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Kommentar 4 Min Lesezeit 10 Kommentare

Googles Ethik für die AI-Entwicklung: Der falsche Anführer

Es ist eine der wichtigsten Technologien, welche die Menschheit je entwickelt hat, und sie steckt noch immer in den Kinderschuhen. Die Rede ist von der Künstlichen Intelligenz, abgekürzt auch KI oder AI, vom englischen Artificial Intelligence. Viele Wissenschaftler und Unternehmen forschen daran und entwickeln die KI weiter. Nun hat Google einen ethischen Rahmen dafür definiert - ausgerechnet Google.

Die Sache hat etwas von Pioniergeist. Es ist ein wildes und noch immer weitgehend unerforschtes Land, in dem sich die KI-Forscher bewegen, und allzu viele Regeln gibt es nicht. Verwunderlich eigentlich, wo doch immer mehr Menschen über die Künstliche Intelligenz reden, immer mehr Firmen damit werben und - auch das gehört dazu - immer mehr Menschen eine mehr oder minder diffuse Angst vor dem Unbekannten, das da auf sie zu kommt, entwickeln.

Google hat nun seinen Ethik-Kodex für die KI-Forschung veröffentlicht. Allerhand schöne Dinge sind in dem Pamphlet zu lesen. Zum sozialen Wohl soll die AI-Forschung dienen, Vorurteilen entgegen treten, natürlich sicher und umfangreich getestet sein und die Privatsphäre ebenso respektieren wie hohe wissenschaftliche Standards. Die kompletten AI-Prinzipien listet Google auf dem offiziellen Unternehmensblog auf.

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Steht der Mensch im Mittelpunkt oder der Geist der Maschine? / © AndroidPIT

Die Künstliche Intelligenz braucht Grenzen

Zunächst einmal das Offensichtliche: Natürlich ist es gut und richtig, das Thema Künstliche Intelligenz, das auf allen Gebieten immer mehr Fahrt aufnimmt, unter anderen Gesichtspunkten zu betrachten als bisherige technische Entwicklungen unserer Zeit. Das ist schon allein deshalb notwendig, weil sich AI in alle Lebensbereiche ausbreiten wird, daran haben sämtliche Fachleute keinerlei Zweifel.

Auch gefallen mir die allermeisten Punkte auf Googles Liste ziemlich gut, sie umreißen klar die Fragen, die sich in Zusammenhang mit AI-Forschung stellen und setzen meist sinnvolle Richtlinien.

Trotzdem habe ich ein Problem damit, wenn Google hier vorneweg marschiert und seine eigenen Grundsätze aufstellt. Sicher, Google ist eines der größten und wichtigsten Technologie-Unternehmen weltweit, und es nimmt eine herausgehobene Stellung auch in der AI-Forschung ein.

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Die Maschine macht sich selber schlauer - auch schlauer als der Mensch? / © AndroidPIT

Ein Alleingang ist der falsche Weg

Doch mit so einer Erklärung setzt Google einen Eckpfeiler in eine Diskussion, die eigentlich an anderer Stelle geführt werden müsste. Google ist ein privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen. Die Künstliche Intelligenz ist aber zu wichtig und zu tiefgreifend, als dass man deren Rahmenbedingung einem auf Gewinn ausgerichteten Unternehmen überlassen darf. Hier müssen internationale Wissenschaftsverbände und Regierungen zusammenarbeiten, um nicht nur einen Rahmen und Regularien festzulegen, sondern darüber hinaus auch Maßnahmen dafür, diese einzuhalten und durchzusetzen. Die Richtlinien eines einzigen Unternehmens, veröffentlicht als simpler Blogpost, sind der falsche Weg.

