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LTE in Deutschland: Nicht jammern, sondern machen!
Kommentar 5G 5 Min Lesezeit 35 Kommentare

LTE in Deutschland: Nicht jammern, sondern machen!

OpenSignal, Anbieter einer App um die Mobilfunknetzversorgung zu testen, hat die Daten seiner Nutzer in Deutschland analysiert. Dabei kommt OpenSignal zu einem Ergebnis, das wir eigentlich schon alle kennen: der Netzausbau hierzulande lässt zu wünschen übrig. Darüber immer und immer wieder zu reden, löst das Problem aber nicht - im Gegenteil.

Überraschungen fühlen sich anders an. OpenSignal hat die Daten der deutschen Nutzer dieses Mal in Hinblick auf die LTE-Versorgung hierzulande analysiert. Im städtischen Raum können Nutzer demnach in 82,2 Prozent der Fälle eine Verbindung zu einem LTE-Netzwerk herstellen. In ländlichen Gebieten hingegen nur in 73,5 Prozent der Fälle. Das heißt, dass Nutzer im ländlichen Raum über ein Viertel ihrer Zeit noch über GPRS oder UMTS surfen. Zumindest wenn man die Nutzer von OpenSignal als Basis nimmt.

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Noch immer gibt es nicht genügend LTE-Masten in Deutschland. / © O2

So ist es auch keine große Überraschung, dass die LTE-Versorgung rund um größere Städte besser ist, als wenn keine große Stadt in der Nähe liegt. Das ist dann wenigstens konstant: Je weiter man von einer Stadt entfernt ist, desto schlechter ist die LTE-Versorgung.

Was dann vielleicht eher unerwartet ist, ist dass Halle eine LTE-Verfügbarkeit von 90 Prozent vorweisen kann! Während - sei es in Städten oder in ländlichen Gebieten - die Verfügbarkeit des schnellen Datennetzes ansonsten nur zwischen 70 und 90 Prozent liegt. In Frankfurt Oder muss man sich sogar mit 47,5 Prozent zufrieden geben. Jeder, der zumindest schon einmal durchgefahren ist - am besten auch noch mit dem Zug - weiß das.

OpenSignal weist auch auf seine weltweite Untersuchung hin. Deutschland hat es hier bei der LTE-Verfügbarkeit nicht in die Top 20 geschafft, liegt natürlich hinter Südkorea, aber eben auch hinter Myanmar, Kazakhstan, Bulgarien oder dem Libanon. Auch das wurde im Vorfeld der mittlerweile beendeten 5G-Auktion kräftig breitgetreten, zum Teil auf recht reißerische Art und Weise. Dabei preschen eben auch bei 5G andere Länder vor, dennoch muss dies, wie immer, differenziert betrachtet werden.

Natürlich ist das nicht falsch und auch ich ärgere mich manchmal über schlechte Netzverfügbarkeit. Aber genau hier kommt 5G ins Spiel. Die Netzbetreiber sind verpflichtet, bis Ende 2022 98 Prozent der Haushalte in jedem Bundesland zu versorgen. Dabei ist eine Geschwindigkeit von 100 MBit/s im Download vorgesehen. Genauso müssen bis dahin Bahnstrecken mit mehr als 2.000 Fahrgästen pro Tag, Autobahnen und die wichtigsten Bundesstraßen versorgt sein. Bis Ende 2024 gibt es weitere Vorgaben.

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Mehr LTE gibt es in Städten, weniger auf dem Land. / © OpenSignal

Die Netzbetreiber haben im Vorfeld schon klar gemacht, dass die sogenannten "weißen Flecken" nur schwer zu beseitigen sind. Gerade mit den versteigerten Frequenzen, denn da werden noch mehr Funkmasten für die "flächendeckende" Versorgung benötigt. Und es gibt noch ein anderes Problem: Beim Glasfaserausbau hinkt Deutschland nämlich ebenfalls hinterher, ist laut Statista gar "Glasfaser-Entwicklungsland". Doch wie werden die 5G-Funkmasten in der Regel angebunden? Genau, mit Glasfaser.

