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Klingeltöne und Messenger: Vorratsdatenspeicherung 2.0

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© nextpit

Die Vorratsdatenspeicherung soll wiederkommen - und das umfassend. Der Europäische Gerichtshof hatte die anlasslose Vorratsdatenspeicherung eigentlich für unrechtmäßig erklärt.

Im Jahr 2016 hatte der Europäische Gerichtshof die anlasslose Vorratsdatenspeicherung für unrechtmäßig erklärt. Nur ein Minimum an Daten solle gespeichert werden. Das sollte mit einer Datenmatrix festgelegt werden. Die Seite Digitalcourage hat nun aber eben jene Datenmatrix veröffentlicht und darin finden sich noch immer so einige Punkte. 

Schon letztes Jahr hatte die österreichische Ratspräsidentschaft erklärt, dass diese Kategorien nicht weiter eingeschränkt werden könnten. Insgesamt 487 Kategorien finden sich so in der Datenmatrix (PDF). Ein weiteres Dokument von Europol (PDF) erklärt, warum einige dieser Daten nötig sind.

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Die Behörden planen, etliche Daten der Bürger zu speichern. / © hfzimages / Shutterstock

Demnach haben Forensiker etwa bestätigt, dass kriminelle Banden auf Klingeltönen basierte Morsecodes zur Kommunikation nutzen. Deshalb soll die Anzahl der Klingeltöne gespeichert werden können. Gleiches gilt für so genannte Over-the-Top-Anbieter. Hinter dem Begriff verbergen sich Messenger-Dienste wie WhatsApp, Telegram oder auch Signal. Deren Daten sollten Ermittlungsbehörden ebenfalls einfach zugänglich sein und sie müssten zur Vorratsdatenspeicherung verpflichtet werden. Einen ähnlichen Vorstoß hatte es in Deutschland erst kürzlich gegeben.

Auch über 5G denkt Europol bereits nach. Das könnte nach Ansicht der europäischen Polizeibehörde weitere Datenkategorien erforderlich machen.

Europol: "Wir können nur gewinnen"

Ursprünglich hatte Europol erklärt, man könne etwa auf einige Informationen verzichten. Als Beispiel wurde die Zahl der Klingeltöne genannt, die eben jetzt doch wieder als nötig betrachtet werden. Die Matrix beruhe auf Standards, die für die Strafverfolgung vorbereitet seien, heißt es. Digitalcourage schreibt dazu: "Es sollen [...] anlasslos bis zu 487 Datenkategorien von fast der gesamten europäischen Bevölkerung auf Vorrat gespeichert werden."

  • Mehr davon, bitte: Der Datenschutz hat einen Sieg errungen

Man habe nichts zu verlieren, man könne nur gewinnen, heißt es vom  Datenschutzbeaftragten von Europol. Deshalb, weil es bisher eben keine anlasslose Vorratsdatenspeicherung gibt. "In dem zwei Jahre laufenden 'Reflexionsprozess' ist nicht ein Vorschlag gemacht worden, der unserer Einschätzung nach den Maßstäben des Europäischen Gerichtshofs genügt", heißt es von Digitalcourage. Es dürfe keine europaweite Vorratsdatenspeicherung geben. Die juristische Aufarbeitung der Vorratsdatenspeicherung sei zudem in einigen europäischen Ländern noch gar nicht abgeschlossen. Man dürfe nicht darüber verhandeln, solange noch Gerichte mit dem Thema beschäftigt seien. Außerdem dürfe es keine geheimen Verhandlungen geben, fordert Digitalcourage.

Quelle: Digitalcourage

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Zu den Kommentaren (6)
Julius Stiebert

Julius Stiebert
Editor

Julius ist seit 2005 als Technik-Journalist tätig, hat aber immer mal wieder Pausen für längere Auslandsaufenthalte eingelegt. Seit Mai 2019 ist er bei AndroidPIT und trägt ein iPhone in der Tasche. In seiner Freizeit fotografiert er auch - nicht immer digital.

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6 Kommentare
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  • C. F. 79
    C. F.
    • Admin
    19.08.2019 Link zum Kommentar

    Hat jemand gestern den Film über den Edward Snowden gesehen? Wenn nicht: anschauen. Und nachdenken.


  • 39
    Reginald Barclay 18.08.2019 Link zum Kommentar

    Wenn ich einen Notizblock in der Tasche habe, geht das niemanden was an. Wenn man sich zuhause unterhält, kann das niemand nachvollziehen. Private Kommunikation über elektronische Wege kann heimlich abgehört werden. Die vermeintliche Legitimation der Vorratsdatenspeicherung ergibt sich also allein über die Möglichkeit dazu. Sollte das rechtens sein, hieße das, jedwede Kommunikation müßte zur Vorlage bei den Behörden festgehalten werden. Also muß der Kneipenwirt für jeden Tisch einen Schriftführer bereitstellen. Zu aufwendig? Nicht geziemlich? Warum? Es ist logischerweise genauso erforderlich wie die elektronische Datenspeicherung. Weil die billig ist und weil wir die Spanner nicht sehen können, ist es schon recht?!

    SarahLaazaruslongGelöschter Account


  • 2
    Torrorist 17.08.2019 Link zum Kommentar

    Selbst gewählt. Wer sich an den Wahlen beteiligte (egal wen er wählte), stimmte zu, dass die „Sieger“ in den nächsten 4 oder 5 Jahren über ihn bestimmen dürfen. Und das machen sie jetzt einfach. Die VDS ist nur ein kleiner Teil der Versklavung der Menschen.
    Aber der Deutsche Michel wird wohl nie begreifen, dass wenn er die Wahl zwischen Scheiße, Mist und Kacke hat, eigentlich gar keine Wahl hat. ...und er wird wieder bei den nächsten Wahlen seine Stimme in einer Urne begraben und hoffen, das es etwas bewirkt. So wird Deutschland und Europa zerstört.

    Reginald Barclay


  • Andreas S. 16
    Andreas S. 17.08.2019 Link zum Kommentar

    Der Staat betrachtet seine Bürger als Gefahr. Mir wird schlecht.

    SarahGelöschter AccountReginald Barclay


  • 103
    Tenten 17.08.2019 Link zum Kommentar

    Es gibt heute derart viele Möglichkeiten zu kommunizieren, ganz abseits aller Messenger. Wer wirklich etwas verbergen möchte, der schafft das auch ohne größere Anstrengungen. Gebt ihnen die Vorratsdatenspeicherung, richtet zwei unabhängige Kommissionen ein, die europaweit drei Jahre lang verfolgen, ob die Aufklärungsrate bei entsprechenden Delikten sich signifikant erhöht und wenn das nicht der Fall ist, dann muss endlich damit Schluß sein, die gesamte Bevölkerung unter Generalverdacht zu stellen, nur weil die Behörden offenbar ihre Arbeit nicht richtig machen.

    SarahLaazaruslongtrixiC. F.TimGelöschter Account


    • 77
      Gelöschter Account 17.08.2019 Link zum Kommentar

      Selbst mit körperliche Geräusche wird Kommunikation betrieben.

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