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Huawei: Smartphone-Chef spricht mit AndroidPIT über schnellere Android-Updates und EMUI 5

Ich traf mich im Huawei-Headquarter Shenzhen mit Changzhu Li. Er zeichnet als Vice President verantwortlich für Huaweis Mobile Business. Ich habe ihm ein paar Eurer Fragen gestellt. Er gesteht Macken im Betriebssystem ein und verspricht eine schlankere Version im dritten Quartal.

Huawei stellt konkurrenzfähige Smartphones her, das steht außer Frage. Doch einer der großen Kritikpunkte europäischer Kunden war schon immer die Software. Zu voll mit vorinstallierter Software, Ärger mit dem Energiesparmodus und eine überladene Optik. Ich konnte Huaweis Chef der Smartphone-Sparte Changzhu Li im Interview darauf ansprechen und er gestand ein, dass daran gearbeitet werden muss.

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Changzhu Li spricht über EMUI 5 und Android-Updates / © ANDROIDPIT

Was kommt mit EMUI 5?

Für das dritte Quartal hat uns Li EMUI 5 versprochen. Man will die Oberfläche erstmals auf ein "Basic Package" reduzieren, sagt der Smartphone-Chef. Im Fokus sei dieses Mal die Anpassungsfähigkeit durch den Nutzer. Vielleicht kommt ja diesmal endlich ein App Drawer.

Weniger Smartphones und schnellere Updates

Das Smartphone-Portfolio von Huawei wurde in den vergangenen fünf Jahren von über 70 auf rund 20 reduziert. Perspektivisch sei das Ziel, nur noch acht Typen parallel zu führen. Dabei zählen P9, P9 lite und P9 Plus als ein Typ und Honor-Geräte werden mitgezählt. Dies versicherte uns Ada Xu am Vortag, die bei Huawei für die globale PR verantwortlich zeichnet.

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Ada Xu kündigt an, die Hardware-Palette von Huawei zu verkleinern / © ANDROIDPIT

Dies wird den Wartungsaufwand für die Software der Geräte reduzieren. Li erklärt, dass man sich zum Ziel setze, Android-Updates mit höchstens zwei Monaten Verzögerung zu liefern. Er räumte ein, dass Updates für die Geräte der Mittelklasse bislang ein schwieriges Thema waren, an dem sich die chinesischen Kunden jedoch wenig gestört hatten. Kritik an ausbleibenden Updates kam vermehrt aus Europa und der werde man sich künftig in Form schnellerer Updates annehmen.

Open Source ja, aber nur für Huawei-optimierte Apps

Da vielen von euch Huaweis Hardware gefällt, die Software jedoch weniger, stellte ich die Frage nach Öffnung der Software. Doch Li erklärte deutlich, dass man weiterhin "one EMUI for all markets" anbieten und daran auch festhalten werde. Die online dokumentierten Hardware-Schnittstellen dienen lediglich bestimmten, chinesischen Entwicklern. Und diese sollen auch nichts an der Firmware an sich verändern.

Unter der Haube bereitet Huawei sein System auf Hardware-optimierte Apps vor. Durch bestimmte Programmierschnittstellen können Apps auf den Prozessor oder die Kamera des Smartphones hin optimiert werden, sodass sie auf Huawei-Geräten schneller laufen oder die verwendeten Komponenten voll ausnutzen. Die speziellen Anwendungen werden wieder nur in Huaweis eigenem App Store prominent platziert. Sie sind theoretisch auch im Play Store verfügbar, gehen dort jedoch in der Masse unter und sind kaum aufzufinden.

Googles Play Store hat ein großes Qualitätsproblem

Und damit kommt Li zu einem wichtigen Kritikpunkt an Android. Der Play Store und viele weitere App-Quellen für Android unterliegen zu schwachen Kontrollen. So kommt es, dass Nutzer schlecht gestaltete Apps oder Apps mit zu vielen angefragten Berechtigungen herunterladen. Somit sind Nutzer zum einen unzufrieden mit dem Gesamterlebnis, zum anderen riskieren sie ihre Privatsphäre aufgrund der datenhungrigen Apps.