Ich wünsche daher schon einmal viel Spaß dabei, darauf zu warten, auf einem 5G-Endgerät bald mit laut der Spezifikation möglichen 20 GBit/s Daten herunterzuladen. Die Spezifikationen sehen nämlich vor, dass die Mindestgeschwindigkeit bei eben jenen 100 MBit/s liegt, die die Bundesnetzagentur vorschreibt. Das geht technisch auch schon mit LTE.

Und genau hier darf tatsächlich Grund zur Freude aufkommen. Ein selbstständiges 5G-Netzwerk wird es in Deutschland ohnehin erst einmal nicht geben. Wenn die Netzbetreiber mit dem Netzausbau beginnen, laufen diese im sogenannten Non-Standalone-Modus. Das heißt, dass ein LTE-Netzwerk um 5G erweitert wird und LTE dabei sogar integraler Bestandteil des 5G-Netzes ist. LTE wird in diesem Szenario etwa für den Rufaufbau genutzt, während das Gespräch über 5G abläuft. Erst später kommen dann die Stand-Alone-Netzwerke - ein 5G-Smartphone unterstützt übrigens nicht zwangläufig beide Modi.

Aber genug dieses Exkurses. Wenn die Netzanbieter mit dem 5G-Ausbau beginnen, werden sie auch mehr LTE-Basisstationen aufbauen müssen, tun das zum Teil schon heute sehr aktiv. Und davon sollten dann alle profitieren, denn auch wenn es vielleicht noch ganz schön lange dauert, bis superschnelles 5G auf dem Land (oder irgendwo) verfügbar ist, so sollte sich zumindest theoretisch die LTE-Netzversorgung ausbreiten.

Ganz klar ist aber auch: Neue Mobilfunkmasten auf Häuserdächer zu stellen, das kostet Geld. Und deshalb werden sich Anbieter auch in Zukunft immer erst einmal auf Ballungsräume konzentrieren. Eben dort, wo besonders viele Menschen (lies: zahlende Kunden) davon profitieren.

Schön wäre es auch, wenn die Probleme tatsächlich einmal angegangen werden würden. Genau das war im Vorfeld der 5G-Auktion wieder ein großer Streitpunkt. Zum einen beschweren sich die Anbieter, dass es zu lange dauert, bis ein neuer Mobilfunkmast genehmigt wird. Zum anderen aber, arbeiten die Mobilfunkbetreiber in anderen Ländern einfach besser zusammen. 

In Deutschland zahlen die Anbieter viel Geld für die Frequenzen - die 6,6 Milliarden für die aktuelle 5G-Versteigerung sind ein Witz gegen die 50,8 Milliarden Euro für die UMTS-Lizenzen. Das fehlt dann natürlich, wenn es um den Netzausbau geht. Zum anderen - Stichwort National Roaming - kochen sie alle ihr eigens Süppchen. Während die Anbieter in den USA oder Großbritannien schon längst zusammenarbeiten und in spärlich besiedelten Gebieten nicht alle ihre eigenen Masten aufbauen müssen, fragen sich die drei Großen in Deutschland noch immer, warum sie jemand anderen das mitnutzen lassen sollten, was sie da hingebaut haben. Auch jetzt ist National Roaming noch immer nicht vorgesehen. Und hier ist die Politik in der Pflicht - nicht die Netzbetreiber. Die hat aber auch ihr Breitbandziel schon kräftig verfehlt. Vielleicht sollten die Parteien diese Themen einfach mal wirklich angehen?! Nicht jammern, sondern machen eben.

Vielleicht müssen wir uns dann in Zukunft nicht mehr darüber unterhalten, wie schlecht die Netzverfügbarkeit in Deutschland ist, sondern können zumindest (fast) überall mit 100 MBit/s surfen - ob über LTE oder 5G ist dann auch egal.

