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150 Tage NextPit: Meine wichtigsten Erkenntnisse nach einer Insolvenz – Folge 4

150 Tage NextPit: Meine wichtigsten Erkenntnisse nach einer Insolvenz – Folge 4

Rund 150 Tage nach dem Neubeginn von AndroidPIT unter der NextPit GmbH und kurz vor Ende des Jahres will ich Bilanz ziehen und meine wichtigsten Erkenntnisse mit Euch teilen. Der Artikel ist dabei so lang geworden, dass wir ihn in sechs Teilen bringen – an jedem Tag dieser Woche gibt es einen Teil. Heute Teil 4 "Scheitern macht Dich kreativer".

Dieser Artikel ist Teil einer Serie. Zu den ersten beiden Artikeln gelangt Ihr über die nachfolgenden Links:

4. Scheitern macht Dich kreativer.

Ich habe Betriebswirtschaft studiert. Einer der größten Ökonomen im vergangenen Jahrhundert war Peter Schumpeter, der selbstverständlich während des Studiums auch immer wieder Teil der Ausbildung war. Schumpeter prägte den Begriff der “schöpferischen Zerstörung” und meinte damit, dass (technischer Fortschritt) Altes ablöst und Platz für Neues macht.

Ich bin mir nicht sicher, ob der gute alte Schumpeter auch gleich eine Insolvenz in seine Theorie der kreativen Zerstörung – denn so wird seine These ebenfalls genannt – einbezogen hat. Fakt ist aber, dass der durchaus zerstörerische Prozess Energien freisetzt, die man vorher in dieser Weise nicht hatte.

Anfang Juni saßen wir, das zukünftige NextPit-Team, in unseren alten Büros bei Workshops zusammen. Uns beschäftigte die Fragestellung, wie wir zukünftig unser Geschäftsmodell neu organisieren und uns insgesamt neu positionieren könnten.

Das war selbstverständlich nicht das erste Mal, dass wir eine solche Übung gemacht haben. Allerdings war in der Vergangenheit in der Regel an der Grenze von „bekannt“ zu „unbekannt“ Schluss. Jetzt aber konnten, ja wir mussten uns sogar auf und ins neue Terrain hinein wagen.

Das, was wir dort und damals erarbeitet haben, ist die Grundlage für vieles, was im Jahr 2020 hier bei AndroidPIT passieren wird. Wir haben an vielen Stellen ganz neu gedacht – und man selbst fragt sich manchmal, warum man das nicht schon viel früher getan hat.

Weil man es nicht musste, dürfte wohl die Antwort auf diese Frage sein. Wir Menschen lieben Komfortzonen und vermeiden Veränderungen. Das hemmt Kreativität und verhindert Erneuerung. Ich bin mir sicher, dass Peter Schumpeter heutzutage mit staunenden Augen durch die Welt laufen würde und sich selbst bestätigt sähe. Kaum etwas zuvor, wie die Digitalisierung heute hat eine so zerstörerische Kraft im ökonomischen Sinne gezeigt.

Mir gefällt das Paradoxon der kreativen Zerstörung, die ja auch gleichzeitig eine Erneuerung bedeutet. Die Frage, die mich seither eher beschäftigt, ist, wie man einen solchen Prozess auch dann effektiv in den Alltag eines Unternehmens einflechten kann, wenn er an sich nicht notwendig wäre.

Ich würde es gerne vermeiden, dass wir im Kollektiv erst dann wieder effektiv kreativ werden könnten, wenn uns das Wasser bis zum Halse steht.


Morgen geht es weiter mit Teil 5. Den ersten, den zweiten und dritten Teil gibt es hinter dem Link.

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8 Kommentare

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  • "Weil man es nicht musste, dürfte wohl die Antwort auf diese Frage sein. Wir Menschen lieben Komfortzonen und vermeiden Veränderungen. Das hemmt Kreativität und verhindert Erneuerung." Genau das ist das Kernproblem unserer Zeit und unserer Wirtschaft. Komfortzone = leicht Geld verdienen = nicht nachdenken .... füht in Umwelt und Gesellschaft zu dem, was wir heute als größte Probleme unserer Zeit betrachen könnten ... Vielen Dank Fabien für diese Ausführung.


  • Teil 4👍.... Ist mal echt interessant zu lesen wie es bei euch so anfing und bisher lief. Ein Blick mal hinter die Kulissen.


