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Kommentar 90 mal geteilt 42 Kommentare

O2 verkauft jetzt anonyme Bewegungsdaten seiner Kunden

Daten sind die Währung des Smartphone-Zeitalters. An einer Stelle fallen besonders viele an: Bei den Mobilfunknetzbetreibern. Denn deren feinmaschige Infrastruktur ist für die Funktion der Netze notwendig. Nun will O2 bzw. Telefónica Deutschland anfallende Bewegungsdaten seiner Kunden verkaufen.

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Schon seit Längerem sammelt O2 Bewegungsdaten. Zusammen mit "den Behörden" habe Telefónica nun einen dreistufigen Algorithmus erstellt, mit dem die Daten anonymisiert werden. Und jetzt will Telefónica mit den Daten Geld machen: Ob Verkehrsfluss, Kundenströme in Einkaufszentren oder viele andere Bereiche: Mobilfunknutzungsdaten können eine Menge Einsichten in das Verhalten von Konsumenten geben.

Thorsten Dirks, seines Zeichens Chef des größten deutschen Mobilfunknetzbetreibers O2, hat nun gegenüber der Wirtschaftswoche einen weiteren Versuch angekündigt, aus den Bewegungsdaten seiner Kunden Geld zu machen. Dabei lässt er sich zu der überraschenden Aussage hinreißen: "Wir wollen den Kunden die Herrschaft über ihre Daten zurückgeben", kündigt Dirks an.

Damit meint er natürlich die Möglichkeit, dass Kunden bestimmen können, welche Daten verkauft werden und welche nicht. So sieht heute also die Hoheit über die eigenen Daten aus! Unternehmen sammeln die Daten, machen daraus ein Geschäftsmodell und der Kunde darf gerade noch bestimmen, welche er zu solchen Zwecken verwendet sehen möchte und welche nicht.

Immerhin will Telefónica seinen Kunden einige Goodies gewähren, soweit sie in den Datenverkauf einwilligen. Denkbar seien beispielsweise Rabatte. "Eines habe ich gelernt: Datenschutz ist ein ganz kritischer Punkt", so Dirks gegenüber der Wirtschaftswoche.

O2 sammelt nicht als einziger Netzbetreiber

Natürlich geht es O2 hier um Big Data und darum, ein Geschäftsmodell umzusetzen. Gerade bei Prepaid-Karten kann sich O2 hier ein einfaches Zubrot verdienen.

Nur: Gerade umfassende Bewegungsdaten können Rückschlüsse auf einzelne User erlauben. Schon mehrfach kam es in der Vergangenheit vor, dass vermeintlich anonymisierte Datenberge genügend Hinweise auf einzelne User hatten, sodass eine Rekonstruktion möglich war. Daher reicht es nicht, aus den einzelnen Daten kennzeichnende Merkmale herauszuschneiden: Klassisches Beispiel wäre hier die Verkürzung einer IP-Adresse. Ja nach Datenberg kann es sein, dass dies nicht ausreicht. Telefónica ist hier in der Bringschuld und muss zeigen, dass eine tatsächliche Anonymisierung stattfand.

Apple hat dies ins Zentrum seiner Datensammel-Bemühungen gestellt: Hinter dem Namen Differential Privacy stehen mehrere Maßnahmen, mit denen Datenberge anonymisiert werden. Dabei kommen mehrere Verfahren zum Einsatz, zum Beispiel die nur teilweise Auswertung, Stördaten und andere Mechanismen. Anhand der Beschreibung von der Telefónica-Plattform scheinen hier einige dieser Mechanismen ebenfalls zu greifen.

Übrigens betreibt auch die Telekom ein vergleichbares Projekt. Hier werden die Daten an das Tochterunternehmen Motionlogics weitergegeben. Ausgiebige Informationen zum Anonymisierungsverfahren gibt die Telekom hier nicht preis. Sowohl bei der Telekom als auch bei O2 gibt es ein Opt-Out-Formular:

Obwohl Datenschutz ein meist sperriges, weil wenig griffiges, Thema ist: Die Auflösung der Welt in riesige Datenarchive ist keine Tendenz, die unterschätzt werden darf. Wir stehen vor dem Zeitalter von künstlichen Intelligenzen, die durch diese Berge wandern und Ergebnisse herausfiltern können. Das kann spannende Einsichten liefern, aber auch schnell Verdächtigungen ergeben.

