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NSA: Der Datenschutzwahn kann nach hinten losgehen

Datenverschlüsselung ist das Gebot der Stunde. Weltweit suchen Nutzer nach Wegen, sich effektiver vor den Abhörern und Datensammlern unserer Zeit zu isolieren. Das ist verständlich, könnte bei der aktuell vorherrschenden Philosophie im NSA-Hauptquartier am Ende allerdings ein Eigentor werden. Zumindest geht das aus Schilderungen von Glenn Greenwald hervor, einem der drei Journalisten, denen Edward Snowden Zugang zu dessen gesamten Geheimdokumenten gewährt hat. 

encryption nsa greenwald
© Arcady/ Shutterstock/AndroidPIT

Woher wusste die National Security Agency (NSA) in der Vergangenheit, wo sie genau hinschauen musste? Vereinfacht gesagt, ist die Antwort: Wer verschlüsselt, macht sich verdächtig, so die Faustregel der National Security Agency. Da kaum jemand exzessive Versuche unternommen hat, seine Daten und Existenz zu verschlüsseln, konnte man häufig halbwegs plausibel annehmen, dass jene, die es taten, etwas zu verstecken hatten.

Nun wissen wir dank Snwoden, dass die NSA ein sehr weitmaschiges Netz ausgeworfen hat. Doch es besteht ein Unterschied zwischen Institutionen, Personen und Daten, die die NSA intensiv beobachtet und jenen, die lediglich routinemäßig und quasi anonym ins Netz gehen und durch die weiten Maschen gleich wieder entgleiten, ohne dass ihnen nennenswerte Aufmerksamkeit zuteil wird. Das wären 0815-Individuen wie wir.

Ausbau der Verschlüsselung = Ausbau der NSA

Je intensiver die Verschlüsselung, desto mehr Aufmerksamkeit erregt man, zumindest in den Augen der NSA, sodass aktuelle Bemühungen vieler Nutzer im Endeffekt das Gegenteil dessen bewirken könnten, was sich viele wünschen. Das heißt, eine Welle der Verschlüsselung wird fast notgedrungen einen massiven Ausbau der NSA-Aktivitäten nach sich ziehen. Nicht unbedingt das, was wir uns wünschen.

Selbstverständlich schlägt niemand Fatalismus vor, Glenn Greenwald auch nicht. Im Gegenteil, es gibt gute Argumente dafür, an breiter Front zu verschlüsseln, nämlich die Hoffnung, dass die NSA am Ende schlichtweg technisch überfordert ist. Aber das ist eben nur das: eine Hoffnung. Zu meinen, dass man sich durch derzeit praktikable Datenverschlüsselung vor Organen wie der NSA ultimativ schützen kann, ist vermutlich naiv. Echter Schutz müsste auf internationaler politischer Ebene hergestellt werden, denn selbst ein ressourcenreicher Gigant wie Google muss sich dem Arm des Gesetzes am Ende fügen und Daten herausgeben. Doch von der Politik erwartet Greenwald keinerlei Hilfe.

google nsa
Auch Google versucht sich zu schützen, muss sich am Ende aber der NSA fügen. / © NSA, Google, AndroidPIT

Was kann Verschlüsselung wirklich bewirken?

Das realistische Hauptargument für die Verwendung von Verschlüsselung ist demnach aber auch gar nicht so sehr Privatssphäre oder Datensicherheit. Viel mehr geht es darum, es Regierungen zu erschweren, an Daten zu gelangen, ohne sich an die offiziellen, rechtlich abgedeckten Kanäle zu halten. So ist zumindest der Umgang mit den Daten eher nachvollziehbar, auch wenn sie nicht ultimativ geschützt sind. 

Es mag unbefriedigend klingen, aber das ist womöglich das Beste, worauf wir im Internetzeitalter hoffen können. Mal abgesehen von einem nie endenden Wettrüsten zwischen zwielichtigen Organisationen und Kriminellen auf der einen und Datenschützern und Nutzern auf der anderen Seite. Am Problem ändert das allerdings nicht wirklich etwas. Und ins Offline-Zeitalter möchte zumindest ich nicht zurück.

Top-Kommentare der Community

  • Gerega 12.03.2014

    Wer legt denn den Maßstab fest, wer ein 0815-Individuum ist? Heute bist du vielleicht noch eins, morgen kann das schon ganz anders aussehen, wenn sich die Parameter der Rasterfahndungssoftware ändern.

