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Gaming-Debatte: Können wir mal bitte aufhören, zu pauschalisieren?

Gaming-Debatte: Können wir mal bitte aufhören, zu pauschalisieren?

Es gibt so Dinge und Ereignisse, über die müssen wir nicht diskutieren. Das Amokattentate wie der von Halle und Epidemien wie Corona schlichtweg schlimm sind, gehören dazu. Wie wir allerdings damit umgehen öffnet ein weites Feld. Auf einem kleinen Quadratmeter davon will ich mich in dieser Woche mit Euch austoben.

Ich betrete hier mit Sicherheit sehr dünnes Eis, das ist mir bewusst. Aber ähnlich wie Eric gestern noch mal intensiv auf das Thema "Mieten statt kaufen von Hardware" eingegangen ist, möchte auch ich heute auf einen Artikel einer Kollegin eingehen: Um genau zu sein auf Julias Artikel zum Seuchenspiel Plague Inc. Denn als sie mir erzählte, dass in China Plague Inc. verboten wurde – muss ich gestehen – dass mich das verwirrt hat. Nicht nur weil solche Maßnahmen gefühlt immer in die gleiche Kerbe schlagen. Vielmehr zeigt es aber eine Diskussions-Kultur die mich langsam wirklich wütend macht. Und dabei geht es nicht nur um die "Gaming"-Debatte bei Epidemien, wie Julia es in Ihrem Artikel anhand Plague Inc. anreißt. Sondern die allgemeine Debatte um Spiele in Krisenzeiten und wie wir diese führen.

Erfurt, Emsdetten, Winnenden: Drei Städte, drei schreckliche Tragödien – ohne Frage. Und Fakt ist: Es gibt kaum Tragödien, die nicht eine Debatte über Gaming entfesseln. Noch 2015 schrieb der Spiegel, dass sich sechs Jahre nach den oben genannten drei Amokläufen, die "Killerspiel-Debatte" größtenteils aufgelöst habe. Ich will gar nicht, dass sie sich auflöst – was ich will ist ein neuer Blickwinkel, den wir immer noch nicht gefunden haben.

Wieso kommen wir eigentlich nicht von dem Gedanken des bösen "Gaming" los?

"Der Begriff "Killerspiel" – der von jeher eine negative Konnotation hat – wird offenbar tatsächlich nur noch selten verwendet“, so der Spiegel in seinem Artikel von 2015 über die Killerspiel-Debatte. Weiter wird in dem Artikel herausgearbeitet, dass niemand mehr ein "Killerspiel-Verbot" fordere. Das eine Diskussion abflacht und bestimmte Begrifflichkeiten nicht mehr (oder kaum noch) genutzt werden, heißt aber leider noch lange nicht, dass wir uns auch von unserem klischeehaften Denken befreit haben.

Wie eingefahren wir Menschen (Politiker und Journalisten nicht ausgenommen) oft sein können, zeigt sich beispielhaft am Terroranschlag in Halle. Nur einige Tage nach der Tat trat Innenminister Seehofer ans Mikrofon und sprach darüber, dass man die Gamerszene intensiver im Auge behalten müsste. Und wie das so ist, wenn erst einmal jemand die Debatte losgetreten hat, springen gerne auch Journalisten auf das Thema auf. So auch die "Welt" in ihrem eigenen Meinungsartikel, bei dem es schwer ist ihn nur als unglücklich formuliert zu beschreiben.

Ich fand beim Lesen des Artikels einige schwierige Aussagen. Fangen wir damit an, dass der Artikel damit einsteigt nicht mehr den Begriff "Netzgemeinde" zu nutzen, da dies suggeriere es handle sich um einen "echten Zusammenschluss bewusster Menschen". Aber genau das ist doch der Punkt. Spiele wie WoW, LoL oder von mir aus auch Star Stable sind Zusammenschlüsse aus Menschen. Menschen die sich unterhalten, diskutieren und miteinander interagieren. Und Menschen, die sich durchaus bewusst sind, was sie tun. Natürlich gibt es auch im Internet und solchen Spieleplattformen Trolle und durchaus schlimmeres, aber sind wir einmal ehrlich – in welcher Gemeinschaft gibt es die denn bitte nicht?

