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Wie man ein Tablet 1,4 Millionen mal verkauft - und keine Marke hat

Achtung, aufgepasst! Hier lernt der aufmerksame Geschäftsmann, wie man 1,4 Millionen Geräte in einem hart umkämpften Markt absetzt - und das bevor das Gerät überhaupt auf den Markt kommt, und ohne eine echte Marke mit Wiedererkennungswert zu besitzen.

 

Saubillig - ohne, dass Geiz geil ist

Bei diesem Verkaufsschlager handelt es sich um das Aakash Tablet von Datawind, über das wir bereits berichtet haben (das billigste Android-Tablet überhaupt?). Damals gingen wir von einem Verkaufspreis von unter $100 aus - was mal richtig billig ist. Diesen Verkaufspreis hat der kanadische Hersteller Datawind dann nochmal kräftig unterboten und dem Aakash-Tablet ein Preisschild von $50 verpasst.

Nun könnte man natürlich vorschnell behaupten, ein so günstiger Preis setzt automatisch Erfolg voraus. Die Tablets wurden allerdings allesamt in Indien verkauft - einem Land mit einer Bevölkerung jenseits der Milliarden-Grenze und einem durchschnittlichem Jahreseinkommen von $1.500. Der Preis von $50 ist also kein Schnäppchen, sondern muss hart vom Munde abgespart werden.

Die technischen Spezifikationen lassen Schlimmes erahnen

Es könnte viele enttäuschte Gesichter geben, wenn die vielen Aakash-Kunden ihre Geräte in Betrieb nehmen und täglich einsetzen wollen. Was will man auch von einem Tablet, das gerade mal $50 im Verkauf kostet, erwarten? Die technischen Spezifikationen lesen sich auf jeden Fall grauenhaft:

  • 366 MHz ARM11 CPU
  • 7'' mit einer Auflösung von 800 x 480 Pixeln
  • Resistiver Touchscreen
  • 256 MB RAM
  • Android 2.2

Mit diesem Innenleben kann man eigentlich bezweifeln, dass das Teil überhaupt irgendwann mal ordentlich laufen wird. Alleine der Prozessor ist unter der Kategorie "Bullshit" zu führen. Zum Vergleich: Das neue Samsung Galaxy Tab 7.0 Plus hat einen 1,2 GHz Dual-Core-Prozessor. Man kann eigentlich bei der Taktung des Datawind-Chips nur davon ausgehen, dass der Hersteller noch Restposten von Anno dazumal irgendwo aufkaufen konnte.

Warum dann so erfolgreich?

Wieso, so fragt man sich, kaufen dann so viele Menschen in Indien diesen - sorry - Schrott? Offenbar nutzt der Hersteller Datawind den Wunsch vieler Menschen nach Luxusgütern aus und suggeriert, dass man hier ein, extra für den lokalen Markt angepasstes Luxusgut erwirbt. Ein indisches Volkstablet, sozusagen.

Tablets sind Luxusgüter. Denn im Vergleich zu Handys und Computern haben sie keinen erweiterten Nutzen, außer dem Komfort. Wahrscheinlich haben viele Menschen vor Ort das romantische Bild im Kopf, lässig, legère auf der Couch sitzend im Internet zu surfen und Dinge zu erledigen. Wetab und Smartpad-Besitzer werden aber wahrscheinlich wissen, wie die harte, fast schon grauenhafte Realität aussehen wird: Frustration, weil das resistive Display selbst auf harten Druck kaum reagieren möchte. Pixelige und schlechte Auflösung. Hakeliges Durchführen verschiedener Aktionen. Wenn überhaupt.

Fazit

Ich bin mir sicher, dass die 1,4 Millionen Menschen den Tag herbeisehnen, wenn ihr neues Wundergerät endlich bei ihnen zuhause ankommt. Und ich bin auch überzeugt, dass (fast) alle Käufer sich heute, vor der Auslieferung, vorstellen, wie sie daheim surfen und alles flüssig von der Hand geht. Das lichtdurchflutete Wohnzimmer ist im Traum noch ein bißchen heller. Kinder mit Blumenkronen spielen vor lauter Freude Ringelreihe und lachen und tanzen. Es regnet Blumen vom H...