Quelle: OpenSignal

Top-Kommentare der Community

  • Karl E vor 3 Wochen

    Man kucke sich einfach mal die Geschwindigkeiten an, die (egal ob LTE oder UMTS) oft im sehr geringen Bereich liegen (weniger als 1 Mbit kommt häufiger vor in Berlin) Über die Netze zu reden, bedeutet für mich auch über die Netzgeschwindigkeit zu reden. Edge z.b. war bzw. ist bei der Telekom gar nicht schlecht, bei Vodafone und Telefonica aber nie zu gebrauchen. Die Verfügbarkeit sollte flächendeckend sein, aber die Geschwindigkeit auch ein Minium erreichen, aber sie muss nun wirklich nicht 100 MBit sein. zumindest aus meiner Sicht. mit 10 Mbit kann man fast alles machen, mit 20 Mbit sogar alles. Wenn man daran arbeitet anstatt 5G zu puschen, wäre allen geholfen.

  • Savero Fa vor 3 Wochen

    Zum Glück liegt Deutschland vor Nordkorea.

  • Mario W. vor 3 Wochen

    Und deshalb unbedingt "Die Grünen" wählen! Da gibt es dann Kerzen, Spiegel und Trommeln für alle, zur Kommunikation. Die brauchen keinen (Atom-)Strom und verbreiten keine schädliche Stahlung, wie diese 'p'ösen Mobilfunkmasten... den Rest machen das die Postreiter oder die Brieftauben.

  •   25
    Gelöschter Account vor 3 Wochen

    @Bodo Panitzki
    Auf jedem Fall keine der populären Parteien die unser Land kaputt gemacht haben.
    Wenn du das nächste mal den Wahlzettel anschaust, dann bitte bis zum Ende und du wirst feststellen da gibt es jede Menge Alternativen.

35 Kommentare

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  • Armes Deutschland! Selbst Griechenland oder Thailand hat 1000 mal besseres Signal als wir hier in Deutschland. Wir leben noch in der Steinzeit im Vergleich wie Länder Portugal, Spanien, Griechenland usw...


  • Diese Werbungsversprechen "... surfen bis zu 💯 oder 200 MBit..." der Mobilfunkanbieter glaub ich eh nicht mehr. Nur Heuchelei und zu teure Tarife.


  • Immerhin sollen die Erlöse aus der Versteigerung der 5G-Frequenzen von knapp 6,6 Milliarden zum Ausbau der Breitbandnetze, aber auch zum Stopfen von Funklöchern durch eine neu zu gründende staatliche Gesellschaft verwendet werden, neben anderen Verwendungszwecken wie der "Digitalisierung" der Schulen.


  • Bei all dem Zeck rund um den Netzausbau und - geschwindigkeiten in Deutschland, sollten jene Fakten die Herausforderung sein. Vor allem in einem der reichsten Länder der Welt:
    - fahre oder gehe ich von Ort A nach Ort B, egal womit, kann es nicht sein, dass man mitunter nicht mal mehr unterbrechungsfrei mobil telefonieren kann. Von schneller oder langsamer Datenverbindung ganz zu schweigen
    - insbesondere dann nicht, wenn man auch die vergleichbar teuersten Tarife zahlt
    - wenn man auf dem Papier Geschwindigkeiten zugesichert bekommt und unter realen Bedingungen (sowie vorhandener Technik) bestenfalls die Hälfte dabei herumkommt

    Ich kann mich den Kernaussagen des Beitrages nur anschließen.


  • Er macht keine Werbung für die AfD ! Er versucht nur zu erklären, warum es zu deren Wahl kam.


  • Ja klar bis 2022 98% mit 100Mbit Versorgen. Klappt bestimmt genauso gut wie die 50Mbit bis 2018. Ich sage auch ohne Nationales Roaming wird das nichts. Ich verstehe auch nicht warum die 3 bez die 4 sich da so Streuben. Wenn ein Kunde des anderen dann in dem Netzt unterwegs ist muss der Provider des Kunden halt dafür zahlen und gut. Wo ist das Problem man hat ja am Mast usw. gespart. Und die Gesamt Kostet würde auch sinken für ein fast flächendeckendes Netz. Ohne verstehe ich sowiso nicht wo die über die masten aufstellen wollen die 5G Zellen sind ja kleine ca. 1km. Meine LTE zelle die ich derzeit nutze ist 8km groß. Wollen die dann jeden km 3 Türme stellen halt für jeden Provider verstehe ich nicht.


