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Nokia Z Launcher im Test: Das Ende der Freiheit, das Ende der Sucht

Vor nicht allzu langer Zeit stellte Nokia den Z Launcher vor (zur Meldung); ein intelligenter, kontextsensitiver Launcher, der Ordnung und Einfachheit auf den Homescreen zu bringen verspricht. Ich habe ihn eine Woche lang in der täglichen Praxis getestet. Hier mein Urteil.

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© Nokia

Die grundsätzlichen Infos vorneweg: Der Z Launcher befindet sich derzeit in einer Pre-Beta, das heißt, hier kann sich noch einiges tun. Getestet wurde der Launcher auf einem LG G2 mit Root und Custom-ROM. Dies kann unter Umständen die Performance beeinträchtigt haben, denn offiziell werden gerootete Geräte nicht unterstützt. 

Das Konzept

Kurz eine Zusammenfassung dessen, was Z Launcher ist: Hier wird das Smartphone auf einen Homescreen reduziert, auf dem Tag, Uhrzeit, der nächste Kalendereintrag, die sechs meist genutzen Apps/ausgeführten Aktionen und ein Dock aus vier fixen Apps angezeigt wird. Was für Apps man sieht, hängt vom Nutzungsverhalten und der Tageszeit ab. Im App-Drawer gibt es eine alphabetische Liste aller Apps. Darüber hinaus werden diese über die Funktion “scribble” gefunden, bei der man den Anfgangsbuchstaben oder ganzen Namen der App per Hand aufs Display “kritzelt”, woraufhin die passenden Apps aufgelistet werden. Eine ausführlichere Darstellung des Z Launchers und Infos zur Erhältlichkeit findet Ihr hier.

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Das Kritzeln einzelner Buchstaben lief flüssig und zuverlässig (links). Auch die Auflistung passender Apps (rechts) gefiel und machte den Zugriff teils deutlich schneller. / © Nokia, AndroidPIT

Das Positive

Z Launcher ist simpel und übersichtlich. Das “Scribblen” hat enorm viel Potenzial. Sofern ich wirklich nur den ersten Buchstaben eingab, erkannte das System diesen mit hoher Genauigkeit und bot mir zügig die entsprechenden Apps, was den Zugriff teils spürbar beschleunigte. Was die oft genutzten Apps betrifft, so war der Launcher in der Tat recht gut darin, mir diese zuverlässig anzuzeigen und die (natürlich stark eingeschränkte) Auswahl an sechs Apps immer aktuell zu halten. Wenn ich beispielsweise häufig mit meiner Freundin telefonierte, nahm Z Launcher auch einen Shortcut in die Liste auf, der dieser Aktivität entsprach. Wenn ich eine App häufig nutzte, rutschte sie höher in den Top 6 und wurde auch in den Scribble-Ergebnissen höher priorisiert. 

Das Negative

Die Liste ist hier leider recht lang: Z Launcher unterstützt keine Widgets und keine Hotword-Erkennung für Google Now, und das sind für mich sehr große Mankos. Selbst Dinge wie das Einsehen des Wetters werden so umständlicher. Übrigens fehlt auch die Google-Suchleiste, was mich ebenfalls stark in meiner Flexibilität beschnitt, denn Suchanfragen via "Scribble" sind aktuell einfach nicht praktikabel. Das liegt nicht nur daran, dass das “Scribblen” unerträglich langsam, ungelenk und zu oft unpräzise war, wenn mehr als ein Buchstabe geschrieben wurde. So verlor dieses sonst grandiose Feature oft seinen Zweck. Das Dock mit den vier statischen Apps ist aktuell nicht frei belegbar, was ebenfalls ein großes Minus darstellt. Auch sind Apps aus dem Dock nicht aus den Top 6 ausgenommen, was mitunter dazu führt, dass ein wertvoller App-Platz aufgrund einer Doppelung verschenkt wird - ein echtes Problem bei nur sechs Plätzen.

