14-Tage-Test: Acer Liquid E3 plus

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05.06.2014, 18:15:42 via Website

Normalerweise beginnt die Anschaffung eines neuen Handys im Kopf. Zunächst bedarf es einer Unzufriedenheit mit der bestehenden Situation. Technische Defekte oder Unzulänglichkeiten der bisherigen Lösung, Orientierung an neueren Produktmerkmalen oder Wettlauf im Kampf der Statussymbole, zu denen ein Handy heutzutage zweifelsohne gehört.

Der Übergang in die zweite Phase ist fließend. Festlegung der aus persönlicher Sicht wesentlichen Eigenschaften. Welche Wichtung erhält ein geringer SAR-Wert? Muss es der schnellere Prozessor sein, mit noch mehr Cores? Das Display mit gigantischen Auflösungen jenseits der Wahrnehmungsschwelle? Die Kamera mit Rundumblick und 3D-Blitz, der hochempfindliche Kreiselkompass? Millimeter-GPS mit Bodenkrontrollausgleichsrechnung und dutzenden Bewegungssensoren? Der ausklappbare Regenschirm am Smartphone als Ersatz für die aus dem Alltag verschwundene Telefonzelle? Längst ist ein Handy mehr als ein langweiliges Telefon oder ein SMS-Hackbrett. Da können schon Wünsche wach werden.

Ernüchterung schafft die Marktanalyse. Die goldne-Eier-legende-Wollmilchsau gibt es nicht. Schon gar nicht zu dem Preis, der sich vor Gewissen und Haushaltsvorstand rechtfertigen lässt. Kompromisse sind gefragt.

Diesmal war alles anders. Ja, technische Unzulänglichkeiten in der bestehenden Lösung gab es schon. Die Ohrhörerbuchse war defekt. Weil das Android gerootet und mit einem Alternativsystem bespielt war, lehnten die hiesigen Handlanger des asiatischen Herstellers die Garantierepartur ab. Als „Kulanz“ wurde der Austausch des Mainbords zu einem Preis weit oberhalb des derzeitigen Marktwertes eines baugleichen Neugerätes angeboten. Lächerlich! Oder eher traurig. Auch bei anderen Produzenten werden serienmäßige Hardwarefehler bei gerootetem Gerät regelmäßig von der Garantie ausgeschlossen oder selbst bei unverändertem System als „selbstverschuldeter Wasserschaden“ dem Benutzer in die Schuhe geschoben. Ein Skandal. Wer hat die Kraft, mit diesen Windmühlenflügeln zu kämpfen?

Kürzlich bröselte auch noch das Gehäuse am Einschaltknopf weg. Das Display ist vielleicht eine Spur zu klein für das alternde Auge. Da kam die E-Mail von AndroidPIT gerade recht: Aufruf zur Acer Liquid E3 plus-Lesertest-Bewerbung. Acer? Schon mal gehört. Klingt nach Notebook. Aber Acer und Handy? Der Blick in die technischen Daten weckt Begehren. Jenseits des eigenen Budgets ist die Preisklasse. Also teilnehmen! Irgendwas muss man sich einfallen lassen, um sich von den sicherlich massenweise eingehenden Bewerbungen hervor zu heben. Wird es gelingen? Am Ende sind knapp 1000 Einträge im Thread. Davon fällt vieles als Nebengeplänkel heraus. Einige Browser kommen mit der Darstellungen von Umlauten in dem Link zum Zeichenzähler nicht klar, was die Anzahl der Wortmeldungen ansteigen lässt. Nicht jeder scheint die Begrenzung auf maximal 140 Zeichen ernst zu nehmen. Und dann weist da jemand noch darauf hin, dies könne ein Ausschlusskriterium sein. Psst, nicht alles verraten! So wird die Konkurrenz kleiner.

