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Kommentar 4 Min Lesezeit 33 Kommentare

Kinder und Technik: Machen Smartphones Schüler dumm?

"Wer seinem Kind schon im Kindergartenalter erlaubt, dauernd über Bildschirme zu wischen, darf sich nicht wundern, wenn sein Kind als Putzfachkraft endet." Der letzte Satz aus dem Interview mit dem Psychologen Manfred Spitzer in der Welt ist der prägnanteste. Doch sollten wir Smartphones wirklich wegschließen, wenn Kinder in der Nähe sind?

Spitzer betont in dem Interview, dass es in seinen Augen wichtig wäre, Smartphones komplett aus den Schulen zu verbannen. "Schüler werden besser, wenn man Smartphones verbietet", so der Psychologe, der damit Bezug nimmt auf eine britische Studie, für die rund 130.000 Schüler untersucht wurden. Auch die PISA-Studien in Deutschland hätten in den vergangenen Jahren ergeben, dass die Leistungen der Schüler umso schlechter würden, je mehr in die Digitalisierung der Schulen gesteckt werde. Spitzer weiter: "Ich bin dagegen, dass der Bund im Rahmen des Bildungspakts 5 Milliarden für nachweislich schlechteren Unterricht ausgibt, den Ländern die Bildungshoheit wegnimmt und sie nach Kalifornien, an die reichsten Firmen der Welt weiterreicht."

Tatsächlich gibt es viele Studien und Neurowissenschaftler, die belegen, dass Bilderbücher und Literatur die Kreativität steigern und das Sprachzentrum ebenso fördern wie den visuellen Teil des Gehirns. Videos und Co. können das nicht. Hinzu kommen Zivilisationskrankheiten wie Kurzsichtigkeit und Haltungsschäden, die durch exzessive Smartphone-Nutzung um sich greifen.

Spitzer blickt dafür nach Asien: "In Südkorea, dem Land, das die meisten Smartphones weltweit produziert, besitzen 100 Prozent aller Kinder und Jugendlichen ein Smartphone. Und 95 Prozent sind kurzsichtig. Das ist eine Epidemie von erworbener Sehbehinderung. Südkorea hat inzwischen Gesetze, die jüngere User vor den Folgen exzessiven Smartphone-Gebrauchs schützen. Davon sind wir weit entfernt."

Kritik an Spitzers Arbeit

Spitzer ist, das gehört zur Wahrheit dazu, unter Experten nicht unumstritten. Kollegen und Kritiker monieren, dass der Psychologe auf Schlagzeilen aus sei und dafür einzelne Details aus Studien zitiere, ohne auf den Gesamtzusammenhang hinzuweisen. Das schüre Angst und Unsicherheit. Als studierter Mediziner, Philosoph und Psychologe sowie seit 1998 ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm ist ihm seine Fachkompetenz trotzdem nicht abzusprechen. Man sollte dem Mann also durchaus Gehör schenken, aber auch eigene Schlüsse ziehen.

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Kinder wachsen mit Smartphones und Tablets auf, das ist nicht mehr zu ändern. / © shutterstock

Wo ist der Mittelweg?

Ich habe selbst zwei Kinder, die sind vier und zwei Jahre alt. Noch sind sie damit zu jung für ein eigenes Smartphone, klar, und außer maximal einer Dreiviertelstunde Kinderprogramm am Tablet halten wir die Jungs noch ziemlich von Displays, Fernsehen und Handy fern. Das passiert aber nicht unbedingt aus Prinzip, sondern eher nach Gefühl, und jede Familie macht das anders. Ich erlaube mir da kein pauschales Urteil, da müssen alle Eltern zusammen mit ihren Kindern den für sich besten Weg finden.

