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Kommentar 3 Min Lesezeit 22 Kommentare

US-Präsident Trump will ZTE retten - aus Angst vor einem chinesischem Konter?

ZTE steht, wenn man es so will, selbstverschuldet vor dem Aus. Jetzt gibt es aber von ungewöhnlicher Seite Hilfe. US-Präsident Trump kündigt am Sonntag per Twitter an, dass er und Chinas Staatspräsident Xi an einer Lösung arbeiten, um ZTE vor der Pleite zu bewahren. 

ZTE steckt, wie wir spätestens seit letzter Woche wissen einer Krise, die ihresgleichen sucht. Bedingt durch Verstöße gegen die Iran-Sanktionen, verhängte das US-Handelsministerium, dass US-Firmen für die Dauern von sieben Jahren keine Hard- oder Software mehr an ZTE verkaufen dürften. Letzte Woche musste darauf hin ZTE bekanntgeben, dass man seine Kerngeschäftsfelder, wie die Herstellung und Verkauf von Smartphones auf Grunde der Strafe des US-Handelsministerium einstellen müsse. 

Am Sonntag, den 13. Mai, verkündete Präsident Trump wie üblich per Twitter, dass die USA gewillt seien, mit dem chinesischen Staatspräsidenten Xi zusammen zuarbeiten, um eine Lösung im Falle ZTE zu erarbeiten. Schließlich hängen zu viele Jobs in China, die laut eigenen Angaben 70.000 Beschäftigte haben, an einer möglichen Schließung ZTEs. 

Mehr als nur freundliche Bitte Chinas

Trump will Jobs in China retten? Klingt etwas ungewohnt, aber an den Jobs in China hängen auch US-Unternehmen wie Qualcomm, der Hauptlieferant von Chipsätzen für ZTE. Würde ZTE als Kunde wegfallen, wäre es sicher ein empfindlicher Schlag für Qualcomm. Es könnte also durchaus sein, dass amerikanische Technologie-Firmen, die ZTE beliefern in Washington vorgesprochen haben und nun der US-Präsident eingreift.

AndroidPIT Kirin chip 8669
Vorbild Huawei: Der Kirin 970 kann mit Qualcomms Top-SoCs mehr als nur mithalten.  / © AndroidPIT

Das der chinesische Staatspräsident Xi sich für ZTE stark macht ist klar. Er hat kein Interesse, dass die Nummer 2 unter den chinesischen Smartphone-Herstellern verschwindet. Schon gar nicht vor dem Hintergrund, dass Xi zuletzt immer wieder betont hatte, China langfristig zu einem führenden Land im Technologiesektor auszubauen. Ein Plan Namens "Made in China 2025" sieht vor, dass China bis 2025 die Vorherrschaft im Hochtechnologiesektor erlangen soll. Der Verlust von einem Unternehmen in der Größe von ZTE wäre hier sicherlich nicht förderlich und könnte den Plan Chinas in Gefahr bringen. 

Der Plan ist im Detail aber noch brisanter, wenn man genauer hinschaut. China will unabhängiger werden von ausländischen Zuliefern. Wenn man es auf den Telekommunikationssektor beschränkt, bedeutet das langfristig, möglichst keine Qualcomm-Chipsätze, Google-Betriebssysteme und Co. zu verwenden. Alleine im Jahr 2017 soll China rund 260 Milliarden Dollar für Chipimporte ausgegeben haben - Chips, die ohnehin weitgehend in China gefertigt, aber von ausländischen Unternehmen. Um die ausländische Abhängigkeit schnellstmöglich zu reduzieren, kündigt  das National Integrated Circuit Industry Investment Fund, kurz "Big Fund", nach einem ersten, 22 Milliarden US-Dollar schweren Fond noch einen zweiten in der Größe von 20 Milliarden an, um Entwicklungen in Sachen Halbleitertechnologie voranzutreiben.

Xiaomi Mi 5c Pinecone Surge S1 chip
Nach Huawei schickt sich nun auch Xiaomi an, eigene SoC für Smartphones zu produzieren. / © Xiaomi

Wenn man die ganze Geschichte rund um ZTE betrachtet, dann haben die US-Sanktionen zum Schluss nicht Existenz-Ängste in China ausgelöst, sondern sie viel mehr in der Entschlossenheit bestärkt, den "Made in China 2025"-Plan noch schneller voranzutreiben. Vielleicht sollten wir uns schon darauf einstellen, dass schon bald mehr Smartphones aus dem Reich der Mitte gänzlich ohne Chipsätze von US-Unternehmen wie Qualcomm ausgeliefert werden. Huawei tut dies schon, Xiaomi hat erste Smartphones mit eigenen Prozessoren schon fertiggestellt. ZTE könnte folgen.

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Top-Kommentare der Community

  • Aries vor 2 Monaten

    Das Embargo hat eine sechsjährige Vorgeschichte. Wer den USA imperialistisches Gehabe vorwirft, hat sich nicht genug informiert.

