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Google Tango vs. ARKit: Warum Google die erste Runde im AR-Kampf verloren hat

Google hat endlich ein zweites Tango-fähiges Smartphone auf dem Markt: Das ZenFone AR. Die Apps machen im Test Spaß, zeigen aber auch die Einschränkungen. Und dann ist da noch der hartnäckige Konkurrent Apple, der mit einem Wisch die Vorzeichen ändert. Welche Zukunft hat Tango? Wie eindrucksvoll ist ARKit wirklich? Wir haben uns mit dem ZenFone AR auf eine Spurensuche begeben.

Was ist Tango überhaupt?

Tango ist Googles Plattform für Augmented-Reality-Anwendungen. Im Wesentlichen geht es also darum, digitale Objekte in die reale Landschaft zu pflanzen. Sichtbar sind diese Objekte dann auf dem Smartphone-Display. Der Clou: Natürlich folgen diese Gegenstände der Bewegung und sind so nahtlos in die Umgebung integriert.

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Augmented Reality ist nur durch das Smartphone zu sehen. / © AndroidPIT

Manche Szenarien sind noch Zukunftsmusik, aber vielleicht schon bald real: Mit einer App könntet Ihr in einem Restaurant Notizen für Freunde hinterlassen oder der Betreiber könnte Euch die Gerichte auf der Karte als 3D-Animation präsentieren. Mit einer Smartphone-App wären aber natürlich auch digitale Einkaufsführer denkbar, wie sie beispielsweise Saturn mit der HoloTour entwickelt hat.

Jetzt hat Tango seinen zweiten Auftritt in einem Consumer-Smartphone hingelegt. Das ZenFone AR zeigt, was in der Plattform steckt. Wir haben uns einige Apps und Spiele vorgeknöpft, die nur für Tango-Phones verfügbar sind.

BMW i Visualiser: So kommt der BMW ins Wohnzimmer

BMW hat innerhalb kürzester Zeit eine Tango-App entwickelt, die einen BMW in den Vorgarten stellt. Oder ins Wohnzimmer. Oder wohin auch immer. Der Use-Case leuchtet zunächst nicht sofort ein, aber schnell zeigt sich, warum Augmented-Reality-Anwendungen so interessant sind. Denn durch das Smartphone-Display betrachtet steht plötzlich tatsächlich ein BMW vor mir. Entweder ein i3 oder ein i8. Stefan Biermann, Leiter Innovationen Vertrieb, sprach mit uns über einige Hintergründe der BMW-App. An der App arbeite seine Abteilung seit rund einem Jahr.

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Ein BMW im AndroidPIT-Büro / © AndroidPIT

Aber wo ist nun der Anwendungszweck? Biermann erzählte uns, er habe auf einer Verkaufsleiterveranstaltung einen Prototypen der App gezeigt. Sofort habe allen Anwesenden eingeleuchtet, wo der Mehrwert einer solchen Präsentation liegt. Schließlich kann ein Händler mit dem i Visualiser seinen Kunden sofort unterschiedliche Farbkombinationen des Autos vorführen. Und diese muss nicht einmal im Laden stehen - gerade mit dem ZenFone AR sieht das gerenderte Auto immens schick aus.

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Wie kommt denn der BMW auf den S-Bahn-Steig? / © Screenshot: ANDROIDPIT

Wäre nicht Virtual Reality die bessere Alternative? Dank des ausgefuchsten Trackings ließe sich ein Auto so in jede beliebige Szenerie einbetten. Biermann wiegelt ab: Kunden würden sich gerade in den Verkaufsräumen unwohl dabei fühlen, eine VR-Brille aufzusetzen. Mit einer AR-Anwendung hingegen sieht das ganz anders aus: Hier dient lediglich das Smartphone als Fenster in die imaginäre Welt und der User - in diesem Fall am liebsten: der Käufer - hat stets die Kontrolle und hat ein Gefühl für seine Umgebung. Würde BMW also auf VR-Plattformen wie die Vive setzen, müsste der Hersteller wohl abgeschlossene Räumlichkeiten dafür anbieten. Da ist die AR-App viel genügsamer. Sie erfordert nur einige Quadratmeter freie Fläche.