Wer mehrere Aktionen à la “XY anrufen” gelistet hat, gerät schnell versehentlich auf einen dieser Links und tätigt ungewollte Anrufe, denn die Shortcuts nehmen die ganze Breite des Displays ein und bieten in der Vertikalen wenig Tippfläche. Es ist zwar schön, dass der Launcher sofort aus häufiger App-Nutzung lernt, jedoch kann das auch stören, denn nicht jede momentan häufige Nutzung ist so regelmäßig, dass eine App oder Aktion sofort in den Top 6 erscheinen muss, wo sie andere Apps, die regelmäßig im Einsatz sind, verdrängen. Zu guter Letzt war die versprochene Dynamik in der App-Darstellung basierend auf Tageszeit in meinem wochenlangen Test nicht mehr als ein Mythos.

zlauncher test
Leider doppelten sich Apps teils unkontrollierbar (links). Nicht nur Apps werden in den Top 6 berücksichtigt, auch Aktivitäten wie das häufige Wählen einer Nummer. / © AndroidPIT

Freiheit adé

Hier ist einer der Knackpunkte aus meiner Sicht: Freiheit gibt es mit dem Z Launcher nicht mehr. Einfache Personalisierungen wie das Auswählen von Hintergrundbildern werden umständlicher. Icons können nicht verschoben oder frei platziert werden, Ordner gibt es keine mehr - grundsätzlich existiert nur noch das strenge Korsett des Z Launchers. Die intelligente Dynamik, die Nokia verspricht, geht aktuell nicht weit genug und ist zu beschränkt, um diesen Verlust an Freiheit auch nur ansatzweise zu kompensieren. Wer mehr als sechs Apps häufig verwendet, hat nur bedingt etwas von der Übersichtlichkeit dieses Launchers. Anfänger mögen sich hier wohlfühlen. Andererseits haben diese in der Regel gar nicht genügend Apps, um ein Feature wie "scribble" auch nur zu benötigen.

Sucht adé

Doch es gibt einen anderen Effekt, den ich so nicht erwartet hätte: Ihr kennt es möglicherweise, das relativ wahllose Herumwischen durch die Homescreens und Apps, wenn man beispielsweise in der Bahn sitzt und nichts zu tun hat. Man sucht auf dem Gerät nach Unterhaltung, so mancher Blick ist unproduktiv, teils sogar sinnlos und reiner Reflex. Das hat bei mir während des Tests völlig aufgehört, denn Z Launcher bietet mir nur das, was ich wirklich regelmäßig brauche. Ich nahm das Gerät nur noch in die Hand, wenn ich wirklich etwas Konkretes vorhatte, denn etwas anderes bot es mir schlichtweg nicht, und das Scrollen durch die App-Liste war einfach zu langweilig. In diesem Punkt war der Verlust an Freiheit vielleicht sogar äußerst heilsam.


Link zum Video

Fazit

Ich bin intelligenter Technologie gegenüber aufgeschlossen. Meine Freiheit als Nutzer ist mir wichtig, aber wenn ein Launcher verspricht, mein Leben einfacher zu machen, geschweige denn meine Gedanken zu lesen, gebe ich ihm als Google-Now-Freund eine Chance. Nach einer Woche war ich jedoch froh, den Z Launcher wieder gegen den Google Now Launcher eintauschen zu können. Das straffe Korsett, das Fehlen so fundamentaler Aspekte wie Widgets und das Zurückfahren von Google (Now) störten einfach zu sehr. Was ich seitdem jedoch sehr vermisse, ist das “Scribblen”, und dieses Feature alleine lässt mich hoffen, dass Nokia hier noch einige Nachbesserungen vornimmt. Dass das passiert, ist nicht ausgeschlossen, liegt es doch in der Natur einer Pre-Beta. Sollte also etwas mehr Freiheit einkehren und Google Now präsenter werden, werde ich dem Z Launcher definitiv eine zweite Chance geben.

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28 Kommentare

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  • Eigentlich finde ich die Idee mit "intelligenten Launchern" ganz interessant. Allerdings hat bislang noch keiner wirklich regelmäßig das geliefert, was ich in dem Moment gewollt hätte. Man nutzt etwas, der Launcher merkt es sich und liefert - etwa weil man wieder die Ohrstöpsel eingepfropft hat - dieselbe App wieder. Die hatte man aber nur aus Zufall das letzte Mal benutzt, als man Musik gehört hat und will jetzt was ganz anderes machen. Und ganz überfordert sind die Dinger, wenn der Tagesablauf nicht immer dem klassischen Schema Morgens Arbeit Abends folgt.