Man sollte nicht vergessen, dass Google sich hier heraus nimmt, selbst zu beurteilen, ob etwa die möglichen Vorteile einer Entwicklung die Risiken und Gefahren übersteigen. Der Internet-Riese stellt sich dabei explizit als entscheidende Instanz hin, die beurteilt, ob eine bestimmte Richtung der Forschung weiter verfolgt werden soll oder nicht. Das ist zumindest fragwürdig. Auch die Anmerkung am Ende der Erklärung, man werde "im Zuge des Fortschritts der KI-Technologien mit einer Reihe von Teilhabern zusammenarbeiten, um eine durchdachte Führung in diesem Bereich zu fördern", drückt für mich ein überzogenes Bild der eigenen Kompetenzen aus.

Das Militär wird mitreden wollen

Ich halte Google zugute, dass der AI-Kodex etwa die Entwicklung von AI für Waffentechnologien ausschließt (aber auf anderen Gebieten explizit weiter mit Regierungen und dem Militär kooperiert). Klingt gut, aber mal ehrlich: Wie gut hat das in der Geschichte der Menschheit bisher funktioniert, eine Technologie zu entwickeln, die für militärische Zwecke hervorragend geeignet ist, aber nicht dazu benutzt werden soll? Genau. Auch betont man in dem Dokument, weiterhin die eigenen Erkenntnisse teilen zu wollen, damit die AI-Technologie davon profitiert. Gut so, aber beides sollte selbstverständlich sein.

Vergessen wir nicht: Google ist kein Weltenretter. Es handelt sich hierbei um ein riesiges Unternehmen, das mehr Daten über die Menschen auf dieser Welt besitzt als alle anderen, und das ein Ziel hat: Gewinn. Immer wieder versuchen staatliche Stellen, Google mit Regeln, Gesetzen und im Zweifel sehr hohen Strafen einzufangen. Es deutet in meinen Augen nichts darauf hin, dass das dauerhaft gelingt. Da ist ein wenig Skepsis, wenn sich ausgerechnet dieses Unternehmen die Richtlinien der AI-Forschung auf die Fahnen schreibt, durchaus angebracht.

Was haltet Ihr von Googles neuem AI-Kodex? Diskutiert mit mir in den Kommentaren.

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10 Kommentare

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  • Der Kommentar ist nicht wirklich ernst gemeint oder?
    Welchen Sinn hat es Google dafür zu kritisieren das der Konzern jetzt schon eigene Richtlinien festlegt wenn es an den eigentlich verantwortlichen Stellen noch gar keine gibt?
    Google könnte ja auch darauf verzichten und KI solange ohne Regeln gewinnträchtig ausschlachten bis die verantwortlichen Regierungen entsprechende verbindliche Regelungen verfassen. Das das noch Jahre bis Jahrzehnte dauern wird bis unsere politischen Technik Legastheniker soweit sind habt ihr dabei wohl völlig aus den Augen verloren.
    Man sollte Google eigentlich für diesen Schritt loben und nicht kritisieren, denn niemand sagt das Googles Richtlinien allumfassende weltweite Gültigkeit haben.
    Statt dessen solltet ihr alle Unternehmen scharf kritisieren die dazu noch keine Richtlinien festgelegt haben und somit unkontrolliert machen können was wir wollen.


  • Also, ob ich jetzt die GI-E (Google-Intelligenz-Ethik durch z.B. eine MI-E (Merkel-Intelligenz-Ethik), oder TI-E (Trump-Intelligenz-Ethik) (bezogen auf Regierungsbeteiligung) bevorzugen würde...?
    Wahrscheinlich nicht. Was mit Regierungsbeteiligung schief laufen kann sieht man bei Facebook u. dem NetzDG wo nun ein Privatunternehmen die Jurisdiktion übernommen für die politische Begriffserfindung "Hassreden" (undefiniert) hat, was rechtlich überhaupt nicht zulässig ist.
    Auf der anderen Seite ist es natürlich berechtigt sich zu fragen ob Google sowas alleine vorgeben darf. Momentan lese ich das aber nur wie eine Google Ethik. Andere haben dann evtl. eine andere Vorstellung die sie vielleicht auch noch veröffentlichen...


