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Experten-Statements 6 Min Lesezeit 20 Kommentare

Kostenfalle Datenautomatik? Das sagt ein Tarifexperte dazu

In den vergangenen Jahren geisterte sie in vielen Mobilfunk-Tarifen herum: Die Datenautomatik. Unter verschiedenen Namen findet sich dieses unangenehme Tarifdetail bei vielen Anbietern. Wir haben mit einem Tarifexperten gesprochen und einige Tipps für Euch zusammengestellt.

Datenautomatik: Was bedeutet das?

Wer mobil surfen möchte, braucht nicht nur ein Smartphone, sondern auch einen Datentarif. Gängige Mobilfunktarife beinhalten heute ein bestimmtes Datenvolumen, das mit einer ansehnlichen Geschwindigkeit versurft werden darf - meist sind zweistellige MBit/s-Raten vorgesehen. Nachdem diese Datenmenge verbraucht ist, reduzieren die Anbieter die maximal erreichbare Geschwindigkeit, sodass Surfen und Videos gucken nicht mehr ohne weiteres möglich sind - oft auf 64 kBit/s oder noch deutlich weniger.

An dieser Stelle setzt die Datenautomatik an: Erreicht ein Kunde das im Tarif vorgesehene Datenvolumen, gewährt der Provider etwas mehr schnelle Daten, kassiert aber auch dafür. Die Detailkonditionen unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter. Zum Beispiel kostet bei Vodafone die automatische Nachbuchung von 250 MByte 3 Euro - Vodafone nennt dieses Tarif-Feature SpeedGo. Dies erfolgt bis zu dreimal, bevor dann tatsächlich die Geschwindigkeit reduziert wird.

Datenautomatik kann teuer werden
Die Datenautomatik kann schnell zu teuer werden. / © ANDROIDPIT

Tarifexperte Daniel Molenda vom Verbraucherportal teltarif.de kritisiert, dass das automatisch nachgebuchte Datenvolumen überdurchschnittlich teuer ist. “Die Datenautomatik lindert zwar das Übel der drastischen Bandbreitendrosselung auf 64 oder gar 16 kBit/s, weil zusätzliches Highspeed-Datenvolumen zur Verfügung steht”, so der Experte. Und er ergänzt, dass die Datenautomatik “den Nutzern aber kaum Mehrwert gegenüber klassischen Daten-Optionen [bietet], die freiwillig und nach Bedarf hinzugebucht werden können”.

Es gibt bei smartmobil.de zum Beispiel die Vorgehensweise, 200 MByte für jeweils 2 Euro automatisch nachzubuchen. Kurios: Danach dürfen Kunden ein Paket mit einem GByte Highspeed-Volumen für 4,99 Euro nachbuchen, ebenfalls bis zu dreimal. Das Preisleistungsverhältnis dieser sogenannten Daten-Snacks ist weit besser, als das der automatisch nachgebuchten Datenpakete. “Um die vergleichsweise kostengünstige Option in Anspruch zu nehmen, muss also zuvor die teure Datenautomatik ‘abgefeiert’ werden. In der Regel rechnet sich das nicht”, kommentiert Daniel Molenda diese Form der Datenautomatik mit nachträglichen Datenoptionen.

androidpit datenautomatik benachrichtigung
Datenautomatik ist teuer: 100 MByte für 2 Euro. / © Screenshot: ANDROIDPIT

In der Werbung werde die Datenautomatik oft als fair bezeichnet. Aufgrund der kleinen Beträge sei die Datenautomatik keine klassische Kostenfalle. Aber sie sei eben auch alles andere als fair, erläutert Molenda. Sie sei schon gar nicht ein Kostendeckel, wie die Datenautomatik bereits genannt wurde, kritisiert unser Tarifexperte die Kennzeichnung mancher Anbieter.

Datenautomatik: Ungewünscht und trotzdem da

“Kaum ein Kunde würde die Datenautomatik nachträglich hinzubuchen”, erklärt Tarifexperte Daniel Molenda. Das liege daran, dass sie für den Kunden eigentlich keinen Mehrwert biete. Provider hingegen könnten so die Kalkulation ihrer Tarife aufbessern.

Im Januar 2017 schien die Datenautomatik erledigt. Vodafone hatte sich in einem Rechtsstreit den Argumenten des Verbraucherzentrale Bundesverbands beugen müssen. Stein des Anstoßes waren Details der eingesetzten Datenautomatik. Vodafone hatte ins Kleingedruckte der Smartphone-Tarife nicht nur eine Datenautomatik geschrieben, sondern wollte Kunden auch noch automatisch ein größeres Datenpaket in den Tarif buchen, sollte der Kunde mehrere Monate infolge die Datenautomatik auslösen. Dieses Vorgehen hielt vor Gericht nicht Stand, wie der Verbraucherzentrale Bundesverband informierte:

Eine generelle Absage an die Datenautomatik findet sich in den Urteilen bislang aber nicht. Daher fristet die Datenautomatik noch immer ihr Dasein im Mobilfunkmarkt: Rechtlich können die Anbieter ihre Tarife also damit ausstatten.

