Die Regierung will auf die Daten unseres Smart-Homes zu greifen

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Bastian Siewers
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12.06.2019, 16:50:42 via Website

Die Themen Datensicherheit und Privatsphäre werden immer mehr diskutiert, nicht allein wegen all der Daten-Skandale, z.B. von Facebook. Aber auch Regierungen sind seit jeher stark an unseren Daten interessiert. Natürlich immer in unserem Sinne, der Sicherheit wegen.

So wird aktuell viel darüber diskutiert, dass das Innenministerium Anbieter von Messenger-Apps dazu zwingen will, im Zweifel Zugriff auf die Nachrichten von verdächtigen Personen Zugriff zu erhalten. Dass dadurch eine Hintertür für praktisch jeden eröffnet werden würde, ignoriert man dabei lieber. Nun hat eine Gruppe von Forschern, Informatikern, Bürgerrechtlern und Verbänden in einem offenen Brief deutlich davor gewarnt.

Nun kommt gleich der nächste "Angriff": Auch unser Smart Home wird zum Thema. Natürlich immer mit dem Hintergrund, den Terrorismus und andere Kriminalität zu bekämpfen.

Ich frage mich nur, ist es das wert? Natürlich können unter Umständen mit diesen Maßnahmen Straftaten verschiedenster Art vereitelt bzw. festgestellt werden. Vor allem wenn es um terroristische Angriffe geht, leuchtet das wohl jedem ein, dass wir alle etwas davon haben. Aber für mich stimmt die Rechnung einfach nicht. Ich gebe früher oder später regelrecht meine komplette Privatsphäre auf, und das würden ja alle Bürger in Deutschland tun. Und dafür können dann ein paar Kriminelle ermittelt werden? Empirisch scheint das Ganze auch nicht wirklich eindeutig zu sein, da bisher nicht belegt werden konnte, wie viele Straftaten durch eine solche Überwachung hätten vereitelt werden können.

Maximilian HE bringt es in den Kommentaren mit Humor auf den Punkt:

Wer kennt es nicht?
"Alexa, änder bitte meinen Termin 'Bombenanschlag' auf den 13.06. um 14 Uhr. Es ist was dazwischen gekommen."

Wie seht ihr das?

— geändert am 12.06.2019, 16:53:44

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12.06.2019, 20:18:08 via Website

Das ist ein weiterer Grund für mich, solche Gerätschaften, in denen ich keinen Mehrwert erkennen kann, erst gar nicht anzuschaffen.
Selbst bei neuen Haushaltsgeräten, die ggf. nur vernetzbar erhältlich sind, würde ich auf die Vernetzung verzichten, wenn sich daraus nur marginale Vorteile ziehen lassen würden.
Sollten die Behörden tatsächlich Zugriff auf Smarthomedaten erhalten, muss man das aber auch nicht ausschließlich negativ sehen. Schließlich ermitteln die Behörden auch entlastend, falls man mal unschuldig in den Kreis der Verdächtigen gerät, und dann kann ein Alibi auch nützlich sein, wenn es von Alexa kommt.

Frk

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13.06.2019, 10:05:43 via Website

Ich mache keinen Unterschied, wer meine Daten bekommen soll. Weder die Dataminer noch die Regierung hat ein Recht darauf. Warum jetzt der Aufschrei so groß ist, wenn die Regierung auch darauf zugreifen will, verstehe ich nicht. Wo ist die "ich hab nix zu verbergen" - Fraktion jetzt? Wie mein vorposter es schon gesagt hat. Smarthome will ich nicht, hat keinen Mehrwert für mich.

»Die Möglichkeiten der deutschen Grammatik können einen, wenn man sich darauf, was man ruhig, wenn man möchte, sollte, einlässt, überraschen.«

TentenMichael K.

