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3 Min Lesezeit 16 Kommentare

IBM kauft Red Hat: Ein Ruck geht durch die Linux-Welt

IBM strukturiert sich um. Der 107 Jahre alte Konzern stieß in den vergangenen Jahren einige Bereiche ab, die nicht schnell genug wachsen. Nun kommt ein neuer Bereich hinzu, mit dem der IT-Konzern den Cloud-Computing-Markt aufmischen will. Um mit jüngeren Giganten wie Microsoft oder Amazon mitzuhalten, brauchte es die Expertise eines der bedeutendsten Software-Dienstleisters. Also hat IBM Red Hat gekauft und ließ sich die Investition satte 33 Milliarden US-Dollar kosten. Und das sorgt nun für sehr unterschiedliches Echo auf Seiten der Branchen- beziehungsweise der Linux-Kenner.

Nach einigen Jahren Flaute beim etablierten IT-Giganten IBM soll die Akquise des Software-Dienstleisters Red Hat frischen Wind ins Cloud-Geschäft von Big Blue bringen. Die IBM-Vorsitzende bezeichnet den Zukauf von Red Hat als "Game Changer"; wie Ginni Rometty in der Pressemitteilung zitiert wird. IBM könne so zum Nummer-Eins-Lieferanten von neuartigen "Hybrid-Cloud-Angeboten" werden. IT-Unternehmen haben derzeit großen Bedarf, Cloud-Lösungen unterschiedlicher Anbieter nur temporär und bei Bedarf einzusetzen.

IBM will hier auf den vorhandenen Verträgen von Red Hat aufbauen und gemeinsam ein starker Konkurrent zu Amazon Web Services, Microsoft Azure, Google Cloud, Alibaba oder weiteren Anbietern avancieren. Red Hat hatte sich schon seit 1999 für Linux in der Server-Welt sowie für Open Source stark gemacht, lange bevor Linux in der Server-Welt so etabliert war wie heute. Red Hat liefert nach Intel die meisten Beiträge zum Linux-Kernel. Und genau dies sorgt in der Open-Source-Szene für Aufregung.

AndroidPIT Nexus 6 kernel adiutor CPU information
Android-Smartphones setzen auf den Linux-Kernel. / © ANDROIDPIT

Die Open-Source-Community traut IBM nicht

Auch wenn es am Ende der Pressemitteilung heißt, IBM werde die Open-Source-Beiträge von Red Hat weiterhin voll unterstützen, ist die Community mehr als skeptisch. In den populärsten Kommentaren auf Reddit wird vom Pusteblumen-Effekt gesprochen: Etliche Entwickler werden bald Red Hat verlassen und ihre eigenen Projekte starten und coole Firmen gründen. Die Stimmung ist so pessimistisch aufgeladen, dass Fedora-Nutzer auf Opensuse oder Debian Stable wechseln wollen.

Begründet liegen die Sorgen darin, dass IBM in den vergangenen Jahren etliche Projekte gemessen an ihrem Wachstum entweder schrumpfte oder komplett abstieß; darunter vor Jahren bereits das ikonische Geschäft mit Thinkpad-Laptops oder die Entwicklung von OS/2. Und dem Bloomberg-Bericht zufolge stecke Red Hat gerade genau in so einer Phase geringen Wachstums. IBM-Vorstandsvorsitzende und CEO Ginni Rometty beteure jedoch, auf keiner Seite Stellen abbauen zu wollen. "In dieser Akquisition geht es um Umsatzsteigerung, nicht um Kosten-Synergien", wird sie zitiert.

Linux wird nicht leiden

Der auch für Android-Smartphones relevante Linux-Kernel wird so oder so nicht unter der Akquise leiden. Selbst wenn die Zahl an Red Hats Beteiligungen am Kernel sinken sollten, wird dessen Entwicklung insgesamt nicht verlangsamt werden. Denn die Menschen dahinter werden weiter am Kernel arbeiten, selbst wenn sie eines Tages unter einer anderen Flagge segeln sollten.

