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3 Min Lesezeit 10 Kommentare

Google löscht ehrliche Play-Store-Bewertungen und behauptet, das sei in Ordnung

Die Entwickler des Android-Spiele-Hits Game Dev Tycoon verloren 77 Prozent ihrer positiven Play-Store-Bewertungen an Googles Fake-Erkennungs-Algorithmus. Dumm nur, dass Greenheart Games genau hingeschaut hat: Die gelöschten Bewertungen waren größtenteils keine Fakes sondern ehrliche Reviews. Auch auf Nachfragen erklärt Google nicht, nach welchen Kriterien es filtert.

Eigentlich sollte es im zweiten Blog-Bericht zum Android Release des Game Dev Tycoons um etwas anderes gehen, doch Gründer und Leiter Patrick Klug musste die Veröffentlichung der bisherigen Verkaufszahlen sowie der Raubkopierer-Quote auf den nächsten Post verschieben. Es erschien ihm diesmal wichtiger, zunächst einen unerfreulichen Zwischenfall im Play Store anzusprechen.

Der Game Dev Tycoon ist vor zwei Wochen gestartet und hatte binnen weniger Tage mit 2.000 Bewertungen eine Durchschnittswertung von sagenhaften 4,96 erzielt, was im Play Store zu 5.0 aufgerundet wird. Da das Spiel schon beim Download 5,49 Euro kostet, gehen wir nicht davon aus, dass es sich hierbei um Fake-Reviews handelt. Die sind mit Paid-Apps zu schwierig/teuer umzusetzen.

Doch nachdem kurz nach Release 438 Bewertungen aus dem Play Store verschwunden waren, legte sich die Freude über die 5.0 wieder. Das Team fragte per Twitter, ob manche Fans vielleicht auch sehen, dass ihre Bewertung im Play Store nicht mehr vorhanden war. Einzelne Nutzer bestätigten, dass deren ehrlich gemeinte 5-Sterne-Bewertung gelöscht wurde als wäre sie eine gekaufte Spam-Bewertung .

Nach dem ersten Tag ging es aber nicht weiter und Google löschte bis zum Erscheinen des Blog-Berichts 77 Prozent aller Bewertungen für den Game Dev Tycoon. Die Durchschnittswertung leidet darunter zum Glück nicht wesentlich, denn noch immer sind 96 Prozent der Bewertungen 5 Sterne.

Auch andere Entwickler scheinen das Problem mit dem zu aggressiven Algorithmus zur Bekämpfung von Fake-Reviews zu beobachten. Eine ein Jahr alte Analyse von PI-digi-CEO Swaroop S. soll ergeben, dass Googles Algorithmus zwar viele Fake-Reviews erfolgreich verbannt hat, jedoch ehrliche Reviews als Kollateralschaden einfach mitlöscht. Das Ausmaß war damals jedoch erheblich kleiner als nun bei Greenheart Games.

Hat Greenheart Games geschummelt?

Den eigenen Aussagen nach sind Greenheart Games natürlich fair vorgegangen. "Nicht einmal unsere Freunde haben wir zu Bewertungen angestiftet", heißt es im Post. Eine Play-Store-Bewertung kostet auf dem Schwarzmarkt 25 Cent; ist jedoch bei kostenpflichtigen Apps erheblich schwieriger umzusetzen.

Doch wenn Greenheart nicht geschummelt hat, was haben sie dann falsch gemacht? Das müsste Google jetzt beantworten. Im Dialog erfährt Klug jedoch nur, dass die Kommentare nach einiger Prüfung ganz sicher gegen die Play-Richtlinien zum Posten von Kommentaren verstießen. Dort gibt es aber vage Formulierungen wie...

"Posten Sie keine gefälschten Rezensionen, um Bewertungen zu verbessern oder zu verschlechtern"

Während die Bitte an sich verständlich ist, ist völlig unklar, wie Google das überprüft. Gelöscht wurde unter anderen eine Bewertung wie...

"Awesome little game that is great to play for 5 minutes or 5 hours. Also one of the best (and best working) ports I’ve seen onto mobile and an all round good time."

...bei der überhaupt nicht ersichtlich wird, wie sie gegen jedwede Richtlinie verstößt. Allenfalls der Punkt "Nennen Sie sowohl positive als auch negative Aspekte" wird nicht erfüllt, aber das trifft auf fast alle Bewertungen im Play Store zu. Doch da Google sich nicht erklärt, herrscht weiter munter Rätselraten. Nicht einmal die Reddit-Community hat irgend eine Ahnung, in welche Falle Greenheart getappt sein könnte.

Patrick Klug schließt mit harten Worten. Er sagt "Google ist zufrieden damit, tausende ehrliche Meinungen zahlender Kunden zu löschen, lässt hingegen etliche Suchergebnisse zu 'download Game Dev Tycoon APK for free' weiter anzeigen. Der Algorithmus könnte da sicherlich auch helfen..."

Wir haben Google um ein Statement gebeten und erwarten eine Antwort. Auch Greenheart Games wird uns zu dem Thema auf dem Laufenden halten.

