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Oculus Go: Warum eigenständige VR-Brillen eine 199-Dollar-Wette sind

Oculus hat ein Zeichen gesetzt: Eigenständige VR-Headsets werden endlich Realität. Kabel zum PC oder Gefrickel mit VR-Brille und Smartphone haben ausgedient.

Oculus Go dürfte die Branche aufgeschreckt haben: Ein eigenständiges VR-Headset, mit Controller und das für schlappe 199 Dollar. Klingt zu gut, um wahr zu sein? Ist es vielleicht auch: Zunächst der Preis, denn der wird hier in Europa sicher darüber liegen – vielleicht 249 Euro, wenn man die Umrechnung von 399 Dollar zu 449 Euro zum Vorbild nimmt. Der offizielle Preis in Deutschland steht allerdings noch nicht fest.

Bei Oculus Go gibt es eine Menge Kompromisse, wie auch John Carmack, CTO bei Oculus, zugibt. Anders wäre der niedrige Einstiegspreis nicht zu realisieren gewesen. Allen voran der Controller, der nur drei Achsen trackt – für Bewegungen im Raum wären aber sechs Achsen nötig. Offenbar verwendet Oculus den Snapdragon 821, um das Headset zu betreiben. Von Beginn an stehen alle Inhalte aus dem Oculus-Store bereit – konkret sind es die Apps, die auch auf Samsungs Gear-VR-Plattform laufen.

Kurzum: Oculus Go ist in etwa mit einer Gear VR inklusive Controller und einem eingestecktem Galaxy S7 vergleichbar. Aber es gibt Vorteile: Go ist offensichtlich günstiger als die S7-Gear-VR-Kombo und das System ist komplett auf VR ausgelegt: Oculus hat alle Nicht-VR-Dienste sorgfältig entfernt, was einer stabilen Performance zugute kommen dürfte.

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Oculus Go ist auf einer Ebene mit einem S7 und der Gear VR. / © AndroidPIT

Virtual Reality: Die erste Milliarde

Als Ziel hat Oculus ausgegeben, eine Milliarde Menschen mit VR zu erreichen. Eine teure PC-Plattform (wie Rift oder Vive) ist dafür ungeeignet, also braucht es eine günstigere Alternative. Oculus Go ist genau diese.

Es gibt aber einen Haken: Schon jetzt ist Gear VR weit verbreitet, vielfach liegen die Brillen jedoch herum und stauben ein. Sind es die mangelhaften Inhalte? Ist es der unkomfortable Koppelungsvorgang von Brille und Smartphone? Richtet sich Samsung an die richtige Zielgruppe? Alles berechtigte Fragen. Oculus wettet, dass die Go mit dem niedrigen Preispunkt und dem Komfort im Massenmarkt Fuß fassen kann.

Go liefert aber kein Gameplay wie Rift oder Vive, unterstützt aber vielfältige andere VR-Anwendungen, die aber bislang einer Plattform wie Gear VR nicht zum großen Durchbruch verholfen haben. Außerdem erfordert Oculus Go auch bei 200 Dollar eine bewusste Kaufentscheidung.

Ambitioniertes VR mit Santa Cruz ist noch fern

Ambitionierteres VR ist jedoch dem Project Santa Cruz vorbehalten. Santa Cruz ist die zweite eigenständige VR-Brille und die scheint es in sich zu haben: Inside-Out-Tracking und Controller mit Sechs-Achsen-Tracking. Inside-Out-Tracking heißt, dass es für Roomscale-Tracking keine externen Sensoren oder Basisstationen geben muss – im Headset integrierte Kameras sind ausreichend. Die Controller erlauben volle Interaktion mit der virtuellen Welt. Für gestalterische Anwendungen wie Tilt Brush ist dies ein Muss, weil es ohne die volle Bewegungsfreiheit keine intuitive Tiefensteuerung des Controllers gibt – man malt dann sozusagen nur auf der Innenfläche einer Kugel – zu wenig.