    • Ich teste gerade mal die neue, finale Version von Aviate. Macht bisher schon mal einen guten Eindruck (besser als Z Launcher,. vermute ich). Ich werde da demnächst auch mal etwas drüber schreiben, wenn ich ihn eine Woche oder so getestet hab.

  • FÜR MICH EIN ABSOLUTER GEHEIMTIPP BEI DEN LAUNCHERN! Viel Potential das hoffentlich gefördert wird,habe ihn jetzt als Standard Launcher eingestellt! S)

  • Apropos Root: Könnt ihr bitte mal einen Artikel schreiben in dem ihr erklärt wie man sein Handy rootet oder habt ihr das schon??? Danke :)

  • also ich hätte ja sehr gerne ein Widget für z. B. den Nova, welches mir dann die meist genutzten Apps anzeigt und eins auf dem ich scribbeln kann. Der Rest vom Z Launcher ist mir zu starr.

    • interessanterweise liefert der z launcher (auch ohne widget Unterstützung) ein widget mit dass die am meisten genutzten apps anzeigt. leider lässt sich da nicht scribbeln

  • Lesbarkeit in der App ade..

  • Wenn "ok google" und "google now" integriert werden ist doch schon ein Weg hinzugefügt.
    Wenn man noch links und rechts je 1 Homescreen für sich zum selber anpassen hätte, dann sind wir schon bei 90%
    Und wenn man das Dock auch noch nach links und rechts swipen und diese beiden selber festlegen kann, dann sind 99% erreicht.
    :D

  • auf xda gibt es 2 Versionen für root geräte einmal unter Android 4.3 und ab Android 4.3.

    hier
    http://forum.xda-developers.com/showthread.php?t=2790333

  • Ich verstehe das nicht. Ich habe mir den Launcher als apk gedownloaded und es kommt die Meldung, das gerrotete Geräte nicht unterstützt werden :(

    • [UPDATE: 24.06.2014, 8:45 Uhr]

      ​Die Entwickler der XDA-Developers konnten und wollten ein "Nein" nicht akzeptieren, als sie versuchten, die Pre-Beta des Z Launchers auf ihren selbstverständlich gerooteten Geräten zum Laufen zu bringen. Wir sagen "Danke", denn sie haben das Problem für uns alle behoben. Hier gibt es zwei APKs zum Download, und zwar für gerootete Geräte mit Android 4.0 bis 4.2 und 4.3 und höher. Wir können bestätigen: Es funktioniert. Auf meinem LG G2 läuft der Z Launcher nun und das bisher ohne ersichtliche Macken. Wir werden ihn nun unter den Bedingungen des wirklichen Lebens testen und dann demnächst unsere Eindrücke an Euch weitergeben.

  • achja hatte mal testhalber noch den cover lockscreen dazu, weil passt ja ansich gut zusammen aber das hat mir der Akku böse genommen;-)

  • die apps im Dock kann man über Umwege selber bestimmen, weil er übernimmt die vom vorigen launcher, also Google now zB. ... nutzte ihn sich schon paar Tage und finde das Konzept gut gelungen aber es muss schon noch einiges passieren damit der meinen geliebten apex verdrängen kann

  • "...In diesem Punkt war der Verlust an Freiheit vielleicht sogar äußerst heilsam".
    Das hört Obama und Mutti Merkel doch gern :xD ...srry der Kommentar musste sein^^

  • My1 03.07.2014 Link zum Kommentar

    wie zeichnet man denn buchstaben die man nicht in einem strich hinbekommt, zb A, F oder so?

    • Wenn du schnell genug bist, kannst du auch mehrere nebeneinander zeichnen, was platztechnisch meist schwierig und nicht unbedingt komfortabel ist (da es eine zweite Hand erfordert). Ansonsten musst du warten, bis der erste Buchstabe erkannt wurde und kannst dann den nächsten zeichnen. Bloß das ist wie im Artikel beschrieben langsam und mühselig.

      • My1 03.07.2014 Link zum Kommentar

        es geht ja um buchstaben die man nicht in einem strich hinbekommt, nicht um mehrere buchstaben nebeneinander.
        zb. wie will man zb. ein Q malen, ohne dass der n O erkennt bevor man den 2. Strick ranbekommt...

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