  • Komfortzonen sind nicht negativ zu betrachten, denn kaum ein Mensch kann dauernd nur auf Hochtouren arbeiten. Um sich in diesen nicht dauerhaft auszuruhen, ist es notwendig Selbst- und Fremdkritik immer wieder anzuregen und auch Bewährtes regelmäßig auf den Prüfstrand zu stellen, anzupassen oder (auch zeitweise) auszusetzen. Das habt ihr sicher auch getan und viele Einflüsse von außen sind nicht vorherzusehen und wirklich zu beeinflussen.

    Rückwirkend betrachtet war die Komfortzone "1und1" sicher kein guter Schritt, aber es war ein Versuch, sich von wechselnden Sponsoren etwas unabhängiger zumachen. Darunter gelitten hat die neutralere Berichterstattung und das bunte Auftreten der Seite, die mit der Zeit von außen betrachtet als eine Werbeseite von 1und1 wahrgenommen werden konnte. Zudem war ja trotz anderslautender Banner nicht weniger Werbung auf dieser Seite, nur halt sehr einseitige.

    So wie bei Chip und Computerbild seit Jahren die Bestenlisten erwartbar immer von Apple und Samsung angeführt werden, war hier dann keine wirklich kritische Auseinandersetzung mit dem Mobilfunksegment mehr möglich. Wenn Sponsoring zu abhängiger, einseitiger Ausrichtung führt, ist das für so eine Seite nicht gut. Zumal man dann danach schnell in ein Loch fällt. Aber damit sage ich euch nichts Neues... habt ihr ja live erlebt. Wer nur bestimmte Blogs verfolgt, bekommt dann schnell ein sehr einseitiges Bild des Marktes, erlebt zwar seine eigenen Vorlieben immer wieder bestätigt, befindet sich aber informationstechnisch in einem Vakuum.

    Ich freue mich auf kritischere Berichte und Tests, die auch mal die Schattenseiten der Hersteller und Netzbetreiber unter die Lupe nehmen und nicht nur die glänzende Fassade, aber auch die Kundenbedürfnisse differenzierter und gezielter erforschen. Wenn man sich unabhängiger von äußeren Einflüssen machen kann, wäre das natürlich das Optimale. Aber man weiß auch als aufmerksamer Betrachter der unterschiedlichen Seiten, dass die Hersteller gewaltigen Druck auf die Berichterstattung in ihrem Sinne ausüben. Man denke z.B. an das BendGate-Problem bei Apple, als das Unternehmen der Bild offen drohte, sie zukünftig bei Events und Testgeräten außen vor zu lassen, wenn sie in der Richtung weitere Berichte verfassen. Nach anfänglichem Dementi der Bild-Redaktion, sich unter Druck setzen zu lassen, fielen dann doch in der Folge weit weniger kritische Berichte auf. Man wollte die Wogen glätten - Apple ist halt ein einflussreicher Zahler und eine gewaltige Marktmacht.

    Deshalb ist es gut, als Kunde/ Leser immer viele unterschiedliche Informationen einzuholen, um sich ein möglichst differenziertes Bild zu machen.


    • Fabien Roehlinger
      • Admin
      • Staff
      vor 2 Monaten Link zum Kommentar

      Das Interessante ist allerdings, dass wir während der 1&1-Phase und übrigens seit ich Mitte 2016 wieder zurück bin und die Redaktion übernommen habe, wirklich nie Einflussnahme von außen zugelassen haben. Die 1&1 hatte ja auch gar nichts davon, wenn wir mal besser, mal schlechter über Smartphones oder Telefone geschrieben haben. Ich glaube, dass das übermäßige Sponsorship irgendwie bei vielen zur Meinung führt, man könne sich auch beeinflussen lassen.

      Wir halten es bei uns sehr strikt an die "Gewaltenteilung" Vertrieb und Redaktion. Als Verantwortlicher für den Content möchte ich nicht, dass Einfluss genommen werden kann. Das hat natürlich immer wieder zu kleineren Reibereien intern geführt. Aber unabhängiger Journalismus ist ein sehr hohes und wichtiges Gut – und überlebenswichtig für uns Medien. Die Frage aber ist, wie man diese Einstellung zu allen Lesern transportiert. Denn das ist wirklich eine Herausforderung – gerade in Zeiten von "alternativen Fakten".