Schließlich kommt die erlösende E-Mail: Juhu, ich darf das Acer Liquid E3 plus testen! Damit entfällt die Marktanalyse und das Festlegen auf eigene Kriterien. Ein spiegelndes Display hätte sicher nicht zu meinen Wünschen gehört. Zugegebenermaßen haben diese Schminkspiegel besseren Kontrast. Werde ich mir mal anschauen. Kürzlich konnte ich ein hochglänzendes Tablet einrichten und hatte Mühe für die Einführungsvideos reflexionsarme Umgebungen zu schaffen. Zur Sicherheit ordere ich schon mal eine entspiegelte Schutzfolie. Genau genommen zwei. Gibt es gleich im Doppelpack. Wieso eigentlich? Trauen die ihren eigenen Produkten keine lange Lebensdauer zu? Für 3,94 EUR inklusive Versand und recht guten Bewertungen muss man nicht lange dran rumdeuteln.

Der Blick ins Handbuch des Acer Liquid E3 plus, das freundlicherweise im Internet heruntergeladen werden kann (und umweltfreundlich dem Produkt nicht in gedruckter Version beigelegt wird), offenbart ein Problem: Dual-SIM ja, aber beide als Micro-SIM ausgelegt. Da muss ich beim Provider einen Tausch beantragen. Geht bei vielen kostenlos. Die Anbieter wollen keine Kunden beim Handywechsel verlieren und nehmen die geringen Hardware- und Versandkosten in Kauf, in der Hoffnung auf saftige Gesprächs-, SMS- und Onlinekosten. Selbst das oben erwähnte 10,1"-Tablet hat nur noch eine Micro-SIM. Spart das wirklich so viel Material? Die Anzahl der Geräte wird es bringen. Einige haben ja schon die Nano-SIM. Das ist dann gleich ein Alkoholtest beim Einlegen. Zu DDR-Zeiten haben wir gelästert: „Unsere Mikroelektronik ist nicht klein zu kriegen“. Nun ist sie so klein, dass der Mensch zum begrenzenden Faktor wird. Die Pico-SIM kann sicher nur noch mit Spezialmaschinen ins Gerät implantiert werden. Höher, schneller, kleiner.

Versand und Freischaltung der neuen SIM dauert acht Tage. Man sollte sich den Vorgang also bei Zeiten überlegen. Das Timing klappt gut: Einen Tag nach Eintreffen des nagelneuen Acer liquid E3 plus erfolgt die Umschaltung der SIM-Karte. Nicht ganz reibungslos. In einer E-Mail stand nur der Tag und der Hinweis, wenn sich die alte Karte an diesem Tag nicht mehr einbucht, würde die neue aktiviert. Der Versuch 6:55 Uhr blieb erfolglos. Eine E-Mail an den Provider wurde erst 20:35 Uhr völlig belanglos beantwortet. Da hatte (s)ich das Problem schon geklärt. Aus dem Internet kam der Tipp, man soll warten, bis die alte Karte keinen Kontakt mehr hat. Zu sehen waren stets 3 Balken oder mehr. Nach Feierabend schaltete ich das alte Gerät ab und das neue an und siehe da: Es kamen SMS, die von 12:48 waren. Also mindestens ein halber Tag Verlust. Eine SMS wenige Minuten vor der Umschaltung würde kundenfreundlicher sein und für weitgehende Verfügbarkeit sorgen.

Auf Herz und Nieren prüfen.

Als Herz schlägt im Acer liquid E3 plus ein MT6589 1,2 GHz Quad-Core-Prozessor, der echtes Multitasking verspricht und auch lässig hält. Flüssig in allen Lebenslagen. Soviel Kraft verlangt Strom. Man sollte nicht benötigte Anwendungen schließen, um nicht so schnell an die Kapazitätsgrenzen zu kommen. Es können schon mal in einer Nacht trotz Flugzeugmodus 16 % rausgesaugt werden. Gut eingestellt kommt das Gerät mit 1 – 2 % in diesem Zeitraum bestens zurecht.

Das elektrische Blut wird von einem 2000 mAh-Akku bereit gestellt. Die fehlende Möglichkeit zum Akkutausch wäre eigentlich ein Ausschlusskriterium in der Kaufentscheidung gewesen. Aber ohne Kauf keine Entscheidung. Vielleicht zum Glück. Halten Akkus heutzutage nicht größtenteils länger als die Gebrauchsdauer von Handys beträgt? Ohne Akku-Wechselfunktion entfällt auch der letzte Grund, das Gerät zu öffnen, denn alle Karten lassen sich bequem von außen hinter den gut schließenden Abdeckungen des Acer liquid E3 plus verstecken. Damit ist die Gefahr eines Wasserschadens minimiert. Nur der Micro-USB-Anschluss und die Ohrhörerbuchse bieten eine geringe Angriffsfläche.

