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2 Min Lesezeit 25 Kommentare

Gerichtsurteil: Wetter-App des DWD darf nicht mehr kostenlos sein

Es klingt kurios: Ein Gericht urteilt, das eine seit Jahren kostenlos angebotene App nun Geld kosten muss. Doch genau so ist es geschehen, denn laut dem aktuellen Urteil darf der Deutsche Wetterdienst seine Warnwetter-App tatsächlich nicht mehr gratis im Google Play Store zum Download anbieten.

Das Urteil des Landgerichts Bonn (Az.: 16 O 21/16) ist eindeutig: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) verstößt mit seiner App für Smartphones, Tablets und Computer gegen das Wettbewerbsrecht. Der steuerlich finanzierte DWD darf seine App, die nicht nur amtliche Wetterwarnungen, sondern auch Prognosen und Wetterberichte beinhaltet, nicht mehr kostenlos anbieten. Die Klage kam von der privaten Konkurrenz WetterOnline, deren App entweder kostenpflichtig ist oder über Werbung finanziert wird.

Durch die App handelt der DWD laut Ansicht des Gerichtes nicht mehr hoheitlich, sondern geschäftlich als wirtschaftliches Unternehmen. Dass die App gratis angeboten wird, ändert daran in den Augen der Richter nichts. Der DWD fördere so sein Ansehen und seine Bekanntheit auf dem Markt der Wetteranbieter und so letzten Endes seine Marktmacht. Damit sei die kostenlose Wetter-App wettbewerbswidrig, der DWD müsse für seine Dienstleistung eine Vergütung verlangen.

Ein Sprecher des DWD hält argumentativ dagegen und erklärt, dass in der App absichtlich nur ein geringer Teil der Wetterinformationen Verwendung finde. Es ginge hauptsächlich darum, Menschen über ein zeitgemäßes Medium mit  Warnmeldungen zu versorgen. Darüber hinaus stelle der DWD seit diesem Sommer alle seine Daten kostenlos den privaten Wetterdiensten zur Verfügung. Für den DWD kämpfen WetterOnline und Co. an der falschen Front, ihr Geschäftsmodell werde eher von internationalen Wetterkonzernen bedroht.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Deutsche Wetterdienst hat nun einen Monat lang Zeit, Berufung einzulegen. Zunächst wird allerdings die vollständige Urteilsbegründung geprüft.

Via: Golem

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Top-Kommentare der Community

  • Michael K. 16.11.2017

    Mit der selben Begründung, dem Wettbewerbsrecht, könnte man auch von staatlichen Schulen verlangen, Schulgebühren zu verlangen, denn ansonsten verzerren sie den Wettbewerb mit Privatschulen. Wo private Strassen existieren, müsste man auch die staatlichen Strassen mautpflichtig machen. Mit öffentlichen Geldern gepflegte Badeseen müssten kostenpflichtig werden, wenn am selben Ort private Erlebnisbäder existieren. Streu- und Räumdienste im Winter kostenlos? Das verzerrt den Wettbewerb, wenn es kommerzielle Anbieter dafür gibt.
    Ein allgemeines öffentliches Interesse rechtfertigt die steuerfinanzierte staatliche Zurverfügungstellung von Leistungen, und steht über dem Wettbewerbsrecht, das selber auch im Sinne der öffentlichen Interessen ausgestaltet sein sollte.
    So ist Bildungschangengleichheit ein Staatsziel, das über dem Wettbewerbsrecht steht, und daher steuerfinanzierten Bildungszugang in Konkurrenz zu privaten Anbietern rechtfertigt.
    Das lässt sich aber auch für Wetterdaten verargumentieren, weshalb diese steuerfinanziert erfasst werden. Autofahrer, Landwirte, Industriebetriebe, ja jeder Bürger hat Interesse an Wetterdaten. Das rechtfertigt ihre Erfassung auf Steuerkosten. Aber welchen Sinn macht es dann, für die Darstellung und Auswertung der schon über Steuern finanzierten Wetterdaten erneut zahlen zu müssen?

    Ein Nachteil des geltenden Wettbewerbsrechts ist m. M. nach, dass es öffentliches Interesse zu wenig berücksichtigt, zudem sollte es einen Zwang zur Akzeptanz des Status quo geben.
    Es spricht nichts dagegen, private Anbieter von Leistungen in Konkurrenz zu schon vorhandenen staatlichen Anbietern zuzulassen. Sie handeln aber immer auf eigenes Risiko, und kennen den Status quo schon vor ihrem Markteintritt.
    Solchen Anbietern mit Hilfe staatlicher Gerichte im Nachhinein zu ermöglichen, die Leistung für alle zu verteuern, um selber Vorteil daraus zu ziehen, halte ich für eine Farce.

25 Kommentare

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  • Wenn die Warnwetter-App kostenpflichtig werden soll, dann verbessert sie so, dass ich mein Abo bei WetterOnline auslaufen lassen kann.


