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Künstliche Intelligenz "Made in Germany": Wir sind die Guten - oder?

Künstliche Intelligenz "Made in Germany": Wir sind die Guten - oder?

Das Berliner DFKI, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, ist das wichtigste KI-Forschungsinstitut des Landes. Wolfgang Wahlster, wissenschaftlicher Geschäftsführer des DFKI, rückt im Interview mit dem Manager Magazin einige KI-Mythen gerade und erklärt, womit eine KI "Made in Germany" zum Erfolg werden kann.

Im Gespräch rückt Wahlster erst einmal die Ansicht gerade, dass Deutschland und Europa gerade erst den KI-Trend erkennen und fördern würden: "Die KI-Förderung des Bundesforschungsministeriums lief ja schon vor 30 Jahren an, als das Thema in unseren Nachbarländern noch gar nicht auf dem Radarschirm war." Der Kampf um die klügsten Köpfe ist für Wahlster längst in vollem Gange, die geplanten 100 neuen KI-Professoren müssten erst einmal besetzt werden, das sei gar nicht so einfach: "In Deutschland haben wir - wenn man die Fachhochschulen dazu nimmt - gerade einmal 150 bis 160 KI-Professoren."

China ist noch längst nicht enteilt

Die Tatsache, dass China und die USA den Europäern bei der Künstlichen Intelligenz längst uneinholbar voraus seien, sieht Wahlster ganz anders. Bei den Publikationen zum Thema KI führe Europa immer noch mit 28 Prozent vor China (25 Prozent) und den USA (18 Prozent). Zudem müsse man die Qualität der Arbeiten aus China betrachten, denn das seien "keine großen Durchbruchsinnovationen, sondern oft nur inkrementelle Verbesserungen von Ideen aus Europa oder Amerika. [...] Und viel dabei ist auch reines Marketing und heiße Luft selbsternannter KI-Experten."

Auch über die weit verbreitete Ansicht, dass Unternehmen den Staaten die Deutungshoheit bei der KI-Forschung streitig machen und einfach schneller sind, hat Wahlster eine Meinung. Ausschreibungen seien in der Industrie meist kürzer, Entscheidungen würden schneller getroffen, aber auch deutlich weniger Grundlagenforschung getrieben und Schwerpunkte aus finanziellen Gesichtspunkten gesetzt. "Es kommt letztlich auf eine gute Vernetzung und Durchlässigkeit zwischen öffentlicher Forschung und industrieller Forschung an, die gerade in Deutschland traditionell besser läuft als in den meisten anderen Ländern", so der DFKI-Geschäftsführer.

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Das DFKI ist das angesehendste Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Deutschland. / © DFKI

Richtig interessant wird es noch einmal ganz am Ende des Interviews. Angesprochen auf den Datenschutz und die Frage, ob Europa und Deutschland die Richtlinien lockern müssten, um international mithalten zu können, sagt Wahlster: "Nein. Ich glaube eher, dass Künstliche Intelligenz 'Made in Germany', bei der ethische Fragestellungen gleich bei der Entwicklung mitberücksichtigt werden - also mit 'ethics by design' - ein echter Exportschlager werden könnte."

Eine beruhigende Einschätzung

Aus der Antwort spricht eine Sicht auf die Künstliche Intelligenz, die mir sympathisch ist und die mich auch ein bisschen beruhigt. Klar weiß ich nicht, an welchen Dingen in Laboren, Hinterzimmern oder Unternehmen geforscht wird, ohne darüber zu reden. Wenn der oberste KI-Forscher des Landes aber der Meinung ist, dass Deutschland mit einer ethisch möglichst einwandfreien KI gute Chancen hat, erfolgreich zu sein, sagt das eine Menge über die generelle Ausrichtung eben dieser Forschung sowie den globalen "Markt" der KI als Ganzes aus.

