Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen ein besseres Nutzungserlebnis bieten zu können. OK
6 Min Lesezeit 24 mal geteilt 9 Kommentare

Play-Dienste: Wie Google Entwickler reich macht und mitverdient

Fast jedes Android-Smartphone kommt unzertrennlich mit den Play-Diensten von Google daher. Sie verbergen sich im Hintergrund und machen dort das Leben von App-Entwicklern von Version zu Version einfacher.

Ist Dir ein Fingerprintsensor wichtig oder egal?

Wähle Fingerprintsensor oder egal.

VS
  • 33370
    Stimmen
    Ooops! Etwas ist schiefgelaufen. Aktualisieren sollte helfen.
    Fingerprintsensor
  • 28494
    Stimmen
    Ooops! Etwas ist schiefgelaufen. Aktualisieren sollte helfen.
    egal
play services 4 1
© AndroidPIT

Die Google-Play-Services waren Googles Ansatz, mit der wachsenden Fragmentierung der Android-Versions-Landschaft zurecht zu kommen. Für alle Geräte mit Android 2.3 oder höher gibt es die Play-Dienste, aktuell in Version 5 (mit neuen Schnittstellen für Android Wear, wir berichteten), die App-Entwicklern etliche Möglichkeiten bieten, ihre Anwendungen sicherer zu machen und leichter mit den vielfältigen Google-Diensten zu verbinden, ohne dabei auf die unterschiedlichen Android-Versionen achten zu müssen.

Google Maps

maps
Nicht für jeden kostenlos: Wer Maps für seine App nutzen möchte, den bittet Google zur Kasse. / © AndroidPIT

Sämtliche Apps, die mit der Play-Services-Schnittstelle arbeiten, bekommen vereinfachten Zugriff auf das Kartenmaterial von Google. Entwickler programmieren dazu einen Zugangsschlüssel in ihre App, über den Google ihnen die Zugriffe in Rechnung stellen kann. In den meisten Fällen ist der Dienst aber kostenlos, wie man den Lizenzierungs-Informationen von Google entnehmen kann. Als User bekommt Ihr lediglich zu sehen, dass die App auf Euren Standort zugreift oder auf Karten zeigt, wo Ihr die in der App genannten Standorte findet.

Google Play In-App Billing

In dem Eifer, auch bei In-App-Käufen mitzuverdienen, hat Google eine einfache Schnittstelle geschaffen, mit der sich der Zahlungsverkehr sicher abwickeln lassen soll. Seien es DLCs (DLC = Downloadable Content) für Spiele oder neue Themes für eine Theme-Engine oder einfache Premium-Features: Viele sogenannte "Freemium"-Apps dienen fast ausschließlich als Schaufenster für die ganzen Features, die sie bieten würden, wenn der User nur hier und da ein paar Cent ausgeben würde. Programmierer müssen dank diesem Dienst nicht mehr viel machen, um die Bezahlung abzuwickeln. Google behält drei von zehn Euro, die durch diesen Geldfluss schwimmen.

Google+

plus
Mehr als eine Facebook-Kopie: In Apps dient das Google-Plus-Konto der Anmeldung. / © AndroidPIT

Bei der Schnittstelle zu Googles sozialem Netzwerk handelt es sich um mehr, als der Name verspricht. Über sie könnt Ihr Euch mit der App in Euer Google-Konto einloggen (Google+-Sign-On), was das Erstellen eines neuen Accounts für Euch komplett überflüssig macht. Das ist auch für den Entwickler praktisch, weil er sich dann nicht selbst darum kümmern muss, dass die Datenbank mit Euren E-Mail-Adressen und Passwörtern vor Hackern gut geschützt bleibt. Auf Googles Haben-Seite stehen die Nutzer-Metriken für exakte Platzierung von Werbung - auch außerhalb der App. 

Google Wallet Instant Buy

Ein derzeit nur in den USA verfügbarer Dienst ist Instant Buy. Er soll das Einkaufen in Apps oder auf Websites erheblich vereinfachen. Gepaart mit dem Sign-On bei Google+ sollen damit Käufe viel schneller abgewickelt werden, weil nichts mehr eingetippt werden muss, also weder Lieferadresse noch Zahlungs-Informationen. Schaut Euch dazu einfach diese animierte Demo an. Auch hierbei kommen von Google geprüfte Schnittstellen zum Einsatz, sodass Entwickler ähnlich wie mit PayPal eine Alternative dazu haben, eigene Bezahl-Anwendungen zu programmieren, die eventuell weniger sicher sind als solche Lösungen. Wallet ist, anders als ein In-App-Kauf, komplett kostenlos

Google Cloud Platform

Hinter der Cloud Platform verbirgt sich ein dezentrales Server-Netzwerk, dessen Rechen- und Speicherkapazitäten Google an App-Entwickler und Website-Betreiber vermietet. Mit dieser Cloud können etwa aufwändige Multiplayer-Rollenspiele oder Bilder-Speicherdienste umgesetzt werden, die auch dann nicht abstürzen, wenn durch ein besonderes Ereignis (Weihnachten im Online-Shop, erste Ausstrahlung eines TV-Werbespots, sieben Tore für Deutschland) die Nutzerzahl plötzlich um das Tausendfache ansteigt. Freilich kostet der Luxus ordentlich Geld. Im Google Cloud Pricing Calculator könnt Ihr Euch ja mal zum Spaß einen Server zusammenklicken. 

