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Galaxy Gear im ersten Test: Der nächste Smartwatch-Flop

Verfasst von: Andreas Seeger — 04.09.2013

Mit der Galaxy Gear hat Samsung endlich die Smartwatch präsentiert, nach der die halbe Tech-Welt seit Monaten lechzt. Ich konnte sie bereits testen und muss Euch leider sagen: Gemessen an den Erwartungen ist das Ding eine Riesenenttäuschung. Die hochgehypte Uhr wird der nächste große Smartwatch-Flop. [Update vom 05.09.2013, 12:42 Uhr: Mittlerweile wurde auch ein Preis genannt. Die Gear soll 299 Euro kosten, am 25. September startet der Verkauf. Mehr Infos dazu findet Ihr hier bei uns.]

galaxy gear teaser alternative
Das S-Voice-Interface auf der Galaxy Gear. / © AndroidPIT

Der Klotz am Arm

Ich wusste es, als ich das Ding zum ersten Mal gesehen habe. Samsung hatte extra eine PR-Managerin und den Designer der Uhr aus Korea nach Berlin fliegen lassen, um das Schmuckstück angemessen zu präsentieren. Das stand sie also neben der PowerPoint-Projektion, lächelte schüchtern und schob den linken Ärmel hoch, an dem die Gear zum Vorschein kam. Vermutet hatte ich es schon, weil die Beule unter dem Stoff einfach unübersehbar war. Es hat eine gewisse Tragik, dass ausgerechnet die Personen, die an der Entwicklung beteiligt waren, exemplarisch aufzeigen, warum die Gear floppen wird: Für normale Menschen ist sie schlicht zu groß und zu klobig. 

galaxy gear kamera
Ganz schön mächtig: Die Galaxy Gear hat eine Kamera im Armband integriert. / © AndroidPIT

Auch das Design finde ich total misslungen, weil es die protzige Größe noch mal unterstreicht. Ein massiver Metallrahmen, der mit gut sichtbaren Schrauben am Gehäuse fixiert ist, umgibt das für eine Uhr gewaltige Display (1,63 Zoll, AMOLED, 320  x 320 Pixel), festgehalten wird er von einem dicken Kunststoffband, das wiederrum mit Hilfe einer Metallklammer am Handgelenk festgezurrt wird. In sechs unterschiedlichen Farbkombinationen wird es die Gear geben (von schwarz bis "wild orange").

Die Begleituhr

Samsung bewirbt die Gear als "perfect companion device for the Galaxy Note 3", und genau so so muss man sie auch verstehen. Ohne ein Smartphone, das als Steuerzentrale fungiert, ist die Uhr völlig nutzlos. Der Datenaustausch erfolgt über Bluetooth, die Initiierung erfolgt über NFC, was einfach und problemlos funktionert. Danach hat man über die App "Gear Manager" Zugriff auf eine Fülle an Uhren-Designs, oder auf speziell angepasste Apps, etwa Runtastic. Über den integrierten Bewegungssensor zählt die Uhr nämlich auf Wunsch die Schritte beim Jogging, um nur ein Anwendungsbeispiel zu nennen. Mit Stand September gibt es circa 70 Gear-Apps, so Samsung. 

galaxy gear gear manager
Ohne den Gear Manager ist die Galaxy Gear so gut wie nutzlos. / © AndroidPIT

In das Armband hat Samsung eine 1,9-Megapixel-Kamera integriert, die immer dann zum Einsatz kommen soll, wenn man ein schnelles Foto machen will, ohne dafür extra das Smartphone aus der Tasche zu ziehen. Die in James-Bond-Manier geknipsten Bildchen werden automatisch mit dem Smartphone synchronisiert, sobald man die Kamera-App auf der Uhr beendet. Ein Blick auf die Fotos, die auf dem Telefon in einer automatisch angelegten Galerie abgespeichert werden, bestätigt, was im Prinzip vorher schon klar war: Die Qualität ist mies, die Bildchen faktisch kaum zu irgendetwas zu gebrauchen. 