    Sanktionsandrohungen bringen nur etwas, wenn man denen bei Nichteinhaltung auch Taten folgen lässt. Das US-Handelsministerium hat durchaus eigene Entscheidungsbefugnisse und braucht für die getroffene Entscheidung nicht den US-Präsidenten.

    Wer glaubt, chinesische Firmen dieser Größenordnung seien von der chinesischen Regierung unabhängig, ist blauäugig. Vielmehr besetzt die chinesiche Regierung in solchen Unternehmen Schlüsselpositionen durch Regierungsvertreter.

    Zu ZTE gehört auch Nubia. Durch das Embargo sind auch deren Geräte betroffen. Neben den CPUs von Qualcomm und den Lizenzen zu den Google-Apps sind weitere Bauteile von dem Embargo betroffen, angeblich etwa 25% aller Bauteile eines Smartphones. Das bedeutet, dass die USA nicht nur ZTE bestrafen, sondern auch in einem erheblichen Maße auch ihre eigene Wirtschaft schädigen.

    Das ganze betrifft zudem nicht nur Smartphones, sondern auch die Mobilfunkinfrastruktur, die zu nicht unerheblichen Teilen durch ZTE aufgebaut und gepflegt wird. Die eigenen Mobilfunkprovider in den USA müssen wegen dem Embargo Ersatz suchen, aber wohlmöglich Strafen zahlen, weil Verträge in der Regl Laufzeiten und Kündigungsfristen haben.

    Trump ist ein Opportunist. Das dürfte der Grund sein, warum er jetzt Gespräche anbietet. Es ist ja nicht das erste mal, dass er jemanden einmal in den Allerwertesten tritt und ihn bei nächster Gelegenheit himmelhoch hofiert und das alles ohne Rücksicht, ob er eigenen Leuten damit in den Rücken fällt. Ich kann mir vorstellen, dass sein Tweet wieder ein Alleingang war, der nicht mit dem US-Handelsministerium zuvor abgesprochen war.

    Wie ihr diesem Kommentar entnehmen könnt, habe ich keine Meinung dazu, wer Recht hat.

  • Aries vor 2 Monaten

    Das sind aber drei Dinge. :?

22 Kommentare

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  • Von qualcomm und snapdragon halte ich nicht mehr viel. Samsung Exynos sind besser.


  • Na jetzt wirds aber schwer für Donald, wie Samsung und Huawei zeigten gibt es durchaus Alternativen für Qualcomm und ich denke Xiaomi wird hier auch noch abliefern.

    Problematischer wird das ganze ohne Google werden, denn damit dürfte außerhalb Chinas keine Kasse zu machen sein.

    Dennoch muß Amerika in dieser Situation auch Flagge zeigen, sonst gibts beim nächsten Embargo einen riesen Zirkus. Es geht ja auch primär nicht darum das ein iranischer Student kein Smartphone bekommen soll, sondern um die Unterbindung von Transfers jeglicher Technologien.

    Das die Macht von Qualcomm irgendwann gebrochen wird, das war zu erwarten, die US Regierung hat diesen Prozess jetzt nur beschleunigt. Dennoch ist hier die Messe nicht gelesen, denn es bleibt immer noch der Hebel auf Google. Wenn man sich darauf verlegt auf dieser Ebene den Druck zu erhöhen, werden die Geräte in China bleiben.

    Die Smartphonewelt steht vor wilden Zeiten, das scheint absehbar.


  • Ich finde es ist eine Sauerei von allen Beteiligten, da wieder nur Unschuldige leiden. Während die Manager und Chefs sich davor drücken zurückzutreten oder eine Lösung zu finden.

    Ich frage mich immer noch ob Oreo fürs Axon 7 noch kommt? Also OTA. Ansonsten findet sich bestimmt was in den tiefen des Internets...


  • Der Gute


  • Tja, Trump hat bei seinem Rundumschlag vergessen das er auch seine eigenen Firmen schädigt. Passt ja eigentlich nicht so in das "Amerika First" Programm. Nun will er irgendwie zurückrudern u. trotzdem noch Profit rausschlagen. Bin gespannt wie das ausgeht.


    • Trump ist wie ein trotziges Dreijähriges, das erst mal blind um sich schlägt, bevor er merkt, dass andere auch zurück schlagen könnten...


    • Aries vor 2 Monaten Link zum Kommentar

      Das Embargo hat das US-Handelsministerium erlassen! Nicht Donald Trump!

      Das Embargo hat eine Vorgeschichte, die bis ins Jahr 2012 zurückreicht. Da war Trump nicht nicht US-Präsident.

