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Kommentar 4 Min Lesezeit 56 Kommentare

Samsung Infinity Flex: Auf Wiedersehen, Android. Es war schön mit Dir!

OK, ich gebe zu: Der Titel ist vielleicht etwas reißerisch und stimmt auch nicht ganz – Samsung setzt weiterhin auf Android. Allerdings ist der Kern richtig: Samsung entwächst der Android-Plattform und macht zukünftig sein eigenes Ding mit dem Ziel ein eigenes Ökosystem à la Apple aufzubauen. Das hat Konsequenzen – vor allem für diejenigen, die nicht auf Samsung-Technologie setzen wollen. Ein Kommentar.

Samsung Infinity Flex – der Start einer neuen Geräteklasse

Als Samsung in San Francisco im Rahmen der Samsung Developer Conference (SDC) 2018 sein neues flexibles Display zeigte, war allen Zuschauern schnell klar: So könnten in der Zukunft tatsächlich eine Vielzahl neuer Geräte aussehen. Justin Denison, der Corporate Vice President von Samsung Electronics America, zeigte auf der Bühne einen Erlkönig der neuen Geräteklasse und macht dabei klar, dass die echten Telefone erst in ein paar Monaten verfügbar seine. Es gehe nun erstmal darum Content – also Apps – für den neuen Formfaktor zu erstellen. Dabei arbeite man auch mit Google zusammen und werde hierfür auch einen eigenen Store aufbauen. Man sei sich sicher, dass faltbare Displays der Formfaktor für die nächsten zehn Jahre sei.

Den genauen Formfaktor zeigt Samsung aktuell noch nicht – wahrscheinlich lässt sich ein potentielles Gerät (das wir wahrscheinlich auf dem MWC im März 2019 zu sehen bekommen) auch mehrfach falten. Mehrfach betonen die Sprecher auf der Keynote, man brauche jetzt spannende und kreative Anwendungen, um die Displays sinnvoll mit mehreren aktiven Fenstern ausnutzen zu können.

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Das Konzept des faltbaren Displays / © Samsung

Klappt der Plan, kommt kaum jemand mehr an Samsung vorbei

In meinem Artikel schrieb ich noch, dass Samsung versuchen könnte sich von Android zu befreien und auf Tizen zu setzen. Ich habe mich getäuscht! Denn Samsung und Google versuchen beide den App-Markt für faltbare Displays auszurollen. Gleichzeitig kündigte Samsung aber an, zukünftig auf all seinen Geräten den eigenen Store „Galaxy Store“ pushen zu wollen. Und ganz nebenbei: Mit One UI, der neuen Samsung-Oberfläche für alle Geräte, wolle man ein ganz eigenes Kundenerlebnis anbieten. Kurz gesagt: Man braucht Android zukünftig nur noch für das eigentliche Betriebssystem, setzt aber komplett auf eigene Software und das eigene Ökosystem.

Android wird damit sehr austauschbar und ist im Grund dann das Selbe, was Unix bei Mac OS ist – ein Unterbau, den Nutzer nicht mehr zu Gesicht bekommen. Dass Google das Ganze mit befeuert, dürfte nur daran liegen, dass man weiterhin über Google Maps und die Suche Zugriff auf die vielen Kundendaten hat. Samsung geht nun aber den Schritt sich komplett aus dem bisherigen Android-Ökosystem zu entziehen und versucht mit einer kompletten Verknüpfung aller Dienste es Apple nachzumachen und ein einheitliches Kundenerlebnis zu gestalten.

Der große Gewinner heißt Samsung. Denn man schlägt mit dieser Strategie gleich mehrere Fliegen auf einmal:

  1. Kunden, die einmal im Samsung-Ökosystem gelandet sind, werden nicht mehr so einfach auf andere Marken zurückgreifen. Es ist nicht nur die besten Kundenbindung, sondern – viel besser noch – man bringt die Kunden dazu auch zu anderen Samsung-Produkten zu greifen. Denn alles ist dann sinnvoll miteinander verknüpft und damit steuerbar.
  2. Schafft es Samsung mit Google zusammen ausreichend Content für die neue Plattform rund um faltbare Displays zu schaffen, baut sich Samsung einen neuen Markt für ihre Displays auf. Andere Hersteller müssten, um nicht komplett ins Hintertreffen zu geraten, Displays aus dem Hause Samsung beziehen. Selber solch faltbare Displays herzustellen, dürfte für die meisten Unternehmen ausscheiden. Wie komplex die Technologie ist, zeigt alleine schon die Entwicklungszeit: Das erste Mal zeigt Samsung das Konzept vor fünf Jahren! Dabei ist Samsung echter Display-Experte und dürfte die wohl besten Ingenieure für dieses Thema haben.

Nicht traurig sein, Android. Das Leben geht weiter.