Kurzübersicht: So viel kostet die Datenautomatik bei gängigen Anbietern

  Tarifhaus WinSIM Smartmobil  O2
Mindestlaufzeit 6 Monate monatlich kündbar oder Vertrag über 24 Monate  monatlich kündbar oder Vertrag über 24 Monate monatlich kündbar oder Vertrag über 24 Monate 
Monatliches Datenvolumen 3 GByte / 4 GByte  2 GByte  / 3 GByte / 4 GByte 1 GByte / 2 GByte / 3 GByte oder  5 GByte   1 GByte / 4 GByte / 6 GByte
Monatliche Kosten

16,99 € erste 6 Monate danach 14,99 € 

/

18,99€ erste 6 Monate danach 16,99 €

LTE All 2 GByte  9,99€ mtl. / mit 24-Monats-Vertrag 7,99 € mtl.

LTE All 3 GByte 13,99€ mtl. / mit 24-Monats-Vertrag: dauerhaft 10.99 € mtl. 

LTE All 4 GByte 16,99 mtl. / mit 24-Monats-Vertrag: dauerhaft 13,99 € mtl. 

LTE Spezial 1 GByte 9,99€ mtl. / mit 24-Monats-Vertrag: 1. Jahr mtl. 7,99 €, danach 9,99 €

LTE Starter 2 GByte 14,99 € mtl. / mit 24-Monats-Vertrag: 1. Jahr mtl. 9,99 €, danach 14,99 €

LTE All 3 GByte 21,99 € mtl. / mit 24-Monats-Vertrag: 1. Jahr mtl. 14,99 €, danach 21,99 €

LTE Pro 5 GByte 31,99 € mtl., mit 24-Monats-Vertrag: 1. Jahr mtl. 24,99 €, danach 31,99 € 

Free S 1 GByte 24,99 € mtl. / mit 24-Monats-Vertrag: mtl. 19,99 € für die ersten 6 Monate, danach 24,99 €  

Free M 4 GByte 34,99€ mtl. / mit 24-Monats-Vertrag: 1. Jahr mtl. 27,49 €, danach 34,99 €

Free L 6 GByte 44,99€ mtl. / mit 24-Monats-Vertrag: 1. Jahr mtl. 37,49 €, danach 44,99 € 

Kosten der Datenautomatik & Drosselung 

Drosselung auf 64 kBit/s für WhatsApp, E-Mail etc. ohne Limit, keine weiteren Kosten.

automatisches Zubuchen von 3x 100 MByte je 2,- € für LTE-Internet

LTE Spezial 1 GByte & LTE Starter 2 GByte: automatisches Zubuchen von 3x 200 MByte je 2,- € für LTE-Internet.

LTE All 3 GByte: automatisches Zubuchen von 3x 300 MByte je 3,- € für LTE-Internet.

LTE Pro 5 GByte: automatisches Zubuchen von 3x 500 MByte je 5,- € für LTE-Internet.

Drosselung auf 1 Mbit/s für Internet ohne Limit, keine weiteren Kosten.

Was hilft gegen die Datenautomatik?

Viele Kunden sehen die Datenautomatik eher als Ausschlussgrund bei der Tarifwahl, gibt unser Tarifexperte zu bedenken. Der entscheidende Tipp ist daher, vor dem Vertragsabschluss die Details nach entsprechenden Regelungen abzusuchen und einen Tarif mit Datenautomatik konsequent ablehnen.

Bei vielen Tarifen sei die Datenautomatik zwar voreingestellt, sie lasse sich häufig aber im Kundenmenü oder über die Hotline ausschalten. Das sei dann auch zu empfehlen, so Molenda.

datenautomatik nein danke
Lieber gleich gedrosselt als Datenautomatik / © Screenshot: ANDROIDPIT

Wer hingegen in einem Tarif mit fest integrierter Datenautomatik sitzt, hat immerhin zwei Schaltstellen: Der Anbieter informiert ja darüber, wenn das Datenvolumen verbraucht ist. Erreicht Euch also diese Info-SMS, so solltet Ihr beginnen, den Datenverbrauch für den Rest des Abrechnungszeitraums zu reduzieren. Wer auf Nummer sicher gehen will, muss kurz vor dem Auslösen der Datenautomatik die Internetverbindung ganz kappen, will er die Zusatzkosten vermeiden.

In manchen Fällen könne sich sogar ein Tarifwechsel lohnen, damit grundsätzlich mehr Datenvolumen verfügbar ist.

Tipps gegen die Datenautomatik

  • Tarife ohne Datenautomatik wählen.
  • Datenautomatik im Kundenmenü oder über die Hotline deaktivieren.
  • Info-SMS des Anbieters beachten und gegebenenfalls den Datenverbrauch einschränken.

Fazit

“Deswegen ist der Weg zu Tarifen ohne Datenautomatik der richtige für die Verbraucher,” fasst Daniel Molenda zusammen. Von der Datenautomatik profitieren vor allem die Anbieter: “Die Datenautomatik ist unbeliebt und wird von den Kunden nicht nachgefragt, sondern nur von ihnen in Kauf genommen.”