HK
Hans-Georg Kluge
Ich bin auch mit anonymisierten Bewegungsprotokollen nicht einverstanden.
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Was sind Eure Privatsphäre Tipps? Was tut Ihr dagegen, dass Unternehmen Eure Daten sammeln? Und wie viele Einbußen in der Privatsphäre nehmt Ihr für besseren Service oder niedrigere Preise in Kauf? Nutzt gerne die Kommentarfunktion, um Euren Standpunkt mit uns und den anderen Lesern zu diskutieren.

Top-Kommentare der Community

  • MajorTom vor 2 Monaten

    Eigentlich komme ich nicht wirklich klar mit den neuen Geschäftsmodellen der modernen IT.
    Gleichzeitig will ich aber auch nicht auf das Smartphone verzichten.
    Meine Laune auf Smartphones, Internet und Co verdirbt es aber schon.
    Die Digitalisierung wird uns Stück für Stück unserer Freiheit berauben. Ein schleichender Prozess.
    Sind wir am Ende nur noch Inventar das funktionieren muss in der digitalisierten Umwelt/Gesellschaft/Staat ? Jeder Individualität beraubt ?
    Ich vermute in 50 Jahren wird es so sein.
    Sind wir in der Lage das zu retten was uns Menschen ausmacht ? Wir werden sehen.

  • Aries vor 2 Monaten

    Flavius, bevor Du so pauschale Aussagen machst, solltest Du Dich informieren, was anonymisiert bedeutet. Werbung, die Du per Post ins Haus bekommst, wird von der werbenden Firma vorbereitet. Aber ohne persönliche Ansprache und Adressen. Die Felder bleiben leer. Mit dieser Vorlage geht die Firma zu einem Adresshändler und gibt ihm den Auftrag:

    Beispiel:
    - 20000 Haushalte zu beliefern
    - Im PLZ-Gebiet 60000 bis 61999
    - Eigenheimbesitzer
    - Familien deren Eltern 35 bis 45 sind
    - Haushaltseinkommen ca. 50000 Euro/pro Jahr

    Der Adresshändler sucht Adressen aus, die in diese Vorgaben passen und ergänzt die Namen und Anschriften auf der Vorlage und verschickt die Werbung. Die auftraggebende Firma hat nicht eine einzige Adresse bekommen.

    Jetzt bekommen die Kunden die Werung und reagieren darauf. Dann melden sie sich natürlich beim Auftraggeber und erst dann hat die Namen. Aber nur von denen, die sich gemeldet haben. Weil sich 3000 Leute gemeldet haben, weiß er dass er eine Responsequote von 15% hat. Davon haben 1000 Leute bestellt, also hat er eine Conversion Rate von 5% hat.

    Genauso läuft es online ab. Kein Websitebetreiber kennt Dich, nur weil Du auf einen Werbebanner auf einer anderen Seite geklickt hast und nun dort gelandet bist. Es sei denn, Du hast Querverbindungen ermöglichst, weil Du ohnehin schon Kunde bist, einen Login dort hast und Deine alten Cookies nicht gelöscht sind bzw. der Login im Browser gespeichert ist und automatisch erfolgt.

    Was WhatsApp und Facebook machen, ist nicht anonymisiert. WhatsApp leitet alle Daten an die Facebook Gruppe weiter. Also auch an Instagram. Und das auch noch, ohne die Einstimmung von dem zu holen, dem die Daten gehören, sondern nur über dessen Kontakte.

    Und Google ist der Adresshändler, der mit Hilfe seiner Dienste Infos über uns sammelt, um damit wie oben beschrieben zu verfahren.

  • DiDaDo vor 2 Monaten

    Wenn ich ne Lungenentzündung hab, dann bleib ich auch zu Hause!

