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Sharp Aquos V im Test: High-End-Smartphone aus der Zeitkapsel

Sharp Aquos V im Test: High-End-Smartphone aus der Zeitkapsel

Das würde Captain America gefallen: Sharp bringt Anfang 2020 ein neues Smartphone auf den Markt, das vom Design her eher ins Jahr 2016 passt und dessen Hardware 2017 für Forore gesorgt hätte. Der Anachronismus wird nun als Neuware zum Mittelklassepreis angeboten. Ob sich die Anschaffung trotzdem oder gerade deswegen lohnt, zeigt unser Test.

Bewertung

Pro

  • Hohe Performance
  • Gute Spieleleistung
  • Fairer Preis
  • Klinkenanschluss

Contra

  • Wertlose Dual-Kamera
  • Mono-Sound (auch -Aufnahme)
  • Mittelmäßige bis schwache Akkulaufzeit

Sharp Aquos V: Preis und Verfügbarkeit

Das Sharp Aquos V ist seit Januar 2020 in Deutschland erhältlich. Der empfohlene Einführungspreis (UVP) von 229 Euro hat sich bislang gehalten. Wir haben das Gerät im Preisvergleich auch zwei Monate nach Release noch nicht für unter 227 Euro gefunden. Es gibt nur das schwarze Modell zu kaufen.

In dem Preissegment (Smartphones bis 200 Euro) ist nur das Xiaomi Redmi Note 8T ein wirklicher Konkurrent. Dessen Grafikleistung ist zwar geringer, dafür hat es NFC, Quick Charge und eine bessere Kamera. Die Mutigen unter Euch können sich alternativ das minimal besser ausgestattete OnePlus 5T bei Zoxs besorgen und haben Vorteile bei der Versorgung mit Drittanbieter-Software sowie mit Ersatzteilen.

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Sharp erzielt den niedrigen Preis des Aquos V auch ohne Bloatware-Deals. / © AndroidPIT

Sharp Aquos V: Design und Verarbeitung

Abgesehen von den runden Ecken im Display könnte man meinen, das Sharp Aquos V sei im Jahr 2016 veröffentlicht worden. Sämtliche Design-Trends sind am Japaner vorbeigegangen : Die Selfie-Kamera befindet sich nicht in Notch oder Punch-Hole, sondern im vorhandenen Display-Rand. Headsets verbindet Ihr im ebenso vorhandenen Klinken-Anschluss. Die Display-Sperre löst Ihr über den sichtbar verbauten Fingerabdruck-Sensor.

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Display-Rand, Klinkenanschluss: Sharp baut mit dem Aquos ein Smartphone "wie früher". / © AndroidPIT

Bestellt Euch beim Kauf des Sharp Aquos V gleich noch ein Spray gegen Fettfinger mit. Denn Sowohl Rück- als auch Vorderseite des Smartphones verschmierten binnen weniger Sekunden unansehnlich. Mangels IP-Rating könnt Ihr das Gerät auch nicht regelmäßig abwaschen. Immerhin habt Ihr dank Gorilla Glass 5 keine schlimmen Kratzer zu befürchten, wenn Ihr es alle paar Minuten an Eurer Jeans sauber reibt.

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Wir mussten das Sharp Aquos V für dieses Foto eine Minute lang polieren. / © AndroidPIT

Sharp Aquos V: Display

Das Display des Sharp Aquos V ist blass und wirkt blaustichig-kühl. Die Kollegen von Notebookcheck messen ausreichend helle 500 Candela pro Quadratmeter. Auch sie sind von der Qualität des Displays zwar nicht enttäuscht, aber eher gelangweilt.

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Das Sharp Aquos V hat ein blass-kaltes Display. / © AndroidPIT

Sharp Aquos V: Software

Auf unserem Testgerät lief im März 2020 noch immer Android 9 mit Patch vom Oktober 2019. Sowohl Android 10 als auch der März-Patch wären da verfügbar gewesen. Warum Sharp den noch nicht liefert, ist völlig unklar. Schließlich hat der Hersteller keine sichtbare Modifikation an der Software vorgenommen: Das Sharp Aquos V könnte als Android-One-Gerät durchgehen, wenn man es nicht besser wüsste.

Es ist mühelos möglich, den Bootloader zu entsperren und die Software durch ein Custom-ROM zu ersetzen. Leider gibt es für ein letzteres aufgrund der geringen Zahl potenzieller Abnehmer keine Entwickler. Heißt, wenn Sharp weiterhin keine Updates liefert, seid Ihr einfach aufgeschmissen.

Es sei anzumerken, dass unser Testmuster offenbar bereits entsperrt wurde. Eine entsprechende Warnung ("Your device software can't [sic!] for corruption!") beim Startvorgang suggeriert uns dies.

