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Huaweis AppGallery soll wachsen und das Google-Apple-Duopol schwächen

Huaweis AppGallery soll wachsen und das Google-Apple-Duopol schwächen

Huawei bereitet sich auf die Zeit nach den Google-Diensten vor und bietet App-Entwicklern je bis zu 20.000 Pfund. Diese sollen ihre Apps in der AppGallery veröffentlichen. Damit die Nutzer nach einem möglichen Aus der Google-Dienste auf Huawei-Geräten denselben Funktionsumfang haben, hat Huawei ein gewaltiges Framework mitsamt Software Development Kit vorgestellt. Dies könnte ein Präzendezfall werden, der das App-Duopol aus Google und Apple generell infragestellt.

Der chinesische Smartphone-Hersteller Huawei könnte demnächst ein großes Problem bekommen. Wenn der US-Handelsstreit weitergeht, könnten bisherige Gnadenfristen auslaufen und Google sowie Huawei dazu zwingen, ihre Zusammenarbeit zu beenden. Diese bestand bisher im Wesentlichen daraus, dass Huawei Lizenzen bei dem US-Softwarekonzern einholt, um bestimmte Software-Dienste kostenlos auf seiner Hardware zu nutzen.

Aus Sicht der Smartphone-Nutzer müssten wir mit ganz erheblichen Einschränkungen rechnen: Der Play Store als wichtigste Quelle für Apps verschwindet. Und selbst wenn man ihn durch einen Drittanbieter-Store ersetzen würde oder Huaweis vorinstallierte AppGallery verwendet, kommt es zu Beeinträchtigungen: Standortdienste, in Apps angezeigte Karten oder die Benachrichtigungen fast aller Apps werden von Google-Diensten verwaltet. Auch um finanziell kritische Komponenten wie Werbung und In-App-Käufe kümmert sich Google. Sind letztere nicht verwendbar, starten die meisten davon abhängigen Apps gar nicht erst.

Der Haken: Durch Googles Quasi-Monopol als Plattform für Android-Apps sind fast alle APKs (App-Installationspakete für Android) irgendwie Google-abhängig. Doch genau diese Abhängigkeit will Huawei jetzt zerschlagen, und damit das Monopol aufweichen.

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Die AppGallery füllt sich geschwind mit hier relevanten Apps. / © AndroidPIT

Genau diese Abhängigkeit will Huawei jetzt beenden. Die dafür notwendigen Voraussetzungen will der Konzern jetzt geschaffen haben. In London hielt man dafür den Huawei Developer Day ab. Nicht nur zeigte Huawei neue Details zu Huawei Mobile Services (HMS) 4.0, seinem Ersatz für die potenziell bedrohten Google-Dienste. Auch lockt es irische und britische Entwickler mit bis zu 20.000 Pfund Bonus, wenn sie ihre App bis 31. Januar in der AppGallery veröffentlichen. Darüber hinaus soll ihr Umsatz-Anteil mit 85 Prozent deutlich höher ausfallen als im Play Store, wo Autoren von Verkäufen und In-App-Käufen nur 70 Prozent behalten dürfen.

Huawei könnte hier eine Lawine lostreten

Was Huawei dort angestoßen hat, könnte den Markt gehörig aufwühlen. Falls Entwickler tatsächlich ihre Apps mit wenig Aufwand von einer (de facto) Plattform auf die nächste portieren können und dafür reichlich belohnt werden, sollte sich zunächst die AppGallery schnell mit spannenden, teils sogar exklusiven Apps und Spielen füllen. Schon jetzt findet man dort den Gaming-Superhit Fortnite, der im Play Store fehlt.

Samsung wird diese Entwicklung mit Spannung verfolgen. Die Koreaner sind Huaweis interessantester Konkurrent, der weiterhin einen vergleichbaren Marktanteil an Android-Smartphones hat. Würden sie parallel zu den Play-Diensten ebenfalls ein HMS-ähnliches Framework etablieren und App-Entwicklern ein ähnlich verlockendes Angebot für das Publishing im Galaxy Store unterbreiten, hätten wir Anwender in zweierlei Hinsicht gewonnen:

  • Wir hätten eine Alternative zu den aus Datenschutz-Sicht fragwürdigen Google-Play-Diensten ...
  • ... außerhalb Chinas.