  • Einerseits geht es doch wieder einmal nur ums Geld. Andererseits sollte ein Staatsmonopolist seine Monopolstellung nicht ausnutzen dürfen.

    Wenn zwei sich streiten, boykottiert man beide. ;-)

    Mal davon abgesehen:
    Benötigt man zwingend eine App? Was kann die App besser als die Internetseite? Gibt es von den Internetseiten keine mobile Version?


  • Izzy
    • Blogger
    vor 11 Monaten Link zum Kommentar

    Bei der Begründung sollte der DWD den Zugriff auf seine Daten durch *kommerzielle Anbieter¹* ebenfalls kostenpflichtig machen – wäre dann nur konsequent. Dann dürfen wir darauf warten, dass besagter Kläger sich erneut beschwert, die Daten seien ja bereits aus Steuergeldern finanziert. So viel Schizophrenie wäre da sicher vorhanden.

    ¹ d.h., wer seine App gratis und werbefrei anbietet, hätte weiterhin kostenfreien Zugang


  • Ist zwar eigentlich schon alles geschrieben, aber dennoch: Die gängigen Wetterapps greifen auf den Datenbestand des Betreibers der installierten Wetterstationen in Deutschland zu und das ist der von deutschen Steuergeldern finanzierte DWD. Also, wenn die Wetter_App_Ersteller Daten eines öffentlich rechtlichen Anbieters verwenden, weshalb weichen sie dann in den Ergebnissen davon ab? Auch ist interessant, dass hier Abweichungen bei Verwendung unterschiedlicher Betriebssysteme ergeben, obgleich die verwendete App von gleichen Ersteller stammt? Die Frage ist auch, wie eine öffentlich rechtliche Institution die Einnahmen über die App verbuchen kann? Es handelt sich ja schließlich nicht um ein wirtschaftliches Unternehmen mit dem Zwang finanzielle Mittel zu generieren, sondern um einen Servicedienst. Wie dem auch sei, oder wird, bleibe beim DWD!


  • Sind das wichtige Probleme


  • Mit der selben Begründung, dem Wettbewerbsrecht, könnte man auch von staatlichen Schulen verlangen, Schulgebühren zu verlangen, denn ansonsten verzerren sie den Wettbewerb mit Privatschulen. Wo private Strassen existieren, müsste man auch die staatlichen Strassen mautpflichtig machen. Mit öffentlichen Geldern gepflegte Badeseen müssten kostenpflichtig werden, wenn am selben Ort private Erlebnisbäder existieren. Streu- und Räumdienste im Winter kostenlos? Das verzerrt den Wettbewerb, wenn es kommerzielle Anbieter dafür gibt.
    Ein allgemeines öffentliches Interesse rechtfertigt die steuerfinanzierte staatliche Zurverfügungstellung von Leistungen, und steht über dem Wettbewerbsrecht, das selber auch im Sinne der öffentlichen Interessen ausgestaltet sein sollte.
    So ist Bildungschangengleichheit ein Staatsziel, das über dem Wettbewerbsrecht steht, und daher steuerfinanzierten Bildungszugang in Konkurrenz zu privaten Anbietern rechtfertigt.
    Das lässt sich aber auch für Wetterdaten verargumentieren, weshalb diese steuerfinanziert erfasst werden. Autofahrer, Landwirte, Industriebetriebe, ja jeder Bürger hat Interesse an Wetterdaten. Das rechtfertigt ihre Erfassung auf Steuerkosten. Aber welchen Sinn macht es dann, für die Darstellung und Auswertung der schon über Steuern finanzierten Wetterdaten erneut zahlen zu müssen?

    Ein Nachteil des geltenden Wettbewerbsrechts ist m. M. nach, dass es öffentliches Interesse zu wenig berücksichtigt, zudem sollte es einen Zwang zur Akzeptanz des Status quo geben.
    Es spricht nichts dagegen, private Anbieter von Leistungen in Konkurrenz zu schon vorhandenen staatlichen Anbietern zuzulassen. Sie handeln aber immer auf eigenes Risiko, und kennen den Status quo schon vor ihrem Markteintritt.
    Solchen Anbietern mit Hilfe staatlicher Gerichte im Nachhinein zu ermöglichen, die Leistung für alle zu verteuern, um selber Vorteil daraus zu ziehen, halte ich für eine Farce.


  • Sollte dann im Umkehrschluss die staatliche Unterstuetzung (Steuergelder) eingestellt werden fuer DWD?


