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Google Glass und die Porno-Piraten: Sex sells

Die Sex-App Tits & Glass wurde veröffentlicht und dann schnell wieder einkassiert. Kein Wunder, Google hat kein Interesse daran, dass seine Cyberbrille von der Porno-Industrie gekapert und in die Schmuddelecke gedrängt wird. Aber können sie es verhindern? Hinter den nackten Brüsten lauern ein paar banale Wahrheiten über Sex, Macht und Geld, die wir alle kennen, aber nicht gerne aussprechen.

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 © MiKandi

Mein Name ist Niemand

Am Ende war es wieder Niemand. Niemand besucht den dunklen Schatten von YouTube, obwohl er zu den beliebtesten 100 Internetadressen der Welt gehört, zeitweise sogar in den Top 50 war. Und niemand hat die App Tits & Glass runtergeladen, obwohl die Statistik des App-Herstellers eine klare Sprache spricht: knapp 10.000 Besuche der Website innerhalb weniger Stunden und ein paar App-Installationen, bevor die Sittenwächter von Google zugeschlagen und die Schmuddel-App aus dem Verkehr gezogen haben. 

MiKandi ist der Betreiber eines der weltweit größten App Stores für Erwachsene, nach eigenen Angaben läuft die gleichnamige App auf 3,8 Millionen Android-Smartphones. Knapp 7.000 mehr oder weniger spezielle Anwendungen kann der Nutzer dort herunterladen, um sie danach in irgendwelchen Ordnern auf dem Smartphone zu verstecken. 

Die Pornoindustrie ist ehrlich begeistert

Ich habe vor ein paar Tagen zum ersten Mal von denen gehört, als ein Vertreter im Unternehmensblog am 22. Mai von den neuen Möglichkeiten schwärmte, die die Cyberbrille Google Glass für die Pornoindustrie eröffnet: "Wir lieben die Idee eines natürlichen tragbaren Gerätes, das ganz neue intime Möglichkeiten für Erwachsene schafft". Das klingt noch harmlos, aber ein paar Sätze später wird es konkreter: "Wie toll wäre es, wenn Du in den Videostream Deines Lieblingspornostars oder Deines Cam-Models eintauchen könntest?" So hört sich ehrliche Begeisterung an und auch wenn das Wort von der Revolution nicht gefallen ist, es schwang mit, und weltweit schrieben plötzlich die Tech-Blogs und Mainstream-Medien darüber. Mit einem Mal stand MiKandi nicht mehr in der Schmuddelecke, sondern im Rampenlicht. 

Die neue Berühmtheit dürfte dem Betreiber mehr Aufmerksamkeit gebracht haben als jede teure Werbekampagne es vermocht hätte, und auch die Downloads für den ganz speziellen App Store dürften Ende Mai in die Höhe geschnellt sein. Da kann es kaum verwundern, dass die Firma versucht, weiter auf dieser Welle zu reiten: Gestern hat MiKandi die nach eigenen Angaben "erste Porno-App für Google Glass" veröffentlicht, mit der Nutzer ihre Fotos für andere veröffentlichen und von ihnen bewerten lassen können. Dass es dabei nicht um Katzenfotos geht, muss hier wohl nicht explizit erwähnt werden.

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Möglichkeiten, die Google bestimmt nicht bedacht hat: "Wie toll wäre es, wenn Du in den Videostream Deinens Lieblingspornostars oder Deines Cam-Models eintauchen könntest?" / © MiKandi

Bluthunde

Von Google Glass wurden bisher 1.000 Exemplare an Entwickler verteilt (MiKandi hat auch ein Exemplar bekommen), erst 2014 sollen nennenswerte Stückzahlen in den freien Handel kommen. Google Glass ist also noch gar nicht auf dem Markt, aber das spielt gar keine Rolle. Auch die billig zusammengeschusterte Website, auf der MiKandi die neue App vorstellt, ist kein Thema. Entscheidend ist, dass es diese App gibt und dass sich die Online-Medien schon wieder wie die Bluthunde darauf stürzen, weil sie wissen, dass Glass in Verbindung mit dem Wort "Sex" ungefähr hundertmal häufiger geklickt wird als in Verbindung mit "technische Daten", "Larry Page" oder, noch schlimmer, "Eric Schmidt". Wir wissen doch wie‘s läuft: Am Ende ist es niemand gewesen, aber jeder hat drauf geklickt.