Dieser Wettbewerb kann jedoch nur entstehen, falls der Anpassungs-Aufwand sich für Entwickler rechnet. Idealerweise müssten sie in ihren Tools nur einmal den Export-Button drücken; Play-Store, AppGallery oder Galaxy Store auswählen; und die Schnittstellen ihrer App würden den APIs der jeweiligen Frameworks (Google, Huawei, ... Samsung?) angepasst. Wäre dies nicht der Fall, drohe Huawei vielleicht ein Windows-Phone-Schicksal.

Manche Fallstricke bleiben für Huawei bestehen

Während meine Vorstellung von Samsungs Motivation rein hypothetischer, idealistischer Natur ist, steht Huawei vor einem dringenden und realen Problem. Der chinesische Hersteller steht unter latentem Zugzwang und ihm droht ein massiver Nachteil, falls er von heute auf morgen keine neuen Geräte mit Play Store mehr verkaufen darf beziehungsweise die Masse an Google-abhängigen Apps auf ihren Geräten nicht mehr funktioniert.

Selbst wenn HMS ein Erfolg wird und irische sowie britische App-Entwickler reihenweise die dicke Willkommens-Prämie abstauben, löst das einen großen Teil des ursprünglichen Problems nicht. Wichtige Apps von US-Firmen, also WhatsApp, Instagram, Uber, Microsoft Office, Netflix unterliegen weiterhin den drohenden Restriktionen. Denn ein Umrüsten von Google auf HMS geht mit einem Handel mit einer chinesischen Firma einher, den sich US-Unternehmen weiterhin (befristet) genehmigen lassen müssten.

Aber selbst wenn die befürchteten Restriktionen doch nicht kommen beziehungsweise wieder abgebaut werden sollten, hat Huawei eventuell genug Anreize geschaffen, dass hunderte andere relevante Apps in die hauseigene Play-Store-Alternative wandern. Dann hätte der Handelsstreit einen starken Konkurrenten hervorgebracht, der perspektivisch noch viele Nachahmer finden könnte. Und diese neue Konkurrenz brächte uns Nutzern endlich die bitter benötigten Alternativen zum bisherigen Duopol Google-vs.-Apple. Danke, Trump!

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Top-Kommentare der Community

  • René H. vor 4 Wochen

    Aber sicherer wäre man dann trotzdem nicht. Wer glaubt, im Samsung-Store gäbe es nur saubere Apps, wiegt sich in einer trügerischen Sicherheit. Dann wird man eben nicht mehr von Google verfolgt, sondern von anderen Firmen.

  • C. F.
    • Blogger
    vor 4 Wochen

    "Huawei könnte hier eine Lavine lostreten"

    Lawine

43 Kommentare

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  • Man sagt, Konkurrenz belebt das Geschäft. Statt Microsoft verwende ich Linux auf PC und Laptop. Und statt Google nutze ich alternative Suchmaschinen. Wenn es mit den Treffern nicht reicht, okay, dann schalte ich mal 'nen Gang zurück.

    Auf dem Smartphone hätte ich gern kein Android, aber da klemmt es nun mal. Auch wenn ich die Chinesen mit ihrer Marktmacht nicht so gut finde, muss der Mensch in einigen Fällen mit den Wölfen heulen.

    Man sollte ihnen gönnen die Macht der Amis (inklusive Apple) aufzubrechen.

    Viele Grüße
    /gerd

    P.S. So ein kleines Fenster auf dem Smartphone zum Schreiben ist echt doof...