      Die 1&1 war immer ein fairer und sehr guter Partner. Es war eher uns nicht gelungen weitere Partner aufzubauen und unseren Umsatz zu diversifizieren. Wenn ein Partner dann wegfällt, kommt man unweigerlich in große Schwierigkeiten.

      Bei der NextPit versuchen wir von Anfang an konsequent mehrere voneinander unabhängige Umsatzströme aufzubauen. Dann kann einem auch nicht viel passieren, wenn sich ein Bereich mal nicht so entwickelt, wie gedacht oder geplant.


      • Es war schon wahrnehmbar, dass Anbietervergleiche so nicht mehr stattfanden, das habe ich in der Zeit auch immer wieder in Beiträgen kritisiert. 1und1 wurde zunehmend teurer im Vergleich zu anderen Anbietern und die zunächst scheinbar günstigen Verträge erhöhten und erhöhen sich ja nach einem Jahr eklatant. Für eine Seite wie diese bedeutet ja auch, kritisch solche Entwicklungen zu betrachten und darüber zu berichten. Das fand aber in der Form in der Zeit des Sponsorings nicht statt. Eine Diversifikation durch weitere Werbepartner hätte ja auch dem Banner widersprochen, "dank 1 und 1 ist diese Seite werbefrei", was ja auch Werbung über die Zeit des Sponsorings hinweg war und damit Augenwischerei, ebenso wie die vielen Angebote, die mittendrin und an der Seite für Verträge mit diesem Anbieter platziert waren.

        Für Leser/ Kunden ist es hilfreicher, wenn Blogs, die sich mit dem Mobilfunksegment beschäftigen, unabhängig von Werbetreibenden auch mit günstigen Alternativen beschäftigen. Hier war aber alles Drillisch dominiert.

        Deshalb ist der neue Ansatz eindeutig kunden-/ leserfreundlicher.
        Hat ja nun ein Ende.


      • Fabien Roehlinger
        • Admin
        • Staff
        vor 2 Monaten Link zum Kommentar

        Das stimmt. Nur der Vollständigkeit halber: Ich selber will gar nicht, dass wir uns zu viel mit Tarifen beschäftigen. Das ist ein Dschungel, in dem sich quasi jeden Tag etwas tut. Hier objektiv die Übersicht zu bewahren, ist eine Mammutaufgabe. Unsere Stärken liegen eher bei der Hardware.

        Deswegen fand ich es damals nicht so schlimm, dass wir nicht mehr über Tarife im Allgemeinen geschrieben haben.


      • @Fabien,diese Aufgabe ist nicht schaffbar, nur subjetiv und ich finde es gut, dass ihr euch da immer zurückgehalten habt, gibt genug andere die dieses Thema bearbeiten.... aber ich hätte auch keine Probeme mehr Tarifthemen zu lesen. Manipulation außen vor zu lassen ist selbstverständlich, doch unbewusste Manipulation,auch nur dadurch, dass man einen "Sponsor" hat, ist nie auszuschließen, denn sie funktioniert ja unbewusst und gefühlt habe ich mich damals gefragt (obwohl ich die Werbung ja kaum wahrnehmen musste wegen meiner Punkte) ob hier ein Einfluss stattfindet ... denn ich hatte das unbestimmte Gefühl das sich hier und dar eine Veränderung zugunsten 1und1 eingeschlichen hat... was ich aber keinesfalls als Kritikpunkt sehe, denn das läuft einfach unbewusst oder es fand nur in meinem Kopf statt, bin ja auch subjektiv veranlagt :D Damals in meiner eigenen Firma, hatten wir eine gute und starke Verbindung zu Sony Ericsson, das hat sicher manipulativ gewirkt auf andere Hersteller ..... auch wenn ich das selbst sicher nicht bemerkt habe ...


  • Jeder kennt, was du als Komfortzone beschreibst sowohl aus dem Privat-, als auch aus dem Berufsleben. Am Bewährten festhalten bedeutet zu wissen, was man hat und was wann wie zu tun ist. Gleichwohl wissen wir aber in bestimmten Situationen, daß Veränderungen unumgänglich sind. Ihr habt es erkannt und habt zum Teil schmerzliche Entscheidungen getroffen. Dafür gebührt euch Respekt. Ihr seid auf einem guten Weg. Wer sich von euch abwendet, wenn die Zeiten mal schwierig sind ... Tschüss.

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