Was mir nicht so ganz gefällt, ist die implizite Aufteilung der (KI-)Welt in Gut und Böse. Egal ob in Europa oder Asien, an Universitäten oder in Unternehmen, nirgends wird ein so wichtiges, mächtiges und finanziell lukratives Thema wie die Künstliche Intelligenz ausschließlich aus edlen Motiven betrachtet und angegangen. Die anderen sind nicht die "Bösen", und "wir" sind nicht die "Guten", da macht die KI-Forschung keinen Unterschied. Verallgemeinern hilft nicht weiter.

Es geht um unsere Zukunft

Ich würde mich wirklich freuen, wenn Wahlsters Vorhersage eintrifft, denn das würde gleichzeitig vor allem zwei Dinge bedeuten. Erstens würde Deutschland, das Land, in dem ich lebe, bei dem wichtigen Feld der Künstlichen Intelligenz nicht abgehängt, sondern zusammen mit anderen an der Spitze stehen. Das ist nicht ganz unwichtig, um ökonomisch auch in den kommenden Jahrzehnten gut dazustehen und den hohen Lebensstandard, den wir hierzulande genießen, halten zu können.

Der zweite Punkt ist mir aber noch viel wichtiger. Wenn bei der Künstlichen Intelligenz tatsächlich die "gute Seite" - wenn man in diesen Maßstäben denken möchte - die Oberhand behält, sinken die Gefahren für die ganze Welt. Weniger Unterstützung für autoritäre Regime, weniger Fokus auf KI-basierte Waffensysteme, weniger Streben nach immer mehr Reichtum durch KI - das alles kann uns als Gesamtgesellschaft nur gut tun. Die KI wird, darüber sind sich alle Experten einig, in den kommenden Jahrzehnten einen großen und immer stärkeren Einfluss auf viele Bereiche unseres Lebens haben. Ich hoffe, dieser Einfluss wird ein guter sein.

Quelle: Manager Magazin

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8 Kommentare

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  • Die typisch deutsche Überheblichkeit. "Am deutschen Wesen wird die Welt genesen" - ist einfach nicht ausrottbar...


  • Wir haben uns schon viele Beispiele geschaffen die nur real umgesetzt werden müssen: KITT aus Knight Rider was Autos betrifft, DATA von der Enterprise und den TERMINATOR um uns alle zu vernichten .


  • Es ist unbestreitbar, dass in Deutschland viele Dinge erfunden werden, welche sukzessive zum Alltag werden. Aber in anderen Ländern werden diese Technologien erst zur Marktreife entwickelt, weil die starre Gesetzeslage in D vieles verhindert. Mit KI bzw. AI wird es ähnlich sein - hier schafft man durch Spitzenforschung das Gerüst, welches woanders vermarktet wird und dann bei uns im Regal zu finden sein wird; aber nicht als "Made in Germany"


  • Bis KI so intelligent sein wird wie der Mensch werden noch viele Jahrzehnte vergehen. Bisher ist "KI" nichts weiter als von Menschen programmierter Code, wie jedes andere Programm auch. Früher hätte man das treffender als "Intelligente Logik" bezeichnet, und nicht wie heute mit dem Werbewort "KI".


    • Tim vor 8 Monaten Link zum Kommentar

      Ich glaube „einige“ bis „wenige“ Jahrzehnte ist realistischer, wenn man sich die rasante Entwicklung ansieht ^^
      So gesehen sind wir Menschen auch nur Programmiert. Von anderen Menschen in Form von Werbung und Co.
      Wir werden auch nur manipuliert und von anderen Menschen so umgeschrieben, dass wir besser „passen“ :D


      • Das wird noch viele Jahrzehnte dauern. "KI" in Sinne von "Intelligenz" gibt es nämlich noch nicht, und wird es wahrscheinlich auch nie geben.


  • KI wird die Zukunft sein ,aber nicht mehr heute. Gute Nacht allerseits.😴💬


  • Ich glaube, nach Computern und dem Internet wird KI die nächste große Revolution sein. Ich meine natürlich nicht sowas wie Siri oder Alexa, sondern weiter entwickelte KI. Gerade in Kombination mit Robotern und auch VR wird das unsere Gesellschaft nachhaltig prägen und verändern. Und wie Steffen hoffe ich sehr, dass es zum Positiven sein wird.

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