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Kommentar 3 Min Lesezeit 27 Kommentare

Immer Trouble mit Treble

Project Treble ist das gelobte Land der Android-Modder. Längere Update-Zyklen sind möglich, bessere Custom-ROMs ebenfalls. Ja, Treble könnte langfristig die Versionsfragmentierung eindämmen. Trotzdem erscheinen noch immer Smartphones mit Android Nougat – natürlich ohne Treble. Meiden die Hersteller Oreo absichtlich, weil Treble die Preiskalkulation kaputt macht?

Project Treble ist eines dieser Themen, die technisch sehr komplex sind, zumal sie tief im Inneren des Android-Systems versteckt sind. Treble hat aber sehr relevante und sichtbare Auswirkungen. Kurz gesagt sorgt Project Treble dafür, dass für ein Android-Update keine Treiber-Updates mehr erforderlich sind, die zumindest zum Teil für die schleppend ausgelieferten Android-Aktualisierungen verantwortlich sind.

Jedes Android-Smartphone, das mit Android Oreo auf den Markt kommt, muss Treble unterstützen. Erhält ein Smartphone hingegen ein Update auf Oreo, so bleibt es dem Hersteller überlassen, ob er Treble implementiert oder nicht. Treble-Support für ältere Smartphones zu entwickeln, ist nicht ganz trivial, weil meist eine neue Datenpartition erstellt werden muss – die Gefahr eines Datenverlusts ist hier zu bedenken. Soweit so gut.

project treble changes
Im Diagramm sind die Änderungen von Treble skizziert. / © Google

Im August 2017 erschien Android Oreo, inzwischen sind gut vier Monate vergangen und noch immer werden Smartphones präsentiert, die mit Android Nougat ausgeliefert werden. Jüngster Fall: HMD Global mit dem Nokia 6 (2018), aber auch OnePlus mit dem 5T oder Samsung mit dem Galaxy A8 (2018) – beide aus dem Dezember 2017.

Wie kann das sein? Hersteller erhalten üblicherweise schon einige Wochen früher Zugriff auf die nächste Android-Version, was die Sachlage verschlimmert. Internet-User haben inzwischen einen Verdacht: Project Treble ist Schuld.

Drei wesentliche Gründe sprechen für diesen Verdacht:

1.) Project Treble erfordert vom Hersteller, seine geräteübergreifenden Quellcodes anzupassen. Scheuen manche Hersteller vor diesem Aufwand zurück?

2.) User haben mit Project Treble ein gewichtiges Argument in der Hand, längere Updates zu verlangen. Technische Gründe sprechen schon lange nicht mehr gegen Android-Updates, nicht mehr aktualisierte Treiber schon eher. Dank Treble darf es keine Ausreden mehr geben: Systemupdates müssen länger als zwei Jahre geliefert werden. Für Hersteller ist das gerade im Lowcost-Segment aber unattraktiv und teuer. Gleichzeitig bedeutet eine längere Lebensdauer von Smartphones weniger Neuverkäufe.

3.) Custom-ROMs haben mit Project Treble den Jackpot-Gewinn eingefahren: Theoretisch können Treble-fähige ROMs ohne große Anpassungen auf alle Treble-fähigen Smartphones geflasht werden. Noch sind wir nicht ganz in dieser Zukunft angekommen, aber erste Multi-ROMs existieren bereits. Hersteller geben also mit Treble auch Kontrolle ab.

Project Treble kostet, verändert aber die Android-Landschaft

Google zeigte sich schon bei der Präsentation von Treble vorsichtig. Denn ob Treble tatsächlich längere Lebenszyklen für Smartphones bedeuten würde, erschien schon fragwürdig: Treble reduziert den Aufwand, Updates zu entwickeln. Ein Hersteller könnte also mit heutigen Update-Zyklen Geld und Entwicklungskosten einsparen. Fordern dagegen Kunden plötzlich mehr Updates, wobei gleichzeitig das Argument der technischen Unmöglichkeit entwertet ist, steigen die Kosten wieder.

Langfristig aber wird Treble den Weg in Smartphones finden: Google zertifiziert alte Android-Versionen nicht beliebig lange für die Play Services. Ohne diese ist ein Smartphone faktisch unverkäuflich, sodass die Tage von Nougat-Smartphones spätestens im Herbst gezählt sein werden. Außerdem dürfte der Image-Schaden bei einem Nougat-Marktstart schon bald Überhand nehmen. Ein Galaxy S9 mit Nougat? Unvorstellbar, der Aufschrei wäre selbst für Samsung zu groß.