  • Ich habe hier, wo ich lebe, Köln-Bonner Raum, sehr gute LTE Abdeckung. Wenn ich in die Eifel fahre, lässt es natürlich nach. Aber so schlimm ist es auch nicht.
    Ganz weit draußen in den Tälern gibt es auch leider noch dicke Funklöcher.


  • Man kucke sich einfach mal die Geschwindigkeiten an, die (egal ob LTE oder UMTS) oft im sehr geringen Bereich liegen (weniger als 1 Mbit kommt häufiger vor in Berlin) Über die Netze zu reden, bedeutet für mich auch über die Netzgeschwindigkeit zu reden. Edge z.b. war bzw. ist bei der Telekom gar nicht schlecht, bei Vodafone und Telefonica aber nie zu gebrauchen. Die Verfügbarkeit sollte flächendeckend sein, aber die Geschwindigkeit auch ein Minium erreichen, aber sie muss nun wirklich nicht 100 MBit sein. zumindest aus meiner Sicht. mit 10 Mbit kann man fast alles machen, mit 20 Mbit sogar alles. Wenn man daran arbeitet anstatt 5G zu puschen, wäre allen geholfen.


    • Was gleich mit abgeschafft werden soll, ist das drosseln auf steinzeitlichen Niveau nach aufbrauchen des Datenvolumen auf 16 oder 32 kbit. Da Lob ich O2. Da geht es mit 1Mbit weiter mit LTE.


    • Was auch noch wichtig wäre, wenn 10 - 20 Mbit ereicht werden sollen pro User muss natürlich die Geschwindigkeit so hoch sein, dass die durchschnittliche Anzahl der Nutzer in einer BTS mindestens die 10 Mbit erreichen kann. iIh denke das ist die Herausforderung und ich hoffe das wird in Zukunft optimiert..... Klar ist aber auch wenn die Anzahl der User pro BTS ansteigt, dass dann die Geschwindigkeit langsamer wird, ob das mit 5G anders wäre ist mir unklar..... Bei der erhöhten Anzahl der BTS zweifele ich jedoch dran.... genauso wie ich an der Vernunft der Netzbetreiber zweifle, denn diese 5G-Technik funkt in sehr hohen Frequenzbereichen und das wurde nicht aussreichend auf Gesundheitsverträglichkeit geprüft, hauptsache man führt es ein ... da finde ich es gut, das wir in Deutschland so abgeschlagen dastehen...


  • Zum Glück liegt Deutschland vor Nordkorea.


  • 5G!
    2022 soll angeblich 98% vernetzt sein. Das ist so utopisch wie in der Sahara fällt Schnee.


    •   25
      Gelöschter Account vor 3 Wochen Link zum Kommentar

      @H.G. Schmidt
      Nur zu deiner Info, in der Sahara hat es 2018 das letzte Mal geschneit und davon 2016/2017 auch schon.


      • Auch 1979.

        "Ein Hauch von Schnee in der Sahara. ... Zum dritten Mal innerhalb der vergangenen 40 Jahre ist in der Sahara Schnee gefallen. Ein Wintersturm hinterließ laut Medienberichten in den Morgenstunden des 7. Januar in der Nähe der algerischen Stadt Ain Sefra einige Zentimeter Schnee auf dem Sand.09.01.2018"

        www.google.com/amp/s/www1.wdr.de/wissen/natur/sahara-schneebedeckt-100.amp


  • Das Land wird im Deutschen übrigens Kasachstan geschrieben, und klar ist da die LTE Abdeckung besser als in Deutschland, dort gibt es eben nur in den Städten Mobilfunk.

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