  • Sorry, hier Google zu kritisieren ist jawohl nicht euer Ernst! Es ist richtig, dass Unternehmen sich selbst reglementieren. Bei so großen wie Google, darf oder muss das sogar veröffentlicht werden.
    Kritisieren könnt ihr eher die Politik, und zwar international. Weder unsere Regierung noch G8, EU oder wie sie alle heißen, vielleicht sogar die Nato wenn es militärische Einsatzzwecke betrifft, müssten hier längst gehandelt haben. Jedoch ist bei keinem der genannten in irgend einer Weise in Kürze mit einer Reglementierung zu rechnen. Um so höher ist es Unternehmen anzurechnen, wenn sie sich Mangels staatlicher Regeln eigene aufstellt. Das zu kritisieren Grund verkehrt. Wo Google sonst, oft zurecht, kritisiert wird, sollte hier betont gelobt werden. Stattdessen lese ich hier Google-Bashing. Unglaublich


    • Wofür willst du sie denn loben? Dafür, dass eine Marketingabteilung ein paar Versprechungen aus leeren Worthülsen zusammengestellt hat? Das ist deren Job. Loben kann man Google dann, wenn sie auch danach handeln und zeigen, dass sie es ernst meinen. Wenn Google sich gegen die Rüstungsindustrie stellt und seine Regeln durchsetzen möchte, dann erst ist Lob angebracht. Ich fürchte allerdings, das wird nie passieren.

      H G


    • @Dascha Krönke
      Sehr gut geschrieben, das sehe ich ganz genauso.
      In diesem Fall scheint mir die Kritik an Google wie eine schlechte Satire.


    • @Sascha
      Es ist ziemlich Naive zu glauben das sich Firmen wie Google/Facebook/Amazone/WhatApp/Microsoft u.s.w an irgend welche selbsterstellten Richtlinien halten wenn es dem Firmenziel im Weg steht !


  • Lefty vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    Eventuell sollten wir der "nativen" Intelligenz wieder einen größeren Stellenwert einräumen, bevor wir für die K. I. eine Ethik definieren.

    J. G.


  • J. G. vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    Völlig egal, wer welche "Ethik" postuliert- die Politik, welche letztlich die Gestaltungshoheit gesellschaftlicher Kultur innehalten sollte, besteht aus gierigen Hofschranzen, Technik-Legasthenikern, korrupten Lobbyisten-Vasallen und verbeamteter Verblödung. Eine Ethik-Kontrolle ist von dort nicht zu erwarten. Bereits heute ist die (deutsche) Strafrechtsprechung heillos mit dem Internet und dessen Deutungs-Dimensionen überfordert!
    Ob Google, Amazon, Zuckerberg, Kim Yong-Un, VW oder die Camorra eine "Ethik" auf den Fahnen hat- der Mensch ist des Menschen Wolf! Und Geld ist der Gott in der Ära des Kapitalozäns....


    • Bin sonst nur einer der die Community mit Begeisterung liest,aber der zweite Kommentar war wirklich gut.Ich verfolge Euch wirklich gerne;hab auch schon ne Menge gelernt von Euch.Danke an dieser Stelle.


  • Ich teile deine Bedenken, Steffen. Google ist nicht der Weltverbesserer, warum hätte man sonst das gute alte "Don't be evil" unlängst zu Grabe getragen.
    Ich denke, Google möchte mitspielen und KI künftig mit dem Namen Google in Verbindung bringen. Wenn die Regeln akzeptiert werden - und das werden sie, so allgemein wie sie gehalten sind - werden diese künftig immer wieder genannt werden, wenn es um KI geht. Selbst wenn Google auf dem Gebiet kaum etwas leisten sollte. So wie Asimov nie einen Roboter gebaut oder programmiert hat und sein Name trotzdem aufgrund von ein paar einfachen Regeln mit Robotik verbunden ist, so möchte Google sich ebenfalls als Pionier für die Nachwelt erhalten sehen. Marketing und Geltungsdrang, nicht mehr und nicht weniger.

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