Gleichzeitig stelle ich mir schon länger die Frage, wie man Kinder am besten an moderne Medien und technische Geräte heranführt, um ihnen einerseits die Möglichkeiten zu zeigen und den Umgang beizubringen, sie andererseits aber nicht zu überfrachten. Die Eltern unter unseren Lesern können das bestimmt nachfühlen, und ich bin für kluge Ratschläge an dieser Stelle ziemlich dankbar, denn die Zeit drängt, die Jungs werden ja immer älter und wir kommen damit automatisch näher an diese Themen heran.

Unter dem Strich ist mir die Herangehensweise von Manfred Spitzer ein bisschen zu Schwarz-Weiß, auch wenn ich anders als er kein Psychologe bin und mir daher kein fachlich fundiertes Urteil erlauben kann. Fernsehen macht blöd - an dem Spruch ist sicher was Wahres dran, und ich bin der festen Überzeugung, dass zu viel Medienberieselung den Kindern nicht gut tut - den Erwachsenen übrigens auch nicht. Der Geist ist aber nun einmal aus der Flasche, und wir kriegen ihn da wohl kaum wieder rein. Also sollten wir gute Wege finden, mit diesem Geist umzugehen.

Ein totales Verbot wird nicht funktionieren. Erinnert Euch mal an die Zeit, als Ihr Schulkinder wart: Wenn jemand etwas verbietet, das so verlockend ist wie ein Smartphone, hättet Ihr das einfach akzeptiert? Na also. Dann zeigen wir den Kindern doch lieber, wie es richtig geht.

Was ist für Euch der richtige Umgang von Kindern mit Smartphones, Tablets und Co.?

Quelle: Welt, WHO

Top-Kommentare der Community

  • Pit123 vor 2 Wochen

    Als Lehrer sage ich euch nur:

    WIR haben in Deutschland keinen Plan, kein Konzept, keine Idee wie wir damit umgehen sollen!

    Einfach nur traurig; wir reden es NUR schlecht und machen uns damit selber zu Deppen!

  • 👿 J. G. 👿 vor 2 Wochen

    Natürlich verblöden wir- global gesehen.
    Es gibt unzählige Studien, die hinreichend belegen, dass Kinder zusehens übergewichtiger werden ("Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper" stimmt in mehr als einer Hinsicht). Rechtschreibschwächen und Sprachentkultivierung wird selbst in den Gymnasien zum Thema. Ausbildungsbetriebe beklagen die zunehmend schlechter werdende Auffassungsgabe von Auszubildenden und die aus der Schule mitgebrachten "Grundkenntnisse". Artikulation und klare Phonetik wird zu einem Luxusgut. Lehrer beklagen erstaunliche Leseschwächen...
    Einfach gesagt- eine Gesellschaft, die von satzbildenden Denkprozessen befreit wird, indem alles mit einem Emoji beantwortet wird und den Denkmuskel nicht nur nicht trainiert, sondern mittels Netflix, Privatfernsehen und YouTube einlullt, muss verblöden....
    Ob die Thesen des Spitzer im Detail zutreffen ist unerheblich- Neurologen haben Fakten, die erschreckend sind. Die Aufmerksamkeitsspanne ist in den letzten 40 Jahren von (neurologischen) 40-50 Sekunden auf 12-25 Sekunden zurückgegangen... Man achte auf die Dauer der Werbebanner im Internet!
    Es spielen unfassbar viele Faktoren eine Rolle: ein kultiviertes und motiviertes Elternhaus, das Schulsystem (welches in Deutschland nicht nur ein Spielplatz für die Ideologien von Bürokratie-Pädagogen ist, sondern selbst in seiner förderalen Zersplitterung von der Politik materiell demontiert wird), das gesellschaftliche Verständnis für Kinder (die inzwischen nur noch als Kostenfaktor und Mietwohnungsbremse in dieser zynischen Gesellschaft gehandelt werden), Überpädagogik im Stile der 68iger, materielle Not der Elternhäuser, die zumeist BEIDE berufstätig sein MÜSSEN, um über die Runden zu kommen (und Frauen wird erfolgreich weißgemacht, dass sie NUR DANN emanzipierte und vollwertige Frauen sind, wenn sie Beruf UND Familie unter einen Hut bekommen, um darüber hinwegzutäuschen, dass alleinverdienende Männer heute oftmals gar nicht mehr in der Lage wären eine Familie zu ernähren und ein Dach über dem Kopf zu garantieren, weil die Kaufkraft der Einkommen/Löhne seit Jahrzehnten sinkt) und gar nicht mehr die Zeit haben, sich den Kindern mit der erforderlichen Fürsorge zu widmen, und, und, und....