Allerdings ist der Aufwand für die nötigen 3D-Modelle enorm. BMW verfüge zwar über die Daten, diese müssten allerdings für die AR-App umgerechnet werden und in die App implementiert werden. Zur Zeit sei dabei noch viel Handarbeit gefragt, einfach, weil die Augmented-Reality-Entwicklung noch in einem frühen Stadium sei. Auch die Größe der dreidimensionalen Modelle sei ein Problem. Würde BMW die ganze Auto-Palette in den Visualiser bringen, kämen schnell mehrere Gigabyte zusammen.

BMW i Visualiser Install on Google Play

American Museum of Natural History lässt Dinosaurier auferstehen

Wie lässt sich AR für Bildungszwecke nutzen? Das American Museum of Natural History hat sich etwas ausgedacht. Mit der App lassen sich Dinosaurier in die Umgebung einsetzen. Leider sind die dreidimensionalen Modelle recht schlicht und nicht texturiert, was der App Minuspunkte einbringt. die Dinosaurier sind allerdings ein wenig animiert und bewegen sich etwas. Schade ist, dass es den Entwicklern nicht einmal gelungen ist, eine kurze Audiospur mit Informationen zu den Urzeittieren zu erstellen - von einer interaktiven Demo ganz zu schweigen.

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Keine Angst, der Dino will nur spielen. / © Screenshot: ANDROIDPIT
Dinosaurs Among Us Install on Google Play

Tango Trails: Durch den Zuckerdschungel

Müssen Spiele immer eine ausgefeilte Story haben oder gar einen Sinn ergeben? Sicher nicht. Candy Trails ist eines dieser Spiele. Los geht es, indem zunächst der Raum gescannt werden muss. Damit erfasst Candy Trails die Spielfläche. Getan. Jetzt fordert mich das Spiel auf, zu einem Lollipop zu gehen. Ok. Ich suche den riesigen Lutscher, gehe hin und tappe auf das Display. Und zum nächsten Lolli. Na gut. Das Spiel scheint ziemlich langweilig. Endlich mit der dritten Lolli erschließt sich mir der Sinn: Denn jetzt darf ich in keine Hindernisse laufen, die plötzlich in Form von Zuckerstangen auftauchen. Ziel ist es, zu so vielen Lollis wie möglich zu gelangen. Candy Trails ist sicher nicht mehr als ein Zeitvertreib, aber eine sehr interessante Demonstration, welche neuen Gaming-Konzepte mit AR möglich sind.

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Das Zuckerlabyrinth von Tango Trails. / © Screenshot: ANDROIDPIT
Tango Trails Install on Google Play

Domino World: Stein um Stein

Dominosteine zu riesigen Bahnen aufbauen ist nicht nur zeitraubend, sondern auch nervtötend: Jeder einzelne Stein erfordert volle Konzentration, sonst fällt einer um und all die Mühe war für die Katz. Mit einem AR-Spiel passiert das natürlich nicht. Mit dem Domino-Spiel könnt Ihr eigene Bahnen auf dem Boden aufbauen, unterschiedlich gefärbte Steine verwenden, Hindernisse einbauen oder besondere Aktionen in die Bahn integrieren. Schade ist, dass es keine Möglichkeit gibt, reale Hindernisse mit in die Bahn einzubauen.

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Steine fallen, aber nur virtuell / © Screenshot: ANDROIDPIT
Domino World Install on Google Play

Konkurrenz zeigt Beeindruckendes - ganz ohne Sensoren

So beeindruckend wie manche Tango-Apps auch sind: Die Konkurrenz schläft nicht. Schien es vor zwei, drei Jahren noch klar, dass AR-Apps Hardware-Support à la Tango benötigen, so haben Facebook, vor allem aber Apple das Gegenteil bewiesen. Ganz ohne zusätzliche Hardware-Sensoren kann beispielsweise das jüngst vorgestellt ARKit von Apple präzise das Kamerabild des Smartphones auswerten. Auf der Keynote zeigte Apple ein beeindruckendes Spektakel auf dem Tisch - zu sehen mit einem handelsüblichen iPad.

Und in den vergangenen Tagen zeigte sich: ARKit hält, was es verspricht. Viele Demos beweisen eine beeindruckende Präzision. Und mit iOS 11 erhalten alle iPhones ab der Generation 6S, iPad-Pro-Tablets sowie das jüngst vorgestellte iPad (fünfte Generation) die vollen Fähigkeiten von ARKit.