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Bastian Siewers
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13.06.2019, 11:01:06 via Website

Es macht für mich in so weit einen Unterschied, dass ich der Meinung bin, dass gerade auch die Regierung für unseren Datenschutz sorgen sollte. Und hier tun sie letztlich genau das Gegenteil. Natürlich hat man einen gesunden Hintergedanken dabei, aber wer sagt denn, dass das dauerhaft so bleibt? Kenne ich die Regierung in 10, 15, 30 Jahren? Wo das hinführen kann, sehen wir ja leider deutlich in China. Keine Sorge, ich möchte unsere Verhältnisse ganz sicher nicht mit denen in China vergleichen, aber eine Warnung sollte uns das schon sein.

Frk

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13.06.2019, 11:48:27 via Website

Begründet wird soetwas immer mit Angstmache. Seit fast 20 Jahren ist Terrorismus ein beliebter Angstmacher. Ich frage mich nur, warum sind Tabakwaren noch erlaubt? Warum gibt es noch keine allgemeine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen? Sowohl durch Rauchen wie auch im Straßenverkehr gibt es jährlich mehr Tote als durch Terrorismus.

Außerdem ist heutzutage ein typisches Vorgehen, die Notwendigleit mit schweren Verbrechen zu begründen, irgendwann wird es aber auch für Bußgeldverfahren eingesetzt, weil man mitgeschnitten hat, dass in der Famile etwas nicht ganz gesetzliches besprochen wurde.

Wie ist es mit der Beweislast? Erst heute wurde ein Fake-Video zu Mark Zuckerberg bekannt, bei dem ihm etwas in den Mund gelegt wird, was er nie gesagt hat.

Nicht zuletzt können die Massen an Daten gar nicht von Menschen geprüft werden. Algorithmen filtern zuvor. Erst dann hört oder schaut sich das nochmal ein Mensch an. Der ist dann aber schon voreingenommen, schließlich hat ein Algorithmus ja gesagt, dass hier etwas verdächtig ist.

Unsere Verfassung garantiert die Unverletzlichkeit der Privatsphäre. Deshalb sind auch Strafverfolgern hohe Hürden gesetzt. Die würden aufgeweicht werden. Da kann mir ein Innenminister noch so sehr beteuern, die Unverletzlichkeit der Privatsphäre sei auch mit Überwachung durch Smart Home gegeben. Entweder lügt er, oder er kennt sich nicht aus oder er wurde falsch beraten. Alles keine Entschuldigung, sondern eher ein Grund, ihn zu feuern.

Nachtrag:
Ich bin nicht technikfeindlich, aber die Smart Technologien werden immer mehr gegen uns oder zumindest ohne unser direktes Mitwissen von Dritten in aller Welt verwendet. Gegen die Machenschaften der Werbewirtschaft hat sich schon kaum jemand zur Wehr gesetzt, mit dem Ergebnis, dass es heute als gesetzt angesehen wird, dass wir überall getrackt werden. Das möchte ich auf staatlicher Ebene gar nicht erst soweit kommen lassen. Auch ein Grund, warum ich Tracking-Blocker verwende.

— geändert am 13.06.2019, 20:46:08

Grüße
Aries

FrkTentenMichael K.Bastian Siewers

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  • Forum-Beiträge: 3.240

13.06.2019, 11:54:57 via Website

Man sollte erst mal eigentlich festhalten , was "Smarthome" bedeutet -
Nur Sprache ? - oder auch die Cloudverbindung zum Relais des Rolladens ?

Letzteres kann man wunderbar für sich selbst abkapseln , ohne dass jemand was davon mitbekommt .
Und Ersteres wird von Google Ende des Jahres auch eine Insellösung , bei der keiner mehr Zugriff hat .

