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[Update] Nexus-Absage: Google sitzt in der (PR-)Falle

Sturmtief „Sandy“ lähmt fast die gesamte Ostküste der USA und bringt damit nicht nur den Endspurt des Präsidentenwahlkampfes gehörig durcheinander. Google musste deshalb das wichtigste Android-Event des Jahres absagen und sieht sich jetzt mit einem PR-Problem konfrontiert, das genauso gewaltig ist wie die Tiefdruckzelle über dem Atlantik: Stell Dir vor, es ist Nexus-Zeit und keiner hört zu.

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Sturmtief Sandy auf seinem Weg durch die USA: Die gesamte Ostküste ist betroffen / (c) Google Crisismap

Frankenstorm

Schon jetzt ist klar, dass Sandy ein Jahrhundersturm ist. Mehr als 1300 Kilometer lang ist der Küstenstreifen im Osten der USA, der von dem wie eine Walze heran rollenden Sturmtief bedroht wird. Er reicht von Kanada bis hinunter nach North Carolina, fast der gesamte Osten Nordamerikas ist betroffen, wobei die schlimmsten Schäden rund um New York erwartet werden, einer der am dichtesten besiedelten Regionen der USA. Denn aus dem Norden Kanadas nähert sich ein weiteres Tief, das in seinem Rücken sehr kalte kontinentale Luftmassen mit sich führt. Es wird befürchtet, dass sich Sandy mit diesem Wintersturm zu einem neuen Supersturm vereinigen wird, der den gesamten Nordosten zwischen New York und Chicago unsicher macht. Die Amerikaner haben schon einen passenden Namen für dieses einzigartige Wetterphänomen gefunden: Frankenstorm.

Frankenstorm hat nicht nur Google dazu gezwungen, das wichtigste Android-Event des Jahres auf unbestimmte Zeit zu verschieben, er bringt auch den US-Wahlkampf gehörig durcheinander. Barack Obama hat alle Wahlkampf-Termine abgesagt, nicht nur um sich dem Krisenmanagement zu widmen, auch um die Kritik zu vermeiden, dass er seiner Wiederwahl höhere Bedeutung beimisst als dem Schutz der Bevölkerung. Das Wetter stürzt das gesamte öffentliche Leben in den USA ins Chaos und dominiert nicht nur dort die Schlagzeilen.

Der Riesenapparat

Am Samstag hat Google bereits die Absagen an die US-Medien verschickt, am Sonntagmorgen trudelten dann die E-Mails in den Postfächern der europäischen Journalisten und Blogger ein, die zu einer parallelen Veranstaltung nach London eingeladen waren. In London sollte das New Yorker Event live übertragen werden – ein übliches Vorgehen, das dem logistischen Aufwand einer solchen globalen Veranstaltung geschuldet ist. Auch Apple lädt bei seinen iPhone-Vorstellungen nicht die ganze Tech-Welt nach San Francisco, sondern gleichzeitig zu kleineren Live-Übertragungen, über den Globus verteilt, zum Beispiel nach London. Mich erreichte am Sonntag folgende E-Mail:

„It is with regret that we must cancel the London livestream of our Android event tomorrow. 
As you are no doubt aware, New York is in the path of Hurricane Sandy and a state of emergency has been declared, so the Android event itself in New York has been cancelled. 
Please accept my apologies for the inevitable inconvenience caused. 
We're still working out next steps, but will of course keep you informed of any important news updates or announcements.“



Evakuierte Zonen in Manhattan: Das Google-Event sollte an einem Pier in der Nähe des Hudson River stattfinden. Dieser Streifen ist nun komplett gesperrt. / gefunden bei: eastvillagernews.com
 

Den mit diesen "next steps" verbundenen organisatorischen Herkulesakt habe ich ja bereits angesprochen. Es geht für Google nicht nur darum, einen neuen Veranstaltungsort zu finden, der groß genug für mehrere Hundert Leute ist und für das Event angemessen präpariert werden muss. Es geht auch darum, dieses Event mit den kleineren weltweit flankierenden Veranstaltungen zu synchronisieren, die Teilnehmer anzuschreiben, die Terminkalender der Google-Mitarbeiter abzustimmen. Kurz gesagt: es geht darum, einen riesigen Apparat neu zu starten und zum Laufen zu bringen.