Ohren und Mund sind durchweg gesund. Die In-Ears werden mit einem schicken Flachbandkabel zum Klinkenstecker geführt. Ein eingelassenes Mikrofon mit gut erreichbarem Schalter runden den ersten Eindruck ab. Ein kleiner Ritz an einer Kabelstelle trübt den Eindruck guter Verarbeitung zunächst etwas und ein Wackelkontakt in Schalternähe vollends. Zugute halten muss man der Endkontrolle, dass diese Störung erst im echten Gebrauch auffällt. Hier müsste man sich einen Belastungstest einfallen lassen, der wohl in keinem Verhältnis zu den Herstellungskosten steht. Äußerst rasch wurde kostenlos funktionsfähiger Ersatz zur Verfügung gestellt, der in allen Punkten überzeugen kann.

In den Ohren üben die Kopfhörer keinen störenden Druck aus und haben eine beachtliche Schalldruckleistung. Ob man das Hörerlebnis als etwas basslastig empfindet, liegt im Ohr (oder im Kopf) des Nutzers. An den Einstellungen des DTS-Soundsystems kann die Baßverstärkung von der standardmäßigen 3 auf 1 gesenkt werden, um einen natürlichen Eindruck zu erzeugen.
Das Soundsystem lässt keine Wünsche offen. Sowohl der eingebaute Lautsprecher, das interne Mikrofon als auch Ohrhörer und dessen Mikrofon bieten sauberen, rauscharmen Klang. Die Verständigung während eines Telefonates ist für beide Seiten eine angenehme Erfahrung. Damit ist eine Grundfunktion zur vollen Zufriedenheit erfüllt und auch an der SMS-Funktionalität gibt es nichts auszusetzen. Bedingt durch die Displaygröße sind die Tasten des Softkeyboards gut erkenn- und bedienbar. Bei Gefallen kann mit „swype“, dem absetzungsfreien wischen über die Tastatur in der Reihenfolge der benötigten Zeichen, schneller zum fertigen Wort gelangt werden.

Die Haut ist weich und stabil. Angenehm in der Hand liegt das Gehäuse des Acer liquid E3 plus und hat für eine durchschnittliche Erwachsenenhand eine günstige Größe. Auch in einer ausreichend großen Gesäßtasche nimmt es sich nicht schlecht aus, obwohl das Handbuch von dieser Transportvariante ausdrücklich abrät. Was denken die denn, wie man es sonst machen soll?

Gleitend kann man über die spiegelglatte *Display*oberfläche streichen. Zurückbleibendes Hautfett lässt sich leicht an weicher Kleidung abwischen. Reflexionen sind beim Fotografieren des Handys störend, im täglichen Gebrauch jedoch kaum. Der Versuch mit einer Antireflexfolie wurde bald wieder beendet, da der Wischwiderstand größer war, die Fettflecken sich breiter verteilten und schwerer abwischen ließen. Klare Überzeugung für die Originalvariante von Acer und verbeugendes Ablegen der Vorurteile. Helligkeit, Kontrast und Farbwiedergabe zeigen im Rahmen der Erwartungen keine Schwächen. Sonnenbeschienen kann man keine Wunder erwarten und immer noch soviel erkennen, dass es zur Bedienung der Kamera ausreicht. Texte lesen wird unter diesen Bedingungen allerdings nur für Adleraugen möglich sein.

Die zusätzliche „AcerRAPID“-Taste ist eine interessante Ergänzung. Welches Programm durch einen Kurzdruck startet, ist konfigurierbar. Bei Langdruck wird die Kamera schnell verfügbar ohne irgendwelche PIN- oder Sicherungsmusterformalitäten. Eindringen ins System über diesen Umweg wird perfekt verwehrt. Ansehen älterer Bilder scheitert an einem Schloss-Symbol, das die Privatspäre sichert.

