Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen ein besseres Nutzungserlebnis bieten zu können. OK
33 mal geteilt 16 Kommentare

Die Risiken des Crowdfunding: Ein Jahr, zwei Projekte, zwei Geschichten

Kickstarter, Indiegogo oder andere Crowfunding-Plattformen sind ein Garant für interessante Projekte. Zum kleinen Preis könnt Ihr dabei sein, wie etwas richtig Großes entsteht. Oder aber Ihr habt am Ende ein Tool in der Hand, dass in einer kleinen Charge produziert wurde. Es gibt aber auch Risiken. Denn eine Erfolgsgarantie gibt es nicht

Fingerprint-Sensor oder Filmen in 4K - was ist DIR wichtiger?

Wähle Fingerprint-Sensor oder 4K-Videoaufnahme.

VS
  • 10107
    Stimmen
    Ooops! Etwas ist schiefgelaufen. Aktualisieren sollte helfen.
    Fingerprint-Sensor
  • 4738
    Stimmen
    Ooops! Etwas ist schiefgelaufen. Aktualisieren sollte helfen.
    4K-Videoaufnahme

Crowdfunding via Kickstarter oder IndieGoGo ist eine Möglichkeit, über das Internet Gelder für die Realisierung eines Projekts einzusammeln. So können Hobby-Erfinder oder Startups die Entwicklung eines Produkts finanzieren. Von irrsinnig über nützlich bis hin zu unrealistisch ist alles dabei. Vor einem guten Jahr habe ich es gewagt und zwei Crowdfunding-Kampagnen unterstützt. Beide drehten sich um ein Problem mit dem klassischen MicroUSB-Anschluss. Und beide Projekte erzählen einiges über die Chancen, aber auch die Risiken der Kampagnen.

MicFlip: Trotz eines Rückschlages letztlich ein Erfolg

MicFlip setzte sich zum Ziel, ein USB-zu-MicroUSB zu entwickeln, das an beiden Enden drehbar ist und somit in jede Richtung eingesteckt werden kann. USB-C lässt grüßen. Wunderbar! Nach kurzer Zeit war aber klar: Ganz so einfach ist das doch nicht. Während der MicroUSB-Teil fertig konstruiert sei, gebe es beim größeren USB-Stecker Probleme. Nach einigem Hin-und-Her war die Entscheidung gefallen: Nur der MicroUSB-Teil wird in beidseitig steckbar sein. Für mich war das okay, denn das war für mich das wichtigste Feature. Andere Backer, wie wir Crowdfunding-Investoren uns stolz nennen, waren weniger amused. Tatsächlich erfolgte die Lieferung und das MicFlip befindet sich noch immer im Einsatz.

Obwohl MicFlip mit dem ersten Projektziel gescheitert ist, gaben die Entwickler nicht auf und konnten später doch noch einen Erfolg vermelden: Inzwischen gibt es ein MicFlip-Kabel, dessen beide Enden beidseitig steckbar sind. Dafür müssen aber wir Backer erneut Geld hinlegen.

HK
Hans-Georg Kluge
Ein beidseitig steckbares USB-Kabel ist der Traum.
Stimmst du zu?
50
50
312 Teilnehmer

ZNAPS: Ein Jahr lang gibt es nur Update-Nachrichten

Das andere von mir unterstützte Projekt nennt sich ZNAPS. Vom Mac kennt Ihr sicher den MagSafe-Anschluss: Eine magnetische Verbindung sogt für den sicheren Halt des Ladekabels, aber wenn ein stärkerer Zug ausgeübt wird, ploppt die Verbindung einfach ab. So bleibt im Idealfall das MacBook unbeschädigt, obwohl Ihr über das Ladekabel stolpert. Und natürlich ist es schön einfach, das Kabel anzuschließen. ZNAPS sollte genau so eine Schnittstelle für Smartphones werden. Aber nicht nur zum Laden, sondern auch für die Synchronisierung von Daten. Ursprünglich sollte die Lieferung im Dezember 2015 erfolgen.

Nun bin ich kein Techniker, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es bei einem Projekt wie ZNAPS viele technische Hürden zu überwinden gibt. Und in den inzwischen mehr als 40 Update-Nachrichten über ZNAPS kann ich beinahe alle denkbaren Probleme finden. 

Schien es zunächst noch so, als wäre ZNAPS ohnehin schon fast fertig konstruiert, teilten die Macher später mehrfach mit, dass es Probleme mit den einzelnen Bestandteilen gibt. 43 E-Mails mit Projekt-Updates haben sich angesammelt und zeichnen ein teils lustiges, teils trauriges Bild eines ambitionierten Projekts: Mal entsprachen gelieferte Einzelteile nicht den Vorgaben, Konstruktionsprobleme ergaben sich und mehrfach gab es Probleme bei der magnetischen Halterung.

