Android App veröffentlichen - einige Fragen

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17.03.2019, 11:12:23 via Website

Hallo Leute,
mein Name ist Marcel und ich bin 27 Jahre alt. Außerdem arbeite ich in einem Angestelltenverhältnis, falls das für Fragen bezüglich des Finanzamtes wichtig ist.

Ich habe in Unity und C# ein recht simples Spiel entwickelt und möchte dieses nun in nächster Zeit im Google PlayStore veröffentlichen.

Dabei sind mir viele Fragen gekommen, die mir das Internet leider nur unzureichend beantworten konnte. Da hier ja der ein oder andere Entwickler unterwegs ist, erhoffe ich mir dabei eure Hilfe. Vielen Dank.

Die App soll kostenlos im Store erscheinen und mit Hilfe von Admob sowie eventuell In-App-Käufen monetarisierst werden. Die App wird keine besonderen Rechte auf dem Android-Gerät verlangen und beim ersten Start einen Dialog anzeigen, indem der Benutzer bestätigen muss, dass er älter als 16 Jahre ist und die Verarbeitung seiner Daten im Sinne meiner Privacy Policy zustimmt, um ihm personalisierte Werbung anzeigen und Analytics sammeln zu können. Der Benutzer muss beiden Punkten zustimmen, um die App weiter nutzen zu können.

Deshalb meine erste Frage, ist dieses Vorgehen konform mit der GDPR?

Ist es zwingend notwendig eine UG (haftungsbeschränkt) oder eine ähnliche Unternehmensform zu gründen oder reicht die Beantragung eines Gewerbescheines beim Finanzamt für den Anfang aus?

Sollte die App Umsätze generieren, dann bin ich ja verpflichtet die Umsatzsteuer an das Finanzamt abzuführen. Wie genau läuft das ab (monatlich, jährlich) und was führe ich wohin ab, wenn ich eventuell auch In-App Käufe in andere Länder als Deutschland ausliefere? Soweit ich weiß, führt Google nicht von selbst die Umsatzsteuer ab sondern nimmt den Entwickler in die Pflicht.

Vielen Dank noch einmal :)

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  • Forum-Beiträge: 2.280

19.03.2019, 08:02:45 via Website

Ich bin kein Steuerberater, also alles was ich hier sage ist nur meine persönliche Meinung/Erfahrung:

  1. Gewerbe anmelden reicht aus

  2. Bis 17.500€ pro Jahr kannst Du die Kleinunternehmer Regelung nutzen.
    Dadurch erfolgt die Versteuerung am Ende des Jahres. Du kannst die Steuererklärung zusammen mit deiner privaten abgeben, da es sich einfach nur um eine Einnahme aus selbstständiger Tätigkeit handelt.
    Du bist aber bis Ende Mai des folgenden Jahres verpflichtet die Steuererklärung zu machen. Sie ist nicht mehr freiwillig.

  3. Vorauszahlung gibt es für Kleinunternehmer nicht. Wenn du allerdings bei der Steuererklärung regelmäßig eine hohe Nachzahlung hast (was bei Kleinunternehmern konzeptbedingt ist), wirst du irgendwann eine Steuer-Vorauszahlung pro Quartal erhalten, die so hoch bemessen ist, dass deine Nachzahlung am Ende des Jahres bei ca. 0€ landet.

  4. Zur GDPR Konformität. So ähnlich habe ich es in meinen Apps auch. Ob das reicht? Hoffentlich. Denn in den Niederlanden ist man aktuell dabei die Auslegung der Gesetze so zu interpretieren, dass man Nutzer kostenloser Produkte nicht von der Nutzung des Dienstes aussperren darf bis sie Cookies o.ä. zustimmen. Das sei Erpressung - UND das wäre vermutlich der Tod jeglicher In-App-Werbung.

https://t3n.de/news/cookies-verstoesst-ein-zwang-gegen-etwa-die-dsgvo-1149428/

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  • Forum-Beiträge: 3.364

19.03.2019, 08:31:16 via Website

Dem Beitrag von Rafael ist nichts mehr hinzuzufügen , ausser :

Sollte die App Umsätze generieren, dann bin ich ja verpflichtet die Umsatzsteuer an das Finanzamt abzuführen.