    Smartphones sind daher sehr nützlich*: sie beschäftigen die User mit Belanglosigkeiten, täuscht soziale Einbindung vor, gibt Wirtschaftsimpulse an Hersteller und Netzbetreiber (die wir selbst bezahlen), lässt uns orten und algorithmisch analysieren, verdummt uns, ersetzt Empathie und soziale Ineraktion und Solidarität....

    *Quintessenz: ein Gammelfleisch-fressendes Volk mit freiem Zugang zu Alkohol und Sex, mit abnehmender Intelligenz und "Konsum" als Freiheits- und Glücksbegriff im Kopf ist die ideale steuer- und manipulierbare Masse für die Nutznießer dieser Maschinerie! Die Nutznießer sind jedoch nicht wir!

  • Jörg W. vor 2 Wochen

    Das Problem ist ,daß die meisten Eltern keine Zeit mehr für ihren Nachwuchs haben und sich somit mit ihm auch nicht beschäftigen .Früher war meistens ein Elternteil Zuhause und die haben sich mit ihren Kindern auseinandersetzen. Heute ist es doch so möglichst früh in die Kita dann am besten Ganztagsschule weil Mami und Papi ja mehrfach im Jahr in den Urlaub müßen und einen dicken Wagen fahren wollen und die Kids bleiben auf der Strecke. Dann bekommen sie auch fast nur noch Technik Artikel geschenkt und gut ist es und die Kids sind beschäftigt.Durch Smartphones und Co. sind die kleinen heute nicht nur hohl wie Brot sondern die sind auch körperlich und einem schlechten Zustand . Habe in keinem Jahrzehnt wie in dem jetzigen soviel fette Kinder gesehen . Nur noch daddeln und bloß kein Hobby wo man auch mal an die frische Luft geht, dann müßte man sich ja bewegen. Natürlich soll man nicht alle über einen Kamm scheren denn es natürlich auch Familien wo beide arbeiten müssen .

  • Klaus Trofob vor 2 Wochen

    Langeweile macht kreativ!
    Das haben wir alle verlernt, nicht nur die Kinder.
    Wenn ich nichts habe, das mich extern stimuliert (mal nur geistig gesehen), dann muss ich mir selbst Gedanken machen, wie ich mich beschäftige.
    Nur wenn Wikipedia, Google und Maps nicht in ständiger Erreichbarkeit sind, habe ich den Zwang mir Dinge zu merken.
    Die Tatsache, dass intrinsische Motivation besser ist, als extrinsische, war schon bekannt, lange bevor es Smartphones gab.

    Die Frage ist letzlich, wie ich mit dem Medium umgehe bzw. was ich konsumiere. Lasse ich mich "berieseln" durch Beiträge in sozialen Medien, lustige Casual Games, etc. oder nutze ich die Medien (egal ob Fernsehen, Smartphone, PC) kreativ, indem ich Dinge mache, die den eigenen Geist fordern.

    Am Ende gilt: Medienkompetenz vor Medienverbot!
    Kompetenz muss aber erworben/erlernt werden und das passiert nicht von selbst.