Ich will hier kein Pamphlet auf den Artikel halten, in Kürze also: Der Artikel geht darauf ein, dass Seehofer ja nur gesagt hat, "dass Amokläufer und Massenmörder oft auch Computerspieler seien“ und dabei gar nicht alle Spieler gemeint hat. Beispielsweise nicht jene, die (laut Artikel) "Unser rosa Ponyhof“ spielt. Und genau diese Aussage zeigt doch, wie weit weg wir noch von einer richtigen Auseinandersetzung mit "Gaming“ sind. Wenn wir per se annehmen wollen, dass alle Spieler, die Shooter spielen, ein großes Potential zur Gewalt haben, dann können wir ebenso gut sagen, dass alle Menschen, die sich gerne Horror-Filme ansehen, irgendwann anfangen die nachzuspielen. Oder um es noch etwas krasser zu formulieren. Nur weil jemand in einem Boxclub ist, sollte man nicht davon ausgehen, dass er auf der Straße dem nächstbesten die Frontzähne neu tapeziert.

Natürlich reagierten "Gamer“ auf diese Aussagen. So auch Rezo in seinem Meinungsartikel. Hier verwies er darauf, dass Gamer bereits zugaben, dass einige Plattformen mit Rechtsextremismus zu tun haben. Und nochmal, Probleme mit diesem Thema haben wir in jedem gesellschaftlichen Zusammenschluss. Was ich an Rezos Artikel interessant fand war, dass er klar sagt eine "Gamerszene“, so wie sich das einige wünschen würden, gibt es nun mal nicht. Es gibt "Gamer“, dazu zählen aber eine Menge Menschen. Von Shooter-Begeisterten, bis hin zu "Candy Crush“-Zockern (deutsche Viedeospieler zu knapp 58 Prozent über und zu 42 Prozent unter 30). Da ist es leicht, dass sich die Terme "Naziterrorist“ und "Videospieler“ tangieren.

Weiter verweist er aber auch darauf, dass es zwar durchaus Kriegssimulationen gibt, die meisten "Gamer“ aber viel mehr unrealistische Shooter spielen. Einfach, um Spaß zu haben. Wie eben der Box-Liebhaber. Was uns jetzt noch bleibt ist die Aussage, dass "Games“ wie Shooter (oder auch Plaque Inc.) die Grenzen zur Realität verwischen. Hierzu verweist Rezo sehr schön darauf, dass die deutsche Bundeswehr selbst diese Verwischung vornimmt, indem sie sich beispielsweise bei der Gamescom präsentierte und Gamern anbot, in einem Panzer zu sitzen. Und auch die U.S. Army stellt Games zum Zocken zur Verfügung. Also lassen wir die Kirche mal im Dorf.

Wollen wir wirklich nicht sehen, dass Spiele so viel mehr sind als Zocken?

Es gibt Problem in unserer Gesellschaft, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Nicht nur im Netz und auf Spieleplattformen, sondern ganz grundsätzlich. Spiele sind folglich nicht das Urböse und sie gleich zu verbannen, wie es beispielsweise China bei Plague Inc. getan hat, ist in einigen Umständen auch ein Schritt in die falsche Richtung.

Dass Actionspiele beispielsweise den Lernerfolg erhöhen können, zeigten Psychologen unter anderem in einer Studie von 2014 (heise). Hier erkannte ein Forscherteam aus Amerika, dass Probanden, die Actionspiele zockten, beispielsweise Muster schneller erkannten als jene Probanden, die selbst nicht spielten. Dabei verbesserten sich die Spieler von Mal zu Mal mehr und zeigte den Forschern, dass durch das Spielen die Lern-Fähigkeit verbessert wird. Und dabei bleibt es eben auch nicht einfach.

Multiplayergames (und ja, selbst Shooter) fordern Spieler in unterschiedliche Weise heraus. Strategien erstellen, um die Ecke denken und Lösungen für bestimmte Probleme zu finden sind nur ein paar der Fähigkeiten, die wir fördern wenn wir zocken. Ein besonderes Plus von Gamern ist nämlich der Kommunikationsaustausch und die Gruppenorganisation. Und auf dieses sogenannte "Schwarmdenken“, das beispielsweise beim Bekämpfen eines Endbosses eingesetzt wird, greifen auch Forscher nur zu gerne zurück.