80 Kommentare

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  •   32

    Also der Artikel sendet wieder dieße Signale wie bei WhatsApp. Hier wird Leichtsinn Tür und Tor geöffnet. Welchen Fachlichen Anspruch hat AP eigentlich noch ?
    Sind alles subjektiv geprägte Artikel ohne Tiefe mittlerweile.
    Gehts hier nur noch um Quoten die durch Provokation erreicht werden müssen oder sollen? Bei diesem Themen ist AndroidPit mit Abstand die Schlechteste Seite im Netz. Keiner der Fachleute und Fachportale schreibt so einen Mist zu dem Thema.
    Bin echt enttäuscht.
    Dieses Thema ist viel zu wichtig um es mit fatalen Botschaften zu Klicks zu generieren.
    Unglaublich.

    So - jetzt hab ichs mal gesagt endlich.

    Verschlüsselung funktioniert sagte Herr E.S. im TV und Interviews. Oder warum wurde der email Dienst mit Kryptographie geblockt von den Behörden ?

    Kann mir mal einer erklären wie ein gebildeter Mensch wie Stephan sowas in Serie ablassen kann ?

  •   9

    Klar bringt Verschlüsselung was. Wir sollten mal die Kirche im Dorf lassen. Die NSA hat natürlich Super-Kryptoexeperten und High-End-Hardware ohne Ende. Aber zaubern können sie trotzdem nicht. Bisher ist bekannt, dass sie eine Backdoor in einem Algorithmus untergebracht haben, und der wurde kaum verwendet (weil er bereits früh als unsicher galt). Wenn Experten weltweit einen Algorithmus als sicher einstufen, ist er (a) das wahrscheinlich auch und (b) wenn nicht wird nicht ausgerechnet die NSA (und nur die) wissen, wie man ihn knackt, die sind ja nicht allmächtig.

    Verschlüsseln erhöht den Aufwand um etliche Größenordnungen und kann verhindern, dass die Geheimdienste ungehindert von uns allen Daten abgreifen, bloß weil sie es können. Sondern sie müssen auf "altmodische" Verfahren zurück greifen wie "wer könnte verdächtig sein", und die dann gezielt verfolgen.

    Macht man sich jetzt verdächtig, wenn man verschlüsselt? Klar. Aber genau darum sollten wir es ja alle machen.

  • Wenn das Motiv des Autors ist, durch Provokation Klickzahlen für Androidpit zu generieren, dann erübrigt sich jede ernsthafte Diskussion über den Inhalt des Artikels und bei weiteren ähnlich provokanten Artikeln.

    +StephanSarowy, du bist wenigstens ehrlich, auch wenn es sich nicht mehr lohnt über die Artikel zu diskutieren. Eigentlich würde doch auch ein Link reichen "BITTE HIER KLICKEN".

    Schönes Wochenende

  • Ich glaube mehr verschlüsselung und Sicherheit beteutet für mich auch weniger kriminelle die meine daten besitzen , die NSA kann mich mal gerne haben .

  • Trotzdem hat die tolle NSA den 11. September nicht verhindern können.....

    Dreist gemeint aber, sie wollen doch vor genau so etwas schützen können!
    Hallo Prism! Du böse Elfe :'D

    Dann dreht die Merkel am rad, weil sie belauscht wurden ist.
    Sie hat sich ganz schön darüber aufgeregt! Etwas zu verbergen? Sex-Telefonat?, Steuerhinterziehung? O.ä?
    Grade solche Leute dürften kein Abhör sicheres Handy haben!
    Klar Privatsphäre, doch der normale Bürger muss oder darf abgehört werden, da Merkel ja ein Übermensch ist.

    Spielen die sich auf....

  • Verschlüsselung macht das Mithören auf jeden Fall teurer. Man kann von den USA und ihren Regierungsorganen halten, was man will, aber Gelder und Budgets müssen dort immer noch durch demokratische Prozesse gehen, und wenn die Kosten explodieren, um "Essen ist fertig" oder "Na, wie gehts"-Messages oder Mals zu entschlüsseln (oder so lange zu speichern, bis mans kann), dann wird das schnell sehr sehr teuer im Verhältnis zum "Nutzen". Das muss man dann erst mal vor den Parlamenten und auch dem Steuerzahler gerechtfertigt bekommen. Somit: mehr verschlüsseln. Je mehr, desto besser (und desto dünner ja dann auch der "Verdacht" - wenn fast jeder irgendwas verschlüsselt kann nicht jeder ein Terrorist sein und man muss neue Kriterien finden. Oder eben zehnmal so viel Budget ausgeben)

  • Würden wir alle verschlüsseln...

    ... einfach mal den Gedankengang selbst zu Ende denken.