  • Ingalena vor 2 Wochen

    Vor vierzig Jahren haben die Psychologen Alarm geschlagen, weil die Kinder und Jugendliche angeblich vor der Glotze verdummten. Kann sein, trotzdem hat auch diese Generation die Schule und Ausbildung erfolgreich abgeschlossen.
    Womöglich sind es gerade die Kinder von damals, die heute die Smartphones in Kinderhänden verbieten wollen?

33 Kommentare

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  • Mh irgendwie geht das schon seit Jahrtausenden so, alles was neu ist ist eine Gefahr für die Menschheit! Ich versteh echt nicht warum es uns überhaupt noch gibt?


  • Ja, sie machen dumm.


  • Macht Fernsehen dumm?... Teletubbies definitiv JA. Aber zumindest die viereckigen Augen haben sich nicht bewahrheitet. Smartphones sind eher etwas Lebensgefährliches egal welchen Alters. Die Intelligenz beeinflussen die nicht unbedingt aber lenken ab.


    • Na klar beeinflussen sie die Intelligenz. Smartphone am Steuer eines Autos oder beim fahren eines Fahrrades zeugt nicht von Intelligenz, sondern eher von einem Todeswunsch.


      • ok, also wenn ich das Smartphone im Auto oder am Fahrradlenker in einer Halterung als Navi benutze habe ich Todeswünsche? Und ein Jugendlicher, der in der Pause was mit seinem Smartphone macht hat dann auch Todeswünsche? Krasses Ding, ich bin Selbstmordgefährdet und der Jugendliche auch, nur weil wir Smartphones haben.


      • @Thor Lesen hilft! Martin meint ganz sicher die UNZULÄSSIGE Benutzung von Smartphones "am Steuer" oder "Lenker"! Studien (u.a. aus den USA und dem Bundesverkehrsministerium) belegen, dass die Benutzung eines Smartphones am Steuer die identischen Fahrfehler und Beeinträchtigungen zeigt wie eine leichte Trunkenheit! Es schleichen sich Schlangenlinienfahrten ein, verspätete Bremsreaktion, motorische Verzögerungen (mit einer Hand!), verändertes/eingeengtes Gesichtsfeld, mentale Abwendung vom Straßenverkehr und Hinwendung zu "Tagträumen" (Lesen von Inhalten).... Wer in dieser Form ein Smartphone (unzulässig) benutzt, nimmt Fahrfehler billigend in Kauf. Und wer das tut, nimmt den eigenen Schaden oder den anderen Menschen bedingt vorsätzlich hin.... wenn es keine Todessehnsucht ist, dann ist es mindestens eine Todesgleichgültigkeit.


      • Danke @J.G. ... natuerlich habe ich das genau so gemeint. Dachte eigentlich, dass es selbstverstaendlich waere, es auch so zu verstehen.


      • Sag ich doch Smartphones sind Lebensgefahr.


      • Ich denke, dass sehr viele von uns sich schon über das 'komische' Fahrverhalten voraus fahrender Fahrzeuge gewundert haben. Wenn man denen dann näher kam oder sie überholt hat, war in der Tat sehr oft ein Handy im Spiel.
        Ich will nicht moralisieren, allemal wo meine Frau uns schon gerettet hat, weil ich mit meinem Navi beschäftigt war.
        Was mir aber zunehmend Sorge macht, sind die Mäusekinos in unseren Autos, bei Tesla 10 oder 12 Inch groß, über die auch der Fahrer während der Fahrt wischt, obwohl er das nicht soll oder die er per Drehen und Drücken auf der Mittelkonsole betätigt. Bei Tempo 108 legen wir 30 m in einer Sekunde zurück, ca. 14 m/sek. bei Tempo 50. Beängstigend so lange, wie in unsere KFZ keine automatischen Bremssysteme eingebaut sind.


      • Mich ärgert so ein unvorsichtiges Verhalten anderer auch. Ich gebe zu dass ich auch schon mal geblitzt wurde oder Ähnliches aber was ich wirklich nicht mache, während dem Auto fahren aufs Handy schauen.


