E-Autos sollen Lärm machen - sinnvoll oder nicht?

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Bastian Siewers
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07.06.2019, 09:03:06 via Website

Guten Morgen :)

Nächsten Monat ist es so weit - wie wir gestern im Magazin berichtet haben, müssen Elektro-Fahrzeuge ab Juli bei langsamer Fahrt künstliche Geräusche abgeben. Die Grenze liegt hierbei bei angenehmen 56 Dezibel bis zu einer Geschwindigkeit von 20 km/h.

Der Grund dafür ist relativ einfach: E-Autos sind so leise, dass Fußgänger sie schlicht nicht hören. Wir sind allerdings daran gewöhnt, vorbei fahrenden Autos auch akustisch wahrzunehmen, was im Zweifel zu Unfällen führen kann.

Wie steht ihr dazu? Ist diese Entscheidung sinnvoll oder komplett übertrieben? Ich selber kann sie durchaus nachvollziehen. Ich bewege mich im Alltag fast immer mit Kopfhörern in den Straßen Berlins, mit aktivem ANC. Allerdings drehe ich den bei meinen Sony-Kopfhörern stark runter, eben damit ich von meiner Außenwelt nicht völlig abgeschottet bin und vor allem Autos auch akustisch wahrnehmen kann. Mit 56 Dezibel reden wir auch über eine Lautstärke, die weiterhin weit entfernt von Verbrennern ist. Ich habe zumindest das Gefühl, dass man hier einen ganz guten Kompromiss gefunden hat. Letztlich muss sich das aber wohl im Alltag noch zeigen ...

— geändert am 07.06.2019, 09:04:19

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07.06.2019, 09:16:29 via Website

Ah, jetzt habe ich dazu gerade ganz viel im Magazin geschrieben, das will ich aber nicht hier rein kopieren. Nur soviel, ich denke, jeder der sich viel in großen Städten bewegt, wird diese Entscheidung der EU für sinnvoll erachten.

Bastian Siewers

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  • Forum-Beiträge: 484

07.06.2019, 09:22:20 via App

Tenten

Ah, jetzt habe ich dazu gerade ganz viel im Magazin geschrieben, das will ich aber nicht hier rein kopieren. Nur soviel, ich denke, jeder der sich viel in großen Städten bewegt, wird diese Entscheidung der EU für sinnvoll erachten.

-dito-

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  • Forum-Beiträge: 361

07.06.2019, 09:34:10 via Website

Ich finde das nicht sinnvoll. Jeder Politiker sagt, die Welt muss leiser werden. Es werden Tempolimits zum Schutz der Anwohner eingerichtet. Staubsauger und andere Geräte müssen leiser werden, damit sich niemand gestört fühlt. Und jetzt, wo die Welt leiser werden kann, kommen Gesetze die die Welt wieder lauter machen.

— geändert am 07.06.2019, 09:34:34

Öffne Dein Herz und Du wirst die Welt sehen, öffne Deinen Geist und Du wirst sie verstehen.

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  • Forum-Beiträge: 31.638

07.06.2019, 09:39:52 via Website

Ich bin froh um jede Geräuschreduzierung, und jetzt soll per Gesetz Lärm befohlen werden.(silly)

Was kommt als nächstes? Geräuschgeneratoren für Fahrräder, Tretroller, Krankenfahrstühle.....?:O
Wer am Strassenverkehr teilnimmt soll die Augen offen halten, das gilt auch für Fußgänger.

Liebe Grüße, Frauke
- - - - - - - - - - - - - - - - --

Wenn man rechts dreht wird die Landschaft schneller. ;-)

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  • Forum-Beiträge: 2.063

07.06.2019, 09:52:19 via Website

Ich habe es schon im Magazin erwähnt und möchte es hier noch einmal tun. Die derzeitige Fassung der StVZO sieht in § 49 (Geräuschentwicklung und Schalldämpferanlage) vor:
(1) Kraftfahrzeuge und ihre Anhänger müssen so beschaffen sein, dass die Geräuschentwicklung das nach dem jeweiligen Stand der Technik unvermeidbare Maß nicht übersteigt.
Das bedeutet, dass zusätzliche Lärmemission unerlaubt ist und demzufolge solche Fahrzeuge nicht zugelassen werden können / nicht zulassungsfähig sind. Es wäre also erst hier in D eine Gesetzesänderung nötig, um Fahrgeräusche artifiziell zu generieren.