    • Genau: würden alle verschlüsseln, wäre das die Normalität! Für mich bedeutet Verschlüsselung momentan die einzige Möglichkeit, Sand in das Getriebe dieses Überwachungswahnsinns zu werfen. Eine politische Lösung wäre wünschenswert, halte ich aber für eine Illusion, da alle Staaten einschliesslich des unseren von der Überwachung "profitieren". Und wenn die NSA alles entschlüsseln kann, sie muss die Daten auch automatisiert auswerten: Was passiert, wenn in Milliarden von emails aufgrund des Widerstands der Menschen lauter kleine Zielwörter stehen, wie Bombe, Angriff, Granatwerfer, Bush war ein Idiot (Liste ist beliebig verlängerbar ;-)). Das wäre vielleicht die Lösung... aber ich fürchte, das wird nicht passieren, solange Menschen denken "ich hab nichts zu verbergen, mir egal".
      Ich ziehe jedenfalls meinen nicht vorhandenen Hut vor Snowden: Dank seiner scheibchenweisen Enthüllungen hat er eine mehr als überfällige Debatte losgetreten. Die Demokratie hätte mehr Menschen wie ihn bitter nötig!

      @Didi B: Danke für den Link des Videos, dem kann man nichts mehr hinzufügen.

  • Das ist wohl der beste Artikel zu dem Thema, den ich seit langem gelesen habe.
    Es entzieht sich meiner Logik, wieso sich die NSA für einen normalen Bürger interessieren sollte.
    Aus meiner Sicht können sich jetzt -dank der NSA-Affäre- viel zu unbedeutende Menschen viel zu wichtig nehmen. Was interessiert eine Anti-terror Organisation, die Wirtschaftsspionage betreibt, was wir 0815-Bürger in unserer Freizeit machen?
    Gar nichts, das ist uninteressant.
    Es ist nur für die unter uns relevant, die gerne Aufmerksamkeit haben wollen, die das Gefühl haben wollen, für einen weltweit operierenden Geheimdienst wichtig zu sein.
    Diejenigen kann ich leider nur beunruhigen. Sie sind für einen Geheimdienst von keinerlei Relevanz.

  • Ich kann auch nicht verstehen, wie der Autor hier versucht Meinungsmache zu betreiben! Datenschutzwahn, dass ich nicht lache! Den hat es noch nie gegeben, zur Zeit wird lediglich von vielen versucht, ein Minimum an Datenschutz innerhalb der eigenen Möglichkeiten herzustellen. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß bei Android Pit ein Bild Redakteur angefangen hat, so billig muten die letzten reißerisch gemachten Artikel an.

  •   51
    XXL 13.03.2014 Link zum Kommentar

    Ich teile die Meinung von Aries Stenz zu 100 Prozent. Allein das Wort "Datenschutzwahn" ist polemisch. Von Datenschutzwahn kann doch keine Rede sein, einen solchen kann ich nicht mal im Ansatz erkennen.

    Wenn man sich immer der Polemik bedienen muss, um eine angeregte Diskussion anzustossen (oder Klicks zu generieren), dann kann man es einfach nicht besser oder hat nichts zu berichten. Eine bewusste und so billige Polemik kann vielleicht für eine hitzige Diskussion sorgen, einen anderen Anspruch hat der Autor sowieso nicht, wenn er denn ehrlich wäre. Aber als Grundlage für eine sachliche und seriöse Diskussion, welche sogar zur Entscheidungsfindung beitragen soll, ist dieses Mittel schwachsinnig, das weiss jeder hier!

    Aber der Autor versteht es ausgezeichnet, seine Aussagen in geschliffenem Deutsch zu verdrehen und sich rauszureden, dass einem schwindlig wird dabei. Die Rechtfertigungsgründe und Begründungen sind immer haarsträubender. Nur wird die Glaubwürdigkeit mit jedem durchschaubaren Rechtfertigungsversuch noch weniger...

  •   50

    Allein schon die Überschrift geht mir auf den Keks. Das Wort "Datenschutzwahn" macht sie polemisch! Es geht um Datenschutz. Wir haben ein gleichlautendendes Gesetz. Aber niemand kümmert sich darum. Stattdessen kommuniziert jeder im Netz unverschlüsselt, regt sich dann über Herrn Snowdens Enthüllungen auf und als Ergebnis verschlüsseln wir weiterhin nicht, weil es sowieso keinen Sinn hat? Weil wir uns damit verdächtig machen?