Das hat aber auch seinen Preis, der zweifellos deutlich höher liegt. Und vor allem ist Santa Cruz noch Zukunftsmusik: Oculus hat erst einmal angekündigt, Entwickler würden das Headset im nächsten Jahr erhalten – von einem großen Marktstart ist keine Rede. Übrigens steckt auch in Santa Cruz mobile Technik: Ein Snapdragon 835, wenn man Gerüchten glauben darf – hier ist dann wohl ein Galaxy S8 mit Gear VR der ungefähre Vergleich. Auch hier bleibt es also wohl beim App-Katalog für Gear VR, lediglich besondere Unterstützung für die Controller wird es zusätzlich geben.

Santa Cruz kann mit seiner Technologie für VR-Anwendungen die bessere Plattform werden. Trotzdem hängt auch hier alles am Preis. Denn an die mögliche Leistung eines Rift- oder Vive-Systems kommt Santa Cruz nicht heran.

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Der Controller der Oculus Go / © Facebook

Ohne Kabel steigt der Komfort

Was beide VR-Brillen eint, ist der simple Komfort: Keine Kabel, kein Gefrickel, also Aufsetzen und los geht’s. Das hat seinen Reiz und dürfte tatsächlich für einige neue Interessenten sorgen. Ohne Inhalte aber hat all das keinen Wert. Spannend sind dabei weniger VR-Spiele, sondern vielmehr Entertainment und soziale Interaktion. Denn VR ist zwar ein Thema, das die Realität ausblendet, aber trotzdem ganz neue Interaktionen ermöglicht. Auch Bildungsanwendungen stehen ganz hoch im Kurs, wenn es um spannende Inhalte geht. Gerade diese Szenarien funktionieren gut ohne Motion-Controller vom Schlage einer Vive oder Oculus Touch.

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Die Oculus Rift erfordert ein Kabel. / © AndroidPIT

Ein kurzer Exkurs zu Google lohnt sich an dieser Stelle: Eigenständige VR-Headsets im Daydream-Universum sollen von HTC und Lenovo kommen. Beide Hersteller haben jetzt die Gelegenheit, die Fakten von Oculus Go und Santa Cruz zu studieren. Die Go ist angesichts des Preises eine besondere Herausforderung. Allerdings positioniert Google die Daydream-Headsets eher auf einer Ebene mit Santa Cruz. Das Feld wird also sehr spannend.

Samsung und Oculus: Wie steht es um die VR-Partnerschaft?

Zuletzt sei noch ein Seitenblick auf Samsung geworfen: Oculus hat für Gear VR mit Samsung zusammengearbeitet und betont die softwareseitige Kompatibilität der Go mit Gear VR. Die offensichtliche Frage ist also: Was wird mit der Partnerschaft passieren? Nimmt Samsung den Konkurrenten als Erweiterung der Plattform gelassen hin oder kommen sich Oculus und Samsung mit der Go und einem eigenständigen Gear-VR-Headset in die Quere? Fragen, die erst in den kommenden Monaten Antworten erhalten.

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S8 und S7 mit Gear VR / © AndroidPIT

Eigenständige VR-Headsets sind die konsequente und sinnvollste Entwicklung für VR-Hardware. Allerdings werden auch sie nicht aus heiterem Himmel eine Killer-App für VR zaubern. Tatsächlich dürfte es eher dazu kommen, dass ein Anwendungsfeld so überzeugt, dass mehrere unterschiedliche VR-Apps zusammen genommen eine Art Killer-App darstellen werden. Soziale Interaktionen und Bildungsanwendungen dürften hierbei die Themenfelder sein, in denen wir solche Entwicklungen am ehesten zu erwarten haben.

Werdet Ihr Euch eine Oculus Go kaufen? Mit welcher VR-App habt Ihr schon einmal experimentiert? Lasst es mich wissen!

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