— geändert am 13.06.2019, 11:57:34

Liebe Grüße - Stefan
[ App - Entwicklung ]

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  • Forum-Beiträge: 912

13.06.2019, 11:56:54 via Website

Ich schrieb ja nur, dass der Regierungszugriff nur ein weiterer Grund ist, keine Smarthome-Komponenten anzuschaffen, ich habe nicht geschrieben, dass es der Hauptgrund oder der einzige Grund ist.
Der Hauptgrund ist, dass ich in einem Smarthome gar keine Weiterentwicklung sehen, sondern ein unnötiges Overengineering der Problemlösung kleinerer Probleme, die letztlich durch die zusätzliche Komplexität sogar ein Rückschritt ist. Das sauge ich mir nicht nur aus den Fingern, sondern ich habe eine Zeitlang mit smarten Leuchten experimentiert.
Eine Komfortsteigerung zur klassischen Bedienung mittels Schalter konnte ich nicht feststellen. Vielmehr reagierten die Leuchten träger, und nach Stromausfällen leuchteten alle mit voller Helligkeit. Immer wieder löste sich eine Lampe aus der Vernetzung, und der Zeitaufwand, sie wieder einzubinden überschritt jede nur denkbare Zeiteinsparung durch die Konfiguration, die es ja schon bei normaler Nutzung nicht gab. Dazu waren sie deutlich teurer als konventionelle LED-Leuchten, und die Möglichkeit der Farbänderung wurde nach anfänglicher Spielerei nie genutzt.
Die Automatisierung der Rolläden in dem Altbau kam schon aus Kostengründen nicht in Frage, und die Heizung läuft als autonomes System perfekt.
Auch in der Technik gilt das Prinzip "Teile und herrsche", und wenn man technische Systeme autonom und dezentral betreibt, dann beschränken sich auftretende Probleme auf eben diese Systeme. Fällt die Heizung aus, dann gibt es nur wenige Ursachen für dafür in Frage kommen. Vernetzte ich alles, zentralisierte ich alles, verknüpfe Dinge, die nichts miteinander zu tun haben, steigere die Komplexität ohne nennenswerte Vorteile. Und den Ausfall meiner Heizung verdanke ich dann womöglich Verbindungsproblemen mit einem Server in Denver.
Ich nehme mal Ältere und körperlich eingeschränkte Personen ausdrücklich aus, aber meiner Meinung nach ist Komfortgewinn, Energieersparnis und Sicherheitsgewinn durch ein Smarthome derart marginal, wenn man auf diese Aspekte auch bei klassischer Wohnweise Wert legt, dass von der Installation trotz des betriebenen Aufwands mehr Nachteile als Vorteile ausgehen.
Das Problem unnötiger Komplexität hatte ich schon genannt, dazu kommen vernetzte Kleingeräte, die womöglich nie ein Sicherheitsupdate bekommen und nur für kurze Lebensdauer konstruiert wurden, etliche zusätzliche Geräte, deren Batterien getauscht werden müssen, erhöhter Energiebedarf durch Geräte die 24/7 auf Funkbefehle lauschen usw. usw.
Und eine zusätzliche Angriffsmöglichkeit wird für Hacker und bald womöglich auch Behörden geschaffen.
Unter digitaler Weiterentwicklung verstehe ich wirklich nicht, Probleme zu lösen, wo keine sind, oder einfache Lösungen durch komplexe zu ersetzen. Darunter würde ich eher "digitale Dekadenz" verstehen, manchmal auch Posertum.

— geändert am 13.06.2019, 12:18:08

Frk

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  • Forum-Beiträge: 3.240

13.06.2019, 12:02:13 via Website

Moin Micha,

Du weisst , dass ich dich schätze , aber so einige obigen Aussagen - auch aus technischer Sicht - waren einmal . stimmen allerdings nicht mehr :-)

Würde aber hier OT werden :-)

Liebe Grüße - Stefan
[ App - Entwicklung ]

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  • Forum-Beiträge: 3.227

13.06.2019, 20:32:44 via Website

Im Kern hat Michael aber recht, ich bin zu 100 %bei ihm. Das, gepaart mit Aries Argumentation, zeigt mir, daß die Nachteile die Vorteile überwiegen. Aber jetzt schweife ich auch ab.

»Die Möglichkeiten der deutschen Grammatik können einen, wenn man sich darauf, was man ruhig, wenn man möchte, sollte, einlässt, überraschen.«

Michael K.

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