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Der Multitasking-Button und die aktiven Apps: Mythos und Realität

Verfasst von: Stephan Serowy — 17.02.2014

Wie eifrig viele Nutzer über den Multitasking-Button doch in regelmäßigen Abständen “laufende Apps schließen", um die Performance ihres Gerätes zu erhöhen. Es fühlt sich befriedigend an, ja, bewirkt leider jedoch rein gar nichts. Wer wirklich seinen RAM-Speicher entlasten will, muss über die Android-Einstellungen gehen.

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Das Wegwischen der letzten Apps: befriedigend aber leider oft nutzlos. © AndroidPIT

Der Gedanke klingt eigentlich doch so plausibel: Der Multitasking-Button zeigt an, welche Apps zuletzt geöffnet wurden und nun im Hintergrund laufen. Ein kurzes Wischen nach rechts oder links, und sie sind geschlossen und der RAM-Speicher entlastet. So ist es aber leider nicht. Tatsächlich zeigt diese Ansicht lediglich die zuletzt geöffneten Apps an, nicht mehr und nicht weniger. Das heißt nicht, dass manche dieser Apps nicht tatsächlich noch laufen. Ob sie es jedoch tun oder nicht, hat nichts damit zu tun, dass sie in dieser Liste auftauchen.

Wer sehen will, wie es seinem RAM-Speicher geht und welche Apps gerade tatsächlich im Hintergrund laufen, der muss in die Einstellungen gehen und zum Menüpunkt Apps herunterscrollen. Dort findet er in vier Spalten eine Auflistung der heruntergeladenen und der aktiven Apps, eine Liste aller insgesamt installierten und eine der deaktivierten Apps (den Sinn letzterer Spalte haben wir hier genauer erklärt).

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Die Auflistung der heruntergeladenen und der aktiven Apps. Vor allem der Status des RAM-Speichers (unten rechts) ist wichtig. / © AndroidPIT

Am unteren Bildschirmrand wird der gesamte und der gerade belegte Speicherplatz angezeigt und, ganz wichtig, der RAM-Speicher in der Spalte Aktiv. Wer diesen entlasten will, muss in dieser Spalte Programme schließen, indem er auf die App tippt und die in ihr ablaufenden Einzelpozesse beendet. Vorsicht: Diese Apps sind jetzt inaktiv, was bedeutet, dass sie ihren Dienst verweigern. Geht es zum Beispiel um einen Messenger, seid Ihr fortan nicht mehr über diesen erreichbar bis Ihr den Dienst entweder wieder öffnet oder das System neu startet. Auch kann es passieren, dass eventuell Daten verloren gehen, weil eine App über das erzwungene Schließen keine Zeit mehr gegeben wird, Daten zu speichern.

Diese Methode ist leider nicht ansatzweise so bequem wie das einfache Wegwischen vermeintlich laufender Apps über die Multitasking-Taste. Wem der Placebo-Effekt ausreicht, der darf natürlich gerne weiterhin in homöopathischer Manier seine Apps über die Multitasking-Taste “schließen”. Andere Nutzer können sich in Zukunft den unnötigen Displayabrieb und Daumenverschleiß sparen. 

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Die Gesamtübersicht der Apps und deaktivierte Apps. Auch hier der Speicherstatus am unteren Bildschirmrand. / © AndroidPIT

Nachtrag zum besseren Verständnis

Da es offenbar etwas Verwirrung gab, hier noch ein kleiner Nachtrag: Zunächst vielen Dank für die rege und teils fachkundige Beteiligung der Kommentatoren. Dieser Artikel geht in der Tat nicht sehr in die Tiefe, da seine Zielgruppe Nutzer sind, die sich noch gar nicht mit der Materie befasst haben und einer grundsätzlich falschen Vorstellung aufgesessen sind. Er sollte daher nur grob einen Mythos klären. In der Realität ist das Phänomen natürlich etwas komplexer, was für die meisten Nutzer aber nicht direkt relevant ist. 