Nun zu meiner Meinung:
Welche nachprüfbaren Belege gibt es, in denen nachgewiesen wird, dass durch solche zusätzlichen Geräuschemissionen die Anzahl an Unfällen reduziert wird? Ich habe schon mehrere Artikel dazu gelesen und nichts gefunden. Es wird einfach angenommen, dass geräuscharme Fahrzeuge potenielle Risiken seien und meint, durch zusätzliche Geräuschemission diesen Risiken entgegenzuwirken. Einerseits will man die Umwelt schonen, indem der Straßenverkehr leiser wird und andererseits will man hier zusätzlich Geräusche erzeugen - auch diesen Widerspruch löst die EU nicht auf. Unausgegoren ist die Sache auch, wenn E-Roller oder E-Motorräder keine zusätzlichen Geräusche machen sollen - dabei sind diese doch Vehikel, die sich eher mit Fußgängern den Raum teilen werden bzw. näher an Fußgängern dran sind.

Mobilität ist im Umbruch - keine Frage. Die Lösungen und Antworten sind oft jedoch m. E. wenig durchdacht und hier ist ein weiteres Beispiel, für das man eine Lösung präsentiert, aber kein Problem hat.

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  • Forum-Beiträge: 361

07.06.2019, 09:53:36 via Website

Und wenn schon Fahrzeuggeräusche, dann Situationsabhängig. Dort wo es keine Fußgänger/Radfahrer gibt (Autobahnen, Autoschnellstraßen etc. pp.) braucht es keine Fahrzeuggeräusche.

Öffne Dein Herz und Du wirst die Welt sehen, öffne Deinen Geist und Du wirst sie verstehen.

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  • Forum-Beiträge: 2.375

07.06.2019, 09:59:20 via Website

René H.

Und wenn schon Fahrzeuggeräusche, dann Situationsabhängig. Dort wo es keine Fußgänger/Radfahrer gibt (Autobahnen, Autoschnellstraßen etc. pp.) braucht es keine Fahrzeuggeräusche.

Ist es dir lieber, der Eber oder das Reh rennt dir frontal in dein Auto bei Tempo 100? Weil es dich nicht hört?

Ingalena

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  • Forum-Beiträge: 2.063

07.06.2019, 10:00:01 via Website

Frauke N.

Wer am Strassenverkehr teilnimmt soll die Augen offen halten, das gilt auch für Fußgänger.

Du sprichst da ein wichtiges Thema an. In den Medien war und ist zu lesen, dass Kopfhörer resp. Blick auf Smartphones ein Risiko für die tragende Person darstellen, weil sie sich nicht mehr mit voller Aufmerksamkeit auf den Verkehr rings herum konzentrieren kann.
In unserer hiesigen Fußgängerzone sind Radfahrer per Zusatzsschild erlaubt. Wer da als Fußgänger unachtsam einfach mal die Richtung wechselt, läuft Gefahr, von anderen Fußgängern umgerannt zu werden oder Bekanntschaft mit einem Fahrrad zu machen. Man kann den Menschen im Straßenverkehr nicht die Pflicht abnehmen, die Augen und Ohren (und andere Sinnesorgane) offen zu halten - das müssen sie schon selbst tun und ihre Handlungen daran anpassen.

Willfried S.

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  • Forum-Beiträge: 7.086

07.06.2019, 10:01:29 via Website

Frauke N.

Was kommt als nächstes? Geräuschgeneratoren für Fahrräder, Tretroller, Krankenfahrstühle.....?:O
Wer am Strassenverkehr teilnimmt soll die Augen offen halten, das gilt auch für Fußgänger.

Genau das käme mir da auch in den Sinn ... und als nächstes dann gelbe oder Lila Rundumleuchten für Gehörlose? Man kann die Regelflut wahrlich übertreiben und es wesentlich wichtigere Dinge, wie die Infrastruktur zu klären ...

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  • Forum-Beiträge: 17.081

07.06.2019, 10:14:06 via Website

Frauke N.

Wer am Strassenverkehr teilnimmt soll die Augen offen halten, das gilt auch für Fußgänger.