Für Android geht die Reise weiter. Allerdings rutscht die Software in den Hintergrund und die Marken holen sich die Macht zurück. Ein Schritt, der aus Unternehmenssicht lange überfällig war. Man war zu austausch- und damit auch irgendwie erpressbar.

Samsung geht nun als erstes Unternehmen diesen Schritt und emanzipiert sich. Ich bin mir sicher: Andere werden ebenfalls versuchen diesen Schritt zu gehen. Nach 10 Jahren „Android First“ ist wohl jetzt die Zeit, dass man sich zukünftig wieder sehr viel bewusster für ein Ökosystem entscheidet, das nicht von Google gesteuert wird. Wettbewerb hat noch nie geschadet.

Mal sehen, was die Zukunft bringt.

Top-Kommentare der Community

  • 👿 J. G. 👿 vor 1 Woche

    Danke für den tollen Kommentar und die (meiner Meinung nach) weitgehend korrekte Bewertung. Wie "oberflächlich" und desinteressiert der Konsument ist und somit letztlich den eigenen Interessen zuwider handelt, zeigt der Mißerfolg von BlackBerry OS10: das Echtzeitbetriebssystem enthielt nahezu alles, was das (kritische) Herz begehrte. Es war laufstabil (kein Freeze), sehr ressourcenschonend, Mikrokernel, hohe Benchmarks bei mittlerer Hardware, gut personalisierbar, extrem schadsoftwareresistent, hohes Maß an Steuerungsmöglichkeiten hinsichtlich Berechtigungen/App-Zugriffe, hoch innovativ, sehr guter Software-Support (4 Major Updates in 1 1/2 Jahren!), gute Reparierbarkeit (das Z10 bekam dafür einen Preis/Auszeichnung), Klinke, wechselbarer Akku....
    Es scheiterte dann jedoch (wenn man von der absoluten Marketing-Legastenie des Konzerns absieht) an der fehlenden Bereitschaft des Konsumenten über den Tellerrand schauen zu wollen. BlackBerry Verträge galten als sehr kompliziert (stimmte auch bis OS7.1), wo man zwei Datenvolumenpakete buchen musste- Provider und BlackBerry APN) und Blackberry bot im eigenen Store nur wenige Apps für die App-Messies.
    Niemand interessierte sich für die Tatsache, dass ab BBOS10 jedes BlackBerry in identischen Verträgen mit gleicher Datenvolumenvernichtung wie Apple und Android zu kaufen war. Niemand interessierte damalig Internetsicherheit (ist ja heute noch so!), niemand beachtete, dass man auf einem BlackBerry alle Blackberry-Apps und über 90% aller Android-Apps installieren und laufen lassen konnte und niemand interessierte sich für Softwarepflege. Niemand interessierte sich für die nahezu ausnahmslos beste Empfangs- und Sprachqualität (ist ja auch nur ein Telefon) und niemand begriff, dass man fehlende Apps oftmals auch nur über den Internetbrowser abrufen konnte...

    Der Konsument will Facebook, Instagram, Google und WhatsApp und will auf keinen Fall seine Gewohnheiten umstellen oder gar darüber nachdenken, ob nicht etwas anderes besser sein könnte... Und nun sind wir bei einem Oligopol von Apple und Google und Android ist an den Grenzen der Leistungsfähigkeit.
    Ob Tizen oder Fuchsia oder OS10- die Tage des klassischen Android sind gezählt und der Konsument wird alles schlucken, wenn es nur seine Gewohnheiten bedient- oder seine Eitelkeit!

  • Tamriko Aravin (თამრიკო არავინ) vor 1 Woche

    In München? Und wie sollen die dem System deutsch beibringen?
    Ich Scherze nur... Ich bin ein großer Fan von den südlichen Bundesländern 😉

  • Stephan Eckstein vor 1 Woche

    Jain. Produkte brauchen Kunden. Produkte, die den Kunden nicht bei seinen Bedürfnissen abholen, werden nicht verkauft. Da spielt es keine Rolle, wie innovativ sie sind.

    Letztlich ist es ein Insellösung und sie funktioniert nicht, wenn das Ökosystem nicht groß genug ist und die Hardware an der Mode vorbei geht. Sollte Apple (wird wohl nicht so schnell passieren) einbrechen, interessiert es auch hinterher niemanden, wie gut Darwin-Systeme waren und da gibt es einiges, dass im System besser als bei Android läuft.

    OS/2 war z.B. deutlich besser als Windows 95. Und?

  • Tenten vor 1 Woche

    Oh, mit Münchner Dialekt. Ob man das alles in Hamburg verstehen wird? ;D

56 Kommentare

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  • Der Euphorie um diese "neue" Welt wird nach der "Konferenz" schnell Ernüchterung folgen. Aber es kann schon sein, wenn Samsung es schafft das Ökosystem aufzubauen und zu pflegen, dass dann der stupide Kunde drauf abfährt, 1500 € für ein faltbares Ding auszugeben, das alles kann, außer Kaffee kochen..... LG ist aber auch dran und vielleicht überraschen die noch mit einem gelungenen Display im biegbaren Format. Im Bereich der LG Fernseher gibt es das ja schon ... ob man das igendwo kaufen kann, weiß ich aber nicht.