16 Kommentare

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  • Eine der krassesten Akquisitionen der letzten Jahre. nur übertroffen durch dell EMC


  • Kapier zwar nicht um was es in dem Artikel geht, aber wünsche allen eine schöne Woche.😄☕️


  • Hat schon jemand Red Hat benutzt? Ist es besser als Fedora, Mint oder Ubuntu?


    • Fedora ist die Community Distribution von Red Hat und unterscheidet sich vom Red Hat Enterprise Linux nur durch aktuellere Software und die dadurch schlechtere Stabilität.


    • Fedora ist RedHat, RedHat Linux gibt es schon seit ein paar Jahren nicht mehr, und RHEL (Red Hat Enterprise Linux) willst Du als Privatperson nicht.

      Solltest Du ein Server- und kein Desktoplinux wollen als Privatanwender: CentOS, ist RHEL einfach ohne die Support- und Softwarelizenzen, ergo kostenlos. Pakete sind die gleichen, mit kleinen Ausnahmen (z.B. OpenShift)


  • Ich habe ein schlechtes Gefühl. IBM gehört eher zu den Bösen als zu den Guten.


  • Weder "hat" IBM Red Hat gekauft, noch "hat" es sich das was "kosten lassen".

    Es fehlt immer noch die Zustimmung der Aktionäre sowie der Aufsichtsbehörden und es wird erwartet, dass der Deal (sofern denn alle Bedingungen erfüllt werden!) in der 2. Hälfte 2019 über die Bühne geht.

    Zitat aus der Pressemeldung:
    "The acquisition has been approved by the boards of directors of both IBM and Red Hat. It is subject to Red Hat shareholder approval. It also is subject to regulatory approvals and other customary closing conditions. It is expected to close in the latter half of 2019."


  • Ginni ist ne Frau, kein Mann.

    Aries


  • Wie aufgescheuchte Hühner: "Die Stimmung ist so pessimistisch aufgeladen, dass Fedora-Nutzer auf Opensuse oder Debian Stable wechseln wollen."
    Noch ist gar nichts passiert, aber die ersten beginnen bereits zu rotieren. Obwohl ich die Open-Source-Szene sehr schätze, sind viele manchmal sonderbare Gewächse. Geld nimmt man für seine Arbeit gern. Aber wenn jemand mit zu viel Geld kommt, gehen sofort die Alarmglocken
    los.
    Abwarten! Wenn bei IBM noch genügend alte Mitarbeiter mit an Board sind die sich an OS/2 erinnern, so wird man den selben Fehler wohl nicht zwei Mal machen.


    • Hier ist ein langjähriger Fedora-Nutzer, der nicht im Traum an einen Wechsel der Distribution denkt. IBM investert schon seit Jahren in Fedora und Red Hat. Das war nicht das schlechteste.

      Abgesehen davon, war Red Hat nicht gleich Fedora! Beides wurde bewusst in 2003 getrennt. Die Erfahrungen und Neuerungen in Fedora fließen jedoch in Red Hat (genauer RHEL) ein.


      • Ich denke besonders im Android Lager denken viele mit Schrecken an Beispiele wie "Cyanogen" als plötzlich Wichtigtuer mit Kapital einstiegen. Einen "Kirt McMaster" findet man ja überall. Im Gegensatz dazu ist Red Hat zwar schon ewig komerziell, aber die Sorge gegenüber Big Blue sehe ich auch als begründet an. Was Big Blue vorhat und was schlußendlich passieren wird, das sind nämlich immer 2 Paar Schuhe. Das bestimmt dann der Vorstand und die Aktionäre und besonders diese Gruppen haben oft wenig Geduld in der Umsetzung der Ziele.


    • @Bubblegum : Zitat : "Abwarten! Wenn bei IBM noch genügend alte Mitarbeiter mit an Board sind die sich an OS/2 erinnern, so wird man den selben Fehler wohl nicht zwei Mal machen."

      Ich kann Dir dutzende Großkonzerne nennen, die "den selben Fehler" mehr als 2x gemacht haben !

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