Google hingegen hat zuletzt vor allem die Plattform Tango vorangetrieben. Die kann sich technisch durchaus sehen lassen und ist doch im Nachteil: Smartphones sind knapp kalkuliert. Jede Komponente kostet extra. Werden wirklich schon in zwei Jahren 50 Prozent aller Android-Smartphones mit Tango-Sensoren ausgestattet sein, wie mancher träumt? Ich wage das angesichts der knappen Margen bei Android-Smartphones zu bezweifeln.

Im Test zeigte sich auch, dass Tango zwar einen guten, aber eben auch keinen sehr guten Job macht. Ja, Tango arbeitet präzise, aber es gelingt nicht, die Objekte tatsächlich dreidimensional in die Umgebung zu platzieren. Bei allen von mir getesteten Apps bleibt die Augmented-Reality-Ebene ein Overlay über dem Kamerabild. Dort also, wo die AR-Inhalte überdeckt werden müssten, überdeckt die AR die Realität.

Übermäßig relevant muss das gar nicht sein. Denn wer einfach ein AR-Bildchen an die Wand hängen möchte, braucht sich über solche Fragen nicht den Kopf zu zerbrechen. Aber das Problem ist ja: Das bekommen andere AR-Plattformen auch ohne zusätzliche AR-Sensoren hin. Oder man nehme die App 1600, die aus einem Dollarschein eine Geschichtsstunde zaubert. Das alles, ohne einen einzigen Sensor.

1600 Install on Google Play

Google Tango: Die Plattform hat ein Problem

Augmented Reality ist im Allgemeinen ein sehr spannendes Feld. Noch ist nicht alles perfekt, vor allem müssen neue Usability-Konzepte her, denn komfortabel sind gerade die komplexeren Apps meist nicht.

Google Tango im Speziellen startet aber unter schlechten Vorzeichen. Schon die Facebook-Demonstrationen auf der F8 kamen Tango-Technologien sehr nahe, Apples ARKit setzt dem allem Anschein nach noch einen drauf. Das Problem: Apple hat Augmented Reality in Software ermöglicht, Google hingegen hat lediglich eine Hardware-Lösung. Hardware aber lässt sich nicht nachrüsten.

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Google Tango vs. ARKit: Die erforderlichen Kameras sind das Problem von Tango. / © AndroidPIT

Für Augmented-Reality-Anwendungen auf Android ziehen düstere Zeiten auf. ARKit wird schon bald eine immense installierte Basis haben, was für App-Entwickler entscheidend ist. Tango ist nur für einen sehr exklusive Nutzerkreis verfügbar. Alleine die Verbreitung wird Tango den Boden unter den Füßen wegziehen - ganz real. Tango müsste schon erhebliche Mehrwerte bieten, um gegenüber einer Software-Lösung bestehen zu können.

Inwiefern Google seine Tango-Plattform weiterentwickeln wird, steht aktuell in den Sternen. Soll Android in puncto Augmented Reality nicht den Anschluss verlieren, so muss Google eine Alternative zu ARKit entwickeln. Meine Wette ist, dass im Google Headquarter schon fleißig daran gearbeitet wird.

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Tango ist gegenüber ARKit im Nachteil. / © AndroidPIT

Software heißt die einzige Hoffnung für Tango

Immerhin nutzen sowohl ARKit als auch Tango punktuell die gleichen Sensoren: ARKit weiß über die Lage des Smartphones im Raum dank Lage- und Beschleunigungssensoren bescheid. Diese nutzt aber auch Tango. Google muss also einen Weg finden, die Tiefenwahrnehmung alleine mit der Smartphone-Kamera vorzunehmen. Spannend wird sein, wie aufwändig das tatsächlich ist: Ein Entwickler verriet uns, dass die meisten Tango-Apps den Raum nur einmal mit der Time-of-Flight-Kamera ausmessen, sich danach aber mit den Lagesensoren des Smartphones begnügen. Sprich: Auch Tango-Apps arbeiten weitgehend in einem Modus, der dem von ARKit ähnelt.

Gelingt Google die Transformation von Tango in eine Software-Lösung, so kann Google auf einen Erfolg hoffen. Die Konkurrenz aus dem Hause Apple dürfte aber einstweilen davonmarschieren.