Sharp Aquos V: Performance

Im Sharp Aquos V werkelt der 2017er Top-Chipsatz Qualcomm Snapdragon 835. Dieser hat seinerzeit unter anderem das OnePlus 5 angetrieben. Wenig überraschend erscheinen also Benchmark-Ergebnisse (Basemark GPU 1.2 Medium, zwischen 3.000 und 3.400 Punkten) in Vergleichstabellen direkt neben denen von Samsung Galaxy Note 8, Honor 10 oder OnePlus 5.

Auch der interne Speicher des Typs UFS 2.0 verdient das Prädikat "alt, aber gut"; viele Smartphones der Preisklasse nutzen noch billigeren eMMC, der deutlich weniger Speicherdurchsatz bietet. Das Sharp Aquos V profitiert also in Form von kurzen Ladezeiten.

Sharp Aquos V: Audio

Mono rein, Mono raus : Der Gehäuselautsprecher des Sharp Aquos V gibt am unteren Rand blechernen Mono-Sound aus. Wenn Ihr Videos aufzeichnet, haben sie ebenfalls nur Mono-Sound. Das Mikrofon nimmt neben der Sprache auch jedes Windgeräusch mit; Telefonate im Freien mit lauten Umgebungsgeräuschen dürften damit also schwierig werden.

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Der Klang am Ohr ist schön laut, aber Umgebungsgeräusche kann das Sharp Aquos V nicht herausfiltern. / © AndroidPIT

Das mitgelieferte Headset liefert einen erheblich schöneren Klang. Dasselbe gilt leider nicht für das Mikrofon. Das klingt unglaublich dumpf, so als würde man durch eine dicke Tür miteinander sprechen.

Sharp Aquos V: Kamera

Die Qualität der Kameras lässt sich als "mittelmäßig bis gut" zusammenfassen. Hinten finden wir zwei 13-MP-Kameras vor. Ich habe spaßeshalber den oberen der beiden Sensoren einmal zugehalten und bin alle Kamera- und Video-Modi sowie Zoom-Stufen durchgegangen. Der Sensor scheint komplett wirkungslos zu sein. Selbst die Bokeh-Effekte gelangen komplett ohne ihn. Die Blende öffnet übrigens auf F/2.

Die Hauptkamera bietet …

  • 4K-Videos (3840 x 2160) mit 30 FPS
  • elektronisch stabilisierte Full-HD-Videos
  • Zeitlupen-Videos in 720p
  • Einen stabilisierten Zeitraffer-Modus
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Die obere der beiden Kameras im Sharp Aquos V könnt Ihr getrost zukleben. / © AndroidPIT

Die Selfie-Cam löst mit acht Megapixeln auf (ebenfalls F/2-Blende) und kann …

  • Bokeh
  • "Verschönerung" (macht Bereiche mit Hauttönen unscharf)
  • Zeitraffer
  • elektronisch stabilisiertes 1080p

Sharp Aquos V: Akku

Der mittelmäßig große 3.160-mAh-Akku hält bei unserem frisch ausgepackten und neu eingerichteten Muster des Sharp Aquos V natürlich noch wunderbar lang durch. Bei längerer Nutzungsdauer und nach dem Installieren einiger Dutzend Apps gingen jedoch Smartphones mit ähnlicher Konfiguration oft schnell in die Knie.

Notebookcheck konnte im Labortest eine Bildschirmzeit von rund zwölf Stunden messen. Denselben Test bestand das Samsung Galaxy M30s (ab 249 Euro) jedoch mit einem 60 Prozent besseren Ergebnis – und das erhielt inzwischen sogar Android 10 (wir haben berichtet).

Sharp legt dem Aquos V ein 10-Watt-Ladegerät bei, das das Smartphone binnen knapp zwei Stunden voll auflädt. Der Neugier wegen habe ich ein Quick-Charge-3.0-Ladegerät ans Aquos V angeschlossen; das lud das Smartphone jedoch nicht schneller auf. Offenbar hat Sharp an der Lizenz für den Treiber der Schnellladetechnologie gespart.

Sharp Aquos V: Technische Daten

Abmessungen: 157 x 76 x 9 mm
Gewicht: 173 g
Akkukapazität: 3160 mAh
Display-Größe: 5,9 Zoll
Display-Technologie: LCD
Bildschirm: 2160 x 1080 Pixel (409 ppi)
Kamera vorne: 8 Megapixel
Kamera hinten: 13 Megapixel
Blitz: LED
Android-Version: 9 - Pie
Benutzeroberfläche: Stock Android
RAM: 4 GB
Interner Speicher: 64 GB
Wechselspeicher: microSD
Chipsatz: Qualcomm Snapdragon 835
Anzahl Kerne: 8
Max. Taktung: 2,35 GHz
Konnektivität: HSPA, LTE, Dual-SIM , Bluetooth 5.0

Abschließendes Urteil

Sharp wagt mit dem Aquos V ein spannendes Experiment. Anstelle auf neue Mittelklasse-Hardware zu setzen, kaufen die Japaner Restbestände alter Top-Tier-Komponenten. Die Rechnung könnte aufgehen, würde der Hersteller die starke Hardware mit entsprechend optimierter Software ausreizen. Doch bisher entpuppt sich das vielversprechende Konzept in vielen Belangen als zahnloser Tiger.