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10 Kommentare

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  • Wildwuchs herrscht da, wo der Gesetzgeber versagt. Die Meinungsfreiheit ist in der digitalisierten Welt bald nichts mehr wert, wenn sie nur für den öffentlichen Raum gillt, während virtuelles Hausrecht zur Zensurgrundlage wird. Man kann sich jetzt lange über das Verhalten von Google, Facebook & co. aufregen, oder endlich Gesetze fordern, die Plattformbetreibern jegliche Eingriffe in öffentliche Diskussionen untersagen, solange sie nicht gegen geltendes Recht verstoßen. Entweder bietet man dann keine Rezensions- und Diskussionsforen mehr an, oder man akzeptiert, dass dort jeder zu Wort kommen darf.


  • Ich konnte in letzter Zeit auch feststellen, dass einzelne Rezesionen wieder gelöscht wurden. Deshalb bin ich auf diesen Artikel gestoßen. Ich weiß nur nicht ob es dabei der Nutzer selbst oder Google es war.

    Zum Thema "KI" und "Machine Learning".
    Ich beschäftige mich in der Arbeit mit diesem Thema und was beim trainieren intern abläuft. Es handelt sich bei "Machine Learning" um angepasste Filter. Diese Filter sollen anhand von Eingangszuständen den gewünschten Ausgangswert ausgeben. Intern läuft dies ganze durch Matrixmultiplikationen ab. Dies wird solange angepasst, bis die Abweichungen gering sind.

    Das Problem allgemein daran: Man kann Nachvollziehen, dass es zu einer Fehlentscheidung gekommen ist. Es ist jedoch nicht möglich ein Aussage des Warums zu treffen.
    Deshalb glaube ich, kann Google nicht offenlegen nach welchen Kriterien sie filtern, da sie es schlicht einfach selbst nicht wissen.

    Wir brauchen auch keine Angst vor "Künstlicher Intelligenz" haben, da es eigentlich nur statische Matrixmultiplikationen von angepassten Filtern handelt und noch keine wirkliche Intelligenz dastellt.


  • Mal wieder ein schönes Beispiel dafür, wie wenig weit doch die angeblich so weit fortgeschrittene KI tatsächlich ist. Komplexe Algorithmen, die am Ende aber doch nur Blödsinn ausspucken und nicht funktionieren. Aber man verlässt sich darauf, es wird schon richtig sein, was die Formel da ausspuckt. Das ist ja nicht einmal neu, Algorithmen versagen praktisch pausenlos, sei es bei völlig unpassenden Vorschlägen bei Amazon, unbegründeten Profilkündigungen bei Twitter, Unfällen bei selbststeuernden Autos oder verweigerten Krediten aufgrund einer unpassenden Adresse. Wir beugen uns zunehmend den Urteilen und Ergebnissen einer Maschine und können diese Ergebnisse noch nicht einmal mehr widerlegen, weil die Komplexität der Algorithmen dies unmöglich macht. Dies in Verbindung mit munterem Verteilen der eigenen und fremder Daten dürfte langfristig ziemlich gefährlich werden.


    • C. F.
      • Blogger
      vor 9 Monaten Link zum Kommentar

      "Dies in Verbindung mit munterem Verteilen der eigenen und fremder Daten dürfte langfristig ziemlich gefährlich werden."

      Viele gehen damit aber doch noch recht sorglos und entspannt durch den Tag. Scheuklappen auf, Beratungsresistenzmodus auf volle Pulle gedreht....hoppla, jetzt komm ich.

      Fred


  • hm, ok ... wir haben gelöschte Bewertungen, keine Stellungnahme von Google und einen Hersteller, der (oh Wunder) abstreitet manipuliert zu haben. Aber in der Überschrift werden Tatsachen geschaffen, die im Artikel selbst in keinster Weise belegt, sondern im Gegenteil eher relativiert werden. Das ist finster.


    • "They told us that our ratings were removed on purpose and pointed us to their Comments and Ratings policy. They also said that they triple-checked that this was done in according to their policies.

      Further questions for clarification were politely declined, again pointing to above policy but refusing to be transparent about particular reasons."

      Die Zahl an Quellen ist noch recht klein und der Entwickler deutet in seiner inzwischen eingetroffenen Antwort darauf hin, dass andere Studios das Phänomen bisher so nicht nachvollziehen konnten.

      Im Übrigen hat der PR-Kontakt betont, dass der Play Store mit dieser Ausnahme ein großartiges Vermarktungs-Tool für Apps sei.

      Eine gute Theorie, warum Greenheart so hart getroffen wurde, stammt von unserem Twitter-Follower Christoph Elzer:

      "Mögliche Erklärung: Zu schnell zu viele Reviews, weil Leute das Spiel nicht neu kennenlernen mussten, sondern vom PC kannten. Android-Port geladen, wenige Minuten angezockt, festgestellt dass alles super läuft und sofort bewertet. Das Hundertfach und Algorithmus spielt verrückt."

      https://twitter.com/celzer/status/963747107176943616

      Wir bleiben dran.


  •   45
    Gelöschter Account vor 9 Monaten Link zum Kommentar

    Ooooooh- welche Überraschung.... ein multi-nationaler Konzern mit Allmachtstendenz, unersättlichem Daten- und Ausforschungshunger, moralisch fragwürdiger Expansionspolitik und einem eigenen Store, nimmt Manipulationen an dem Warenangebot nach eigenem Gusto vor?!?!
    Also... boah...jetzt bin ich echt fast sprachlos.... DAS hätte ich jetzt nicht vermutet...
    (Sarkasmus/Ironie/Polemik/Zynismus OFF)

    Gelöschter AccountGelöschter Account

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