  • Alo, keine Ahnung ob das jetzt jetzt hier schon gesagt wurde was ich gleich schreibe, aber ich gebe diesem Psychologen nciht recht. Das Problem sind nciht die Samrtphones, sondern das was auch "Pit123", der oben schon in den Hervorgehobenen Kommentaren Schreibt: "WIR haben in Deutschland keinen Plan, kein Konzept, keine Idee wie wir damit umgehen sollen!".
    Ich denke wir sollten die Smartphones nicht verdammen und auch nicht in den Schulen verbieten. Wir sollten Sie erlauben und sinnvoll in den Unterricht integrieren. z.B. zu Recherchezwecken im Unterricht. Es sollte auch ein Pflichtfach geben, in dem wir unseren Kindern den Richtigen Umgang mit der Digitalen Welt beibringen, in dem über die Gefahren und die Möglichkeiten dort gesprochen wird. Das Problem dabei: die Mehrheit der Lehrer weis selber nicht wie man mit modernen Technik richtig umgeht oder umgehen soll. Und es gibt bisher noch keine Experten für den richtigen Umgang dafür. Wer Soll dieses Fach, dass ich vorschlage also unterrichten? Die gleichen Lehrer die damit nicht umgehen können? Ich hatte ind er Realschule für ein halbes Jahr ein Fach das "Informationstechnische Grundbildung" genannt wurde, wir haben damals, es war glaube ich im Jahr 1999 oder 2000 nioch mit Windows 3.11 und einem darauf laufenden MS-Office "gelernt" wie cool unser Mathelehrer Word und Excel fand. Die meisten von uns konnten damals mit Beidem schon besser umgehen als unser Lehrer. Diese Situation bei den Lehrkräften und Schulen ist unser wahres Problem, und ja, ich habe auch keinen Plan wie wir das ändern können, leider.


    • Das bringt dann ähnlich viel wie der Sexualkundeunterricht. Alle kichern, witzeln herum, natürlich weiß es jeder besser als der Lehrer und am Ende ist Chantal aber doch mit 13 schwanger.


      • @Tenten mir ist jetzt nicht so ganz klar ob du mir bei meiner Aussage, dass wir noch nicht die richtigen Lehrer für so ein Fach haben zustimmst oder ob du die Idee ein solches Fach einzuführen absurd findest?

        Sarah


      • Im Übrigen ist dass alles kein Phänomen der heutigen Zeit. Als früher bei uns der Schultaschenrechner zwangseingeführt wurde hat das die Rechenschwäche bei manchen Schülern noch verstärkt. Mal davon abgesehen dass ein Taschenrechner nichts nützt wenn man eine Formel nicht versteht.


  • So ganz unrecht hat er nicht. Wenn man so manchen jungen Menschen sieht der erstmal sein Smartphone oder seinen Taschenrechner rausholen muss um selbst eine simple Rechenaufgabe lösen zu können, könnte man geneigt sein dem Psychologen zuzustimmen. Und wenn man so manche Veiträge in den Foren ansieht, das trifft auch auf viele Beiträge hier auf APit zu (auch die von Redakteuren), sieht es im Deutschen auch nicht besser aus (Rechtschreibkorrekturen und automatische Satzergänzungen machen vieles falsch, da wären gute Deutschkenntnisse von Vorteil).