Das ist übrigens eine schlechte Nachricht für die ganze Android-Plattform: AR-Anwendungen werden in den nächsten Jahren zu den Highlights der Neuvorstellungen zählen. Stand jetzt werden Android-User nur selten davon profitieren können. Google steht unter Zugzwang.

Habt Ihr Euch einige AR-Demos mal angesehen? Was haltet Ihr von dem Thema? Lasst es mich mit einem Kommentar wissen!

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18 Kommentare

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  •   19
    Tom vor 5 Monaten Link zum Kommentar

    Der AR Bereich wird in den nächsten Jahren das aller wichtigste bei nem Smartphone werden und Apple ist jetzt schon so viele Schritte voraus das google usw keine Chance haben und bekommen werden. Da müssten sie ihre Software grundlegend überarbeiten und das machen sie nicht


  • Tenten vor 5 Monaten Link zum Kommentar

    Sehr guter und ausführlicher Artikel, vielen Dank. Noch ist AR ja nur eine Spielerei, man probiert aus und geht erste Schritte. Aber das Potential ist gigantisch und geht weit über Spielereien und Spiele hinaus. Wer sich nicht vorstellen kann, was damit alles möglich sein wird und es heute als Blödsinn abtut, hat meiner Meinung nach auf einem Techblog nichts verloren.
    AR wird natürlich nur so gut sein, wie die Software und die Apps dafür. Diese Software wird aufwendig in der Herstellung sein, deswegen wird IOS hier die Nase vorn haben, wie es ja heute auch schon der Fall ist. Gute Entwickler werden sich vermutlich stärker auf IOS konzentrieren. IOS kann mit Tablets und Watches umgehen, Android nicht wirklich. ARKit ist Googles Lösung überlegen, Google muss aufholen. Und ich fürchte, damit werden sie wieder scheitern, wie schon so oft.


  • Takeda vor 5 Monaten Link zum Kommentar

    Tanze Tango mit mir, Tango die ganze Nacht 😂. Also so schlecht ist es nicht, wenn man nicht wieder ein Handy braucht das sowas kann. Mal sehen ob es sich durchsetzten kann, welches System mehr Zukunft hat.


  • Tim vor 5 Monaten Link zum Kommentar

    Tango ist im Vergleich zu Apples Lösung ein schlechter Witz, nichts weiter. Tango braucht spezielle Hardware und solange das der Fall ist, wird Tango niemals auch nur ansatzweise irgendwas werden.
    Und wie ich Google kenne werden die das auch niemals hinkriegen.


    • Moritz
      • Mod
      • Blogger
      vor 5 Monaten Link zum Kommentar

      Google wird das bestimmt hinbekommen wenn sie es wollen. ;)
      Da bin ich auch deiner Meinung. Wäre Tango in jedem Android Smartphone eingebaut, würde es sich sehr schnell verbeiten und wird dadurch auch bekannter.


      • Th K vor 5 Monaten Link zum Kommentar

        So wie Google Talk, Hangouts, Google+, Allo, Duo, Play Filme & Music?

        Alles (auch ehemals) vorinstallierte Dienste, die trotzdem unter "ferner liefen" ihr Dasein fristen und keine große Verbreitung haben. Nur weil etwas großflächig verfügbar und "trendy" ist, bedeutet das gar nichts.


    • Tango kann immerhin Entfernungen messen, das konnte ich aus den AR-Kit-Beispielen nicht entnehmen, ich wüsste auch nicht, wie das mit einer einzelnen Kamera gehen soll.
      Dass AR auch ganz ohne Spezialhardware und sogar spezielle Betriebssystemunterstützung funktioniert, hat ja schon das Spiel "Pokemon Go" gezeigt, und es sollte eigentlich keine zwingende Gründe geben, Tango auch ohne ToF-Kamera zum Laufen zu bringen, nur dann eben auch ohne echte Entfernungsmessung (pro ToF-Pixel, also besser gesagt Tiefenmessung).
      Da es im Android High-End-Bereich im Jahr mindestens fünf bis sechs Modellwechsel (über alle Marken) gibt, kann Google auf eine schnelle Marktdurchsetzung der ToF-Hardware setzen, und sollte beim Pixel 2 mal mit gutem Vorbild voran gehen.
      Google hat einfach höhere Anforderungen für wesentlich leistungsfähigere AR festgelegt.
      Dass neue Hardware die ToF-Sensoren auch bekommt, würde allerdings wirklich interessante Anwendungen voraussetzen, die sie auch nutzen.
      Die nötige spezielle Hardware erzeugt also eine Henne-Ei-Situation, und ich denke, Google täte gut daran, Tango so umzubauen, dass die ToF-Hardware unterstützt, aber nicht zwingend vorausgesetzt wird.
      Solche interessanten Anwendungen kann ich derzeit unter allen Beispielen wirklich noch nicht sehen - nirgendwo, ob mit ToF oder ohne.


