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My Little Bird - Flieg!

Japan bringt immer wieder weltweite Phänomene hervor. In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre trat das Tamagotchi einen weltweiten Siegeszug an. Doch selbst bei völliger Vernachlässigung des virtuellen Haustieres konnte durch das Drücken des Reset-Schalters der Weggefährte wiederbelebt werden.

Unser heutiger Testkandidat treibt das Spielprinzip in verschiedenen Ebenen ein Stück weiter. Ob My Little Bird ein voller Erfolg ist, erfahrt ihr in unserem heutigen Testbericht!

Bewertung

Pro

  • Kluge Erweiterungen des Spielprinzips
  • Eigene Grafik

Contra

  • Artet manchmal in Arbeit aus
Getestet mit Android-Version Root Mods Getestete Version Aktuelle Version
Google Nexus 4 4.3 Nein 1.9.0 4.6.1

Funktionen & Nutzen

Generell lässt sich das Spielprinzip von My Little Bird mit dem eines Tamagotchi beschreiben. Der Nutzer schlüpft in die Rolle des Besitzers des kleinen „Birdy“ (oder wie auch immer der kleine Racker genannt wird). Die endlose Aufgabe des Spielers besteht nun in der Befriedigung der Bedürfnisse unseres kleinen Weggefährten.
Dieses Spielprinzip klingt im ersten Moment natürlich absurd. Warum sollte ein (erwachsener) Mensch das wohl kostbarste Gut (Zeit) opfern, um ein virtuelles Haustier aufzuziehen und glücklich zu machen? Diese Frage ließe sich an dieser Stelle psychologisch ausführlich beantworten, doch dies würde den Rahmen des heutigen Testberichtes sicherlich sprengen.
Viel wichtiger ist an dieser Stelle, dass das Spielprinzip Tamagotchis und von My Little Bird heute noch immer greift und viele Spieler (zumindest zu Beginn) in den Bann zieht.

Der Spieler startet mit der Auswahl eines von drei Eiern. My Little Bird bietet nämlich eine Auswahl von verschiedenen Haustieren, welche aufgezogen werden können. Leider versäumt das Spiel eigene Individualisierungen anzubieten, welche dem virtuellen Freund einen persönlichen Hauch verleihen könnten. Somit bleibt sozusagen eine „Out-of-the-box“ Wahlfreiheit.

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© My Little Bird

Nachdem der zukünftige Platzhirsch der virtuellen Welt ausgewählt wurde, beginnt das Spiel den Nutzer in die Vater/Mutterrolle zu versetzen. Unser kleiner „Birdy“ verläuft im Laufe des Spiels bis zu 9 verschiedene Evolutionsstufen, wobei die ersten drei Stufen nur aus dem Putzen und Wärmen des Eis bestehen. Sehr wohl! My Little Bird verwendet den Touchscreen des Smartphones, um den Nutzer aktiv in das Geschehen einzubinden. Es muss per Wischgeste der Waschvorgang vorgenommen oder per „Drag-and-Drop“ die Fütterung durchgeführt werden. Dies hat jedoch auch den Nachteil, dass ab der vierten Evolutionsstufe eine gewisse Art von repetitiven Abläufen Einzug ins Spiel erhält. Das Reichen von Nahrung ist weniger Spaß als lästige Arbeit, da Stück für Stücke die Nahrung ausgewählt und angeboten werden muss. Dies lässt sich sicherlich deutlich nutzerfreundlicher gestalten.

Auch die Frequenz der Konsultierungen ist nach unserem Befinden etwas zu häufig. My Little Bird bietet keine Option an, um auch mal „Pause“ zu machen. Das Spiel bestraft hingegen Versäumnisse relativ rigoros, da man ohne ständige Besuche, den „Liebe“-Banken nicht vollständig füllen kann. Dieser gibt an, ob und wie der Nutzer sich um sein virtuelles Prachtstück kümmert.

Neben diesem Indikator bietet My Little Bird eine ganze Reihe von Statistiken und Eigenschaften an und erweitert das gewohnte Tamagotchi-Spielprinzip um einige interessante Elemente. Fast alle Elemente können dabei die Langzeitmotivation steigern, wobei auch einige Funktionen nicht zu 100% gut umgesetzt sind.
So kann unser Birdy bei langer Abwesenheit seines Ziehvaters/seiner Ziehmutter, ins virtuelle Gras beißen. Und im Vergleich zum großen Vorbild gibt es keinen Reset-Knopf, sondern der Verstorbene wird in einer Gedenktafel aufgeführt. Dies ist teilweise sehr erbarmungslos, da es für den Spieler keine Möglichkeit gibt den Birdy bewusst zu speichern. Man nehme nur den Fall einer längeren Reise gepaart mit der Vergesslichkeit des Nutzers. Warum gibt es dafür keinen Urlaubsmodus? Im schlimmsten Fall sind viele gespielte Stunden im Handumdrehen beendet. Ich persönlich habe meine beiden ersten „Lieblinge“ absichtlich ins Jenseits übertreten lassen und dies geschieht schneller als man denkt. Auch die Datenbank der „old Birdies“ scheint nicht ganz komplett zu sein. So sind manuell gelöschte Vertreter nicht integriert, obwohl diese „misslungenen“ Versuche einen nostalgischen Hauch an sich haben.