Anfang dieses Monats kam die Nachricht raus, dass sich Wissenschaftler durch ein Spiel neue Lösungsansätze gegen den Coronavirus erhoffen. Das Projekt "Fold It" soll es schon seit einigen Jahren geben und darauf aufbauen, durch Spieler neue Blickwinkel zu bekommen. Hierzu schreibt Golem:

"Spieler gelten immer wieder als zuverlässige Hilfe für die Erledigung komplexer Aufgaben. Es gibt regelmäßige Versuche, ihre Schwarmintelligenz bei der Suche nach Planeten, Leben im All oder eben Medikamenten einzusetzen.“

Spiele helfen uns in vielerlei Hinsicht dabei, uns mit neuen Gedanken auseinander zusetzen und über unseren Tellerrand hinaus zublicken. Wie beschränkt würde unsere Welt werden, wenn wir auf diesen Lern-Vorteil verzichten würden?

Was wir brauchen, ist eine neue Diskussionsbasis bei Spielen

Also sind Shooter und Games total geil? Die Frage an sich ist schon falsch gestellt und zeigt bereits das Problem in dem wir uns befinden. Ebenso wie Kampfsport kann man auch Games nicht so undifferenziert betrachten. Ja, es gibt Spiele in denen Viren die Welt auslöschen und man als Soldat andere Menschen ermordet. Das heißt aber nicht, dass jeder Spieler sich gleich eine Waffe nimmt oder in seinem Heimlabor Viren züchtet. Auf der anderen Seite sollten sich Mitspieler sowie Betreiber gleichermaßen darum kümmern, was auf den Plattformen geschieht. So wie in jeder Gemeinschaft ist eben auch hier die "Bevölkerung“ gefragt.

Gleichzeitig können wir eine Menge von Spielen lernen und uns weiterentwickeln. In welcher Weise wir uns entwickeln, hängt aber auch hier von uns ab. Natürlich können wir (wie oben gezeigt) Forschungen durch Spieler vorantreiben. Gleichzeitig können sich einige Zocker natürlich auch hier rechtsextrem aufstellen lassen. Wie ein Spiel genutzt wird, hängt also nicht per se vom Spiel, sondern vom einzelnen Spieler ab. Genauso wie auch der Ausgang einer Wahl von einzelnen Individuen abhängen kann.

Wollen wir also wirklich eine "Gaming-Debatte“ führen und welche Spiele zu erhalten sind, müssen wir weggehen von dem Denken an "das Spiel“ als Engel oder Teufel. Wenden wir uns doch lieber den einzelnen Personen zu, die zocken und versuchen zu verstehen, welche Möglichkeiten mit Spielen gegeben werden.

Im Hinblick auf Plague Inc. müssen wir jene Risikogruppen im Blick behalten, die von Corona wirklich betroffen sind. Es zu relativieren mit Aussagen wie "Das ist ja nur ein Spiel“ ist hier keine Option, weil es die Angst derjenigen vollständig untergräbt. Zu sagen "Das Spiel ist in dieser Zeit makaber und sollte am besten von der Erde getilgt werden“ ist auf der anderen Seite sehr überspitzt. Denn das Spiel selbst tut ja nichts und vielleicht gibt es einigen Spielern sogar eine Idee, wie man mit der Epidemie besser umgehen kann.

Wieso hören wir nicht also einfach damit auf, wie einige Politiker, Journalisten und andere Menschen, nur über eine Sache zu reden. Stattdessen könnten wir es doch den "Gamern" einfach einmal gleichtun und für ein Problem über unseren Tellerrand blicken. Dann könnten wir auch damit anfangen, endlich miteinander ein Problem zu besprechen und nicht übereinander hinweg.