Wollt Ihr einen Mobilfunktarif ohne Datenautomatik ausprobieren? Tarifhaus hat ein besonderes Angebot für Euch.

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Top-Kommentare der Community

  •   40
    Gelöschter Account 30.04.2017

    Diese Art der Abzocke gehört abgeschafft, ohne wenn und aber......Punkt!

20 Kommentare

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  • Alle Verträge, bei denen man erst das Kleingedruckte lesen muß, um nicht über's Ohr gehauen zu werden, sind schon man für die Tonne. Ein Anbieter sollte wichtige Details immer offenlegen bzw. in der Kurzbeschreibung unterbringen.


  • Klar gibt es doofe Leute die so einen Dienst in Anspruch nehmen weil die Werbung sie ja gerade zu dazu verleitet!

    Meist heißt es in der Werbung ja "2GB Inklusivvolumen" oder ähnliches. Die wenigsten verstehen doch dass sie eine FLATRATE haben. Zwar mit einer Drosselung aber eben FLAT. Die Werbung will uns doch immer weiß machen dass ich nur dieses Volumen zur Verfügung habe und dann müsse ich eben aufstocken.

    Sonst würde doch niemand so einen Mumpitz nutzen...


  • Also bei Vodafone ist es ganz einfach das zu deaktivieren. Einfach in der Vodafone App das Speedgo deaktivieren. Aktiviert sich zwar den nächsten Monat wieder aber kann man dann wieder deaktivieren, ist in fünf Sekunden passiert.

    Wenn mir mein Volumen nicht reicht buche ich mir dann doch lieber die 500 MB manuell für 4,99 €, da hat man mehr für sein Geld.

    Noch dazu kann ich dann entscheiden ob ich vielleicht nicht doch ein paar Tage gedrosselt in Kauf nehme...


  • Der deutsche Kapitalist, also die Anbieter finden immer was wo sie mehr Geld raus schlagen können auf Kosten der Kunden. War ja auch so bei der SMS, erst war sie kostenlos und dann als sie bemerkten, da kann man ja verdienen wurde die SMS eine Goldgrube und zum Anfang teuer. Man bekommt nichts geschenkt und Vorteile für den Kunden erst recht nicht.


  • gibt es bei Alditalk zum Glück nicht.


  • Solange das nicht abschaltbar ist, ist dies bei diesen MB-Preisen reine Abzocke.


  • Ich bin bei Premiumsim mit nicht abschaltbarer Datenautomatik 2GB, mit denen ich meistens auskomme, Allnetflat, SMS Flat, EU Flat telefonieren und 1GB . Das alles für 7,99 monatlich, monatlich kündbar. Wenn ich wirklich mal in die Automatik rausche, was bisher noch nicht der Fall war, dann zahle ich in dem entsprechenden Monat 13,99. Nicht wirklich der Rede wert, bei dem Tarif, oder? Also ich werde nicht meckern. ;-)


    • Naja... mal eben fast 50 % mehr, wenn du die Automatik voll nutzt. Und das geringe zusätzliche Datenvolumen, dass du dafür bekommst. "Nicht der Rede wert" ist für mich was anderes.


    • Naja auf so Kunden wie dir baut das System ja gerade auf!

      Der Kunde wird abgezockt, ärgert sich aber gar nicht darüber dass er mal prompt doppelt so viel (!) zahlt als vertraglich vereinbart. Also ich wäre da mächtig sauer...


  • Man lernt nie aus. Hab gar nicht gewusst das es sowas überhaupt gibt.


  • In meinem Drillisch-Tarif konnte ich die Automatik (noch) abstellen. Hilfreich war hierbei aber ein gutes Angebot von 19,99 für Allnet-Flat und 5GB und monatlicher Laufzeit.
    Damit kann ich gut leben und wenn es Mal was besseres gibt kann ich nach 30 Tagen wechseln​


  • Meine Empfehlung: um Tarife mit "Datenautomatik" einen Bogen machen. Dann werden es die Anbieter auch einstellen.


    • Das wird sich nicht machen lassen. Nur der Gesetzgeber könnte dem Einhalt gebieten. Stellt sich die Frage ob der es so einfach kann (Vertragsfreiheit).


  • o2 hat die Datenautomatik abgeschafft, sieht man auch in der Tabelle, frage mich nur warum die o2 Free Tarife da in der Tabelle stehen? Warum es die Datenautomatik gibt ist doch klar, man will damit zusätzlich Geld verdienen. Ich finde das zwar nicht okay, denn die Datenautomatik hat keinen wirklichen Sinn aber wenn man weiß das es sie gibt kann man sie umgehen, entweder mit abbestellen, was bei manchen Anbietern gehen soll (wie es bei o2 früher auch abbestellbar war) und bei andern halt nicht.


  •   40
    Gelöschter Account 30.04.2017 Link zum Kommentar

    Diese Art der Abzocke gehört abgeschafft, ohne wenn und aber......Punkt!


  • Ich würde mir wünschen dass der Bundesgerichtshof diese Datenautomatik abschafft in 2017 oder 2018 😏😋😜

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