Der Spätzünder

Die Interaktion mit dem Smartphone ist das bestimmende Element. Die Galaxy Gear bietet etwa Zugriff auf Samsungs Smartphone-Sprachsteuerung S Voice, außerdem wird man auf dem Uhren-Display benachrichtigt, wenn eine E-Mail eintrudelt oder ein Termin ansteht. Über die integrierte Lautsprecher-/Mikrofon-Kombination kann man auch telefonieren, was ich allerdings nicht ausprobiert habe. 

galaxy gear clock
Über den Gear Manager hat man Zugriff auf eine Fülle an Uhren-Designs. / © AndroidPIT

Dafür habe ich viele andere Sachen ausprobiert und dabei ist mir aufgefallen, dass das proprietäre System (es handelt sich um eine stark veränderte Version von Android) nur mit Verzögerung auf Eingaben reagiert. Das Starten der Foto-App dauerte gefühlt zwei Sekunden und beim Wechsel zwischen den einzeln Menü-Einträgen vergeht immer ein Wimpernschlag. Man steuert die Uhr übrigens von Menü zu Menü, indem man horizontal über den Touchscreen wischt, ein Wisch von oben nach unten führt dagegen immer zurück in die nächsthöhere Menüebene. Wenn man sich irgendwo verlaufen hat, drückt man einfach die einzige physische Taste rechts oben.

Ich kann mir keinen Reim auf die Trägheit des Systems machen. Die Auflösung ist niedrig, nur wenige Pixel müssen angesteuert werden, der Prozessor scheint mit einer Taktrate von 800 MHz und 512 MB RAM ausreichend für diese bescheidene Aufgabe gerüstet. 

galaxy gear pogo pins
In diesen Kasten muss man die Gear jeden Abend stecken, um nachzuladen. / © AndroidPIT

Erfolg mit Trial & Error 

Die Tatsache, dass der Akku laut Samsung gerade mal einen Tag hält, und dass man das Gerät zum Aufladen in einen speziellen Ladekäfig stecken muss (bei dem es sich im Prinzip um einen Adapter für die Pogo-Pins handelt), ist nur der letzte Sargnagel der Galaxy Gear. Ob Samsung selbst an einen Erfolg glaubt? Ich habe meine Zweifel. Aber im Gerätesegment agieren die Koreaner seit Jahren mit der selben Unbekümmertheit, die auch Google auszeichnet: Trial & Error wird zur Kunstform erhoben, Produkte werden einfach auf den Markt geworfen und dann wird geschaut, was passiert. Dieser Strategie verdanken wir Innovationen wie das Galaxy Note, das die Phablet-Ära ja bekanntlich eingeleitet hat. 

Technische Daten

GALAXY GEAR  
Prozessor 800 MHz
Arbeitsspeicher 512 MB RAM
Display 1,63 Zoll Super AMOLED (320 x 320)
Kamera 1,9 MP
Video Codec: H.264, MP4, HD (720p)
Konnektivität Bluetooth 4.0, BLE
Sensoren Beschleunigungssensor, Gyroskop
Speicher 4 GB intern
Akku 315 mAh
Abmessungen 36,8 x 56,6 x 11,1 mm
Gewicht 73,8 g
Verfügbarkeit September 2013

Fazit: Die Tech-Welt hat umsonst gewartet

Die Galaxy Gear wird der nächste große Smartwatch-Flop und ich frage mich, wie viele noch folgen werden, bis die Welt endlich begreift, dass dieses Produktkonzept momentan zum Scheitern verdammt ist. Kein Mensch braucht eine Uhr als ein verlängertes Smartphone-Display, dazu fehlt einfach der Mehrwert. In fünf Jahren vielleicht, wenn flexible Displays marktfähig und günstig sind, dann, ja dann vielleicht. Aber jetzt? Jetzt warte ich eigentlich nur noch darauf, dass Apple eine ähnliche Uhr bringt und sich damit eine blutige Nase holt. Pebble, I'm Watch, Sony SmartWatch, Galaxy Gear: Der Friedhof der Smartwatches, er füllt sich langsam.

Video

Der studierte Historiker hat schon für viele verschiedene Publikationen im Mobilfunkbereich gearbeitet, unter anderem für Europas größtes Telekommunikationsmagazin CONNECT. Er ist an der Ostsee aufgewachsen, lebt aber schon seit mehr als 12 Jahren in Berlin. Das Meer vermisst er immer noch.