    T20a22Jan20_Mi., gg. 09:07 h



    +++


  • Naja, schlimmer als die Risiko, das mit der Schaffung einer neuen Infrastruktur für mobile Dienste einhergeht, ist doch aus meiner Sicht der Effekt auf Google und schon allein deswegen glaube ich nicht, dass sich ein anderes OS als Android (zusammen mit iOS) langfristig etablieren wird. Man darf hier nicht vergessen, dass der Ganze Quatsch bislang nur passiert, weil Mr. D. Trump aufgrund nach wie vor nicht nachgewiesener Backdoors in Hard- und Software ein Handelsembargo verhängt hat. Die spannende Frage ist doch: Wie lange kann er das aufrecht erhalten? Denn mit jedem Release eines HMS-Smartphones, selbst in einem lizenzfreien Zustand wie beim Mate 30 Pro, verliert Google Kunden. Und auch die Tatsache, dass Huawei nun ohne amerikanische Bauteile auskommt und dabei technisch trotzdem Oberklasse ist, dürfte dem US-Markt zusätzlich schaden. Irgendwann wird Trumps Entscheidung unter dem Druck der Wirtschaft möglicherweise bröckeln. Immerhin reden wir hier von einem der Top3 Android-Smartphones Herstellern.
    Ich bin sehr gespannt, was die Lizenz des P40Pro im Februar/März angeht. Diese Entscheidung könnte dann die Richtung vorgeben.


  • Wenn AppGallery wachsen soll, was ich begrüße, dann müsste da auch mal einer drüber gehen und die App "erwachsen" gestalten, zumindest ich empfinde sie als ehr unpraktisch und hässlich sowie zu viel Werbung, wobei ich für so eine App gar keine Werbung haben möchte.... ja ich weiß, nur ein Traum.

    Viele bezweifeln ja das ein weiterer App-Store sinn macht. Natürlich macht er das für Huawei, denn sie können (momentan) für neue Geräte kein Playstore nutzen. Kein Sinn macht es ein Handy auszuliefern auf dem keine solche App drauf ist. Der Playstore ist nicht nutzbar offiziell (inoffizielle Wege gibt es schon) und die "normalen" Nutzer haben meist keine Erfahrungen, sie sind einfach Enduser. Und genau diesen Enduser will Huawei erreichen und zum Kauf ihrer Google-freien Geräte bringen.... ob das gelingt ist ne ganz andere Frage, aber das sie es versuchen müssen ist keine Frage.


  • Welches Huawei ist das oben auf dem Foto? mfg


  • Mich würde es mal interessieren wie der Datenschutz von Huawei im Vergleich zu Google und Apple ist.


  • Warum haben denn die Entwickler den Exportbutton bis jetzt nicht gedrückt?
    Scheint doch alles komplizierter zu sein mit der Portierung.


    • Weil es keine Veranlassung gab. Huawei hat immer betont, dass sie gerne Android-Endgeräte herstellen wollen und auch Android als Infrastruktur supporten wollen. Nun zwingt die US-Regierung Huawei aber dazu, denn ohne eine solche Lösung gäbe es für Nutzer von Huawei Smartphones ohne die lizensierte Android-Version kaum Apps, die auf dem EU-Markt genutzt werden.


  • LaWine. ;-)


  • Huawei könnte hier eine Lav(w)ine lostreten

    Das ist wirklich begrüßenswert, setzt es doch die eingebildeten US-Platzhirsche unter Druck. Ich hoffe, dass Huawei Erfolge einfahren kann👍👍👍

    Konkurrenz muss sein.....


    • Tim vor 4 Wochen Link zum Kommentar

      Und warum? Was hat man bei den Stores denn bitte von mehr "Konkurrenz"? Und wo sind Apple und Google dahingehend eingebildet?


      • @Tim
        Ich meine diesbezüglich ein weiteres Betriebssystem. Da muss mehr Vielfalt entstehen.


      • Das Ganze zieht größere Kreise. HMS von Google loszulösen bedeutet nicht nur, einen weiteren AppStore zu etablieren, sondern auch sämtliche Dienste drumherum. So ziemlich jede Google App, soziale Netzwerke, Streaming-Dienste. Und je mehr "HMS" der Markt wird, desto größer werden die Auswirkungen auf Google und die ganzen Hardwarelieferanten sein. Ich finde die Entwicklung äußerst spannend, auch wenn mir der Zweikampf mit Apple lieber wäre


  • Kann man doch den Play-Store auch nachträglich installieren um so Zugriffe auf die Apps zubekommen.
    Ich vergleiche das Projekt von Huawei mit dem von Microsoft und Windows Phone. Deren AppStore war leider nicht so prall gefüllt...

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