  • Der Ulmer Psychologe heißt, soweit ich weiß Manfred Spitzer und nicht Marc Spitzer.
    In seiner Ansicht steht er allerdings keineswegs alleine da. Dem französischen Präsidenten Macron kann nun niemand ernsthaft Rückwärtsgewandheit vorwerfen. Aber er war es, der ein Wahlversprechen war gemacht hat, und Smartphones in französischen Schulen hat verbieten lassen, mit Ausnahmen für die Oberstufe, oder wenn sich die Geräte sinnvoll in den Unterricht integrieren lassen.
    Trotz der milliardenschweren Initiativen der Regierung zur "Digitalisierung der Schulen" ist die Lage hierzulande derzeit so, dass viele Schulen die Nutzung der Geräte im Unterricht und auch ausserhalb auf dem Schulgelände verbieten.
    Es gibt allerdings auch hierzulande verschiedene Modelle von "Tablet-Klassen", allerdings fehlt bislang der Nachweis, dass diese Klassen tatsächlich bessere Lernergebnisse erzielen, als ihre Altersgenossen ohne die Geräte.

    Das Problem der Geräte dürfte sein, dass sie vielleicht nicht unmittelbar verdummen, aber eben stark vom Unterricht ablenken können, und so die Vermittlung des Lernstoffes behindern können.

    In der Schule wird universelles Basiswissen vermittelt. Wer die Grundschule verlässt, sollte von Hand schreiben können, des Lesens auch komplexerer Texte fähig sein, und die vier Grundrechenarten im Zahlenraum bis 100 im Kopf beherrschen können.
    Diese Fertigkeiten lassen sich nur theoretisch an Maschinen übermitteln. Tatsächlich führen sie zu neuronalen Bahnungen im Gehirn, die die Grundlage für komplexere Tätigkeiten sind, es sind unverzichtbare Kulturtechniken, ohne die darauf aufbauende Fertigkeiten, u.a. logisches Denken, nicht vorstellbar sind.

    Auch in weiterführenden Schulen wird vielfach "altes" aber eben auch "unsterbliches" Wissen vermittelt. Die binomischen Formeln, der Satz des Pythagoras, die Physik Newtons, Chemie, Geschichte, Sprachlehre und bildende Künste, das sind Kenntnisse und Fertigkeiten (z.B. in den Naturwissenschaften die Anwendung der Kenntnisse auf konkrete Problemstellungen), die teilweise schon Jahrtausende alt sind, aber eben auch nicht veralten, solange es irgend jemanden gibt, der etwas damit anfangen kann.
    Am Ende der Schulzeit soll ein Schüler in der Lage sein und alles mitbekommen haben, um sich in dem Beruf oder dem Studienfach spezialisiern zu können, der oder das seinen Begabungen und Neigungen am Besten entspricht.
    Die Frage stellt sich, ob diese Zielstellung in irgendeiner Weise vom Einsatz von Smartphones und Tablets im Unterricht profitieren kann, oder ob der Einsatz der Geräte nicht sogar mehr schadet als nutzt.
    Nicht nur der Ablenkungsfaktor fällt ins Gewicht. Die Geräte bieten bisher nicht gekannte Möglichkeiten bei Leistungstests zu betrügen (der Leistungsstand des Schülers soll festgestellt werden, nicht seine Fähigkeit, Antworten zu ergooglen), mit anderen Schülern verbotenerweise zu kommunizieren (WhatsApp unterm Tisch) aber auch durch Hochladen oder angedrohtes Hochladen von peinlichen Fotos in die sozialen Medien Mitschüler zu erpressen oder zu mobben.

    Und was ist mit der vielbeschworenen Medienkompetenz?

    PCs gibt es mittlerweile seit mehreren Jahrzehnten, auch mit Internetzugang, Fernseher und Radio noch länger. Der kompetente Umgang war bislang in der Schule höchstens ein Randthema in Fächern wie "Gesellschaftskunde". Der Umgang mit Medien ist aber schon stark spezialisierte Fertigkeit, ebenso wie sehr schnell veraltende Fertigkeit.
    Ein Schüler, der sich damit in der Schule beschäftigt, sieht sich schon in Bälde mit völligen neuen Formen des Umgangs mit und der Gestaltung von Medien ausgesetzt, ein Beispiel sind aufkommende Bots in den Medien, Spracheingabe usw.. Es ist also zu befürchten, dass derart vermittelte Kenntnisse und Fertigkeiten schon nicht mehr aktuell sind, wenn der Schüler die Schule verlässt.
    Trotzdem ist Nichts grundsätzlich gegen die Vermittlung bestimmter Grundlagen der Medienkompetenz auch in der Schule zu sagen. Ich hielt es aber für einen großen Fehler, diesen Bereich aus seiner Randlage zu holen, und auf Kosten des Basiswissens zu bevorzugen. Der Schüler hätte am Ende die Nachteile zu tragen.
    Schon jetzt beklagen sich viele Universitäten über mangelhafte Mathematikkenntnisse der neuen Studenten, die dann mühevoll nachgeholt werden müssen.