Schnipp - Zeit zum Aufwachen! Das Aakash-Tablet wird eher für Tränen sorgen. Für uns sind $50 noch zu verkraften. Bei sehr, sehr vielen Menschen in Indien war es wahrscheinlich eine wohl überlegte Entscheidung, bei der aber leider einiges an Hintergrundwissen gefehlt hat. Man hat sich vom Preis leiten lassen, in der Hoffnung, dass man ein Tablet in der Qualität eines iPads für einen Bruchteil des Preises bekommen kann. Ein Tablet ist, wie weiter oben ausgeführt, ein Luxusgut. Luxusgüter haben fatalerweise die Eigenschaft an sich, dass sie die Ratio der Menschen ausschalten können. Selbst wenn $50 in Indien auch preislich gesehen Luxus bedeutet - es wäre, wie wenn man einen neuen BMW für 1000 Euro anbieten würde. Erwarten sollte man bestimmt nichts.

Was für mich bleibt ist der Ärger über einen Anbieter, der so etwas auf Menschen loslässt, die sich eine Menge von diesem Gerät erhoffen und eine echte Kaufentscheidung treffen mussten. Ich halte es für lobenswert erschwingliche Geräte zu bauen. Zum Beispiel richtig günstige Smartphones. Damit kann man in jedem Falle telefonieren und auch E-Mails checken bzw. surfen. Wo aber soll der Sinn eines komplett "untermotorisierten" Tablets liegen? Wahrscheinlich mussten einfach nur die alten Bauteile aus irgendeiner Konkursmasse verbaut werden.

Dazu fällt mir nur ein:

Was für ein großer Bullshit!

 

56 Kommentare

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  • @marius.v.sch
    Wenn Du das günstig abtreten möchtest, dann her damit, ein 500GHz Tablett klingt beeindruckend :) Kommt das mit Kühltürmen?
    Schönes Ding ;)

  • Also das Hotel bei dem ich gerade ausgecheckt habe setzt auch ein Billigtabllet ein. Die Putzfrau geht damit von Zimmer zu Zimmer und hakt Ihre Checkliste ab. Dafür wohl vollkommend ausreichend und da ist so ein Tablet durchaus in dieser Kategorie von Nutzen und muß kein Galaxy oder Xoom sein,

  • mein tablet hat einen 500Ghz prozessor und sonst auch so änliche ausstattung und er leuft auf android 2.1 zimlich gut.

  • Auf meinem Intel P75 lief Win95b ohne Probleme, inklusive WinQuake in 320x200@Fullscreen und 38FPS (ISA Grafikkarte mit 1MB Ram). Mein P100 schaffte 25FPS bei 640x480, gleiche Grafikkarte. Warum sollte man mit einer 300MHz+ CPU nicht arbeiten können? Ich habe auch mit meinen frühen Nokias mit WAP gesurft und konnte damit arbeiten, ganz ohne Touchscreen. Ich verstehe den GHz-Hype nicht. Erstmal das Gerät wirklich testen bevor man sich darüber auslässt? Ich meine das die minimale CPU Leistung von Froyo 200Mhz ist, dazu 32MB RAM und 32MB Flash.
    Macht Spaß Asphalt 6 auf dem SGS2 zu spielen, aber von einem 7" 300MHz Tablet für 50$ erwarte ich das es grad eben so das schafft was man davon erwarten kann, Benutzbarkeit mit mäßigem Komfort. Könnte reichen, grad wenn man sich nichts besseres leisten kann ist es doch super überhaupt eine Wahl zu haben.

  • Wenn ich bedenke dass das erste iPhone/iPod Touch einen auf 420 mhz getakteten Prozessor drin hatten und was die Teile schon konnten, kann ich mir gut vorstellen dass das Tablet schon einiges mehr kann als sich die Bullshit-schreier vorstellen. Man muss ja nicht ICS/HC drauf laufen lassen. Wenn man das Betriebssystem gut anpasst kann es auch mit einer halbwegs vernünftigen Geschwindigkeit rennen.
    Der resistive Touchscreen muss auch nicht so verteufelt werden, es gibt einige Handys die resistive Bedienung haben, aber trotzdem muss man nicht das Plastik einhauen wenn man navigieren will.
    Der RAM is im Verhältnis zum Prozessor vernünftig dimensioniert.
    Und ich glaube in so einer Preisklasse dürfte den wenigsten die minimale Auflösung stören.
    Solange man es nicht in der Hand hatte würde ich das Teil nicht verteufeln. Es kommt nicht immer auf die Specs an.

  • @ Alex - Nach wie vor auch Indien gönne ich Tab's.