      Ich bin alles andere als ein Trump-Befürworter, aber man sollte schon die Zusammenhänge kennen. Im Gegenteil, was Trump durch den Tweet gemacht hat, ist autokratisch. So sollte ein Präsident keinem Ministerium in den Rücken fallen. Schon gar nicht vor dem Ausland und gegenüber eines Staates wie China kann das fatal sein.


    • Ein Kleinkind mit Atomknopf und einer Twitter-Pistole im Anschlag...

      Er braucht einfach täglich Inhalt um seine Follower bei Laune zu halten?! Da ZTE mehr Teile als Samsung, Huawai von den US Firmen bezieht...

      Ist natürlich logisch, dass mit ZTEs Aus auch amerikanische Jobs leiden werden!

      Wenn alles wieder in Ordnung kommt, freut es mich natürlich für die ZTE User 👍📱


  • China ist nicht irgendwer. Trump und die USA bekommen kalte Füße.


  • dürfte doch nicht so schwer sein wenn ich Smartphones bauen kann, das ich auf Zulieferer angewiesen bin
    ich würde alles selbst fertigen wenn ich fähige Ingenieure hätte


  • Aries vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    Das Embargo hat eine sechsjährige Vorgeschichte. Wer den USA imperialistisches Gehabe vorwirft, hat sich nicht genug informiert.

    Sanktionsandrohungen bringen nur etwas, wenn man denen bei Nichteinhaltung auch Taten folgen lässt. Das US-Handelsministerium hat durchaus eigene Entscheidungsbefugnisse und braucht für die getroffene Entscheidung nicht den US-Präsidenten.

    Wer glaubt, chinesische Firmen dieser Größenordnung seien von der chinesischen Regierung unabhängig, ist blauäugig. Vielmehr besetzt die chinesiche Regierung in solchen Unternehmen Schlüsselpositionen durch Regierungsvertreter.

    Zu ZTE gehört auch Nubia. Durch das Embargo sind auch deren Geräte betroffen. Neben den CPUs von Qualcomm und den Lizenzen zu den Google-Apps sind weitere Bauteile von dem Embargo betroffen, angeblich etwa 25% aller Bauteile eines Smartphones. Das bedeutet, dass die USA nicht nur ZTE bestrafen, sondern auch in einem erheblichen Maße auch ihre eigene Wirtschaft schädigen.

    Das ganze betrifft zudem nicht nur Smartphones, sondern auch die Mobilfunkinfrastruktur, die zu nicht unerheblichen Teilen durch ZTE aufgebaut und gepflegt wird. Die eigenen Mobilfunkprovider in den USA müssen wegen dem Embargo Ersatz suchen, aber wohlmöglich Strafen zahlen, weil Verträge in der Regl Laufzeiten und Kündigungsfristen haben.

    Trump ist ein Opportunist. Das dürfte der Grund sein, warum er jetzt Gespräche anbietet. Es ist ja nicht das erste mal, dass er jemanden einmal in den Allerwertesten tritt und ihn bei nächster Gelegenheit himmelhoch hofiert und das alles ohne Rücksicht, ob er eigenen Leuten damit in den Rücken fällt. Ich kann mir vorstellen, dass sein Tweet wieder ein Alleingang war, der nicht mit dem US-Handelsministerium zuvor abgesprochen war.

    Wie ihr diesem Kommentar entnehmen könnt, habe ich keine Meinung dazu, wer Recht hat.


    • "Wer den USA imperialistisches Gehabe vorwirft, hat sich nicht genug informiert."

      Nicht anderes macht die USA aber, und das schon seit Jahrzehneten. Die Kriege und die Kriegsverbrechen nicht eingerechnet.


  • Die machen ein politisches Kasperletheater und alle steigen mit der gewünschten Reaktion darauf ein.
    So weit ist es also gekommen mit der allgemeinen (wirtschafts) politischen Bildung, sie ist quasi verschwunden.
    Dies wäre ja noch verkraftbar aber wenn jetzt die Blinden anfangen über Farbe zu reden, dann schlägt dies dem Faß den Boden aus.


  • Wenn alles nicht so ernst wäre, könnte man über dieses Kasperletheater herzhaft lachen! USA droht mit Sanktionen, der zweitgrößte chinesische Smartphonehersteller stimmt seinen Abgesang ein, und nun die Kehrtwende? Da soll einer noch durchsteigen!


  •   27
    Gelöschter Account vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    Der will doch nur sein das Eine: Geld, Macht und gut dastehen... Mehr nicht...


  • Sebo vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    Tja China ist mächtiger als Deutschland bzw Europa. Da kann er tun wie er will, Merkel und Co kuschen ja. Was eben die Chinesen nicht machen. So einfach ist das.
    Haben die Amis eben gewählt, ist nicht nur er allein.

    H G


  • Aries vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    @Shu:

    > Ein Plan Namens "Made in China 2025" sieht vor, dass China bis 2015 die Vorherrschaft im Hochtechnologiesektor erlangen soll.

    Hat China die Zeitmaschine erfunden? ;)

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