Als Augen spendierte Acer dem liquid E3 plus sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite eine Kamera, die von je einem Blitz unterstützt werden kann. Trotz 13 Megapixel im Sensor der Hauptkamera lagen die Erwartungen im Hinblick auf das winzig kleine Objektiv nicht sehr hoch. Positiv überraschten die ersten Tests. Farbgenauigkeit und Detailschärfe können zu sehr überzeugenden Resultaten führen. Mehrbändige Abhandlungen und wochenlange Testreihen allein zu den Kameras wären denkbar, würden den gebotenen Rahmen jedoch sprengen. Hervorragend ist die gestalterische Möglichkeit durch leichten Klick an beliebiger Position im Vorschaubild die Stelle für Autofokus und Belichtungsmessung auszuwählen. Ein Piepton und ein Kästchen mit eingeblendetem Sonnensymbol bestätigen den Erfolg, der auch deutlich im Sucherbild sichtbar wird. Vorbei ist der Zwang diese Einstellungen mittenzentriert vorzunehmen.

Durchaus sehenswerte Testbilder sind Gerstenfeld.jpg imageund Mohnblume.jpgimage. Selbstverständlich zeigt sich der wahre Eindruck nur, wenn man die Bilder in der nativen Auflösung betrachtet. Der Upload in dieser Auflösung wird im Forum leider nicht unterstützt. Auch bei klarstem Wetter nicht überzeugen kann der Fernblick auf eine Stadt (Stadt.jpg)image. Trotz Auswahl „fein“ schlägt die JPG-Komprimierung zu und verrauscht die Kanten. Mag sein, irgendeine Einstellung der reichlich konfigurierbaren Software kann hier Abhilfe schaffen, lies sich aber nicht sogleich finden.

Hat rein digitaler Zoom einen verbessernden Effekt gegenüber der späteren Ausschnittsvergrößerung einer 1:1-Aufnahme? Zumindest im Nahbereich kann dies deutlich bejaht werden. Dabei tritt gleich noch eine weitere interessante Eigenschaft zu Tage: Die Lupenfunktion. Mit einem Abstand von etwa vier Zentimeter können Objekte, die sich solche Annäherung ohne Flucht und Gegenwehr gefallen lassen, in reichlich doppelter Größe fotografiert werden und bei Verwendung des digitalen Vierfachzooms ist fast zehnfache Makroaufnahme möglich (Millimeter.jpg)image. Zoom-Testreihen in mittleren Entfernungen zeigen weniger beeindruckende Ergebnisse (dazu späterer Beitrag geplant), müssten jedoch durch exakte Messungen untermauert werden. Jeder Zoom vergrößert die Verwacklungsgefahr. Da ist behutsames Vorgehen gefragt.

Aufnahme-Auslösung mit der „AcerRAPID“-Taste ist im Hochkantformat eine durchaus sinnvolle Möglichkeit. Im Querformat erscheinen aus der einen Richtung die eigenen Finger zu kurz, um die Taste zu erreichen und aus der anderen Richtung zu dick, um das Objektiv verdeckungsfrei zum erstrebten Ziel blicken zu lassen.

Gleich einem mittellangen dicken Haar erscheint die Micro-USB-Verbindung. Neuere Android-Versionen bieten keinen Zugriff im USB-Datenträgermodus, weil das System durch freie Einteilung des Speichers ein vorübergehendes Aushängen nicht mehr erlaubt. Statt dessen kann zwischen MTP- und PTP-Modus gewählt werden. Erstgenannter (und voreingestellter) ermöglicht Zugriff auf das ganze Dateisystem, PTP nur auf die Bilderverzeichnisse der Speicherkarte. Experimente mit MTP zeigten in manchen Situationen Übertragungsabbrüche bei größeren Dateien (siehe Bild „Abbruch.png“), während per ssh klaglos alle Kopier-Anforderungen erfüllt wurden (zur Einrichtung und zusätzlichem Nutzen weiterer Beitrag geplant). Die Ursache konnte nicht vollständig geklärt werden. Potentielle verdächtige sind der Anschluss an USB3, Verlängerungskabel bzw. Micro-USB-Kabel eines Drittanbieters. Die Störungen traten sowohl unter Linux als auch unter Windows und an unterschiedlichen Systemen auf. Reine Hardwareprobleme reichen als Begründung nicht aus, da ssh immer funktionierte.