Analytics

analytics
Erfolgskontrolle: Welche Teile der App haben Erfolg, wo hapert es? / © Google

Zunächst lediglich für Entwickler relevant ist die Erfolgskontrolle mit Google Analytics. Wer eine Website oder eine App betreibt, will wissen, wie ihre Nutzer sie einsetzen. Welche Fenster werden am Häufigsten angesteuert? Welche Bereiche kommen kaum zur Geltung? So wissen Entwickler, was sie beim nächsten Update mehr in den Vordergrund rücken sollten und welche Elemente vielleicht ausgespart werden können. Zu den Kosten sagt Google: "[...] der Service [wird] unentgeltlich für bis zu zehn Millionen Hits monatlich pro Account erbracht"

Cloud Messaging

Dieser Service dient in erster Linie dem Stromsparen. Kleine Nachrichtenpakete können über den Messaging-Dienst von der App an den Server oder umgekehrt gesendet werden. Als Beispiel nennt Google ein “Kitzeln”, mit dem der Server eine schlafende E-Mail-App weckt mit der Nachricht “Neue Mail. Bitte prüfen!”. Auf diese Art spart sich die E-Mail-App den regelmäßigen Verbindungsaufbau zum Server, wenn gar keine Nachrichten da sind. Der Dienst ist kostenfrei.

Google Mobile Ads

Ad steht kurz für Advertisement, also Werbung. Hier verbindet Google die App mit mehreren Werbe-Dienstleistern, die die Einblendungen inhaltlich und örtlich anpassen, sodass die Wahrscheinlichkeit höher wird, dass User tatsächlich auf die Werbung klicken wollen. Wie genau der Cashflow in der Google-Werbung ist, erfährt man nur auf Anfrage; außerdem wird die Preisgestaltung ständig an Angebot und Nachfrage angepasst.

Google Cloud Save

Besonders bei instabilen Internetverbindungen ist es wichtig, dass Nutzerdaten auch im Offline-Modus auf dem Gerät vorgehalten werden können, damit sie später mit dem Webservice synchronisiert werden. Genau dies bietet Cloud Save. Genau genommen handelt es sich hierbei um eine Brücke zwischen Offline-Speicher und dem Cloud Datastore der oben erwähnten Cloud Platform. Sie wird unter anderem verwendet, um nicht-zeitkritische Apps wie To-Do-Listen über mehrere Geräte hinweg zu synchronisieren, die nicht ständig am Internet angebunden sind.

Warum all dies?

Die Play-Dienste sind ein Garant für Google, dass App-Entwickler der Android-Plattform treu bleiben und schnell mit ihr Geld verdienen können. Auch wenn unabhängige Open-Source-Dienstleister vergleichbare Produkte als “Software as a Service” anbieten, liefern die Play-Dienste den schnellsten Zugriff auf viele Android-Geräte. Die Konkurrenz bietet dies nicht in dem Umfang, auch wenn sie inhaltlich ähnliche Möglichkeiten liefert. So etwas wie Maps gibt es auch von OpenStreetMap; Speicher und Rechenpower werden in sehr großem Umfang auch von Amazon vermarktet; in Sachen Geldtransfer hat PayPal die Nase weit vorne und den Social-Log-in kennt Ihr auch von Twitter, Facebook, Firefox, GitHub, … Ihr seht: Ein weites Feld!

Doch Google bemüht sich, den Fuß in der eigenen Tür (in der Android-Plattform) zu behalten. Und dies geschieht in erster Linie über die Bequemlichkeit, die die Play-Dienste garantieren. Gäbe es sie nicht, müssten Entwickler von Hand für etliche Android-Versionen Schnittstellen zu den Online-Dienstleistungen programmieren - das würde mehr Zeit kosten und hinterher trotzdem weniger Kunden erreichen, weil nicht jeder die benötigte Android-Version nutzt. Umgekehrt bedeutet dies aber auch, dass Apps mit Play-Services-Abhängigkeit nicht bei Nutzern funktionieren, die ein Custom-ROM ohne Google-Apps nutzen. Diese schauen dann in die Röhre, weil die App keine Anbindung an die oben erwähnten Dienste bekommt.

Der Web-Gigant Google hat sich mit seinen Diensten eine sehr vorteilhafte Position gesichert. Die Play-Services und die Tatsache, dass sie bei den meisten Android-Handys schon vorinstalliert sind, bescheren der Plattform noch lange Einnahmen aus Werbung und Nutzungsgebühren. Entwickler wiederum kommen dank ihnen schnell und einfach an einen großen Kundenkreis, womit auch sie von dem System profitieren. Eine klassische Win-Win-Situation also. 

24 mal geteilt

9 Kommentare

Neuen Kommentar schreiben:

Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen ein besseres Nutzungserlebnis bieten zu können. Mehr dazu

Alles klar!