  • Android wird bleiben... Samsung hat's doch schon mit Tizen versucht... Und wer nutzt Tizen?


  • Finde Flex Displays an sich toll aber ich würde im entfalteten Zustand jetzt nicht unbedingt ein 1:1 Format wählen. Für Muktitasking ist das sicherlich nicht schlecht aber gerade bei Filmen/Videos oder auch den meisten Spielen ist das pure Platzverschwendung.


  • Ich will weiterhin die Stifteingabe wie bei den Notes...hat für mich pers. einen absoluten Mehrwert.


    • Fabien Roehlinger
      • Admin
      • Staff
      vor 1 Woche Link zum Kommentar

      Ich glaub nicht, dass daran gerüttelt wird. Eher im Gegenteil: Samsung baut die Möglichkeiten an dieser Stelle immer weiter aus.


    • Ich denke dass, wenn sich dieses faltbare Smartphone durchsetzen wird, wir in einigen Jahren eine Fusion der Note-Reihe und der faltbaren phones sehen werden. Es bietet sich einfach perfekt an.


  • Ich möchte kein Falter sein.


  • Sehr gut geschrieben. Super Artikel. Danke.

    Ich bin trotzdem sehr gespannt. Einfach weil viel Neues auf uns zukommt. Das wird sehr interessant. Sollte Samsung tatsächlich Apple Konkurrenz einer eigenen OS machen, dann wäre es doch eigentlich gut. Könnte sich z.B. auf die Preise auswirken. Aber sollte Samsung alle Vorteile von Android mitnehmen und es durch seine OS trotzdem schaffen genauso flüssig zu laufen wie IOS (keine Mikroruckler) in seinen Apps, dann wird es für Apple im Smartphonesektor sehr eng denke ich.


  • Also ich habe in dem Video kein Erlkönig gesehen, einen Prototypen vielleicht, evtl auch einen Technologieträger. Aber das was da gezeigt wurde ist so weit weg von einem verkaufsfähigem Gerät wie Apple von Android.


  • Habe mir eben das Video von dem Klapp Phone angeschaut und muß sagen mich reizt das in dieser Form kein bißchen .
    Ich finde Android super und wenn es wirklich so kommen sollte , daß jeder sein eigenes Süppchen kocht bleibe ich so lange es geht bei Android.


  • Vor ein paar Monaten haben hier alle noch Android One als den Schritt in die richtige Richtung bejubelt.
    Nun soll dieser jeder kocht sein eigenes Süppchen wieder das non plus ultra sein. Was für ein Quatsch. Ein Ökosystem wie bei Apple wird es bei Android nie geben, und das ist auch gut so.! Denn dS dürfte jedem klar sein es bringt bei weitem nicht nur Vorteile.


  • Ist mir egal, Marken sind mir unwichtig, hauptsache mein Telefon funktioniert und ist nicht teuer. Habe jetzt ein Xiaomi und bin vollkommen zufrieden damit.


  • Samsung wird nächstes Jahr rasieren :D


  • Samsung hat tolle Hardware aber immer Probleme mit Software. Meist grottig und schlecht gepflegt. Dieser ewige Kampf mit Apple kann sich Samsung nur solange leisten, wie es genug Geld verdient.

    Ich setze entweder auf offene Plattformen oder Apple. Aber NICHT Samsung.


  • Na ob dieses Konzept das Smartphone der nächsten zehn Jahre zeigt, bleibt wirklich abzuwarten... ich habe da doch sehr große Skepsis, nachdem man noch nicht mal ein richtiges Produkt gezeigt hat, sondern eigentlich nur mal wieder einen Prototypen...

    Und auch ein Ökosystem ála Apple muss Samsung natürlich auch erstmal liefern. In der Vergangenheit hat Samsung das oft genug versucht und es nie auch nur Ansatzweise geglückt. Allein wenn ich an die grottige Synchronisation zwischen meinem Note8 und dem Tab S3 denke, was gar nicht mal so weit zurückliegt...
    Samsung muss wie gesagt erstmal liefern, bevor man sich überhaupt Gedanken darüber macht, was das am ganz weit entfernten Ende bedeutet...

    Finde zudem interessant, dass angeblich jetzt doch plötzlich viele beeindruckt von dem Konzept sind und darin die Zukunft sehen, obwohl es im wesentlichen fast genau so kam, wie zuvor erwartet und da hat niemand einen Sinn darin gesehen...

    Ich bleibe skeptisch. Denn aktuell sehe ich in diesem Konzept keine Smartphone-revolutionierende Zukunft. Eine neue Kategorie, ja, aber mehr nicht.

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