    Ok, was ich vorher nicht bedacht habe, das lesen von EBooks, dürfte ja ganz gut darauf klappen.
    Ich versteh dich schon, allerdings frage ich mich bei den Spec's wirklich wie gut kann man damit arbeiten, wie lange kann man damit arbeiten, was läuft überhaupt darauf ....
    50 € sind dort viel Geld, wenn das Gerät nichts leistet ist das raus geworfenes Geld.
    Und der Pc Vergleich, nunja mein 486 DX4 100 war damals Top, mitunter auch weil die Programme, Dateien, Internetseiten blablub nicht so aufwendig waren wie heute.
    Ich merke das beispielsweise am Milestone, das manche Anwendungen einfach zu viel für den kleinen sind. Ebenso ist dann hier die Frage interessant ist die Froyo besser an das Gerät angepasst?

    So platt das auch klingen mag, natürlich ist Android eine Marke. Eine Marke die durch die Hersteller genaugenommen beworben wird, wenn das Device mit solchem läuft.

    Natürlich, sollte es dort ein auch ein Gerät geben das günstig ist und einen Nutzen verspricht.

    http://www.zeit.de/digital/mobil/2012-01/one-laptop-per-child-tablet-xo3
    Als beispiel mal eingebracht.

    Interessanter wäre es doch wenn Top Fabrikanten ein Gerät für unter Hundert Euro entwickeln würden was ein wenig mehr zu bieten hat.

  • Peinlicher Beitrag. Wird bei euch in der Redaktion gar nicht kurz reflektiert, bevor so ein Kram veröffentlicht wird? Sogar noch einen schönen "Bullshit"-Stempel gesucht... Ihr lacht bestimmt auch über die Schuhe, die in Indien getragen, die Mofas, die dort gefahren, die Häuser, die dort gebaut und das Essen, das dort gegessen wird. Was für Maßstäbe legt ihr denn an? Ziemlich beschränkter Horizont, diese Bashing-Beiträge. Auch viele Kommentare übrigens...

  • Hhrlich gesagt konnte ich Fabian's Artikel noch nie wirklich leiden, aber ich nehme an, dass das daran liegt, dass sie generell eher polarisierend sind. Mir kommen sie aber oft arrogant und nur so strotzend vor Halbwissen vor. Der hier setzt aber allem nochmal die Krone auf.
    Jaja, ich weiß das hier ist nen Blog und keine Fachzeitschrift etc, aber den Anpruch über Bild-Niveau zu schreiben sollte man doch schon noch haben.
    Was hier für Mutmaßungen angestellt werden (nicht nur in diesem Artikel) über Entwicklungsländer ist echt nur zum Kopfschütteln. Ich nehme an du warst noch nie in Indien...
    Ich erwarte auch nicht von jedem, dass er sich mit Leichtigkeit auf dem Gebiet bewegt, aber wie hat Dieter Nuhr es mal passend auf den Punkt gebracht?! "Wenn man keine Ahnung hat einfach mal die Fresse halten"...

  • @Daniel S. Sorry aber nur weil manche die Angst haben das es Android selber schaden könnte keins anbieten in Indien?

    Ich frage mich langsam was ich damals nur mit meinem 80 MHz PC gemacht habe der ruckelte auch und doch hat er Funktioniert! Wie geagt Sufen wird gehen apps werden auch drauf laufen usw. also fast alles was ich auch jeden tag mit meinem 1 GHz Tablet mache, nur eben nicht so schnell.

  • absolut rene denkewitz' meinung. der artikel hat schwach angefangen und stark nachgelassen. schlechter Journalismus hier.

    ... und marc sollte man das internet sperren bitte^^

  • Ich behaupte, daß auch der Inder ein Mensch ist - egal wieviel er verdient!

    Und an den wenigsten Menschen, deren Länder Anschluss an die westliche Welt haben, geht der technische Fortschritt vorbei (nichtmal an den Anderen). Ich halte es für blauäugig zu behaupten, ein Tablet wäre ein purer Luxusartikel, weil es nicht den Mehrwert eines Mobiltelefons bietet oder so flexibel ist wie ein PC. Und ich glaube außerdem, daß man einem Menschen Bildung und Fortschritt nicht vorenthalten darf, wenn dieser Mensch genau das will.

    Okay, spielen wir das mal durch: Ein Inder will sich ein Netbook kaufen, das kostet bei uns rund 250€. Wenn 50 Euro fast einem halben Monatslohn entsprechen, sind dann 250 Euro etwa weniger? Adam Riese hilf!