Das Medienecho ist mittlerweile so groß, dass Google seine Erfindung bedroht sieht. Denn wenn MiKandi sich mithilfe von Glass aus der Schmuddelecke ziehen kann, bedeutet es andersherum, dass Glass mit Hilfe von MiKandi in diese Ecke gezogen wird. Jeder Politiker und Medienprofi weiß, wie ungerecht die öffentliche Wahrnehmung und die Presse sein können, wie zäh Negativmeldungen kleben bleiben: Bill Clinton kann ein Lied davon singen (Monica Lewinsky), die A-Klasse von Mercedes auch (Elchtest). Wenn Du es einmal hast, wirst Du den Geruch nie wieder los.

Bei Google müssen die Alarmglocken geschrillt haben: Noch vor dem Marktstart drohte die Cyberbrille von Porno-Piraten gekapert und zur Pornobrille zu werden und wenn das geschehen ist, wird sich garantiert keiner mehr damit in der Öffentlichkeit sehen lassen. 

Macht und Verantwortung

Deshalb das Verbot der App, was im Übrigen gar nicht so einfach war. Google musste  dafür die Nutzungsbedingungen für Glass-Apps so umschreiben, dass Mikandi rausfliegt. Man kann davon halten was man will, es zeigt vor allem eines: Google hat die Macht und wenn sie sie bedroht sehen, dann greifen sie durch und nutzen ihr Monopol aus. 

MiKandi hat schon angekündigt, die App so nachzubessern, dass sie die Anforderungen von Google erfüllt. Ich bin gespannt, wie sie das machen wollen, schließlich hat Google allen Glass-Apps mit explizit sexuellen Inhalten eine Absage ersteilt. Aber MiKandi wird schon einen Weg finden und dann ich bin gespannt, wie Google heil aus der Geschichte rauskommen will. Wenn sie zu streng sind, dann droht ihnen das gleiche prüde Spießer-Image wie Apple, wenn sie es nicht tun, dann droht der Brille das gleiche Schicksal wie den Segways: Es funktioniert und hat einen Mehrwert, aber keiner benutzt es, weil es mega-uncool ist. 

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PR-Desaster: Wenn Google nicht aufpasst, dann ist Google Glass genauso uncool wie die Segways, bevor es überhaupt auf den Markt kommt. Denn keiner läuft gerne mit einer Pornobrille in der Gegend rum. / © Segways

Was die Brille retten könnte, sind Innovationen von anderen Seiten. Wo sind die coolen Apps für Google Glass? Es gibt so viele Anwendungsbereiche, man denke nur an die Autoindustrie, an die Spieleindustrie, an die (Mainstream-)Filmindustrie. Entweder die Medien berichten nicht über die anderen innovativen Ideen oder die Pornoindustrie ist tatsächlich die Speerspitze der technologischen Innovation. Sucht Euch die Antwort aus, eine von beiden muss stimmen.

Via: The Verge

41 Kommentare

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  • Schade das die APP gesperrt wurde, wenn sie keine Viren uns Spyware einschläußt sollte sie nicht gesperrt werden. Denn jeder kann lesen und ist mündig und kann selbst entscheiden (auch Jugendliche wenn man sie entsprechend vorbereitet). Warum muss Porno was schlechtes sein. Der Übergang von Erotik zu Sex und dann wieder zu Porno ist sowieso fließend und wird in unterschiedlichen Kulturen und Aufklärung und Intelligenz (Weisheit) unterschiedlich abgegrenzt. Hoffentlich wird die APP irgendwann direkt im Browser laufen - FireFox macht es ja vor das es gut geht.

    Ich finde APPs ehedem Ätzend und direkte Browser Software sowieso flexibler und intelligenter. Mal sehen wie lange es dauert bis auch andere Läute darauf kommen, dass die meisten APPs sowieso speziell aufbereitete Webseiten sind - warum dann nicht gleich eine Web-App die dann auf allen Geräten von iGedöns über Android incl. custom ROMs ohne Google Stores bis hin zu FireFox OS und den MeeGo Ablegern läuft.

    Auf jeden Fall ist für mich in Ordnung, was nachgefragt wird und niehmanden in irgend einer Form direkt schadet (wie z.B. Zwang, Gewalt, Erpressung, ....).