Hat die Verwendung einer Class10-SD-Karte in dem Acer liquid E3 plus Vorteile? Nach ersten Geschwindigkeitsmessungen im Vergleich zum internen Speicher und einer Class6-Karte kann bei der Übertragung einer 100MB-Zufallswert-Datei durchaus eine Verbesserung bemerkt werden. Unabhängig von der Kartenqualität ist die Leseperformance im MTP-Modus auffällig besser als mit ssh. Für Vergleichswerte mit einem normalen USB2-Kartenleser muss eine 1000MB-Datei herhalten, da bei der zehnmal kleineren Datei alle Werte maximal bei einer Sekunde liegen. Hingegen dauert das Lesen der 100MB-Datei im MTP-Modus 6 Sekunden (Schreiben 20 s [class10], 28 s [class6]). Hier ist noch viel Luft im USB-Kabel. Im Handy oder den Übertragungs-Protokollen dagegen offensichtlich eine Bremse.

Offlinelandkarten sparen unnötigen Datentransfer und sind auch in Mobilfunklöchern verfügbar. Openstreetmap (OSM) bietet weltweites aktuelles Kartenmaterial, das man beim Entdecken von Fehlern oder fehlenden Einträgen selbst verändern kann. OSM-Karten und Offlinenutzung wird in einer Vielzahl angebotener Apps vereint. Unter Nutzung des *GPS-Sensor*s ist das Acer liquid E3 plus in der Lage dieses Angebot zu nutzen, wobei sich das Auffinden der Satelliten etwas schwerfällig gestaltet und auch während der Spurverfolgung waren wiederholte Verbindungsabbrüche zu verzeichnen. Hardwareproblem oder lässt sich Firmware oder Software noch aufbohren? Eigentlich müsste es Programme geben, die unter Hinzuziehung der Beschleunigungssensoren selbst in Tunneln und Schluchten den Kurs weiter bestimmen können und somit auch unbeeindruckt von kurzzeitigen Signalunterbrechungen arbeiten. Wer kann solches Angebot benennen? Oder ist das eine Marktlücke?

Kompas-Anwendungen werden vom Acer liquid E3 plus zuverlässig mit der magnetischen Nordausrichtung und sogar mit der genauen Angabe der Magnetfeldstärke versorgt. Akkuschonend ist so eine Orientierung ganz ohne GPS möglich. Vorausgesetzt, man kann mit Karte und Kompass umgehen.

Die Empfangsstärke unter schwierigen Sendebedingungen erscheint vergleichbar mit anderen Handys. Weder nach oben noch nach unten sind signifikante Ausreißer zu verzeichnen. Mag sein, das eine oder andere Gerät würde hier und da noch länger Kontakt zur Außenwelt herstellen können, dann aber nur unter Verstärkung der Sendeleistung, die sich wahrscheinlich in einem schlechteren SAR-Wert niederschlägt.

Das eingebaute UKW-Radio überzeugt im perfekten Zusammenspiel mit der vorinstallierten FM-Anwendung und liefert, sowohl beim Senderscan als auch beim täglichen Empfang, beste Ergebnisse. Prinzipbedingt wird der Ohrhörer als Antenne verwendet, was bei vergleichbaren Geräten üblich ist. Es bleibt zu hoffen, dass es auch kompatible DAB-Programme geben wird, wenn im UKW-Bereich nur noch digital gesendet wird, wie es in früheren Planungen ab 2012 vorgesehen war und sicher demnächst Wirklichkeit wird. Für hinreichend leistungsfähige Androids dürfte das kein Problem sein, Hardware-Radios dagegen sind dann nur noch ein schöner Stein.