  • Stefan N. vor 2 Monaten

    War ja klar damit das so kommt, erst werben mit der erhöhten Drosselgeschwindigkeit und dann das mit den verkaufen von Bewegungsdaten. Irgendwie muss man ja die Kunden beruhigen

42 Kommentare

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  • Und zum Dank, bezahlen wir trotzdem ein Vermögen für zu kleine Verträge....

  • Irgendwann werden beispielsweise die Krankenkassen auf solche Daten zurückgreifen und herausfinden, dass du während deines Krankenscheins lustig in der Gegend herumfährst und du dann erklären musst, wieso du während einer Lungenentzündung, eines Bandscheibenvorfalls oder ähnlichem jeden Tag unterwegs warst und sie sich weigern, die weitere Therapie zu bezahlen. Dies nur mal als Beispiel. Von wegen anonym. Wie viele Benutzer achten denn wirklich darauf, der Datennutzung zu widersprechen? Ich traue keiner Firma. Bin ich deshalb gleich paranoid oder nur Vorsichtig?

    • DiDaDo vor 2 Monaten Link zum Kommentar

      Wenn ich ne Lungenentzündung hab, dann bleib ich auch zu Hause!

      • Ja, Du vielleicht. Aber nicht jeder - zudem war es nur ein Beispiel. Fakt ist aber, dass es vielleicht möglich sein wird, dass die Krankenkassen auf die Daten zugreifen. Oder die Agentur für Arbeit / das Jobcenter, um festzustellen, ob Arbeitslose oder Hartz IV-Empfänger nicht verbotenerweise in Urlaub fahren für ein paar Tage oder eventuell einem nicht gemeldeten Nebenjob nachgehen. Die Möglichkeiten sind vielfältig...

      • DiDaDo vor 2 Monaten Link zum Kommentar

        Das halte ich für etwas utopisch. Aber ja, wer trotz Lungenentzündungen und draußen rumwackelt, oder gesetzeswidrig handelt, der darf ruhig seine Leistungen in welcher Form auch immer gekürzt bekommen. Ganz genau wegen Leuten, die Lücken zum Leistungsausnutzen suchen, muss ja leider scheinbar "genauer hingeguckt" werden. Harte Welt.

      • also gehst du nie raus!!! kein Mensch kann mir sagen das er mal Urlaub machen will oder rausgehen will!!! was sollen die Single Leute machen die witklich niemanden haben??? gehen die nicht einkaufen??

      • Tenten vor 2 Monaten Link zum Kommentar

        Bleibt mal locker. Nur weil mein Smartphone irgendwo unterwegs ist, heißt das nicht, dass ich nicht brav zuhause im Bett liege. Ich bin nicht mein Smartphone. Und den Beweis, dass ich das Gerät nicht jemandem geliehen habe für diesen Tag (ich brauche es krank wie ich bin ja eh nicht), den muss man erstmal schlüssig führen. Dazu müsste man auch auf die Daten der Kamera oder des Fingerabdruckscanners zurückgreifen und mit den Bewegungsdaten zusammenführen. Nicht unmöglich, aber doch extrem aufwändig. Und außerdem ja auch manipulierbar.

      • DiDaDo vor 2 Monaten Link zum Kommentar

        Wie meinen, Engin Ü?

    • @ Wilfried
      Dem Problem kannst du doch ganz einfach aus dem Weg gehen, bleib nur zuhause wenn du wirklich krank bist.
      Wer krank feiert um durch die Gegend zu fahren betrügt die Solidargemeinschaft der Beitragszahler, wenn dann Leistung gekürzt werden ist das völlig in Ordnung.