  • Ich würds schlimmer finden, wenn man durch die Brille alle Leute nackt auf der Straße rumlaufen sehen würde. Igittigitt. Aber pubertierende Jungs würde es sicher aufgeilen.

  • "dann schaut halt die Menschheit die Pornos weiterhin im Internet. "

    Ach nee und woher bekommt die Glassware die Pornos? Von den Allians?

  •   32

    Kultur und Natur -
    Zwei vollkommen verschiedene Dinge.
    Kultur und Kirche sagt - nur eine darfst haben (nach dem Jawort)
    Natur sagt - besam sie alle.

    blubblub blub_blabla

  • Ist doch alles ok xD
    dann schaut halt die Menschheit die Pornos weiterhin im Internet.
    Die Medien sollen auch mal in andere Richtung gehen und die Sache nicht so aufpushen, wie es gerne mal gemacht wird.

  • Ganz schön Porno die Brille! :-)

    Ich frage mich warum man sich immer gegen die Pornoindustrie aufstellt. Aber egal, unser Wort hat hier eh nichts zu melden...

  • Was ich jetzt nicht ganz verstehe, ist das Problem bei dem ganzen.
    Soweit ich das verstanden habe, tut die App doch nichts anderes, als Dir Bilder zu zeigen.

    Google hat selber sowas bei Android. Nennt sich "Galerie".
    Welchen INHALT die Bilder haben, die ich mir über die Galerie ansehe, geht doch mal echt keinen was an.

    Und ob ich mir die Bilder erst auf das Handy kopiere, oder direkt von einer App laden lasse... wo ist da der große Unterschied?

  • Apple Moral, yay!
    </Sarkasmus>

    Ist doch armselig wie Pornographie als ultimativesBöse-tm dargestellt wird.
    Jugendschutz, also Kinder die zu jung dafür sind davon vernhalten, ist gut und richtig, aber gegen Erwachsene?

  • ah ha, sich aufregen wenn es um sex/porno geht aber egal wen ohne einverständis filmen/fotografieren ist OK.

    google hat sie ja nicht alle.

    augmented reality für alle! so sieht es aus und jetzt macht mal was, gegen sex oder porno :D

  • Oder ist deine Mutter Pornodarstellerin und du bist beim Dreh gezeugt worden?

  • @ Daniel Hauk
    Du verwechselst Pornographie mit Sex.

  • wieso ist man nerd wenn man auf porno steht? wenn du sex praktizierst, dann lieber mauerblume oder porno? also scheut euch mal net in euer Spiegelbild zu sehen....
    ich hab sex, steh auf porno und das ist gut so...
    seid ma net so verklemmt, ihr seid durch "porno" entstanden....

  •   32

    Made in USA ...

    Die Idee ist in der Welt.....apk

    Wir sind die Bork - Wiederstand ist zwecklos

  • Ich kann den Autor nicht folgen, der Vergleich ist einfach falsch. Wie Google mit dem Thema Sex umgeht, deckt sich mit dem, wie es in der amerikanische Gesellschaft seit eh und je abläuft, total verlogen.

  • Man lauter nerds hier die keinen echten Sex abbekommen und deshalb auf Pornographie stehen..

  • Und das kann gimp oder Photoshop nicht?

  • Segways uncool? Definitiv nicht! Sauteuer ja, leider.

    Es gibt wirklich schlimme sexuelle Dinge, bspw könnte Google Glass den Kopf von Altmeier auf den (unbekleideten) Körper von Merkel projezieren. Das....

  • The Internet is for porn. The Internet is for... Ach ne.. The Google glass is for porn.... :-D gefällt mir :-)

  • lol war klar das dieses auch mal Thema wird ;-)

  • Ganz netter Beitrag und angenehm zu lesen, aber ich stehe etwas auf dem Schlauch. Was genau macht denn nun diese App??? Kann man hier einfach Bilder teilen und bewerten? Was hat das dann mit der innovativen Idee von Google Glass zu tun und dem (wie auch immer) Eintauchen in einen Videostream?

    Prinzipiell habe ich nichts gegen solche Apps bzw. diese Industrie, aber Jugendschutz ist immer so eine Sache. Ich werde das Angebot von denen aber sicher mal checken.

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