In der (PR-)Falle

Google würde das hinbekommen, davon bin ich überzeugt. Das Problem ist nur, dass es keinen guten Ausweichtermin gibt. Heute war der perfekte Tag dafür, man hätte nicht nur Microsoft ein Schnippchen geschlagen, das heute in San Francisco mit viel Getöse Windows Phone 8 präsentiert, man hätte auch sechs Tage vor der Präsidentenwahl die Aufmerksamkeitskurve der Medien und Menschen noch an der Spitze erwischt, bevor sie steil nach unten fällt.

Jetzt ist es zu spät und Google sieht sich mit dem klassischen PR-Alptraum konfrontiert, der durch das Sturmtief noch verschlimmert wird: Stell Dir vor, ich zeige etwas neues Bahnbrechendes und niemand hört zu!

Denn wer soll sich denn bitteschön jetzt noch für Android interessieren? Ab Mittwoch wird man nur noch über die massiven Schäden reden, die der Sturm hinterlassen hat, ab kommenden Sonntag über den neuen Präsidenten der USA. Die nächsten zwei Wochen hat Android keine Chance, irgendwo auf der ersten Seite oder ganz vorne aufzutauchen.

Gleichzeitig aber stehen die Termine für den Start der neuen Produkte: Es gibt bereits Lieferverträge für Nexus 4 und Nexus 10, wahrscheinlich laufen die Fabriken in Asien gerade auf Hochtouren und spucken sie zu Tausenden aus. Der Marktstart lässt sich nicht mal eben so auf den Sankt Nimmerleinstag verschieben. Ein anschauliches Beispiel dafür ist das Nexus 7 mit 32 Gigabyte, das bereits in einem Media-Markt-Prospekt abgedruckt ist und ab Freitag verkauft wird. Alles war perfekt aufeinander abgestimmt: heute Produktvorstellung, vier Tage später steht es in den Läden.


Nexus 7 mit 32 Gigabyte bei Media Markt: Der Apparat ist durcheinander geraten / (c) mobiflp

Das verpatzte Nexus-Event zeigt, wie schnell der Zufall einen perfekt abgestimmten Apparat zerstören kann. Google hat keinen Plan B, dafür sind die Strukturen zu komplex geworden. Die bis ins kleinste Detail geplanten Abläufe fallen wie Kartenhäuser zusammen, wenn plötzlich die Wirklichkeit über sie hereinbricht.

Die Welt ist ungerecht

Natürlich kann Google nichts dafür. Natürlich ist das höhere Gewalt. Aber diese Tatsache ändert nichts an der Bredoullie, in der Google steckt. Wir wissen doch alle, wie ungerecht das Leben ist: Nach zwei Wochen interessiert sich keiner mehr dafür, warum Du es damals verbockt hast. Alle erinnern sich nur noch daran, dass Du es verbockt hast. Es gibt keinen zweiten Platz und es gibt eigentlich kaum noch eine Möglichkeit, die neue Android-Version und die Nexus-Flotte in einem Rahmen vorzustellen, der angemessen ist.

Ich glaube nicht, dass der Sturm einen großen Einfluss auf den Marktstart der neuen Nexus-Flotte und die neue Android-Version haben wird. Ich bin aber gespannt, wie Google da noch heil herauskommen will. Immerhin: Wenn es jemand schafft, dann die.

Update vom 29.11.2012, 19:58: Ich habe es kommen sehen und das im Artikel hoffentlich auch so transportieren können: Google hat heute mangels Alternativen seine neuen Produkte quick and dirty einfach per Pressemitteilung vorgestellt. Das es so schnell gehen würde, dafür hätte ich meine Hand allerdings nicht ins Feuer gelegt. Hier die Infos:

Android 4.2 Jelly Bean: Das ist neu!
Google Nexus 4: Neues Android-Flaggschiff kommt am 13. November
Nexus 7 mit 32 GB und 3G im Play Store
Nexus 10: Google verkauft das schärfste Tablet der Welt


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19 Kommentare

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  • @Michael Fuerst wer Jammert hier wegen ungerechtigkeit?
    Ich kann nur meine 2 posts und 2 dazwischen lesen und da jammert Keine SAU -.-

    mal richtig lesen wäre von vorteil


  • Im Playstore sind für das Nexus 7 zurzeit gelistet:

    https://play.google.com/store/devices/details?id=nexus_7_32gb_hspa

    16GB wifi 199Eur [Auf Lager]
    32GB, wifi 249Eur [Auf Lager]
    32GB wifi, hspa+ 299 Eur [Bald verfügbar]

    Sieht gut aus :)


  • Find den Blog auch klasse, weiter so!