Der Gegenentwurf von Huawei ist der eigene App Store. In China existiert er bereits. Eigene Kuratoren prüfen die eingehenden Apps und stellen ähnliche Kriterien an die Qualität, die man auch von Apples App Store kennt. Schon in meinem iPhone-SE-Test hatte ich Euch Beispiele gezeigt, inwiefern die durchweg hochwertigen Apps auf dem iPhone für ein besseres Benutzererlebnis sorgen.

Li hatte unsere Aufmerksamkeit mit dem Huawei App Store gewonnen, also kam die Frage auf: Kommt er nach Europa? "Das hoffe ich doch", antwortete Li, ohne von einem konkreten Plan zu sprechen.

Huawei bleibt bei Android, auch wenn das System nicht optimal ist

Huawei schlägt Kapital aus den Fehlern des Betriebssystems. Viele Nutzer erleben es, dass das Smartphone nach einigen Monaten Nutzung langsamer wird, oder kein freier Speicher mehr zur Verfügung steht. "Unsere Smartphones bleiben schnell", erklärt Li.

Der Grund dafür liegt in den Software-Optimierungen, mit denen EMUI tief ins System von Android eingreift. "Reicht Euch denn der Handlungsspielraum aus, wenn Ihr mit Google und vielen anderen Herstellern an Android arbeitet?", frage ich Li. "Ja, auf jeden Fall", sichert er mir zu.

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Huawei wird Android weiterhin nutzen. / © ANDROIDPIT

"Aber müsste man ein perfektes Betriebssystem denn gar nicht optimieren?" frage ich nach. Li überlegt ein wenig und erklärt dann, "Google unternimmt vieles, um das System zu verbessern”. Er sieht aber immer genug Handlungs- und Optimierungsbedarf, mit denen Huawei sich von der Konkurrenz abheben kann. Und ich kann ihm diese Taktik nicht verübeln. Huawei wird also langfristig bei Android bleiben. Zu groß sind die Vorteile durch das gewaltige Ökosystem, sei es die Betriebssystem-Entwicklung oder die Vielfalt an verfügbaren Apps.

Nichts Handfestes in Sachen Virtual Reality

"Erwartet keine Produkte", sagte Li kurz und bündig, als man ihn auf Daydream ansprach. Googles neue VR-Plattform auf Android-Basis "ist sicherlich gut für das Ökosystem", erklärt der Smartphone-Chef. Huaweis Mitarbeit daran bedeutet aber nicht, dass wir deshalb VR-Hardware von Huawei erwarten sollten.

Top-Kommentare der Community

  •   58
    Macdroid vor 6 Monaten

    "Was wollt ihr eigentlich ständig mit diesem albernen App Drawer?
    Hat man beispielsweise 100 Apps installiert, dann gibt es ja wohl nichts Umständlicheres, als die gerade gewünschte App im App Drawer zu suchen. ..."

    Mal im Ernst: Du hast die Idee hinter dem App Drawer nicht im Geringsten verstanden,, oder?

  • Tenten vor 6 Monaten

    Nein, ich gebe da Macdroid Recht. Das, was Huawei da einbaut, kann den Appdrawer nicht ersetzen. Der Drawer ist eine große Schachtel, in der alles landet, was man so installiert. Und alles alphabetisch sortiert. Was man dann davon braucht, das zieht man sich raus, auf den Homescreen. Daher auch Drawer. Ich habe also den Vorteil, dass ich, ohne dass ich etwas tun muss, alle installierten Apps an einem Ort sortiert habe und mir dann meinen Homescreen so einrichten kann, wie ich es möchte. Ich kann es auch so einrichten, wie Frischkopf es einrichten will. Aber ich muss nichts sortieren oder gar aufräumen.
    Bei Emui landet erst einmal alles auf dem Homescreen. Unsortiert, einfach dort wo Platz ist. Eine alphabetische Sortierung gibt es nicht. Ein Chaos, wenn man mehrere Apps auf einmal installiert. Erst dann kann ich mich ans aufräumen und einrichten des Homescreens machen. Und das gestaltet sich schwieriger als mit Appdrawer, weil ich die Apps gegeneinander verschieben muss. Das ist so, als wenn du deinen Schrank aufräumst, aber nichts raus tun darfst, um es dann neu einzuräumen. Einzige Möglichkeit, die du hast, du kannst Apps ausblenden, bzw. diese auf eine Unterseite verschieben. Aber nicht einen ganzen Ordner auf einmal, nein, App für App musst du einzeln anklicken. Umständlich und mühsam, wenn du zweihundert Apps oder mehr hast. Am Ende hast du nicht mehr als mit Appdrawer, allerdings war der Aufwand wesentlich höher. Und was du dafür überhaupt nicht hast, ist ein Ort, an dem ALLE Apps versammelt sind wie beim Drawer. Deine Apps liegen entweder auf dem Homescreen oder in einem Ordner oder auf der Unterseite für ausgeblendete Apps. Suche ich also eine App, deren Namen ich nicht kenne, muss ich bei Emui überall suchen. Mit Drawer wische ich nur kurz durch den Drawer und gut. Das System in Emui mag manchem liegen, aber sinnvoller und praktischer ist ein Drawer.