Quelle: Welt, Zeit

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Top-Kommentare der Community

  • Tenten vor 3 Wochen

    Naja, so ganz kann ich die Entrüstung nicht nachvollziehen. Das ist doch nun wirklich nichts neues, dass sich Politik und Staatsgewalt Buhmänner sucht, die an allem Schuld sind und die man unbedingt "in den Griff bekommen" muss. Wen hatten wir da nicht alles in den letzten 70 Jahren? Die Kommunisten in der Mc Carthy Ära. Dann natürlich die Beatniks und Hippies, deren Zenit 69 durch die Jungs und Mädels von Charles Manson erreicht wurde, was dann, Helter Skelter sei Dank, auch gleich eine neue Gruppe in den Fokus rief: Anhänger dieser "Satansmusik", sprich Rock und Metal. Und natürlich die Linken, die langhaarigen Studenten, von denen ja jeder ein Bader oder eine Meinhof sein könnten. In dem Siebzigern wurde man nicht selten von mit Maschinengewehren ausgestatteter Polizei angehalten. Rasterfahndung, das neue Mittel, der Plage Herr zu werden. Und auch in den Achtzigern waren es die Linken, diese "Zecken" und Demonstranten, die keinen Respekt vor der Obrigkeit hatten. Und dann kam VHS auf, und plötzlich wurde nicht mehr vom Kino bestimmt, was man sah, sondern jeder konnte sich selbst mit diesen unmenschlichen und verrohenden Filmen eindecken. Ich war live dabei, als die Polizei den ersten Tanz der Teufel in allen Videotheken beschlagnahmt hat. Jeder, der diese indizierten Filme mochte war ein potentieller Massenmörder, jederzeit zu ultrabrutaler Gewalt bereit. Naughty, naughty, naughty, meine Droogies. Selbst Bücher waren verdächtig, American Psycho von Bret Easton Ellis war schließlich Schuld an nicht nur einem Amoklauf. Hab ich noch jemand vergessen? Ganz sicher sogar. Und heute sind es eben die "Gamer" und ich finde, so hart wie etliche andere, die ich erwähnt habe, geht man die gar nicht an. Aber in meinen Augen ist diese "Gamerszene" ohnehin ein wenig wehleidig, fühlen sich bei jeder Kleinigkeit sofort angegriffen, werden aber selbst zur Furie, wenn sie zurückschlagen und sind dann auch mal ganz schnell da, wenns darum geht, andere zu doxxen oder mit Morddrohungen öffentlich anzugreifen. Aber das war jetzt auch pauschal und natürlich sind nicht alle, die gerne spielen vom gleichen Schlag. Was wir brauchen, ist nicht mehr Verständnis für Games und Spieler, wir brauchen mehr Toleranz denen gegenüber, die andere Interessen und andere Meinungen haben. Noch nie wurde so viel jeder gegen jeden gehetzt wie in den letzten Jahren. Die einen haben kein Verständnis für junge Menschen, die den Planeten retten wollen, die anderen keins für den "alten weißen Mann". Da schimpft man auf Leute, die sich Gedanken um Integration von Menschen machen, die sich in ihrem Körper nicht wohl fühlen, mit einer Vehemenz als ginge es ums eigene Leben. Und wehe man wagt es, eine autofreie Stadt zu fordern. Der Shitstorm ist einem da sicher. Wir brauchen wieder mehr Toleranz und weniger Hass und Ich-Denken und das betrifft in der ein oder anderen Form sicher jeden von uns.

15 Kommentare

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  • Interessant finde ich die Frage wie man in manchen Situationen überhaupt auf das Thema "Gaming" kommt. Natürlich sucht man bei Amokläufern immer nach dem Grund oder der Motivation zur Tat. Weil man sich nicht vorstellen kann, dass ein Mensch so etwas einfach tun würde. Und natürlich spielt Gaming dabei eine Rolle. Und ich bin auch der Meinung dass unsere Diskussionen, so wie sie geführt werden, keinen wirklichen Sinn ergeben. Allein schon darüber könnte man jetzt stundenlang debattieren.

    Viel Interessanter finde ich aber wie man z.B. jetzt auf die Idee kommt das Spiel Plague zu verbieten, denn klar, es ist definitiv begründbar, aber es erscheint mir leicht fragwürdig. Wie kommen denn die Macht habenen Personen dieser Welt, oder in dem Fall aus China, auf die Idee, auf einen Virus zu reagieren in dem man ein Spiel verbietet? (Es versteht sich denke ich von selbst das dass natürlich nicht die wichtigste, und auch nicht einzigste Aktion war, die von der Regierung ausgeführt wurde).