E-Mail Nummer 43 beginnt mit den Worten: "We sincerely apologize for all the delays." Ich ahnte übles. Stattdessen enthielt sie eine langwierige Abhandlung über die Konstruktionsprinzipien von Pogo-Pins, mit denen die elektrische Verbindung zwischen den ZNAPS-Adaptern zustande kommt. "In short, the pogo pin supplier tricked us", ist gegen Ende zu lesen. Ein neuer Hersteller für Pogo-Pins sei bereits gefunden und ein Update des Zeitplans erfolge Anfang August.

Noch immer geben die Macher von ZNAPS nicht auf, was ich sehr lobenswert finde. Auch die Updates über den Stand sind hervorzuheben, denn natürlich könnten die Macher das Projekt auch einfach sterben lassen. ZNAPS zeigt aber, dass beim Crowdfunding viel Geduld gefragt sein kann.

HK
Hans-Georg Kluge
ZNAPS würde mir den Smartphone-Alltag versüßen.
Stimmst du zu?
50
50
237 Teilnehmer

Crowdfunding birgt Risiken

Rechtlich betrachtet begebt Ihr Euch bei einer Crowdfunding-Kampagne auf dünneres Eis als bei einem klassischen Online-Kauf: Denn Ihr investiert in ein Projekt. Als Gegenleistung erhaltet Ihr keine Unternehmensanteile, sondern eine Produktlieferung. Eine 14-tägiges Widerrufsrecht oder eine Garantie auf irgendwas? Die gibt es so nicht.

Ich habe in beide Projekte insgesamt rund 30 Euro investiert. Selbst wenn keine der Projekte hätte liefern können, wäre das zu verschmerzen. Aber die richtig teuren Investitionen, die Ihr über Kickstarter & Co. tätigen könnt? Da heißt es schon aufpassen, denn sobald das Projektziel erreicht ist und das Geld von Eurem Konto abgebucht ist, habt Ihr kaum mehr eine Chance, es zurückzubekommen. 

Lasst Euch daher nicht in die Irre leiten: Manche Projekte sind von vornherein unrealistisch. Das komplett transparente und flexible Smartphone? Klingt gut, ist aber eigentlich nicht machbar. Ebensowenig wie die perfekte Smartwatch, die gleichzeitig ein Smartphone ist. Wollt Ihr wirklich 200 oder mehr Euro in solche Luftnummern investieren? Mein Tipp: Überlegt es Euch gut. Seid kritisch, was die Versprechen der Erfinder anbelangt.

Kurz nachdem ich diesen Artikel fertig geschrieben habe, kam übrigens das ZNAPS-Update Nummer 44: Jetzt ist alles gut, die Fertigungsanlage sei bald in Betrieb und es könne losgehen. Ich hoffe das Beste.

Habt Ihr schon einmal an einer Crowdfunding-Kampagne teilgenommen? Und wenn ja: An welchen? Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder geht Ihr lieber auf Nummer sicher und verlasst Euch auf klassische Online-Shops? Verratet es mir und der Community in den Kommentaren!

16 Kommentare

Neuen Kommentar schreiben:
  • Ich denke mit dem Satz ist eigentlich so gut wie alles gesagt: "Denn Ihr investiert in ein Projekt". Und Projekte können fehlschlagen, aus vielerlei Gründen.

    Finde den Artikel sehr gut, denn darauf kann offenbar nicht genug hingewiesen werden (auch wenn's auf Kickstarter auch dabei steht). Viele Kommentare auf Kickstarter und anderswo suggerieren, dass etliche Unterstützer das für eine Art Produktkauf halten (ein Gefühl, das die "Belohnung" für die Unterstützung in Form eines Exemplars des fertigen Projektergebnisses natürlich fördert - "ich gebe Geld und erhalte dafür ein Produkt").

  • Jona S. vor 5 Monaten Link zum Kommentar

    Ich hab in den polar pen 50€ investiert. Hat alles super geklappt ist auch ein sehr geiler stift;)

  • bpo vor 5 Monaten Link zum Kommentar

    ich ja, das Fairphone 2.. 530 Euro investiert und gebetet dass alles klappt. Hat es auch, zwar mit 2 Monaten Verspätung, Aber was soll's..

  • Ich hab mich bisher noch nie drüber getraut. Weil mir das nötige Kleingeld dazu fehlt.^^ Die Projekte, die mich reizen würden sind meistens deutlich dreistellig was die Unterstützersumme anbelangt.^^

  • Guter Artikel,
    weiter so.

    Ich selbst habe noch nicht in einem Crowdfunding Projekt investiert.

    • Andy N.
      • Admin
      vor 5 Monaten Link zum Kommentar

      Ich auch noch nicht, obwohl ich schon das eine oder andere interessante Projekt gesehen habe. Vielleicht sollte ich mal anfangen...

  • Zitat: "ZapTip: Ein magnetisches USB-Kabel"
    Das war ja wohl ein klarer Fall von Geld weg, keine Ware und nie mehr etwas von gehört.
    (Allerdings gibt es bei Amazon mittlerweile so etwas.)