  •   58
    Macdroid vor 6 Monaten

    Wow! Rhetorik der ersten Grundschulklasse: "Selber doof!"

    Passt zu Dir.

  • Neocortex vor 6 Monaten

    Sehe ich auch so. Klar, gibt es mittel und Wege, es irgendwie hin zu bekommen, aber es ist mit extra Aufwand verbunden. Und ob der Aufwand nun groß oder klein ist, ist nebensächlich. Der Drawer ist für mich einer der Gründe, warum ich Android User bin und nicht IOs. Ich will die 10-15 Apps die ich ständig brauche, auf den Homescreen haben und der restliche Platz wird für Widgets gebraucht/verwendet. Natürlich weiß ich sowas aber bevor ich mir ein Gerät mit EMUI kaufe, ist auch ok so, dennoch wäre ein Drawer in 5.0 wünschenswert.

  • Fabien Roehlinger
    • Admin
    • Staff
    vor 6 Monaten

    Ich muss auch zugeben, dass mich dieses aggressive Gebashe gegen andere Meinungen hier ziemlich stört. Haben wir nicht genügend Probleme in unserem Land, andere Meinungen sachlich zu akzeptieren und diese dann zu diskutieren? Wenn wir aus den Diskussionen allesamt Nutzen ziehen wollen (und davon gehe ich aus), wäre es wieder angebracht sich konstruktiv auseinander zu setzen.

    Just mit 2 Cents....

132 Kommentare

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  • Wird auch das Honor 7 Premium ein Update auf 6.0 erhalten? Ich bin seit einer Woche im Besitz dieses Gerätes.

  • Ich frag mich warum huawai so einen "notfallplan" macht. da muss doch was hinterstecken.

  • Hallo, ich verstehe nicht welche Probleme es mit huawei gibt. Ich benutzte das huawei Acend Mate 7 seit zwei Jahren keine Probleme!.seit einiger Zeit das huawei p8 kein Problem mit APP drawers, soviel Probleme dann würde ich mir kein huawei kaufen, ich bin seit zwei Jahren ab von Samsung!

    • Tenten vor 6 Monaten Link zum Kommentar

      Ich glaube, Huawei versteht selbst nicht ganz genau, woher diese Probleme kommen, zumal ja nicht alle Nutzer betroffen sind. Aber halt doch so viele, dass man das nicht ignorieren kann. Deswegen arbeiten die an Updates und ich vermute, das ist auch der Grund, warum man doch relativ schnell auf Emui 5.0 springen will. Wenn du noch auf Lollipop bist, dann dürftest du keine Probleme haben, ansonsten hast du vermutlich einfach Glück gehabt oder verwendest keine Drittapps, die Benachrichtigungen schicken.
      Dein Argument, einfach nicht zu kaufen, greift nicht, denn man weiß sowas ja nicht vorher. Aber wenn das nächste Update die Probleme nicht löst, dann verkaufe ich meine beiden Geräte und wende mich von Honor und Huawei ab.
      Die Sache mit dem Appdrawer ist natürlich Geschmackssache, da gebe ich dir Recht, das sollte man sich vorher überlegen.

  • Oh weh, bitte bitte keinen APPdrawer als Standard integrieren. Meinetwegen optional dazuschaltbar, aber bitte nicht als Standard. Abgesehen davon, dass ICH (und ich betone das ich, weil ihn ja so viele Nutzer sinnvoll finden) ihn nicht brauche würde EMUI auch ein bisschen seine Einzigartigkeit verlieren.