    Wenn ein Staat oder eine staatliche Organisation so denkt, dann sollten wir ihr aber schleunigst unsere Meinung geigen und erst recht verschlüsseln. Und zwar dann so gut wie immer möglich!

    Bin ich auch verdächtig,weil ich meine Wohnung abschließe? Auch noch mit einem sogenannten Sicherheitsschloß. Vor was hat der Staat Angst? Noch haben wir keine Stasi 2.0. Und ich möchte die auch nie bekommen. Ein nächstes 1989 wird dank Komplettüberwachung scheitern.

    • @Aries Stenz: Richtig erkannt, das ist polemisch! Warum? Damit genau das passiert, was passiert ist: Damit du (und andere) einen Kommentar dazu abgibst und Dich an einer Debatte beteiligst, die wichtig ist und vielleicht dem ein oder anderen bei der Meinungsfindung hilft. Mission accomplished.

      •   50

        Das geht auch anders. Zum Beispiel "Warum wir jetzt erst recht verschlüsseln sollten".

        Du schürst die Meinung "Alles zwecklos".

      • @Aries Stenz: Die Meinung vertritt aber ohnehin schon jeder der Leser hier, ob nun gut informiert oder nur aus dem Bauch heraus. Das wäre "preaching to the choir" - wenig reizvoll, wenig effektiv, wenig konstruktiv. Davon abgesehen impliziert das ja, dass Dich Meinung und Polemik generell nicht stören, sofern sie bloß DEINE Meinung vertreten.

        Übrigens akzeptiere ich nicht die Prämisse, dass ich irgendetwas "schüre". Ich stelle Perspektiven vor, aus denen jeder gerne machen kann und soll, was er will. Und wie du zumindest an den Kommentaren siehst, macht sich aufgrund des Artikels offenbar kein Fatalismus breit, im Gegenteil. Wenn ich irgendetwas "schüre" dann ja scheinbar den Willen, zu verschlüsseln.

      • Jetzt mal Butter bei die Barsche. Soll das etwa heißen, du spielst hier "märtyrerhaft" den Polemiker, um die Diskussion um verbesserten Datenschutz anzuheizen... um mehr Bewusstsein für diese Thematik zu schaffen?
        Das wäre ja großartig!

        Nur nimmt dir das leider keiner ab.

        Ob du die "Prämisse Irgendwas zu schüren" akzeptierst, oder nicht, ist leider irrelevant.
        Du tust es. Punkt.
        Aus welchen Gründen auch immer.

        Und noch was... vielleicht ist dir gar nicht bewusst, welche Verantwortung man als Blogger eines der meistgelesensten Android-Portale im deutschsprachigen Raum trägt.
        Wäre dies DEIN privater Blog, würde ich das Thema gar nicht anschneiden... ist aber nicht so.

        Ich denke mal, nur ein Bruchteil der Leser dieser Seite hat sich umfassend mit dieser Problematik auseinandergesetzt (ich selbst zB. habe erst vor ein paar Wochen damit begonnen, mich damit eingehender zu beschäftigen.. und mir gingen wahrlich die Augen auf)... und "Hinz und Kunz" werden sich auf Grund deiner Artikel wahrscheinlich denken: "Ach, siehste? Is ja alles gar nich so schlimm... der Stephan meint auch, wir solln keine Panik schieben. Der muss sich schließlich auskennen. Datenwahn? Hahaha!"

        So sieht's mal aus.

        Es gibt einfach Themen-Bereiche, die sind für uns alle für die Zukunft zu bedeutend, um sie als Journalist so mir nichts/dir nichts mit bissiger Polemik und persönlicher Meinung zu würzen.

        Es sei denn, es handelt sich um Satire.

        Danach sieht's aber nicht aus.

      • Ich muss einfach diese Aussage hier wirklich unterstreichen und nochmals bekräftigen:

        Dieses Thema ist zu wichtig, als dass es durch Polemik zum Klickgenerator gemacht werden sollte. Wie Du selbst siehst, Stephan, verstehen die meisten nicht recht, was Du mit dem Artikel sagen willst, weshalb ich es nicht so toll finde. Wo sind die ganzen wichtigen Links zum Thema? Wo die weiterführenden Infos zum Thema Überwachung?

  • also das mit dem 0815 individuum find ich ja echt extrem dreist. niemand ist 0815, weder der müllmann noch der anwalt!!!

    • Willst du jetzt ernsthaft mit dem "Wir sind alle gleich viel wert"-Blödsinn aus der Grundschule kommen? Das geht vollkommen am Thema vorbei und du hast den Kontext, in dem der Begriff verwendet wird, überhaupt nicht verstanden.

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