      • Tim vor 5 Monaten Link zum Kommentar

        Das ARKit kann ebenfalls Entfernung messen, sogar wesentlich besser, wie es scheint... du kannst irgendwo einen Punkt setzen, auch wenn du an diesem Objekt sehr nah bist, gehst dann irgendwo anders hin, setzt dort noch einen Punkt und es zeigt dir sehr präzise an, wie groß die Entfernung ist. Du musst die Distanz nicht einmal komplett mit der Kamera einfangen.


      • Die Frage ist nur, wie sie das machen, und ich sehe dazu eigentlich nur drei Möglichkeiten. So wie Du es beschrieben hast, könnte man die Messung mit den Daten des Beschleunigungssensors durchführen. Die Beschleunigung ist die zweite Ableitung des Weges über die Zeit, demzufolge müsste man das Signal des Beschleunigungsmessers doppelt integrieren, um die Weginformation daraus zu gewinnen. Das macht man tatsächlich, um in Navigationssystemen vom GPS abgeschattete Bereiche, wie in Tunneln, weiter erfassen zu können, oft in Verbindung mit weitere Sensorinformation, wie der vom Radsensor. Von daher weiss man aber auch, dass diese Wegmessungsmethode in der Genauigkeit sehr beschränkt ist. Dazu muss man sich über die Distanz tatsächlich bewegen, die Messung ist langsam, und sie erfasst nur eine Distanz.

        Eine zweite Methode, von der ich mit nicht sicher bin, ob sie wirklich praktikabel ist, könnte darin bestehen, die Fokuseinstellungen der normalen Kamera auszuwerten, um daraus eine Entfernung zu bestimmen. Dann müsste man den Weg zumindest nicht mehr durchlaufen, hätte aber ebenfalls nur die Distanz zu einem anderen Punkt, und die Messung wäre ebenfalls vergleichsweise langsam, bei größerer Distanz (Fokus im Unendlichen) zudem extrem ungenau bis völlig unbrauchbar.

        GPS selber als dritte Methode ist auf kurze Distanzen ungenau, und in Innenräumen oft nicht brauchbar, zudem muss die Distanz ebenfalls abgegangen werden.

        Das iPhone hat keine Ressourcen, Kamera, Entfernungsmesser, Drehratensensor, Magnetfeldsensor, über die nicht auch jedes Mittelklassen-Androidgerät verfügt, so dass man Entfernungsmessung auf diese indirekten Methoden auch mit jedem Androidgerät machen könnte. Und, darauf kann man Gift nehmen, den Google-Ingenieuren war bei der Spezifikation von Tango bewusst, dass es diese Möglichkeiten gibt.

        Eine ToF-Kamera kann sehr viele Entfernungsmessungen auf einmal machen (bei 200 * 200 Pixel halt 40000), sie kann diese Messungen sehr schnell machen (z.B. 500 Messungen pro Sekunde), und macht solche Messungen relativ genau (z.B. 1 cm auf 40 m). Durch die hohe Messgeschwindigkeit sind zudem, entsprechende Rechenleistung vorausgesetzt, Geschwindigkeits-
        und Beschleunigungsmessungen (diesmal durch Ableitung nach der Zeit) von mehreren Objekten gleichzeitig möglich.

        Dass diese zusätzliche, leistungsfähige Hardware auch zusätzliche AR-Möglichkeiten bietet, steht für mich ausser Frage, ebenso wie der Umstand, dass das für die Google-Ingenieure der Grund gewesen sein muss, höhere Anforderungen an AR-fähige Hardware zu stellen, als das Apple macht. Aus technischer Sicht kann ich mich einer Auffassung daher nicht anschließen, dass die ARKit-Lösung irgendwie cleverer ist, als die Tango-Lösung.