    Zitat: "MicFlip setzte sich zum Ziel, ein USB-zu-MicroUSB zu entwickeln, das an beiden Enden drehbar ist und somit in jede Richtung eingesteckt werden kann."
    Wenn es denen nicht gelungen ist, hat aber ein anderer Erfolg gehabt. Bei Amazon gibt es ein USB Kabel bei dem beide Enden ohne auf die richtige Ausrichtung zu achten eingesteckt werden kann.

    Das für mich interessanteste Projekt war ein Regenschirm(!) der per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden ist. Die Apple App war zwar deutlich schneller verfügbar als die Android App, aber mit etwas Verspätung kam die dann auch. In der App wird darauf hingewiesen wenn die Verbindug zum Schirm abreist, man ihn also irgendwo stehen lässt und es wird die Wettervorhersage für den Tag eingeholt und die Empfehlung ausgesprochen den Schirm mitzunehmen oder nicht.
    Wobei nicht nur diese Punkte positiv sind sondern der Schirm selber ist auch sehr stabil. Ein Vergleich mit anderen Schirmen (nicht nur Billigprodukte) erbrachte das die meisten Schirme acht Felder haben, dieser Schirm aber hat 16 Felder, was die Beanspruchung bei Wind auf die einzelnen Streben deutlich senkt.

  • Habe bei Kickstarter bei der neuen Pebble Time 2 mitgemacht. Da Pebble ja in der Vergangenheit ja immer geliefert hat, mache ich mir keine Sorgen.

  • A. K. vor 5 Monaten Link zum Kommentar

    Geiler Artikel, wollte schon oft was über Crowd Funding finanzieren aber traue mich irgendwie nicht ran xD

  • Vokatio vor 5 Monaten Link zum Kommentar

    Erinnert ihr euch noch an das schlanke, abstruse, auf dem Wasser "fließende" Smartphone von "Comet Core Inc." mit den drei Surfboard-Finnen - und dann doch ohne?

    https://www.androidpit.de/dieses-smartphone-schwimmt

    Langsam wächst da was. Schlank und wie versprochen auf dem Wasser "fließend" war gestern, feist fett und aufschwimmend ist heute. So kann ich mir vorstellen, dass das nunmehr stattliche Pummelchen nicht untergeht.

    https://www.youtube.com/watch?v=AYMkFLQV218

    Weit entfernt von dem schlanken, angeblich patentierten Smartphone, für das "Comet Core Inc." einst Geld gesammelt hat.

  • Ich war bei MicFlip dabei, habe mein Kabel mit der ersten Charge erhalten und bin glücklich und zufrieden

  • Tenten vor 5 Monaten Link zum Kommentar

    Sehr interessanter Einblick, vielen Dank dafür. Ich drücke mal die Daumen, dass das mit den beiden Teilen noch was wird :)

  • Sehr schöner Artikel. Ich hatte beim Projekt PINE64 mitgemacht. Ein Artikel wurde versandt, kam auch in Deutschland an, ging aber vom Zoll direkt zurück nach China, wo es auch herkam. Grund unklar. Der Korrespondent von PINE64 war am Anfang erreichbar, wobei eine Antwort auf eine Mail auch 5 Tage gedauert hatten. Danach bekam ich keinerlei Antwort mehr. Wo sich der Artikel aktuell befindet, weiss wohl keiner so richtig.
    Lange Rede kurzer Sinn, ich bin ganz Deiner Meinung was das Risiko einer Crowfounding-Kampagne anbelangt. Auch sollte man sich im Klaren sein, dass es tatsächlich kein Online-Shopping ist.

  • Bei Znaps bin ich auch dabei. Ich habe aber auch schon Projekte unterstützt, wo das Gadget mich nachher nicht mehr so überzeugt hat und auch Projekte, die sich im Nachhinein als Betrug rausstellten. Bei letzterem habe ich es irgendwie doch noch geschafft mein Geld wieder zurück zu bekommen. Wichtig beim Crowdfunding ist sich klar zu machen, das man eine Idee und Visionen eines Anderen unterstützt. Die machen es oft auf ihre Weise und nach ihren Vorstellungen. Die müssen nicht immer den "besten" Weg gehen. Bei Znaps und auch bei Star Citizen sieht man das deutlich. Und deswegen wird gerade bei den beiden oft eine Rückerstattung (Refund) verlangt, weil es nicht so läuft, wie sich viele das vorstellen und dadurch oft das Wort Betrug (Scam) fällt. Durchhaltevermögen braucht man definitiv, da fast jedes Projekt Verzögerungen mit sich bringt.

  • NoName vor 5 Monaten Link zum Kommentar

    Interessanter Artikel! War schön mal einen Blick in die mir eher unbekannte Crowdfunding-Welt zu werfen.

  • Bin Backer beim cross-platform RPG CrossCode von deutschen Entwicklern.

Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen ein besseres Nutzungserlebnis bieten zu können. Mehr dazu

Alles klar!