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Sündhaft teuer: So klingt ein 600-Euro-Kopfhörer

Sündhaft teuer: So klingt ein 600-Euro-Kopfhörer

Am 13. März wurden die drahtlosen Kopfhörer Montblanc MB01 veröffentlicht. In einem Land, wo Sony, Samsung und Apple als Kopfhörer-Hersteller das Sagen haben (Laut Statista Consumer Survey 2019, Paywall), trifft das Headset aber auf starke Konkurrenz. Montblanc ist hauptsächlich für seine berühmten und teuren Stifte bekannt, ob der Hersteller auch auf dem Audio-Markt was taugt, habe ich in meinem Test geprüft.

Bewertung

Pro

  • Ein edles und vornehmes Design
  • Präziser und warmer Klang
  • Effektive aktive Geräuschunterdrückung

Contra

  • Braune Farbe und matte Silikonbeschichtung
  • Durchschnittliche Akkulaufzeit
  • Keine dedizierte Anwendung
  • Hoher Preis

Montblanc MB01: Preis und Verfügbarkeit

Im Design kommen die Kopfhörer ultraprämiummäßig rüber. Ein sehr gepflegtes Aussehen, edle Materialien, Klangsignatur und, und, und ... Die technischen Spezifikationen des Montblanc MB01 können den unverschämt hohen Preis von 595 Euro aber wirklich nur schwer rechtfertigen. Es ist genau diese schlechte Preispositionierung, die meiner Meinung nach ein schlechtes Licht auf die eigentlich guten Kopfhörer wirft.

Alles in Allem sind die Kopfhörer nicht schlecht. Der Klang ist präzise, die Tonsignatur genauso warm, wie ich sie mag und die aktive Geräuschunterdrückung funktioniert. Für rund 600 Euro erwartet der Montblanc MB01 aber technische Zugeständnisse, die ich für diesen Preis nicht akzeptabel finde. Schon gar nicht, wenn ich bedenke, dass er auch nicht besser ist als die Bose Noise Cancelling Kopfhörer 700, die beliebten Sony WH-1000XM3 oder die Sennheiser Momentum 3, die es für die Hälfte des Preises gibt.

Kostbares und seriöses Design innerhalb einer Farbpalette

Die weiße Version der Kopfhörer erinnerte mich beim ersten Blick an ein Konzept, dass ich vom Ex-Apple-Designer Jonathan Ive erwarten würde. Als erster Apple-Over-Ear käme der weiße Montblanc MB01 meiner Vorstellung sehr nahe.

Auch der schwarz-silberne Version gelingt es sehr gut, sich edel zu präsentieren, ohne von den Materialien wirklich abzulenken. Weswegen ich das sage? Nun, weil es sich auch trotz edlem Look immer noch um Aluminium und Kunststoff handelt.

Für meinen Test standen die Exemplare in der braun/goldenen Version zur Verfügung. Ein Design, das man von vielen edlen Lederwaren kennt. Hier steht der Hersteller aber im völligen Widerspruch zu den eleganten und stilvollen Ansätzen der beiden ersten Montblanc MB01-Farbvarianten.

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Das Design des Montblanc-Kopfhörers ist Geschmacksache. / © AndroidPIT

Ich übertreibe jetzt ein wenig, stimmt schon – aber die Farbkombination war für meinen Geschmack viel zu sehr "bling-bling". Es erinnert mich an diesen unglaublich schrillen Look der Skullcandy-Kopfhörer, die damals vielleicht noch super-modisch, heutzutage aber entschieden zu auffällig sind.

Es ist überraschend, wie schnell die Farbauswahl ein Design ruinieren kann, das ansonsten wirklich schön und sauber ist. Mit einem ordentlichen Hard Case zur Aufbewahrung sind die Kopfhörer auch nicht gesegnet. Stattdessen bekommt man eine banale Stofftasche, die dem Preis in keiner Weise gerecht wird.

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Kein Aufbewahrungskoffer für den Montblanc MB01, sondern eine gewöhnliche Stofftasche / © AndroidPIT

Einmal von den Farbproblemen abgesehen, sind Polster und Überrollbügel aber aus echtem Leder. Es ist zwar nicht vegan, dafür aber bequem – auch wenn Bügel und die Ohrpolster etwas zu stark auf meinen Kopf und meine Ohren drücken.

Der Rest der Kopfhörer ist aus mattem Silikon und genau über diesen müssen wir an dieser Stelle dringend reden. Es fühlt sich an wie Kaugummi - zumindest scheint es mir genauso klebrig zu sein und fängt viel Staub auf. Damit verwandelt sich die Oberfläche schnell zu einem Staubwedel und das Entfernen all der Fussel vom Montblanc MB01 fand ich ermüdend.