        Aus wirtschaftlicher Sicht mag das anders sein. Natürlich sind Geräte kostengünstiger, wenn sie keinen ToF-Sensor brauchen. Apple hat kein Henne-Ei-Problem, Entwickler können beginnen, Applikationen zu entwickeln, die Hardware, und jetzt auch die Software sind da. ToF-Smartphones dagegen haben den Markt erst in homöopathischer Dosis penetriert.

        Trotzdem sehe ich das Rennen noch nicht entschieden. Die gelungenste AR-Anwendung sehe ich bisher in "Pokemon-Go", alles sonst, was auch in diesem Artikel bisher vorgestellt wurde, hat für mich bestenfalls Demonstrationscharakter, keinen großen praktischen Wert.
        Zwar scheint Apple derzeit im Vorteil, aber Tango so umzuschreiben, dass die ToF-Sensoren nicht mehr zwingend benötigt werden, sollte für Google kein Hexenwerk sein.
        Gelingt es aber Google oder einem Dritthersteller, eine "Killerapplikation" zu finden, die massiv von einem ToF-Sensor profitieren kann, und finden diese Sensoren Verbreitung, weil ein grosser Hersteller wie Samsung sie verbaut, ist Tango klar im Vorteil.
        Allerdings wird kein Hersteller ohne interessante Applikation die Sensoren verbauen, weil sie dann keinen Wettbewerbsvorteil darstellen. Und wenn ein freier Entwickler eine interessante Idee hat, wird er sich fragen, ob der Aufwand für den kleinen Marktanteil lohnt.

        Um dieses Henne-Ei-Problem zu lösen, müsste die Idee zur "Killerapplikation" also schon von einem grossen Hersteller selber, z.B. Samsung oder Huawei, kommen. Oder von Apple, das dann ebenfalls Geräte mit ToF-Sensor herausbringen könnte.

        Quelle: wikipedia


  • Clooney vor 5 Monaten Link zum Kommentar

    Apple macht es zwar nicht als Erster aber dafür richtig.


  • Äh . . . wenn ich s recht verstanden hab, "Kaffee kochen undoder Spiegeleier braten" kann weder das Tango noch Arkit?

    Mit allem Respekt. Ich kann mich nur noch wundern. der normale User läßt sich von den Firmen jeden Scheiss aufs Auge drücken mit der entsprechenden Begründung warum er es unbedingt haben muß - und glaubt es auch noch - wundert sich dann warum "neue Geräte" mit "neuen Funktionen" soooooo teuer sind.

    #MeineFresse sag ich nur.


    • Die Vorteile von AR sehe ich eher in der Industrie bei Entwicklung/Forschung. Privat ist es wohl mehr Spielerei wie vieles am Smartphone Markt. Sollte das Gerät deswegen 100 Euro mehr kosten, dann brauch ich es auch nicht. Aber aufregen muss man sich nicht. Es wird einem wie du schon sagst 'eh alles vor die Nase gesetzt - ohne zu fragen.
      Google sollte endlich mal seine Basics gebacken bekommen die ein standardisiertes OS definiert. Die Probleme Androids sind seit der ersten Generation nicht gelöst. Und der User sollte sich endlich mal Gedanken machen wie dieses System der Datenwirtschaft funktioniert, und ob er das wirklich so möchte. Hier liegt einiges im argen was großzügig verdrängt wird um sein Spielzeug zu erhalten.

      Bald rennen sie wieder mit gesenkten Kopf und Handy durch die Gegend wie zu Pokémon...😀


      • HEB vor 5 Monaten Link zum Kommentar

        @MajorTom
        was meinst du denn genau mit " Google sollte endlich mal seine basics gebacken bekommen die ein standardisiertes OS definiert. Die Probleme Androids sind seit der ersten Generation nicht gelöst."

        Würde ich super cool finden wenn du mir das mal genauer Beschreiben würdest, bitte gehen aber dann vom reinen Android ala Nexus oder Pixel aus.


      • Dann haben wir ja kein Problem wenn wir von nexus/pixel ausgehen 😀


      • HEB vor 5 Monaten Link zum Kommentar

        Dann gehe ich richtig in der Annahme das deine Aussage sich auf Geräte anderer Hersteller bezogen hat?


  • Ist Zenfone nicht ein eingetragenes Warenzeichen von Asus?

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