Was können wir tun? Ganz gleich, ob die Verdächtigungen zu Project Treble stimmen: Heute ein Smartphone zu präsentieren, das noch mit Nougat läuft, ist inakzeptabel. Kunden sollten diese meiden, schließlich bleiben solche Smartphones schnell auf der Strecke. Von Herstellern müssen wir schnellere und langfristigere Update-Strategien fordern. Das schließt Sicherheitspatches mit ein, wie sich jüngst mit Meltdown und Spectre zeigte. Zwei Versionssprünge sind nicht mehr gut genug.

Achtet Ihr bei Eurem nächsten Smartphone darauf, dass es Treble unterstützt?

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Top-Kommentare der Community

  • Th K vor 6 Monaten

    Der Nutzer wird trotzdem keinen Vorteil von Treble haben. Denn die Updateversorgung läuft weiter über den Hersteller. Also wozu unberechtigte Hoffnungen wecken?

27 Kommentare

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  •   40
    Gelöschter Account vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    Ich vermute, es wird alles beim alten bleiben.

    Google möchte diesbezüglich zwar nachbessern und die Hersteller hiermit unter Druck setzen aber die werden auch weiterhin ihr eigenes Ding machen.


  • In das Galaxy S9 oder das G7 mit Oreo kommen?

    Bisher läuft nicht mal das 1000€ Note 8 mit Oreo, daher kann es durchaus sein das Samsung uns "Nougativ" überraschen wird?!


  • Hab noch nie ein Handy weg geschmissen den der Preis für so ein Handy/Smartphone ist eh so Teuer das e zuschade ist Spende mein Handy wenn es Defekt ist wie die Aktion Sparkasse bei uns macht für Kindergarten.Der Erlös geht an Öffentliche Spenden


  • Also denken wir doch bitte Mal a) daran das wir nicht alle 24 Monate unsere Smartphones entsorgen müssen und b) was unser Planet davon hat !

    Ich hoffe das Telefone endlich mal wieder aus der Gruppe der Wegwerfartikel verschwinden.

    So könnte man doch auch mit gutem Gewissen im Elektronikmarkt Mal ein kleines Vermögen auf den Tisch legen ohne sich fragen zu müssen : "Ist das für 24 Monate nicht etwas teuer ?"

    Hier kann dem Kunden und der Umwelt geholfen werden und besser noch : Dadurch das Geräte nach 24 Monaten noch sicher und aktuell sind, ist deren Wiederverkaufswert auch gleich höher, was für die Technik-Junkies Vorteile hat, denn so gibt es mehr Bares für das Altgerät.


  •   20
    Gelöschter Account vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    Es werden sogar noch Tablet-PCs und Smartphones mit Android 5.1 verkauft oder 6.0 neulich habe ich bei Real ein Tablet PC gesehen mit Android 4.4 und das für 159 €.🙄👈da fragt man sich echt was das soll


    • Peter vor 6 Monaten Link zum Kommentar

      Mit Android 4.4 werden einige Apps gar nicht mehr zu installieren sein. Verlangen nach einer neueren Betriebssystem Version.


      •   20
        Gelöschter Account vor 6 Monaten Link zum Kommentar

        Ja das stand ja nicht mal da das es nur 4.4 ist. Da stand nur Android aber welche version stand nur bedeckt auf der Verpackung


  • Treble ist genial. Hab ein Google Pixel 2. Musste dies auf Android 8.1 updaten. Nach dem download reichte ein Neustart, der aber nicht langsamer war als ein Reboot ohne Update. Konnte das Gerät sofort wieder verwenden und im Hintergrund wurden noch kleinere Dinge getan.


  • Wann Android genauso mit updates wie bei windows versorgt wird dann hallo zukunft und hallo neuer mini pc fehlt nur noch die unabhängikeit von windows das android mal endlich ein eigenständiges BS wird und man die programme ohne windoof app programme programmieren kann und betreiben kann dann wäre das system auch für den pc markt reif und hätten die wahl der qual zwischen drei betriebsystem windows, mac, android(das neue Linux)


  • Th K vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    Der Nutzer wird trotzdem keinen Vorteil von Treble haben. Denn die Updateversorgung läuft weiter über den Hersteller. Also wozu unberechtigte Hoffnungen wecken?


  • Ein hoch auf Huawei. Hat Oreo mit Treble bekommen


    • Tim vor 6 Monaten Link zum Kommentar

      lieber erstmal abwarten, wie es in der Praxis funktioniert... Wenn du am Ende zwar die neuste Version drauf hast, aber nichts mehr funktioniert, weil die Hersteller-Software nicht damit arbeitet, bringt dir das... wenig.


  • Ich würde Samsung das zutrauen dass das S9 mit Nougat ausgeliefert wird und auf Oreo direkt nach Inbetriebnahme upgedatet werden kann.

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