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Mountain: Entschleunigtes Kunst-Tamagotchi

Es gibt Apps im Google Play Store, die vereinfachen das alltägliche Leben, liefern Informationen oder erheitern uns mit lustigen Spielen für zwischendurch. Mountain gehört in keine dieser Kategorien. Im Gegenteil, die App hat ihrerseits weder messbare Funktionen, noch kapitalistische Daseinsberechtigung. Mountain ist einfach da. Und das ist auch gut so.

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Mountain: So schön kann ein Berg-Simulator sein. / © ANDROIDPIT

Zwar wird Mountain im Play Store als Spiel gelistet, eigentlich ist diese Bezeichnung aber sehr irreführend, denn die App ist zu 100 Prozent Kunst - Ein Performance-Akt im digitalen Zeitalter, bei dem wir selbst zum Berg werden. Entworfen wurde das ganze von dem Animations-Künstler David O’Reilly, der bereits im Hollywood-Film “Her” seine Design-Künste unter Beweis stellte. 

Bevor wir unseren ganz persönlichen Mountain in Empfang nehmen können, fordert einen die App dazu auf, die eigenen Gedanken zu den Themen Seele, Krankheit und Wohlstand und so weiter zu malen. Danach geht es auch schon los und man, also der Berg, wird generiert. Dieser ist grün, bewachsen, schwebt in einer unbekannten Dimension und kann von allen Seiten aus betrachtet werden; auch das Zoomen zum und vom Berg weg ist möglich. Wie auch auf unserem Planeten ist der Berg verschiedenen Wetterumschwüngen und Tageszeiten ausgesetzt. Ab und zu teilt er einige Gedanken und philosophische Fragen wie “Bist du eine Stimme in meinem Kopf?” oder “Gibt es dort draußen noch andere wie mich?”. 

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Schräg und entspannend: Mountain setzt sich mit philosophischen Fragen auseinander. / © ANDROIDPIT

Danach beginnt der stille, beobachtende Part, der den Großteil dieser App ausmacht. In einer Welt voller Hektik, Smartphones und ständiger Erreichbarkeit platziert sich Mountain als klarer Gegenpol - ich gebe zu, dass die App unglaublich seltsam und sinnlos erscheinen mag, jedoch ist sie gleichsam auch beruhigend und entspannend.

Wie damals beim Tamagotchi schauen wir mit Staunen und freudiger Antizipation auf den Berg, der mal mit Schnee bedeckt ist und immer mal wieder ein neues, in der Dimension herumschwebendes Objekt (Fahrrad, Tonne, Spaten) anzieht. Tippt man den unteren Rand des Bildschirms an, erscheinen kleine Kacheln, die durch Tippen Töne abgeben. Je schneller man diese Tasten zu einer Melodie spielt, umso schneller dreht sich auch der Berg und durchläuft Wetterumschwünge und Jahreszeiten im Schnellwaschgang. 

Sich mit Mountain zu beschäftigen ist ein bisschen so, als würde man einen David-Lynch-Film ohne Ton ansehen oder zu viel Foucault lesen. Für die einen ist das schon nach einer Minute langweilige Qual, die anderen finden darüber ihre Mitte. Mich überzeugt die App, die alle Normen links liegen lässt und sich auf etwas vollkommen neues, unbekanntes einlässt. Es mag zwar nicht der heutigen Schnelligkeitsmaxime entsprechen, ist aber wundervoll transzendent und beruhigend. Die App ist (nur auf Englisch) für einen Euro im Play Store zu haben.

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Der Berg wächst und wächst, und Ihr könnt dabei zusehen. / © ANDROIDPIT
MOUNTAIN Install on Google Play

Top-Kommentare der Community

  •   56
    Nico Heister 23.08.2014

    "Aus diesem Grund tatsächlich eher für die Daumenwelt bestimmt"

    Mit dem Zeigefinger lässt sich die App bestimmt auch bedienen. ;-P

  • Tenten 23.08.2014

    Wow, vielen Dank Charlotte für den Bericht über so eine ausgefallene und interessante App. Der Artikel ist toll geschrieben und als ich Lynch las, stand für mich fest, dass ich das unbedingt ausprobieren muss. Schönes, erholsames Wochenende :)

  • Tim R. 23.08.2014

    "Im Gegenteil, die App hat ihrerseits weder messbare Funktionen, noch kapitalistische Daseinsberechtigung."

    Und am ende: "für einen Euro im Playstore zu haben"

    Dies soll keine Beleidigung sein Charlotte (und auch an keiner anderen Frau). Aber ich war mit dem Artikel durch und dachte mir "das hat doch eine Frau geschrieben"
    Männer sind meist eher pragmatisch veranlagt, Frauen eher emotional. Aus diesem Grund tatsächlich eher für die Daumenwelt bestimmt (nicht ausschließlich, und nicht als Beleidigung zu sehen!)

  • Tenten 23.08.2014

    "Männer sind meist eher pragmatisch veranlagt, Frauen eher emotional."

    Damit bedienst du jetzt aber Klischees aus dem letzten Jahrhundert ;)

15 Kommentare

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