Gerade die Fußgänger laufen ewig geradeaus und biegen dann unvermittelt über den Radweg ab. Schon in der Vor-Smartphone-Ära. Man könnte das ja mit Darwin abtun, aber das führt ja auch zu nervigen Staus auf der Straße.

Autos sind auch noch größer und schneller als Fahrräder. So bescheuert finde ich es deshalb nicht, dass Elektrofahrzeuge Geräusche erzeugen sollen.

— geändert am 07.06.2019, 10:50:00

Grüße
Aries

Tenten

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  • Forum-Beiträge: 2.375

07.06.2019, 10:19:30 via Website

Ich sehe das gänzlich anders als viele hier. Ich bin sehr viel als Fußgänger in Großstädten unterwegs und erlebe häufig Situationen, die die Aufmerksamkeit einschränken. Nicht, weil man nicht aufpasst, sondern weil einfach im Gewirr sehr viel auf einmal passiert. Ich selbst habe schon häufiger Situationen erlebt, die zu Unfällen hätten führen können, weil mal wieder ein Fahrrad von hinten angeschossen kam, das man nicht gehört hatte. Und auch einem E-Auto bin ich schon vor die Haube gelaufen, weil es ziemlich zügig ohne zu gucken aus der Einfahrt auf den Bürgersteig fuhr. Ich konnte es nicht sehen, aber hören auch nicht, da es in der Stadt einfach an sich recht laut ist. Da hätte mir auch doppelte Aufmerksamkeit nichts gebracht. Und meine Aufmerksamkeit ist vermutlich noch um einiges höher als die von Kindern oder alten Menschen. Und die gilt es zu schützen, ganz egal, ob es nun Belege oder Studien zur Wirksamkeit der Maßnahme gibt oder nicht. Ein 3-jähriges Kind, das vor das erwähnte E-Auto gelaufen wäre, wäre vermutlich danach tot gewesen.

— geändert am 07.06.2019, 10:20:51

Bastian Siewers

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Pippi
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  • Forum-Beiträge: 4.422

07.06.2019, 11:00:19 via App

Ich bin mit meiner Meinung bei Tenten.
mir ist etwas ganz ähnliches passiert und wäre fast auf der Motorhaube des E-Autos gelandet.
Ja, ein Rad hört man auch nicht, außer der Fahrer schnauft wie ein Ochse. aber die Verletzungsgefahr ist bei einem Auto mit Fußgänger dennoch höher als Fahrrad mit Fußgänger.
Ich habe ein relativ gutes Gehör, ich nehme Geräusche wahr, da sind andere Leute weit entfernt davon. aber da hört es halt leider auch auf, es sei denn der Straßenbelag ist so rauh, dass man die Reifen hört. 🤨

— geändert am 07.06.2019, 13:15:05

TentenBastian Siewers

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  • Forum-Beiträge: 361

07.06.2019, 11:20:17 via Website

König Frank I.

Ich habe es schon im Magazin erwähnt und möchte es hier noch einmal tun. Die derzeitige Fassung der StVZO sieht in § 49 (Geräuschentwicklung und Schalldämpferanlage) vor:
(1) Kraftfahrzeuge und ihre Anhänger müssen so beschaffen sein, dass die Geräuschentwicklung das nach dem jeweiligen Stand der Technik unvermeidbare Maß nicht übersteigt.
Das bedeutet, dass zusätzliche Lärmemission unerlaubt ist und demzufolge solche Fahrzeuge nicht zugelassen werden können / nicht zulassungsfähig sind. Es wäre also erst hier in D eine Gesetzesänderung nötig, um Fahrgeräusche artifiziell zu generieren.

Ich befürchte, dass das auch ohne Gesetzesänderung kommen wird. Oder die Gesetzesänderung wird innerhalb weniger Stunden ganz schnell durchgewunken.

— geändert am 07.06.2019, 11:21:16

Öffne Dein Herz und Du wirst die Welt sehen, öffne Deinen Geist und Du wirst sie verstehen.