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© My Little Bird

Doch dieser Kritikpunkt ist der einzige Makel in einem sonst sehr guten Spiel. Unser Birdy wird nämlich im Laufe der Zeit erwachsen und entdeckt die Gefahren des alltäglichen Lebens. Ungesundes Essen, Krankheiten (ausgelöst durch verschiedene Faktoren) und auch verschiedene Zufallsereignisse können unserem Birdy schwer zusetzen. Nach einer guten Erziehung besaß mein virtueller Freund einen hohen IQ und konnte dadurch bessere Arbeiten annehmen. Ein anderer Versuch hatte mit einem exzessiven Drogenkonsum zu kämpfen und schaffte leider nicht mehr den Absprung.

My Little Bird erzählt in jedem Spiel eine neue Geschichte und deshalb ist es leider ein Versäumnis, dass die Entwickler eine Art „Beschleunigung“ des Spiels nicht erlauben. Natürlich fördert die Realzeit die Bindung zu unserem Schützling, doch Geschichten brauchen Zeit und das Abkürzen dieser Zeit wäre an mancher Stelle sehr wünschenswert, da die Aufgaben über manche Strecken in Arbeit ausarten.

Auch andere gute Ansätze wie die Schule, die verschiedenen Nahrungsmittel oder das Kasino könnten noch den ein oder anderen Feinschliff vertragen. Man merkt dem Spiel an, dass die Entwickler mit Herzblut an der Anwendung arbeiten. Sie ist schlicht noch nicht abgeschlossen und wird es in absehbarer Zeit auch nicht sein. Dies ist jedoch kein Nachteil. Ganz im Gegenteil! Durch das ständige Implementieren neuer Funktionen und Möglichkeiten versuchen die Entwickler die Langzeitmotivation zu erhalten (und dies gelingt auch).

Bildschirm & Bedienung

My Little Bird hat seine ganz eigene grafische Präsentation, welche wohl nicht jedem gefallen dürfte. Die Applikation hat keine „High-End“-Grafiken, sondern einen eigenen Charme. Dieser Präsentationsstil wird komplett durch die ganze Anwendung durchgezogen und erscheint somit als gewollte Einheit. Dies gilt es zu honorieren, wobei in dieser Kategorie nicht alles so mutig und gut erscheint.

Leider hakt die Bedienung an der einen oder anderen Stelle. So wird beim Putzen ab und an der letzte „Dreck“ nicht entfernt oder beim Drag-and-Drop kommt es zu leichten Verzögerungen. 

Insgesamt liefert My Little Bird durch den mutigen Grafikstil und die (bis auf wenige Ausnahmen gute) Bedienung ein sehr gutes Bild ab.

Speed & Stabilität

My Little Bird lief im Testzeitraum ohne Abstürze und Ruckler.

Preis / Leistung

My Little Bird ist kostenlos und werbefinanziert verfügbar. Verschiedene In-App-Einkäufe sind möglich.

Abschließendes Urteil

Ist My Little Bird für Fans des Tamagotchis eine Empfehlung? Ein ganz klares „Ja“! Ob die Applikation mit dem eigenen Grafikstil jedem gefällt, können wir an dieser Stelle nicht beantworten.

My Little Bird bietet jedoch die ein oder andere sinnvolle Ergänzung des altbekannten Spielprinzips und kann den Nutzer über Tage und Wochen hinweg fesseln, sofern man sich auf die Art des Spiels einlässt.
Das Problem besteht im zeitweisen Gefühl der Arbeit. Tagesabläufe variieren in bestimmten Spielabschnitten nicht stark voneinander und ebenso gibt es Wartezeiten auf Upgrades oder Verbesserungen, die das Spielgeschehen verzögern.
In-App-Einkäufe werden zwar angeboten (Werbefreiheit und In-Game-Coins), sind jedoch zu keiner notwendig oder forciert im Mittelpunkt. Ein großes Lob für diese Entscheidung!

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