apple als Wahl. Aber ich denke, der Vergleich ergibt Sinn bzw. ist sogar wichtig. Wir wollen doch alle das bestmögliche Produkt nutzen, und da ist es doch interessant zu sehen, was die Konkurrenz so kann und was für den Nutzer (ob nun Android oder iOS oder Windows Phone) theoretisch möglich wäre. Und ja, vielleicht ist einem dieser Aspekt ja so wichtig, dass er sagt, "wenn das so ist, dann besorge ich mir vielleicht lieber ein iPhone", und dann wurde ihm auch geholfen :)


    • Du bist nicht allein...


  • Google now kann auch ohne Internet agieren, eben Dinge wie Termin erstellen, fragen beantworten deren Lösung kein Internet benötigt.


  • war nich die rede davon um " unglaublich neue technologien" vorzustellen , also irgendwie kommt mir das was sie vorgestellt haben ziemlich bekannt vor halt nur unter anderen namen


  • 2-L 09.06.2015 Link zum Kommentar

    Wer hier nun was und wann vom Anderen abkupfert, ist mir persönlich völlig boogey! Es wird doch von fast allen gemacht, weil das eben völlig normal ist, wenn etwas den Ton angibt. Und wenn es jemand dann sogar noch besser macht, ist das doch bestens.
    Und unterm Strich sind es doch auch nur Betriebssysteme oder Software, die sich aufgrund ihrer Nutzung auf Smartphones (egal welcher Marke), grundsätzlich ähneln werden. Das sehen wir doch schon seit X Jahren bei Linux, Windows, Mac OS & Co. Und dann gibt es ja noch diverse Portierungen von Apps auf die unterschiedlichen Betriebssysteme. Also alles in allem ein megaalter Hut und in etwa so weltbewegend, als wenn in China ein Säckchen Reis platzt!

    Andererseits wundere ich mich immer wieder, mit wie viel Enthusiasmus und kindlicher Freude, scheinbar nützliche Handy-Dienste wie Siri, GoogleNow & Co gefeiert werden, die definitiv auf unseren intimsten Nutzerdaten basieren, uns das Denken, Zeitmanagemant, Entscheidungen bzw. die eigene Aktivität (und ganz nebenbei auch unsere Privatsphäre) etc. etc. etc. abnehmen. Viele jubeln darüber, begreifen aber gar nicht, dass diese Dienste genau auch eine persönliche (und definitiv auch manipulierbare) Entmündigung von uns Usern darstellt. Man nimmt uns damit nämlich Dinge ab, die Grundlage unseres innersten Lebens, Denkens und unserer individuellen Persönlichkeit sind. Mich macht schon sehr nachdenklich, wenn solch ein Programm bzw. Anbieter für mich "wichtig" und "unwichtig" entscheidet oder mir meine Informationen (sahne)häppchenweise zuteilt. Und das fängt für mich auch schon da an, wenn mir GoogleNow ungefragt (auf der Grundlage meines persönlichen Standortes!!!) das momentane Wetter in den Benachrichtigungen einblendet. All das macht uns auf Dauer nämlich auch von ihnen in gewisser Weise abhängig.

    Bereits beim ganz normalen Googeln und den Stichworten, die immer zuallererst in den Suchergebnissen zu finden sind, merkt man doch, dass Big Google eindeutig die Fäden in der Hand hält und nicht der User. Auch die vielen vielen Einschränkungen der Google-Suche aufgrund irgendwelcher (rechtlicher) Belange, sind ein klares Zeichen. Objektiv sind doch alle diese Suchergebnisse schon gar nicht mehr, so lange man sich z. B. Topp-Erst-Einträge der Ergebnislisten von diversen Suchen bezahlen lässt.

    Wer weiß denn wirklich ganz genau, ob solche Software nicht doch ungefragt nach Hause telefoniert. Und wenn es nur heißt: "Am XY-Programm zur Verbesserung der Software" teilzunehmen...
    Keiner der riesigen Datenerfassungsmoloche - auch Apple - wird freiwillig auf transparente User (ob nun in Cloud oder lokal) verzichten wollen, deren persönliche Daten bzw. Vorlieben klare Steilvorlagen für das gesicherte große Geldverdienen mit wenig Aufwand sind.