  • Ich finde diesen Shitstorm gegen Wetter Online ehrlich gesagt ziemlich bescheuert. Da werden massenhaft 1 Sterne Bewertungen im Store gegeben und überall gegen WO gehetzt. Ich kann allerdings sehr gut verstehen, dass WO diesen Schritt getan hat. Die haben Personal, das bezahlt werden will und der gesunde Menschenverstand sollte einem sagen, dass Service nicht komplett gratis sein kann. Zumal es ja eine kostenlose Version von WO gibt. Der DWD hat diese Sorgen nicht, der muss sich keine Gedanken darüber machen, wie er sein Personal bezahlen kann, er wird durch Steuergelder finanziert. Also finde ich es nur recht und billig, wenn andere sich beschweren, dass hier der Wettbewerb verzerrt wird.


    • Mich würde es nicht wundern, wenn die werbefinanzierte Version WetterOnline mehr Geld einbringt, als die Kaufversion.

      Wenn sich ein Geschäft nicht trägt, muss man sein Geschäftskonzept ändern oder dicht machen. Gegen andere klagen, ist armselig aber ein legitimes Mittel.

      Das Gericht kann ich nicht verstehen und deshalb interessiert mich die Urteilsbegründung.

      1-Sterne-Bewertungen aufgrund der Klage gegen den DWD sollten gelöscht werden. Die Bewertung bezieht sich auf die Qualität der App und nicht auf Geschäftsgebahren.


      • Nein, die Bewertungen im Store beziehen sich eindeutig auf die Klage, die meisten schreiben das ja auch dazu. Zumindest war das heute Vormittag noch so und es waren ziemlich viele Bewertungen.
        Ja, wenn sich ein Geschäftsmodell nicht trägt, weil Kunden kein Interesse daran haben, dann hast du Recht. Wenn aber Kunden zum Wettbewerb abwandern, weil der staatlich subventioniert wird, dann kann ich den Unmut von Wetter Online sehr gut verstehen. Die zahlen schließlich auch Steuern. Und von denen wird dann deren Konkurrenz gefördert? Nicht gerecht.


      • Leider beziehen sich die Bewertungen auf die Klage. Sie sollten sich lieber auf das Produkt beziehen, denn deren Qualität ändert sich ja nicht von gestern auf heute. Ich lese allerdings schon lange keine Bewertungen mehr. Zuviel Emotionen, zu wenig Fakten!

        Die wenigsten werden wissen, dass der DWD ein staatlich finanziertes Unternehmen ist (zumindest bis heute) und haben ihre Wahl aus anderen Gründen getroffen. Ein Teil der Daten bezieht WetterOnline vom DWD. Wenn sie die offenbar schlechter aufbereiten als andere, ist das deren Problem.

        Als Bürger erwarte ich, dass staatliche Stellen die neuen Medien nutzen, um mich zu informieren. Warum sollen meine Steuergelder nur zur kommerziellen Weiterverwendung am Privatunternehmen gegeben werden, die ich nochmal bezahle?

        Schau Dir beide Apps an. Sie haben Überschneidungen. Sie unterscheiden sich aber auch ziemlich. Die Klage hat einen ganz anderen Hintergrund. Ruf mal www.wetterverband.de auf!


    • Ich bin etwas unentschlossen: Einerseits bezahle ich durch meine Steuern ja bereits die DWD App, also kann sie ja ruhig kostenlos sein. Andererseits ist es natürlich gegenüber WetterOnline unfair....


  • Wir könnten ja die WetterOnline-App boykottieren. Daten kostenlos vom DWD annehmen, aber dann damit Geld verdienen? Ist das nicht auch Wettbewerbsverzerrung?


    • Ja, das macht Wetter-online nicht gerade sympathischer...


      • Frage: bekommt Wetter Online seine Daten denn vom DWD?


      • Kein ernsthafter Marktteilnehmer dürfte gänzlich ohne Daten von DWD auskommen oder sie sich entgehen lassen wollen. In der App steht unter "Quellenhinweise" der DWD als Quelle für "Stationsmeldungen und Radardaten".


      • Jens vor 11 Monaten Link zum Kommentar

        Es sind nicht nur die Stationsmeldungen und Radardaten. Sondern auch Blitzdaten von NOWCAST, die wiederrum Ihre Daten von der Bundeswehr und vom DWD beziehen.


  • Also das ist für mich schwachsinn.. Dann agieren ja ARD, ZDF & co. auch wirtschaftlich durch die ausgestrahlte Werbung und sollten entweder die Werbung einstellen oder die GEZ abschaffen...


    • Oha, da hat jemand wohl gemerkt das GEZ abzocke ist ^^


      • Ach!
        Aber Jahrzehnte sich als "kostenlos-TV" bezeichnen, Milliarden an Werbeeinnahmen, aber für HD extra Gebühren verlangen ist keine Abzocke? SD in DVB-T2 einstellen und die Leute zum Kauf eines Receivers verdonnern, der Aufnahmen und Time Shift unterbindet, ist keine Abzocke?

        Um zum Thema zurückzukommen:
        Die Wetterdaten von DWD kostenlos zu bekommen, aber seine App verkaufen, ist keine Abzocke?

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