    Ich persönlich habe das Gefühl das Gaming gerne als Quelle von Problemen dargestellt wird, und dazu genutzt wird einen "Schuldigen" zu liefern. Ganz nach dem Motto: "Jemand der in eine Menschenmenge gefahren ist, tat das weil er negativ beeinflusst wurden ist von den Spielen die er gespielt hat." Das Spielen von Computerspielen, oder eben Shootern wird gerne als der Feind und der Grund dargestellt.

    Meiner Meinung nach sollte das aufhören. Man sollte generell nicht versuchen das Verhalten von Menschen durch allgemeine Dinge zu erklären. Ein Mensch der Amok läuft tut das sicherlich nicht nur weil er ein Spiel gespielt hat. Die Begründung warum er das tut ist anders. Und besteht nicht nur aus einer Variable. Zumindest meiner Meinung nach.


  • Ich mag solche Debatten nicht. Spiele sollten der Unterhaltung dienen. Mehr nicht. Wenn die US Army Spiele einsetzt, um einen Ausbildungszweck zu erzielen oder mit Veteranen gegen ihre Traumata zu kämpfen, läuft bereits etwas falsch. Ich bin einfach froh, dass ich ein Spiel, bei dem es darum geht, Leben zu beenden, spielen kann und dann in die Ralität wechseln kann, ohne etwas daraus mitzunehmen. Wenn ich eben noch Aliens mit der Pumpgun auf Wände gepinselt habe, fehlen mir persönlich in der Realität dann die Objekte Alien und Pumpgun. Bei den Amis is das anders. Da gibt´s die passende Waffe direkt in Papas nicht verriegeltem Waffenschrank (oder ich hab nen eigenen) und dann braucht es eben nur noch ein wenig Fantasie (oder krankes Gedankengut), um dem Nachbarn oder Lehrer die Alienmaske aufzusetzen.


  • Der Artikel klingt wie eine Verteidigung!
    Und wer sich verteidigt, klagt sich an.

    Ich finde es bedenklich, dass die beliebtesten Spiele immer etwas mit Gewalt und Mord zu tun haben.
    Und das sehen wohl viele Nicht-Gamer so. Warum findet man seine Befriedigung darin, anderen Menschen (virtuell) Leid zuzufügen?

    Und dann kommt da noch die Frage, ob man seine Zeit sinnvoller verwenden kann?!


    • "Ich finde es bedenklich, dass die beliebtesten Spiele immer etwas mit Gewalt und Mord zu tun haben. "

      Das ist allerdings eine Frage, die ich mir auch oft stelle. Vor allem, weil ja zum Beispiel Nintendo vormacht, dass es auch ohne Gewalt und Gemetzel geht. Ich selbst stelle das in der letzten Zeit verstärkt bei Serien fest, dass man da mit extrem brutaler Gewalt versucht, über eine dünne und wenig spannende Story hinwegzutäuschen. Manchmal ist das dann auch noch so absurd konstruiert, dass man glauben möchte, es gäbe einen Wettbewerb unter den Machern, wer es schafft, noch abstoßendere Gewalt zu zeigen. Ich habe in der letzten Zeit etliche Serien aus diesem Grund abgebrochen, weil das einfach nur hohl und stumpf ist und nichts mit Unterhaltung oder gar Kunst zu tun hat.


    • Sinngemäß lässt sich nur mutmaßen, wie Spieler in Strategiespielen ganze Armeen aufreiben und Zivilisationen vernichten können ohne dabei mit der Wimper zu zucken.
      Einfache Antwort: Spiele sind (noch) zu abstrakt, um Empathie mit zufälligen NPCs zu verspüren.