    Die Menschen vergessen immer wieder, dass es solchen Unternehmen niemals vordergründig darum geht, uns etwas zu erleichtern, sondern immer wieder etwas zu finden, was uns lediglich das Geldausgeben und deren Gewinne erleichtert.


    • "Die Menschen vergessen immer wieder, dass es solchen Unternehmen niemals vordergründig darum geht, uns etwas zu erleichtern, sondern immer wieder etwas zu finden, was uns lediglich das Geldausgeben und deren Gewinne erleichtert."

      Ich glaube die menschen wissen das ganz genau. Deshalb gebe ich ja mein Geld diesem unternehmen, eben damit mir mein leben erleichtert wird.
      Schön ist es wenn mein Handy weiss was ich als nächstes machen will. Noch schöner ist es wenn auch nur das handy das weiss und keine krake die mir dazu noch passende werbung schickt.
      Und an dem Punkt hast du recht, wenn mein Telefon weiss ich gehe freitag abend gerne esse darf es mir Restaurant vorschläge machen, aber bitte keine restaurants die am meisten dafür zahlen vorgeschlagen zu werden.


      • 2-L 10.06.2015 Link zum Kommentar

        Dann ist das Deine - recht sorglose - Ansicht. Und das akzeptiere ich auch.
        Andererseits würdest Du Dir genau diese Dinge in Deinen eigenen 4 Wänden klar verbitten!
        Denk mal drüber nach...


    • Ich glaube du räumst dem ganzen doch ein wenig zu viel an Bedeutung ein.
      Nichts kann für mich in wichtig und unwichtig einteilen und süchtig nach etwas werde ich dadurch sicher auch nicht. Das sind alles Hilfsprogramme, die einem ein paar Handgriffe erleichtern, nicht mehr nicht weniger. Wenn ich etwas nicht will, dann muss ich es nicht nutzen.


    • Ja so funktioniert nun mal diese Mega Industrie! Je mehr man über einen Menschen weiß desto besser kann man seine Wünsche kennen, steuern und lenken!


  • Viel Interessanter ist die Frage wie das Pletztechnisch aussieht, wenn alle Funktionen auf dem Smartphone selbst laufen, hat man dann bei der 128GiB variante noch ganze 8 GiB über für eigene Daten? O_o


  • "Siri Proactive wird lokal auf dem Smartphone laufen, sammelt keine Daten...und erstellt keine Benutzerprofile" - wer's glaubt! Ich jedenfalls nicht. Was soll der Dienst denn dann leisten? So viele Informationen habe ich (bewusst) nicht auf dem Phone, für den Fall das es mal wegkommt.
    Ja, Google hat einen Haufen Informationen über mich. Wenigstens kann ich diese mit Google Now auch für mich nutzen. Von den Informationen über mich (Metadaten, unverschlüsselte e-mails und Webabrufe) die bei den Providern, Geheimdiensten und wer weiß wo noch anfallen, habe ich nichts. Andererseits sollte es für Google ein Leichtes sein, einen "Offline Modus" für GN einzuführen.


  • Moin Moin,
    ich als Android Nutzer wuenschte mir ein Google Pendant zu Siri dass charismatisch daher kaeme. Ich finde die Android Variante alles andere als benutzerfreundlich. Was nuetzt mir ein System mit dem ich nicht recht warm werde ..


  • Der Abschnitt "Kontextbewusstsein 2.0" ist leider nicht richtig. Googles Now in Tap tut viel mehr als an eine E-Mail zu erinnern, es wertet die E-Mail auch aus und zeigt passende Aktionen an.


  • nox 08.06.2015 Link zum Kommentar

    Google Now schreibt überhaupt nix selbständig in den Kalender. Ich fliege demnächst weg, Inbox zeigt mir meine Reisedaten und irgendwann wird mich GN auch daran erinnern, aber wenn ich im Kalender zu dem Datum gehe hab ich nix vor.

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