Das Hauptanliegen dieses Artikels war es, darzustellen, dass die Multitasking-Liste von Android kein Task-Manager ist, sondern schlicht und ergreifend ein Verlauf. In ihr geführte Apps können aktiv sein, müssen es aber nicht. Eine App wegzuwischen kann dazu führen, dass rein gar nichts passiert (sollte sie nicht aktiv gewesen sein) oder es kann dazu führen, dass die Benutzeroberfläche dieser App (oder nur gewisse Aspekte davon) geschlossen werden. Hintergrundprozesse bleiben dabei aber aktiv. WhatsApp ist ein gutes Beispiel dafür (denn Ihr bleibt weiterhin empfangsbereit).

Ein anderes wäre Google Play Music. Wenn die App in der Benachrichtigungsleiste läuft und der Nutzer sie aus dem Verlauf wischt, wird die Musik zwar unterbrochen, der Player bleibt jedoch in der Benachrichtigungsleiste aktiv. Das Herauswischen aus dem Multitasking-Menü führt also nicht zum grundsätzlichen Schließen der App, nicht mal der gesamten Benutzeroberfläche. Wer tiefer in die Materie einsteigen will, sollte sich den Kommentar von Nutzer macrozone ansehen, der eher auf eine Detailebene eingeht, die wir hier bewusst vermieden haben.

Nach Jahren des politischen Journalismus bei WELT und ZEIT Online war es für Stephan an der Zeit, die Richtung zu wechseln. Sein sozialwissenschaftlicher Hintergrund und seine Begeisterung für die Zukunft führten ihn ganz natürlich dorthin, wo Technologie, die das soziale Leben prägt, zelebriert wird: AndroidPIT. Er ist ein kolossaler Wissenschafts-Nerd, ein leidenschaftlicher Musiker und liebt es, Menschen den Wandel der Zeit näherzubringen - und das über nackte Zahlen und Datenblätter hinaus.

69 Kommentare

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  • Prowler 21.02.2014 Link zum Kommentar

    Wer wie ich Probleme mit dem RAM hat (also ein träges Smartphone) sollte vielleicht mal die App Greenify nutzen. Seit ich die App installiert und eingerichtet habe läuft mein Galaxy Nexus wieder recht flüssig.

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  • Christian Hellmund 19.02.2014 Link zum Kommentar

    Da es manche immer noch nicht richtig verstanden haben: Eine Anwendung hat so genannte Programmoberflächen, Hauptthreads, Hauptprozesse und Hintergrundprozesse. Beim Schließen einer App über den Multitasking - Button schließt sich im schlechtesten Fall lediglich das zugehörige Hauptprogramm samt Oberfläche. Ein zum generellen Betrieb notwendiger Hintergrundprozess bleibt davon unberührt. Dennoch wird natürlich RAM frei gegeben, aber nicht so viel, wie durch das Schließen aller Prozesse möglich wäre. Da, wie bereits im Artikel erwähnt, einige Programme auf die Hintergrundprozesse angewiesen sind, lohnt sich das zwangsweise Schließen nicht, ohne eventuell Probleme beim laufenden Betrieb hervorzurufen. Überlasst dies dem LMK von Android, im Gegensatz zu früher läuft dieser recht zuverlässig. Auf der anderen kann eine volle Liste natürlich auch unübersichtlich wirken, das ist aber Geschmackssache. Ich kenne viele User, die den Taskmanager noch nie gesehen haben und die Geräte laufen auch problemlos, also ist die Aufregung umsonst :-)

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  • Marcel Kersten 18.02.2014 Link zum Kommentar

    @Tom Arnold

    Es ist auch bei Android kein Verlauf :)

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  • Tom Arnold 18.02.2014 Link zum Kommentar

    Kann mir jemand sagen ob es bei iOS 6 bzw 7 auch nur ein "Verlauf" ist ?