  • Es gibt doch für jede Sache eine App... So heißt es doch heutzutage. Also muss es auch eine App geben, die den Corona-Virus vernichtet.✌️😷🤳


  • Sicherlich eine Perspektive über die sich nachdenken lässt. Aber gewisse Fragen stellt man sich in gewissen Situationen einfach nicht.
    Wie z.B. diese: „ Wieso kommen wir eigentlich nicht von dem Gedanken des bösen "Gaming" los?“ Du hast Dich in Deinem Artikel ja auf das Seuchenspiel Plaque bezogen. Im entsprechenden Artikel ging es außerdem u.a. darum ob es nachvollziehbar ist, dass die Chinesen das Spiel verboten haben. Angesichts der aktuellen Coronasituation gingen die Meinungen (wie bestimmt auch hier) auseinander. Ich finde in dieser Situation Fingerspitzengefühl und Empathie angebracht. Sicherlich ist das Spiel Plaque nicht verantwortlich für das Corona Virus. Jedoch geht es in dem Spiel ja darum, ein möglichst tötliches Virus herzustellen um möglich viele Menschen zu killen.

    Die wahren Hintergründe über die Entstehung des aktuellen Corona Viruses kenne ich nicht. Aber ich sehe, dass Menschen an Viren sterben. Betroffene Menschen schmerzt so ein Spiel dann. Und das kann ich verstehen. Auf dieser Basis kann ich ein temporär regionales Verbot nachvollziehen. Meine Meinung!


    • Sehe ich auch so. Und Spiele, bei denen Spieler die Proteinketten der Impfstoffe zusammenbauen müssen, gibt es ja auch schon.


  • Ich wünsche mir mehr solcher Artikel. Spiele können sehr nützlich sein und wenn Sie uns auch Spaß machen umso besser. Unabhängig vom Gerne sind Spiele etwas wunderbares


  • Naja, so ganz kann ich die Entrüstung nicht nachvollziehen. Das ist doch nun wirklich nichts neues, dass sich Politik und Staatsgewalt Buhmänner sucht, die an allem Schuld sind und die man unbedingt "in den Griff bekommen" muss. Wen hatten wir da nicht alles in den letzten 70 Jahren? Die Kommunisten in der Mc Carthy Ära. Dann natürlich die Beatniks und Hippies, deren Zenit 69 durch die Jungs und Mädels von Charles Manson erreicht wurde, was dann, Helter Skelter sei Dank, auch gleich eine neue Gruppe in den Fokus rief: Anhänger dieser "Satansmusik", sprich Rock und Metal. Und natürlich die Linken, die langhaarigen Studenten, von denen ja jeder ein Bader oder eine Meinhof sein könnten. In dem Siebzigern wurde man nicht selten von mit Maschinengewehren ausgestatteter Polizei angehalten. Rasterfahndung, das neue Mittel, der Plage Herr zu werden. Und auch in den Achtzigern waren es die Linken, diese "Zecken" und Demonstranten, die keinen Respekt vor der Obrigkeit hatten. Und dann kam VHS auf, und plötzlich wurde nicht mehr vom Kino bestimmt, was man sah, sondern jeder konnte sich selbst mit diesen unmenschlichen und verrohenden Filmen eindecken. Ich war live dabei, als die Polizei den ersten Tanz der Teufel in allen Videotheken beschlagnahmt hat. Jeder, der diese indizierten Filme mochte war ein potentieller Massenmörder, jederzeit zu ultrabrutaler Gewalt bereit. Naughty, naughty, naughty, meine Droogies. Selbst Bücher waren verdächtig, American Psycho von Bret Easton Ellis war schließlich Schuld an nicht nur einem Amoklauf. Hab ich noch jemand vergessen? Ganz sicher sogar. Und heute sind es eben die "Gamer" und ich finde, so hart wie etliche andere, die ich erwähnt habe, geht man die gar nicht an. Aber in meinen Augen ist diese "Gamerszene" ohnehin ein wenig wehleidig, fühlen sich bei jeder Kleinigkeit sofort angegriffen, werden aber selbst zur Furie, wenn sie zurückschlagen und sind dann auch mal ganz schnell da, wenns darum geht, andere zu doxxen oder mit Morddrohungen öffentlich anzugreifen. Aber das war jetzt auch pauschal und natürlich sind nicht alle, die gerne spielen vom gleichen Schlag. Was wir brauchen, ist nicht mehr Verständnis für Games und Spieler, wir brauchen mehr Toleranz denen gegenüber, die andere Interessen und andere Meinungen haben. Noch nie wurde so viel jeder gegen jeden gehetzt wie in den letzten Jahren. Die einen haben kein Verständnis für junge Menschen, die den Planeten retten wollen, die anderen keins für den "alten weißen Mann". Da schimpft man auf Leute, die sich Gedanken um Integration von Menschen machen, die sich in ihrem Körper nicht wohl fühlen, mit einer Vehemenz als ginge es ums eigene Leben. Und wehe man wagt es, eine autofreie Stadt zu fordern. Der Shitstorm ist einem da sicher. Wir brauchen wieder mehr Toleranz und weniger Hass und Ich-Denken und das betrifft in der ein oder anderen Form sicher jeden von uns.