  • Super Blog!


  • http://googleblog.blogspot.ch/2012/10/nexus-best-of-google-now-in-three-sizes.html

    Today, we’re excited to announce three great new Nexus devices … in small, medium and large. And they all run Android 4.2, a new flavor of Jelly Bean—which includes the latest version of Google Now and other great new features.


  • Guter Beitrag, danke dafür!


  • Angenehm zu lesender Beitrag, und die Problematik ist offensichtlich.
    Es muss doch klar sein, dass man so etwas nicht "mal eben" ne Woche verschieben kann. Genau so gut könnte man versuchen seine Hochzeit mal ne Woche zu verschieben und alle Verwandten, Freunde, Ort, DJ, Pastor usw. umzuplanen.
    Das die Geräte geliefert werden müssen, weil Verträge eingehalten werden müssen ist auch klar. Aber so ist das nun man, wenn man "just in time" organisiert.


    --- off topic ---
    @Unwetter: Eigentlich wollte ich nichts dazu schreiben. Aber... ich muss:
    Könnt ihr _bitte_ aufhören uns mundtot machen zu wollen, nur weil ein Ereignis eingetreten ist, welches wichtiger, größer und tragischer ist?
    Ich höre deshalb nicht auf zu arbeiten, ich lese weiter in der Bahn mein Buch und sehe mir heute Abend kitschige US Serien an.
    Ich bedaure schon was passiert ist, aber das Leben passiert hier bei uns, und es passiert anders.


  • Hi Drahnoel. Danke! Und Du hast recht. Ist geändert :-)


  • wollen wir jetzt fehler suchen im beitrag? -.-


  • @Michael Fuerst
    Nur blöd, dass du auf einer Android Seite unterwegs bist.


  • Sehr guter Beitrag!
    Habe allerdings einen Fehler gefunden
    Frankensturm 4. Satz :
    Es wird befürchtet, dass sich Sandy mit diesem Wintersturm zu einem neuen Supersturm vereinigen wird, der den Nordosten zwischen New York und Chicago verunsichert.
    Es heißt doch: Es wird befürchtet, dass sich Sandy mit diesem Wintersturm zu einem neuen Supersturm vereinigen wird, der den Nordosten zwischen New York und Chicago unsicher macht. oder?


  •   5

    Hallo?!? Es ist "nur" ein Betriebssystem bzw. ein (oder mehrere) Smartphone(s). Das wird doch wohl noch 1 Woche warten können. Wir wollen mal nicht den Bezug zur Realität verlieren …


  • Vielleicht könnten sie es in Europa machen da hört noch jeder aufmerksam zu :) guter Beitrag


  • Immerhin hat so eine Verschiebung auch schon letztes Jahr wegen Steve Jobs' Tod funktioniert. Auch wenn damals nicht der Ort gewechselt wurde.


  •   9

    Wahnsinn, da bahnt sich ein Jahrhundertsturn in einem der dicht besiedeltsten Gebiete Amerikas an, und Ihr habt nix besseres zu tun als über die ach so große Ungerechtigkeit für Google zu jammern! Traurig!


  • Genau dass ist die Falsche Markt-strategie! Währe zwar am einfachsten aber am dümmsten, schließlich haben "Tausende" den ansporn darauf zu einem Event zu Fahren um ein neues Smartphone zu sehen. Andere wie Apple oder Microsoft machens ja auch nich anders.
    Auserdem kann man bei solchen Events ein erstes Hands-On machen und steht wieder ein bischen besser neben den anderen da.


  • Mit Abstand der beste Beitrag den ich seit dem Umschwung im Staff hier gelesen habe.


  • Einfach vorstellen auch ohne Presse und dann auf den Markt bringen


  • Wahnsins Beitrag!!!!
    Echt gut Vormuliert.
    Schade nur um das Event, aber die sicherheit unserer Befölkerung geht vor!
    Alles gute an alle betroffenen...

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