57 Kommentare

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  • Hallo Tim,
    wir schreiben deshalb auch vom "ersten Test", auch besser bekannt als "Hands-On". Die Vorgehensweise (Erste Eindrücke und darüber schreiben) ist Standard in der Tech-Szene.

    Einen ausführlichen Test zur Gear machen wir natürlich auch noch.

    Andreas

  • Wow, ein bisschen auf der Messe mit der Gear rumspielen wird heutzutage schon als Test verkauft? Na dann gehe ich jetzt mal in den MM oder zu Saturn und teste ein paar Smartphones ...

    Btw: ja, ich habe die Gear schon da.

  • Guter Artikel, wäre gut wenn ihr ihn als Kommentar kennzeichnet^^

  • @Simon Brendel: Das Problem ist, dass eine Smartwatch eher nur eine Erweiterung zum Smartphone sein soll. ich nutze die Smartwatch von Sony schon einige Zeit und diese hat mir schon gute Dienste in Meetings, im Auto etc. geleistet. Aber eben vor allem, um Mails zu lesen und Anrufe entgegenzunehmen bzw. diese via Smartwatch abzulehnen (z.B. in Meetings) und eine automatisierte SMS zu schicken.

    Das funktioniert mit meinem Nexus 4 super und da ergibt so eine Smartwatch Sinn. Der große Unterschied zur Gear ist einerseits, dass ich kein Galaxy-Gerät benötige und am Wichtigsten ist, dass die Smartwatch mich nur 80 Euro gekostet hat.

    Bei 300 Euro lege ich noch 50 Euro drauf und kaufe mir das neue Nexus 5!

  • Ich warte auch die Apple Uhr ab... gleiche Chancen für alle, nur denke ich das diese auch nur mit iPhone kompatible ist. Geht eigendlich auch ja nicht anders.

  • Na ja, der größte Murks ist doch die "Ladestation". Solange man seine Watch nicht einfach irgendwo ablegen kann um es zu laden, ohne jedesmal damit rumwurschteln zu müssen, wird das eh nichts. Und das es mit den jetzigen Pins zum Laden Probleme gibt, ist abzusehen.

  • Also eine Uhr ist und bleibt ein Mode-Asseccoire und muss daher stylisch aussehen. Das Aussehen der Uhr ist für mich daher genau so wichtig wie meine Kleidung beispielsweiße. Aber diese Uhr sieht einfach nur kacke aus. Das Design kommt mir irgendwie so vor wie aus einem SyFy Film aus den 80er 90er. Und am schlimmsten ist die Kamera im Armband. Das sieht einfach..... da fehlen mir die Worte. Mit sowas würden mich doch alle auslachen.
    Das Beste ist auch noc, dass man in Grunde beide Hände braucht um die Uhrzeit abzulesen. Das schaffe ich am Smartphone sogar mit einer. Ansonsten interessant wäre da eher schon ein GPS Sensor gewesen um wenigstens den sportlichen Aspekt etwas hervorzuheben. Zum Joggen, Radfahren. Was bringt mir Runtastic, wenn ich sowieso mein zb. S4 mitschleppen muss für den GPS Empfang. Und die ganzen Schrittzähler Sensoren sind eh mist. Und 300 Euro? NIEMALS. Das wird ein Flop.
    Da warte ich lieber auf Apple. Bin zwar kein Apple Fan. Besitze alles von Samsung vom Kühlschrank über Laptop bis hin zum Smartphone und Tablet. Aber was das Design angeht, haben mir Apple Produkte eigentlich schon immer gefallen. Vorallem ab dem Iphone 4. Wenn deren iWatch auch in diese Richtung geht, könnte ich mir einen Umstieg auf das iPhone vorstellen.

  • Ich hab schon immer gesagt diese Dinger sind vollkommen nutzlos, oder kann mir irgendwer einen guten Verwendungszweck für eine "Smart" Watch sagen, der 299€ wert ist? (Und der nicht von einer Normalen Uhr oder einem Handy erfüllt werden kann)

  • Was für ein dämlicher Artikel - ein bisschen Objektivität wäre in meinen Augen angemessen.

    Warum die Uhr so schlecht sein soll, wie sie vom Autor des Artikels gemacht wird, wird jedenfalls rein anhand der geschilderten technischen Features und Merkmale nicht klar...

  • Eigentlich doch ein guter Anfang.