    • Tim vor 3 Wochen Link zum Kommentar

      Ich kann die "Wehleidigkeit" der Gaming-Szene aber persönlich gut nachvollziehen. Anders als noch vor sagen wir 20 Jahren, erreichen schlimme Taten wie eben Amokläufe schnell jeden, statt nur Leute im eigenen Land - wenn überhaupt. Und natürlich nervt es auf Dauer, wenn gefühlt alle paar Monate wieder irgendwo ein Irrer wild um sich schießt und die Politik nichts besseres zu tun hat, als als erste Reaktion darauf zu fragen, ob derjenige denn Videospiele gespielt hat. Wenn er es bspw. auf Twitch live gestreamt hat, ist ohnehin alles vorbei.
      Schwarze Schafe gibt's überall, so ist es nicht. Man darf aber auch nicht vergessen, dass es heutzutage eigentlich keine richtige "Gaming-Szene" mehr gibt. So gut wie jeder ist heute ein "Gamer" und wenn er nur ein paar Handyspiele zockt. Die Definition mögen manche vielleicht nicht, ist aber nun mal so ^^ Und diese Tatsache entsprechend werden halt mit solchen Aussagen auf einen Schlag allein in Deutschland zig Millionen Menschen beschuldigt. Es sind nicht nur ein paar Studenten angesprochen oder Typen mit langen Haaren, sondern dutzende Millionen. Dieses Verständnis müsste sich mMn auch ändern. Der "Gamer" ist keine Nische, der sich in seinen Keller einschließt und 12 Stunden lang LoL zockt. Ein Gamer kann auch ein 50-Jähriger netter Herr sein, der nach Feierabend gemütlich auf dem Sofa ein Stündchen Fifa spielt. Und auch solche werden mit solchen stupiden Aussagen jedes mal quasi direkt angesprochen, wenn mal wieder von den bösen bösen Videospielen die Rede ist.
      Bei den letzten 4-5 Sätzen hingegen kann ich dir nur restlos zustimmen. Der Mensch ist am Ende meist doch Egoistisch. Das merkt man heutzutage irgendwie mehr denn je.


      • Ich weiß nicht, ob man da wirklich alle über einen Kamm schert. Ich liebe Games seit ich als kleines Kind Pong am heimischen Fernseher gespielt habe. Bei mir stapeln sich die Konsolengenerationen und die zugehörigen Spiele. Wenn aber von der "Gamerszene" die Rede ist oder davon, Gamer zu überwachen, fühle ich mich nicht angesprochen. Herr Seehofer macht das, was er immer macht, wenn irgendwas passiert, er fordert mehr Polizei und mehr Überwachung. Wenn da aber von "zockenden potentiellen Amokläufern" schwadroniert wird, dann meinen Politiker sicherlich nicht die Leute, die am Smartphone Candy Crush spielen oder auf der Switch mit Mario unterwegs sind. Und sicher auch nicht die unzähligen E-Sportler, die ja auch zu den Gamern zählen. Da zählen auch andere Faktoren dazu. Natürlich zuerst mal der "Gorefaktor" der Spiele, aber sicherlich auch, ob du Hikikomori bist oder ganz geregelt deinem Job oder der Schule nachgehst oder Familie hast. Und natürlich auch danach, ob du Zugang zu Waffen hast. Natürlich spricht man populistisch von der "Gamerszene", aber ich denke schon, dass jedem klar ist, dass man hier doch feiner unterscheiden muss.


    • @Tenten
      Du warst dabei als die Polizei Tanz der Teufel in der Videothek beschlagnahmte?

      Dann biste ja schon ein alter 💰
      (Spass ;-) )

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