    Weiterhin bin auch ich der Ansicht, daß man mit 300 Mhz durchaus noch was machen kann! Die Menschen nutzen das Gerät vielleicht nicht unbedingt nur zum Surfen im Internet, auch nicht nur zum Abspeichern von Adressen und Telefonnummern, nicht nur zum Schulbücher Lesen, nicht nur zum Rechnen und Emails Schreiben (neuartige Email-Clients erlauben das Speichern und spätere Senden von Mails - so kann man schreiben, auch wenn man gerade kein Netzwerk hat) - sondern für eine Mischung aus allem.

    Worauf im Blog auch nicht eingegangen wurde, ist die Softwareaustattung. Vielleicht ist eine kleine Textverarbeitung drauf oder 'ne Tabellenkalkulation?! Ach, egal. Hauptsache die Menschenrechtler bei AndroidPit haben einen SKANDAL aufgedeckt und das Schwein von Hersteller beim Namen genannt! Nehmt den Indern die Tablets ab - nicht daß sie doch ihren Spaß dran haben!

    Hey Schreiberling, Du bist kein echter Journalist, gell?!

    P.S. Ich schließe mich der Meinung von Florian W. an.

  • Fabien Roehlinger
    • Admin
    • Staff
    01.02.2012 Link zum Kommentar

    @Paul B.: Das ist ja eben die Frage! Ich wage zu bezweifeln, dass Android 2.2 da ordentlich drauf läuft. Klar geht das irgendwie. Aber es wird richtig schlecht werden.

  •   7

    Mich würde mal echt interessieren, wie die auf dem Teil Android 2.2 zum Laufen kriegen wollen.
    Mein HTC magic hatte damals 528MHz und da lief schon Android 1.6 nicht mehr 100% flüssig. Von 2.2 mal ganz zu schweigen.

    Klar hat es alles funktioniert, aber man brauchte teilweise schon echt gute Nerven.

    Das ist eine rein technische Frage und hat nichts mit dem Preis zu tun. Gibt es nicht auch bestimmte Mindestanforderungen für Android?

  • @ Alexander - Das hat damit nicht zu tun!!!
    Vielmehr erklär mir bitte, was für ein Nutzen ein Tab mit diesen Specs hat ?? Was kann man damit sinnvolles machen ?
    Billig schõn und gut ( Dort is das allerdings das viel Geld), aber das hat absolut Ramschniveau!

  • was ist der marc bitte für ein lustiger troll :D
    im klugscheissen failen ist immer das beste :>

    @markus k.
    ka was für ein problem du mit deinem hero hattest, meins lief bis ich es gg ein note getauscht hab ohne große ruckler......ist halt eine sache den ram nicht zu zu müllen und ein gescheites rom mit app2sd+ zu finden.

  • @Marc: Dass ausgerechnet Du Dich über Leute beschwerst, die evtl. mal einen kleinen Rechtschreibfehler in ihre Kommentare einbauen, ist schon ein echter Witz. Denn wenn hier jemand wirklich gar keine Ahnung von deutscher Rechtschreibung und Interpunktion hat, dann bist es ja wohl eindeutig Du.

    Abgesehen davon finde ich es prima, dass Menschen in den Emerging Markets eine Möglichkeit bekommen das Internet für sich zu entdecken. In Indien werden auch PKW´s verkauft, die umgerechnet weniger als 2.000€ kosten. Diese Fahrzeuge dürften hier vermutlich nicht einmal zugelassen werden, aber in Indien fördern sie die Mobilität und das ist gut so!

  • @Marc und ausserdem meinte er nicht hättest, sondern hatest! Englisch.... Verstehst du? Wird dann haitest gesprochen. Aber Naja, immer groß aufmucken hier...

  • Vielleicht sollte Google ein Testcenter eröffnen und ein Paar unabhängige Tests über die Geräte laufen lassen. Dann gibt es den Goldenen Andy als Bewertung undso...
    Für die Geräte die ihn dann haben wäre das bestimmt super Werbung: ,,Google verifiziert und getestet! Bewertet mit Bestleistung, dem goldenem Android Andy!"
    Das würde bei den Leuten zumindest das denken anregen, vielleicht. :D

  • Die Leute müssen keine "Kaufentscheidung treffen". Es mangelt an Alternativen, ergo bleibt nur das Akash.

    Und von einem verantwortungslosen Hersteller kann man auch nicht wirklich sprechen. ̶d̶̶e̶̶r̶ das Gerät wurde im Auftrag der regierung entwickelt. Auch subventioniert die Regierung Indiens die Geräte für Schüler und bildungsschwache Familien!


    Ich find das Ding ne gute Sache!

  • Danke für den Artikel, Fabien. Ich fand ihn interessant.

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