  • Tim vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    "Googles Play Store hat ein großes Qualitätsproblem"
    50 Thumbs Up dafür! Genau DAS ist das Problem von Android, aber Google schert sich einen ****** drum.

  • Ps: die anderen Hersteller haben eine bessere update-politik? Wäre mir neu...

  • Ich kann auch nur jedem Huawei Hardware empfehlen. Habe wirklich alles andere auch schon probiert. Der App drawer gefällt mir persönlich auch nicht. Aber zb. Frischkopf hat eine gute Lösung und ich verwende nova, und ich verwende sowieso launcher, schon immer. Man hat doch generell viel mehr Komfort damit. Wer zu dämlich ist einen launcher zu installieren sollte sich dann doch besser ein ei-fon leisten ach nee, die sind so teuer. Bravo Huawei!

  • Vlt sollten die Herrschaften mal anfangen Gorilla Glas in seine Smartphones zu verbauen..

  • Dennis vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    Wenn denn überhaupt Updates kommen würden... Ich habe mir vor einem Monat das Mediapad X2 gekauft und die deutsche Variante (Gem 701L) hat leider immernoch Android 5.0 während andere Varianten (Gem 702, 703) schon 5.1 bzw sogar 6.0 haben.

    Schade Huawei.

  • Wenn es zu einer Entflechtung von Android Basis OS und EMUI kommt, die das Ziel hat, z. B. die monatliche von Google zur Verfügung gestellten Sicherheitsupdates zeitnah zur Verfügung zu stellen , kann ich das nur begrüßen und hoffe, dass EMUI 5 dann auch noch für das P8 zur Verfügung stehen wird. Dem widerspricht aber die Aussage, dass Huawei "sein" System auf "ihre Hardware" optimieren will, diametral. Da bin ih ja gespannt, wie das funktionieren wird. Ansonsten hoffe ich auf das Erscheinen von möglichst vielen "Nexus" Geräten, die sich hoffentlich vom "Entwickler- Phone" Ansatz entfernen und gute Kameras, SD-Slots und weitere "Mainstream Features" haben. Mir reicht pures Android, zeitnahe Updates und Sicherheitspatches sind mir wesentlich wichtiger als irgendwelche mehr- oder weniger sinnfreie Herstelleraufsätze und Applikationen, mit denen sich die einzelnen Hersteller "vom Mitbewerb differenzieren" wollen.

  • Vokatio vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    Vorbildlich und hilfreich fand ich das "Offengelegt" unter dem Artikel "Ausprobiert: Mit der VR-Kamera Samsung Gear 360 durch Paris". Warum nicht auch hier?

  • Rollo vor 6 Monaten Link zum Kommentar

    Was wollt ihr eigentlich ständig mit diesem albernen App Drawer?
    Hat man beispielsweise 100 Apps installiert, dann gibt es ja wohl nichts Umständlicheres, als die gerade gewünschte App im App Drawer zu suchen. Erstmal scrollt man sich Blasen an den Fingern und dann darf man ständig überlegen wie die genaue Schreibweise des App-Namens war - fängt er jetzt mit F oder PH an, mit C oder mit K, oder haben sich die Entwickler einen ganz irren Namen für die App ausgedacht?
    Man gelangt viel schneller zu seinen Apps, wenn man sie auf dem/den Bildschirm/en logisch sortiert und ggf. in Ordnern abgelegt hat. Ich für meinen Teil habe den App Drawer jedenfalls in den ganzen Jahren nie benutzt.

    Ganz davon abgesehen hat man auch bei Huaweis EMUI so eine Art App Drawer, wenn man das unbedingt möchte. Dieser wird jedoch nicht über einen Button, sondern mit einer Geste geöffnet. Das sollte man eigentlich wissen, wenn man Autor bei AP ist und einen Artikel über Huawei schreibt.

    Einfach alle Apps, deren Symbole man nicht auf dem Display haben möchte, ausblenden. Hat man das erledigt, kann man mit der entsprechenden Geste ein Fenster mit den ausgeblendeten Apps öffnen und sie von dort aus starten. Im Prinzip ist es fast das Gleiche, wie ein App Drawer.
    Die Nutzer, die der Meinung sind, dass der App Drawer ein Must-Have wäre, können also endlich aufhören, zu heulen ;)

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