Die Kunststoffscharniere sind ziemlich flexibel, wobei die bogenförmigen Ohrschraniere eine glänzende, metallische Beschichtung haben, die sie gut vom Rest des Gestells abheben. Hier hat es sich der Hersteller nicht nehmen lassen, auch den weißen Stern einzufügen, der die sechs Gletscher des Mont-Blanc repräsentiert. Das Design reicht aus, um den Kopfhörern ein echtes Gütesiegel, eine Identität zu verleihen.

Der Montblanc MB01 ist in Weiß und in Schwarz ein Schmuckstück mit einem wirklich edlen Design, das aber auch seriös aussieht. Von der Farbwahl Braun/Gold halte ich persönlich allerdings nichts

Ergonomische Tasten, aber keine Anwendungen

Zu meiner großen Freude wurden alle Bedienknöpfe am rechten Ohrhörer untergebracht. Am vorderen Bereich sind die Tasten für den Google Assistant, die aktive Rauschunterdrückung, die Lautstärkeregelung und der Taster für Ein/Aus angebracht.

Dahingegen ist der Play/Pause-Anruf-Button auf der Außenseite des Kopfhörers etwas seltsam. Man kann sie zwar ertasten, aber einen Druckpunkt gibt's nicht. Daneben sind die Kopfhörer mit Sensoren ausgestattet, die den Ton automatisch anhalten, wenn man sie abnimmt.

Die Bedienelemente sind damit recht ergonomisch. Eine App für individuelle Einrichtung des Kopfhörers fehlte zum Zeitpunkt unseres Test allerdings. Entgegen der Ankündigung von Montblanc in seiner Pressemitteilung, befindet sich die Anwendung noch in der Entwicklung und wird wohl erst im April eintreffen.

In der Zwischenzeit müssen wir also ohne Equalizer, das ANC-Einstellungen und mögliche Firmware-Updates auskommen.

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Sämtliche Steuereinheiten befindet sich an der Außenseite des Kopfhörers. / © AndroidPIT

Es ist schwer, die 600 Euro zu hören

Nur damit das soweit klar gestellt ist: Die Montblanc MB01 bieten durchaus eine sehr gute Audio-Wiedergabe. Im Headset arbeitet ein Qualcomm QCC5124-Chip, der eine drahtlose Verbindung per Bluetooth 5.0  ermöglicht. Des Weiteren sind die Kopfhörer mit den SBC-, AAC- und – wie nicht anders von Qualcomm zu erwarten – mit aptX-Codecs kompatibel. Von anderen drahtlosen High-End-Headsets wie denen von Bose, Sony oder Sennheiser, heben sich die Montblanc MB01 allerdings nicht ab. Und dabei kosten diese nur die Hälfte des Preises. Ein Problem, das ich später noch einmal aufgreifen werde.

Die Tonsignatur kommt von Alex Rosson, einem bekannten Toningenieur, der seine eigene Marke von Hi-Fi-Geräten geschaffen hat: RAD-0. Ich gebe zu, ich kannte ihn bisher nicht, aber die Audiophilen unter uns scheinen ihm seine 3.000 Euro Hi-Fi-Kopfhörer glatt aus der Hand zu reißen. So oder so, trotz seines exorbitanten Preises ist der Montblanc MB01 kein Hi-Fi-Kopfhörer. Vielmehr ist er dafür ausgelegt, MP3 auf Spotify zu hören, aber eben kein FLAC-Format. Um es dennoch zu testen, borgte ich mir das Tidal-Abonnement eines Freundes aus (20 Euro/Monat, um trotz allem in Hi-Res hören zu können).

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Der Klang des Montblanc MB01 basiert auf 40mm Treibern / © AndroidPIT

Das Ergebnis ist zwar nicht überwältigend, aber dennoch wirklich sehr gut. Die Klangszene wird im Allgemeinen gut wiedergegeben und die Kopfhörer können leicht bis in die tiefen Frequenzen hinuntergehen. Ihre Ansprechzeit reicht von 10 bis 20.000 Hz – dabei sollte man im Hinterkopf behalten, dass das menschliche Ohr normalerweise Frequenzen zwischen 20 und 20.000 Hz wahrnimmt.

Der Bass ist präsent, sauber und dynamisch. Dabei klingt er voll ohne zu aufdringlich zu wirken und den Rest der Musik zu übertönen. Dennoch ist er kräftig genug, einen "zum Schwingen" zu bringen – genauso, wie es sein soll. Die Klangsignatur ist insgesamt warm. Und um es etwas konkreter und weniger aufgebauscht zu sagen: Stimmen werden am besten von den Kopfhörern umgesetzt.