    Ich selber würde auch ausserhalb der Schule Grundschüler noch nicht mit den Geräten konfrontieren. Schülern im Teenageralter würde ich die Nutzung außerhalb der Schule gestatten, bevorzugt natürlich für schulische Zwecke. Auf Youtube finden sich gut gemachte und wirklich hilfreiche Videos, die Wissenslücken schließen können.
    Die preisgünstigen Kurse auf Udemy dürften sich eher für ältere Schüler und Studenten eignen, können aber ganz neue Bereiche der Erkenntnis erschließen, und z.B. effektiv Programmierkenntnisse vermitteln.
    Inwieweit sich die Geräte im Unterricht sinnvoll einsetzen lassen, sollte man die Lehrer entscheiden lassen.
    Das Milliardenprogramm der Regierung scheint mir eher eine Alibifunktion zu haben.
    Eine große Koalition, die nach außen ein erbärmliches Bild abgibt, und in zwei Landtagswahlen die Quittung dafür bekommen hat, versucht Erfolg zu verkaufen, indem sie ein paar Milliarden für ein möglicherweise völlig sinnloses Programm ausgibt.
    (Macron könnte ja richtig liegen, dann wäre es nicht nur sinnlos, sondern sogar schädlich.)
    Schade ums Geld. Man könnte es sicher besser ausgeben.

    https://www.sueddeutsche.de/bildung/frankreich-macron-loest-wahlversprechen-ein-und-laesst-handys-an-schulen-verbieten-1.4076237

    Quelle: sueddeutsche.de


    • Steffen Herget
      • Admin
      • Staff
      vor 2 Wochen Link zum Kommentar

      Mit dem Namen hast Du natürlich vollkommen recht, das war mein Fehler.


    • @ Michael K. Hervorragender Beitrag!!!! Ich würde noch ergänzen wollen. dass diverse Problemstellungen in unseren Lehranstalten (z.B. dass in vielen Großstädten mit entsprechender Ghetto-Bildung örtliche Schulen nicht einmal mal mehr die geringsten Ansprüche des Lehrplanes umsetzen können, weil über die Häfte der Schulklasse die deutsche Sprache nicht im erforderlichen Maße beherrscht) durch die "Versuchung" und Ablenkung der virtuellen Welt (mittels Smartphones allgegenwärtig verfügbar) verschärft wird....


  • Aktueller Lehrplan, zu schnell und zu viel Smartphones haben durchaus eine negtive Auswirkung auf das Sozialverhalten und das Allgemeinwissen.

    Anstatt in die Natur zu gehen, Fußball zu spielen, in Büchern über Geschichte, Umwelt und Co. zu lernen...

    Ist es für die aktuellen Kinder leider wichtiger Hyper-Causel Zeugs auf dem Smartphone/Tablet zu daddeln 📱😞

    Die Eltern haben große Verantwortung, wie sich die Kinder in der mediengefluteten Welt einfinden 💻📺📱📻


    • Heute wird nicht mehr richtig gelehrt. Wir hatten früher z.B. richtigen Musikunterricht. Darin auch Vokslieder. Heute gibt es kaum noch deutsches Liedgut im Musikuntericht, stattdessen "moderne Musik".

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