      • Klar, da hast du Recht. Ich wollte eigentlich nur ausführen, welch mögliche Gefahren da lauern. Und die Krankheit war nur ein Beispiel.
        Schon heute werden in Firmenwagen GPS-Geräte eingebaut (zum Teil ohne das die Mitarbeiter dies wissen, was verboten ist aber passiert, wie ich weiß.) Selbst wenn die Mitarbeiter es wissen, werden sie doch quasi überwacht. Das mag im Sinne des Chefs auch vernünftig sein, setzt die Mitarbeiter jedoch enorm unter Druck, weil sie bei jeder Arbeitsverzögerung sich erklären müssen. Hat jetzt direkt nichts mit den Smartphone-Daten zu tun, zeigt aber, dass jede Möglichkeit genutzt werden wird, um Kontrolle auszuüben.
        Wer jetzt noch darüber so locker hinweggeht, wird sich vielleicht irgendwann wundern, wenn plötzlich der Doc, die Bank, die KK und die Werbeindustrie weiß, wo du in Urlaub warst, wie du dort untergebracht warst (5-Sterne Hotel oder Pension oder Campingplatz), wie viel du dich da bewegt hast, wie viel Geld du für welche Waren ausgegeben hast und ob du Ausflüge gemacht hast, die dir die Reiseplattformen (o.ä.) dann später anbieten können etc. pp.
        Bei einer Karte wie die Payback-Card, kann ich ja noch selbst entscheiden ob ich die benutzen will oder nicht. Bei einem Smartphone wird dies vielleicht irgendwann - nicht heute, nicht morgen - nicht mehr möglich sein, weil ich vielleicht gar keine Karte mehr bekomme, wenn ich der Datensammlung nicht zustimme. Klar, die Oberschlauen und die, die sich auskennen werden Wege finden dies zu umgehen. Otto-Normalbenutzer, also die Masse der Smartphone-Besitzer, wohl eher nicht.

    • Takeda vor 2 Monaten Link zum Kommentar

      Man kann das Handy ja auch Zuhause lassen und nicht mitnehmen oder man hat eine zweites Handy wo die Nummer nicht bekannt ist sonder die nur deine engsten Freude oder Familie die Nummer kennen

      • Auch beim zweiten Handy wird der Netzbetreiber wohl die Nummer kennen.... :-D :-D

      • Takeda vor 2 Monaten Link zum Kommentar

        noch gibt es sim Karten bei ebay ohne regestrierung :) also schon freigeschaltet

      • Du scheinst ja Experte im Bereich "Beschiss" zu sein.......

      • Takeda vor 2 Monaten Link zum Kommentar

        Das hat nix mit Beschiss zu tun die kann sich jeder frei kaufen, Beschiss ist das was die Anbieter machen, wer sich wehren will kann es nur so, aber Leute wie du, wollen ja ständig beobachtet werden und stehen darauf

      • Tenten vor 2 Monaten Link zum Kommentar

        Ich finde, jeder sollte Experte im Beschiss werden, vor allem wenn es um das Datensammeln geht. Man kann sich dem sammeln kaum noch entziehen, aber man hat immer noch die Möglichkeit, seine Daten breit zu streuen und sie zu verfälschen.

      • Tectone vor 2 Monaten Link zum Kommentar

        Das System und die Politik bescheisst uns... Wie du mir so ich dir

    • Ich baue big Data Systeme und kann ihn garantieren das Krankenkasse bis zu Krankenhäuser das machen und solche Daten kaufen. konkretes Beispiel. Eine Notaufnahme Plan so wieviele Leute auf Abruf sind. anhand von dem verkehraufkommen und wieviel Leute sind bei einem Anlass in der Stadt. schlimm wird es wenn die daten einer Person zugeordnet werden können

  • eR Dee vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    ... es wird alles verkauft, bzw. zu Geld gemacht, was nicht Niet und Nagelfest ist! Sowie mit den Geheimnissen des Internets.
    Geheimnisse gibt es nicht. Sicherheit auch nicht - besonders hier. Diese bringen am meisten Geld! Geld das von den reichen EU-Bürgern kommt.
    In Asien, wo ich lebe, bekommen sie weit weniger. Haben aber am meisten User! Die wenigsten können lateinische Schrift lesen. Wissen aber das sie "irgendwo" klicken müssen. Natürlich nur in ihrer Landessprache!

    TELEFONICA:
    ich habe 20 Jahre n Spanien gelebt. Da hat der Satz "... das kommt mir spanisch vor" eine ganz andere Bedeutung bekommen!

  • Mich würde mal interessieren, wie viele von denen, die sich jetzt über die Bewegungsprofile der Netzbetreiber aufregen, an ihrem Smartphone das GPS permanent aktiviert haben.

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