Hier sind die Stimmen sehr klar und präzise, die Instrumente sind gut rauszuhören und vermischen sich im Klang nicht miteinander. Daneben werden die hohen Frequenzen etwas gedämpfter wiedergegeben. Die Montblanc MB01 geben einen sehr sauberen und qualitativ hochwertigen Klang wieder.

Positiv ist außerdem, dass die Mikrofone recht leistungsstark sind. Im Vergleich zu den Bose 700, die uns eine aktive Geräuschunterdrückung für unsere Stimmen versprechen (das hat mal überhaupt nicht funktioniert), sind die Stimmen beim Montblanc MB01 überraschend klar. Wirklich jeder, mit dem ich mich in den letzten zwei Wochen online unterhalten habe, meinte, dass er mich "besser als zuvor" (noch mit meinen Sony WF 1000XM3-Kopfhörer) verstehen könne.

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Effektive Lärmreduzierung, die eine bereits schwache Batterie ermüdet

Frei nach dem neuen Standard für drahtlose High-End-Kopfhörer, haben auch die Montblanc MB01 eine aktive Geräuschunterdrückung (ANC). Die Intensität selbst einzustellen ist allerdings nicht möglich, was darin begründet liegt, dass Montblanc derzeit keine eigenen Anwendungen für seine Kopfhörer anbietet. Dafür ist die Dämmung aber sehr gut. So schafft es die Software, das Brummen oder andere Geräusche – wie zum Beispiel Schritte oder Tastaturgeräusche – zu reduzieren.

Bevor sich unsere Redaktion zur Home-Office-Arbeit entschlossen hatte, konnte ich die Kopfhörer ebenfalls in der U-Bahn testen. Hier war die aktive Geräuschunterdrückung effizient. Neben dem Abschotten von Geräuschen kann man ebenfalls einen Modus aktivieren, der diese verstärkt, sodass beispielsweise Autos besser wahrgenommen werden.

In den Kopfhörern hat Montblanc einen 730 mAH Akku verbaut. Trotz eingeschalteter aktiver Geräuschunterdrückung soll das Headset – laut Hersteller – 20 Stunden spielen. Eine Laufzeit, die sich eher im unteren Durchschnitt befindet, wenn man es mit den derzeitigen Kopfhörern vergleicht. Die Jabra Elite 85h erreichen beispielsweise 36 Stunden. 

Genutzt habe ich die Kopfhörer sowohl mit und ohne Rauschunterdrückung. Drei bis vier Stunden am Tag nutzte ich das ANC für Musik, ein bis zwei Stunden am Abend dann ohne ANC für Videospiele. Aufladen musste ich die Kopfhörer hierbei an jedem Abend. Das zum Teil auch deswegen, weil die Kopfhörer die unglückliche Angewohnheit hatten, sich nur zehn Minuten nach der Akku-Warnung (nur noch 25 Prozent) abzuschalten. Ein Firmware-Problem, das sicherlich behoben werden kann ... sobald die App dafür verfügbar ist.

Für eine vollständige Aufladung – durch Mikro-USB – benötigt das Headset zwei Stunden. Dank des mitgelieferten 3,5mm-zu-USB-C-Kabel kann man das Headset auch ohne Batterie nutzen.

Abschließendes Urteil

Die Montblanc MB01 sind gute High-End-Kopfhörer, die durch den Klang und das Design nach Premiumgerät schreien. Daneben hat das Gerät mit seinem "Gütesiegel" eine echte Identität. Zu einem Kauf werde ich aufgrund des hohen Preises allerdings dennoch nicht raten.

Denn bei einem Preis von rund 600 Euro bin ich als Kunde nicht bereit, irgendwelche Abstriche zu machen. Was ich also erwarte ist ein proprietärer HD-Audio-Codec wie den Sony LDAC, nicht 20 Stunden sondern 30 Stunden Akkulaufzeit, eine App und ich möchte eine hochwertige Aufbewahrungsmöglichkeit, die wirklich Schutz bietet. Kurzum, ich erwarte ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ich habe es schon mal erwähnt und wiederhole mich gerne: Das hier sind sehr gute Kopfhörer. Aber sie sind weder besser noch schlechter als die Sony WH-1000XM3, die Bose-Kopfhörer 700 oder der Sennheiser Momentum, die allesamt um die Hälfte günstiger sind. Hätte sich Montblanc hier etwas zurückgehalten und nicht der teuerste im Ring sein wollen, dann hätte der Montblanc MB01 das Podium der besten Kopfhörer besteigen können. Aber so wie die Dinge stehen, ziehe ich die vielen Konkurrenten vor.

Montblanc MB01: Wo kaufen?

Wer sich den Montblanc MB01 dennoch kaufen will, kann diesen seit dem 13. März 2020 im offiziellen Shop der Marke kaufen. Bei Amazon ist er bisher leider nicht erhältlich.

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