Nach §19 UStG bist du eh nicht ausweispflichtig.

Für Apps wird die Umsatzsteuer innerhalb der EU direkt seitens Goggle abgeführt, außerhalb gilt die Exportregelung ohne Ust.
Es sei denn, du hast eine Gewerbe im entsprechenden Ausland angemeldet.

— geändert am 19.03.2019, 08:39:16

Liebe Grüße - Stefan
[ App - Entwicklung ]

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  • Forum-Beiträge: 2

19.03.2019, 09:16:55 via Website

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort, diese hilft mir in der Tat schon einmal sehr weiter.

Hältst du es aus der Erfahrung heraus für notwendig, einen Steuerberater einzubeziehen?

Zu 1. Die Gewerbeanmeldung kann ich theoretisch demzufolge auch ohne das Vorhandensein einer Gesellschaftsform sondern nur als Einzelperson vornehmen?

Zu 4. Danke für den Link, das wäre natürlich sehr heftig.

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  • Forum-Beiträge: 3.364

19.03.2019, 09:22:21 via Website

1) Ein Gewerbe bekommst du als EInzelperson bei jedem Einwohner-Meldeamt . Du haftest allerdings mit deinem gesamten Privatvermögen.

2) Auf jeden Fall einen Steuerberater einbeziehen. Du kannst deine EInkommenssteuer nicht selbst berechnen , wenn du nachwievor Einnahmen aus nicht selbständiger Arbeit generierst.
Rechne mit min. ca. 400 Euro per Anno.

Wobei wir direkt bei einer Anmerkung meinerseits sind :
AdMod ist erst einmal verpöhnt und ich würde das herausnehmen . Die Einnahmen reichen bei einer gut laufenden App mit ~ 30000 aktiven Nutzern gerade mal für die monatliche Pizza - wenn es gut läuft.
Wenn du alleine die Kosten des Steuerberaters zu Grunde legst , fährst du schon Verlust.

So leid es mir auch tut : Deine Rechnung und Hoffnung, zusätzliche Einnahmen zu generieren, gehen so nicht auf.
Es sei denn du hast den "Kracher" - was ich allerdings aufgrund deines Eingangspostes leicht bezweifle :-)

— geändert am 19.03.2019, 09:37:04

Liebe Grüße - Stefan
[ App - Entwicklung ]

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  • Forum-Beiträge: 2.280

19.03.2019, 10:34:25 via Website

Definitiv Steuerberater.
Die GuV ist schon komplex und die Frage was du wie absetzen darfst, kann zu vielen Fehlern führen, was Rückfragen des FA nach sich ziehen wird und wenn du Pech hast eine komplette Prüfung.
Der Steuerberater hat da viel mehr Ahnung, macht es idR fehlerfreier als Du und weckt damit keine schlafenden Hunde ;-)
Je nachdem wie groß das Ganze wird und was deine Apps tun, ist eine Rechtsschutzversicherung, die Gewerbe abdeckt auch sinnvoll. Sie Stefan richtig sagte. Als Personengesellschaft haftet man mit Privatvermögen.
Dürfte jetzt in deinem Fall (noch) nicht relevant sein, aber es sei trotzdem angemerkt.

Zum Thema AdMob.
Ich kann den schlechten Ruf von AdMob nicht ganz nachvollziehen. Für mich funktioniert es wunderbar.
Klar braucht man schon eine gewisse User-Base um nennenswert Einnahme zu generieren, aber es skaliert mit der "Güte" des Werbeplatzes.
Also etablierte Apps mit guten Bewertungen kriegen mit der Zeit spürbar mehr pro Klick.

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