Die tägliche Arbeit und vor allem Gaming machen mit dem Sharp Aquos V Spaß, wenn man das blasse Display verschmerzt und das Headset verwendet. Aber vor allem bei der Kamera geht großes Potenzial verloren, hat doch die Kamera-Software beim OnePlus 5 dereinst große Sprünge im Vergleich zu seinen Vorgängern machen können. Dank Optimierungen in der App kamen Unschärfe-Effekte, kontrastreiche Aufnahmen im Dunkeln und alles in allem die Farben viel schöner zum Vorschein. Hier hat Sharp wahrlich gepatzt.

Falls Sharp deutliche Verbesserungen in der Software nachreichen kann und die Fehler im Testmuster behebt, werden wir den Test entsprechend anpassen. Bis dahin empfehlen wir die in der Preis-Sektion genannten Alternativen.

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14 Kommentare

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  • Das Design der Vorderseite gefällt mir ausgesprochen gut. Ich hatte ja nie etwas gegen solche Display-Ränder, so lange sich deren Maße in Grenzen hielten. Mich erinnert es stark an mein damaliges Galaxy A8 (2018).

    Das Teil ist dennoch nichts für mich (auch nicht als 2t-Gerät). Da kaufe ich mir lieber ein 12 Monate altes Flaggschiff. Ich glaube auch nicht, dass Sharp so viel Erfahrung beim Bau von Smartphones hat, wie zB Samsung und Co.

    Ich kann mir das Gerät sehr wohl für die breite Masse vorstellen, sofern Discounter wie Aldi oder Lidl es ins Sortiment nehmen. Aber die Auswahl an Geräten auf diesem Sektor ist riesig.

    Peter


    • Würd ich so nicht sagen, dass Sharp wenig Erfahrungen im Smartphone-Bereich hat. Seit der 2000er Wende produzieren sie Handys, auch wenn es nur für den japanischen bzw. asiatischen Markt bestimmt war.
      Interessant fand ich z.B. das erste Aquos Crystal aus dem Jahr 2014, das mit seinem Design und dem äußerst dünnen Rahmen womöglich Hersteller wie Xiaomi (z.B. das erste Mi Mix) und Essential Phone als Inspirationsquelle diente.


    • Finde ich auch. Genau so sollte eine Vorderseite eines Smartphones aussehen. Oben ein Rand, wo alle Sensoren plus Lautsprecher und Kamera untergebracht ist und das Display ist frei von Notch und Loch.


  • Der Punkt mit der zweiten Kamera dürfte wahrscheinlich bei so gut wie allen Smartphones mit "Kamera für Tiefeninformationen" so ein. Die sind allesamt sinnlos und verbessern gar nichts. Würde mich teilweise nicht mal wundern, wenn da nur Dummies verbaut werden...

    Rein optisch gefällt es mir zumindest. Schließlich sind die Rahmen ums Display symmetrisch und das lässt es schon mal durchdachter aussehen, als so gut wie alle Flaggschiffe von 2020 (und 2019).


  • Hübsches Gerät mit gutem Preis, auch wenn der Akku und das Display nicht so dolle sein mögen. Danke für diesen Artikel. Und für Freunde der kleineren Displays könnte das durchaus eine Überlegung wert sein, wenn man mit den Nachteilen leben kann. Sicherheitspatches sollten aber aktueller sein ... weiß nicht ob Sharp hier zu den "Guten" gehören will...


  • Wenn alle Phones 2020 so aussehen würden wäre das super . Finde es sieht super aus . Könnte ich mir als 2.Gerät gut vorstellen .


  • Finde das neue Smartphone ziemlich gelungen.


  • "....Sämtliche Design-Trends sind am Japaner vorbeigegangen : Die Selfie-Kamera befindet sich nicht in Notch oder Punch-Hole, sondern im vorhandenen Display-Rand. ..."

    Achso, Notch und Loch sind Design-Features. Und ich Trottel dachte, es handelte sich um Kompromisse der schmalen Ränder wegen.


    • Naja stimmt doch. Es sind Design-Trends. Ob die hauptsächlich daher kommen, die Ränder schmaler zu machen, spielt da nicht wirklich eine Rolle.


  • Wieso schreibt ihr immer so negativ wenn ein Smartphone mal keine Notch hat? Ein schmaler Rand ist allemal schöner als eine Notch oder ein Loch im Display.


  • Erinnert sehr stark am nokia 8 (sirocco). Aber im positiven Sinne!

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