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  • Forum-Beiträge: 3.636

07.06.2019, 11:26:29 via Website

Es ist sicher der richtige Weg ein Fahrgeräusch verpflichtend anordnet, aber es ist sicher für die Industrie kein Problem werden doch schon seit einigen Jahren Sounddesigner beschäftigt bzw. spezielle Studios beauftragt. Selbst bei konventionellen PKWs wird bereits auf diesem Wege nachgeholfen, für alle möglichen Geräusche (schließen der Türen etc.) werden die oben genannten Spezialisten bezahlt. Ob man bei Kleinwagen bereits Geräusche 'optimiert' hat, kann ich nicht sagen aber für Mittel- und Oberklassenfahrzeuge trifft es definitiv zu. Die Infrastruktur, bestimmte Geräusche in alle mögliche Fahrzeuge zu integrieren, ist also auf jeden Fall vorhanden!

Mein Mainframe -> HP16C

Troubleshooting-Probleme? -> Kepner Tregoe!

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  • Forum-Beiträge: 2.063

07.06.2019, 11:38:39 via Website

@René H.
Dann aber auch bitte für Fahrzeuge aller Art, die den Fußgängerverkehr kreuzen oder dabei sind, ergo Fahrräder aller Art, el. Rollstühle, el. Motorräder, el. Roller usw. Sich hier nur das Auto rauszupicken ist m. E. inkonsequent.

Es gibt in Deutschland mehr Hybrid-Fahrzeuge (Autos) als reine Elektrofahrzeuge (Autos). In Zahlen bedeutet das: knapp 340.000 Fahrzeuge gegen knapp 83.000. Hybrid-Fahrzeuge emittieren ähnlich viele Geräusche wie Elektroautos, wenn der Verbrennungsmotor ausgeschaltet ist - und dieser Zustand ist der Regelfall bei langsamen Geschwindigkeiten, um die es ja hier geht. Und nun werden Elektrofahrzeuge als Problem gesehen? 83.000 Hybridfahrzeuge gab es hier bereits 2014 und da sah man diese angebliche Gefahr nicht, weil durch diese Art der Fahrzeuge offenbar nicht signifikant mehr Unfälle passiert sind als vorher.

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  • Forum-Beiträge: 27.190

07.06.2019, 11:42:07 via Website

Ich bin auf jeden Fall für eine zusätzliche Geräuschkulisse bei den eAutos.
Umso mehr, dass die kleinen eFlitzer anders fahren und anders beschleunigen als die Autos mit Verbrennungsmotoren (so jedenfalls meine bisherige Beobachtung)

💕🎀 Tierschutz-Shop 🎀💕

. . . . . .Helfen. Einfach so. . . .

🐾 🐾 🐾 🐾 🐾 🐾

BITTE, DENKT DARAN!
Pflastersteine und Asphalt sind im Hochsommer heiß, aber die Hunde tragen keine Schuhe wie wir.

Tenten

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Bastian Siewers
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  • Forum-Beiträge: 9.707

07.06.2019, 12:09:57 via Website

Zu dem Gesetz hierzulande: Verstehe ich den Text richtig, dass Fahrzeuge nicht mehr Lärm machen dürfen, als unbedingt nötig? Es gibt in vielen Oberklasse-Fahrzeugen, auch z.B. bei einem Porsche, sogenannte Sound-Generatoren. Immer mehr Hersteller setzen darauf. Sie sorgen zum Beispiel dafür, dass ein VW Golf GTD, also die Dieselvariante des GTI, direkt mal zwei Geräusche abgibt: Vorne klingt er wie ein Diesel, und hinten klingt er dank Sound-Generator und Auspuff-Anlage eben wie ein Benziner. Wie ist dann sowas überhaupt zulässig?

@Frank: Interessanter Gedanke, mit dem du alles andere als Unrecht hast. Hybride sind bei den hier besprochenen Geschwindigkeit wohl wirklich mit E-Fahrzeugen gleichzusetzen. Ich bin gespannt, ob das noch mal zum Thema wird. So wie ich das bisher verstanden habe, sind sie nach aktuellem Stand ja nicht miteinbezogen.

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07.06.2019, 12:21:25 via Website

Ohne nachzusehen denke ich, dieses Gesetz ist recht alt, damals waren lautlose Fahrzeuge vermutlich nicht vorstellbar. Und wie das mit Gesetzen so ist, wo kein Kläger, da kein Richter. Gibt ja genug überholte Gesetze und Vorschriften, gutes Beispiel ist ja die DIN für Parkplätze, die für heutige Fahrzeuggrößen eigentlich gar nicht mehr passt. Aber solange niemand klagt, wird diese DIN sicher nicht so schnell überarbeitet werden.

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