  • Ach, da warte ich lieber auf die Sony SmartWatch 2 ...

  • Guter Artikel. Endlich traut sich jemand zu sagen, was gefühlt die ganze Welt denkt - außer Samsung. Aber nein, so weltfremd kann eigentlich niemand sein. Genauso, wie kaum ein Mensch in der Öffentlichkeit mit Siri quatscht, wird auch kein Mensch in der Öffentlichkeit mit seinem Handgelenk sprechen. So ein Unsinn; dass das keiner von den Verantwortlichen bei Samsung kapiert, verstehe ich nicht.

    Tägliches Akku-Aufladen über diese hässliche Ladestation - Was soll das? Verzögerungen bei der Bedienung trotz ausreichend Power und niedriger Auflösung - Unverständlich. Kleiner Speicher ohne Erweiterungsmöglichkeit - Ohne Worte. Das Bild mit der asynchronen Uhrzeit spricht Bände.

    Darum ist es gut, dass es Redakteure gibt, die ihren Kopf nicht in jede dunkle Öffnung stecken, um eine Kelle aus dem Werbetopf zubekommen und auch mal sagen, wenn was sch***e läuft. Wie Andreas schon sagt: Die Zeit (bzw. die Technik) ist einfach noch nicht reif dafür.

  • 15

    Hoffen wir mal dass Google da was besseres baut.
    Samsung Zeigt wie man es nicht machen soll.
    Nur 2 Geräte werden unterstützt? Fail.
    Hat eine Kamera! Aber was will ich mit einer schlechten Kamera?
    Viel zu globig. Wurde nicht noch vor einem Jahr mit den Flexiblen Displays geprahlt? Hier! wäre der beste Einsatzzweck (Oder gibts Probleme mit den Displays? soweit ich weiß baut LG(???) auch schon welche).
    Und, Kopplung mit dem Phone sollte Optional sein! (Am besten egal ob iOS oder Android, da gibts wenigstens einen größeren guten Markt!)

  • Es gibt den iPod nano, von Apple...

  • Die Größe mag ich, ich trage gerne große Uhren, bin aber auch 1,95m... aber es stimmt schon eine Verlängerung des Smartphones brauch ich nicht. Intersannt wäre es gewesen mit z.B. eigenen gps Modul um dann fürs joggen mit runtastic auch wirklich kein Smartphone mehr mit schleppen zu müssen etc. pp. und dann jeden Tag aufladen? No way

  • samsung wirbt als hätten sie die Smartwatches erfunden oder verschiedene Kommentare lassen vermuten es wäre was neues dabei gibt es schon sehr lange smartwatches z.b Sony smartwatch und die finde ich ist viel schicker bessere Funktionen das Konzept wurde einfach besser umgewandelt und dass schon lange for dieser Samsung gear traurig...

  • also auf den Bildern sieht die jetzt nicht so klobig aus. sie wirkt weder all zu dick, noch all zu gross. 1.63" entspricht ca. 4cm, meine fossil ist nicht viel kleiner. einzig das bunte Gummi Armand wirkt fehl an platz.

    das die Uhr nur mit Samsungs Top Geräten kompatibel ist, ist ein riesen Fehler.

  • Tim 05.09.2013 Link zum Kommentar

    Hätte Samsung den ganzen überflüssigen Mist (NFC, Kamera, Lautsprecher, Mikro) mal besser weggelassen. Dann würde auch die Akkulaufzeit passen und das Ding vielleicht nicht ganz so klobig ausfallen... Hauptsache mal alles reingequetscht... aber nichts richtig gemacht.

  • Ja und. genau das sollte auch im Vordergrund stehen, als Info Unterstützung zum Smartphone. Nicht mehr und nicht weniger. Dann wird man auch mit der Akkuleistung zurecht kommen.

  • Nehmt die Pebble! Die kann alles was man braucht. Uhrzeit, natürlich!, ständig im Blick. Nützliche Mittteilungen vom Smartphone wie SMS, Mail, Anrufer-ID, WhatsApp-Messages, usw.. Fotos mit der Uhr und weiterer Unsinn kann die Pebble nicht, aber Laufzeit ist ca. 7 Tage und ich schaue gefühlt 70% weniger auf das Display des Smartphones.

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