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  • Patrick Rph 18.02.2014 Link zum Kommentar

    Ingress zB. bleibt trotzdem im Hintergrund aktiv(siehe GPS Symbol in der Notific.leiste) bis ich es in der Recent-App-Leiste 'weg Wische". Also was stimmt jetzt?

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    • Philipp Junghannß (My1) 18.02.2014 Link zum Kommentar

      lies dir n paar der Kommentare durch, dann wirse sehen was los is.

      in Kurz:
      es gibt 2 Teile einer Anwenung: die Activity und der Dienst.
      Die Activities (Oberfläche) werden geschrottet und die Dienste darüber informiert, was danach passiert entscheidet der Dienst...

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  • Carsten M. 18.02.2014 Link zum Kommentar

    Sehr "sinnvoll", den Taskbutton für die Darstellung der zuletzt geöffneten Apps (völlig richtig beschrieben) dann dennoch im eigenen Artikel munter als "Multitasking-Button" zu bezeichnen... Der Button und die dahinter liegende Funktion haben rein gar nichts mit "Multitasking" zu tun.

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  • Android Fanboy 18.02.2014 Link zum Kommentar

    Bei miui werden Die Apps RICHTIG gekillt

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  • Gaby S. 18.02.2014 Link zum Kommentar

    @macrozone Gute Erklärung. Die macht Sinn. Jetzt hab ich's gecheckt. Kenn mich da nicht so gut aus.

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    Michael Schneider 18.02.2014 Link zum Kommentar

    Wenn ich Smartphones herstellen würde, würde ich 500 MB RAM oder so blockieren. Viele würden sich dann freuen wenn ihnen Android immer (!) 500 MB freien RAM anzeigt ^^ Könnte Google ja auch in Android einbauen so als Power-RAM-Feature... viele würden das glauben und schreiben "Wow immer RAM frei, jetzt läuft alles viel besser". hahhaha

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  • Ulrich H. 18.02.2014 Link zum Kommentar

    Ich habe so das Gefühl, manche verwechseln hier Prozessorauslastung und Ramspeicherbelegung. Wenn der Prozessor heizt wie eine Lok dann ist das System auch bei leerem Ram langsam und ruckelig. Apps haben einen Lebenszyklus nachdem sie in den Hintergrund geschikt wurden und nach dessen Ablaufen werden sie beendet. Alles andere wie z.B. das Wegwischen genehmigt ein vorzeitiges Beenden. Wann das ist entscheidet halt das System. Die Speicherdaten einer App im Ram bleiben auch noch eine gewisse Zeit vorrätig ehe sie entfernt werden. Wann das ist entscheidet halt das System. Der Prozessor ist aber leztendlich die entscheidende Kraft die das System antreibt. Aber es ist natürlich jedem freigestellt dabei hilfreich mitzuwirken.

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  • Hans Mueller 18.02.2014 Link zum Kommentar

    Wow! Eure Artikel sind fast so gehaltvoll wie die von ComputerBild....wie schon von diversen Leuten geschrieben ist der Artikel falsch, und Android kümmert sich selbst um Tasks und den RAM...

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      Michael Schneider 18.02.2014 Link zum Kommentar

      Tja die Artikel werden scheinbar immer schlechter. Besonders die von dem Peter.. äh Stephan..

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      • Stephan Serowy
        • Admin
        • Staff
        18.02.2014 Link zum Kommentar

        @Michael Schneider: Deine Beiträge waren aber auch schon mal be... nein, warte, das nehme ich zurück. "Peter Show" war bekannterweise wahrhaftig kein Glanzlicht konstruktiver Kommentatorenschaft... :)

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        Michael Schneider 18.02.2014 Link zum Kommentar

        Ich weiß nicht was der Witz daran sein soll mich Peter, Peter Show zu nennen oder mit einem selbigen zu vergleichen. Nur langsam wird es langweilig. Vielleicht solltest du dir mal was neues einfallen lassen.

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    Michael Schneider 18.02.2014 Link zum Kommentar

    Tja lu

    Tja der Artikelschreiber fällt selbst auf einen Mythos rein

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