Abgewandelt von einer Vorlage für angebissene Äpfel kommt ein Schreibtisch-Ständer für das A*cer liquid E3 plus* aus dem 3D-Drucker. Die Füße sind so hoch, dass das USB-Kabel eingesteckt bleiben kann. Im Querformat lädt der Ständer zu bequemer Video-Ansicht ein. Bedienbar ist das berührungsempfindliche Display in dieser Stellung ebenfalls (Staender.jpg)image. In guter OpenSource-Manier wird die anpasste Vorlage bei thingiverse der Allgemeinheit zugänglich gemacht und hat in den wenigen Tagen schon viele begeisterte Nachahmer gefunden.

Android kommt ab 4.1 mit externen Bluetooth-Tastaturen zurecht. Allerdings wollten die Umlaute trotz Standardvorgabe „deutsch“ nicht mitspielen. www.android-hilfe.de hat im acer-liquid-z3-z130-forum den Artikel 461763-acer-liquid-z3-z130-9.html, der genau dieses Problem beschreibt. Dort verweist man auf Googles Spielladen, indem „Externe Tastatur medion“ angeboten wird. Und siehe da: Nun ist die Auswahl der Tastatursprachen nicht mehr leer, deutsch auswählbar und als Gipfelpunkt der Aktion − sogar verwendbar. Warum nicht gleich so?

Träumend vom zum Handy geschrumpften Desktop-Computer fehlt ergänzend zur bequemen Tastatur noch die Verbindung mit einem großen Display. Android kennt diese Möglichkeit in den neueren Versionen, konterkariert den Versuch jedoch sofort, indem es beim Einschalten von Miracast Bluetooth abschaltet. Wieder 70 bis 100 Euronen gespart – durch den unterlassenen Versuch, einen Miracast-Empfänger mit einem Bildschirm oder Beamer als Ausgabegerät für das Acer liquid E3 plus zu nutzen. Außerdem würde dieses Verfahren auch nur die vorhandene Auflösung im Clone-Modus übertragen. Da schlummert Potential für Neuerungen.

E-Mail-Konten lassen sich mit dem Standardprogramm prima verwalten. Ob IMAP oder POP3, verschlüsselte Protokolle, Sondereinstellungen oder Signatur, alles ist zu finden – nur, kryptografische Schlüssel scheinen nicht vorgesehen zu sein. Weder SMIME noch PGP sind zu finden. Ist das ein Grund, nach einem Alternativprogramm zu suchen? Vorerst nicht, denn den privaten Schlüssel auf einem Android-Gerät abzulegen ist auch nicht gerade der sehnlichste Wunschtraum von paranoiden Sicherheitsexperten. Beim Einrichten des Gerätes waren ratzfatz alle Termine bei Google gelandet und ließen sich nur nach einiger Sucherei wieder vom Server löschen. Auf welcher „Sicherungskopie“ sie immer noch ihr ungestörtes Dasein fristen, wissen nur die Götter in Mountain View. Hoffentlich wenigstens die und nur die. Kontakte werden sogar zwangsweise 30 Tage nach der Löschung aufbewahrt. Vorzeitiges Tilgen ist nicht möglich. Also lassen wir die privaten Schlüssel mal ruhig auf den Linux-Desktops, auch wenn dort genauso Herzensbrecher lauern können, wie vor Kurzem schmerzlich erfahren werden musste.

Die Softwareausstattung ist schon im Lieferumfang gut abgerundet und kann den eigenen Vorlieben weiter angepasst werden. Bei einem Gerät ohne root-Rechte allerdings vorwiegend durch Hinzufügen weiterer Apps und nur teilweise durch Deaktivieren nicht benötigter Bestandteile. Zur Reinhaltung des Körpers, wie es die Nieren in uns erledigen, muss „Dr.Web anti-virus Light“ als erste Zusatz-Anwendung ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Ist es mehr als nur ein Gefühl?

Wenn keine zweite SIM-Karte vorhanden ist, wird trotzdem beständig das Symbol des Verbindungsproblems im Statusbereich angezeigt. Automatische Erkennung oder wenigstens ein Menüeintrag zur Deaktivierung des störenden Symbols wären hilfreicher. Sehr hübsch gelöst ist dagegen die kleine multicolor Status-LED neben dem vorderen Blitzlicht. Wenn der Akku geladen wird leuchtet sie rot und wenn er voll ist (und trotzdem das USB-Kabel steckt) grün. Auch blau ist im Angebot (z. B. beim Neustart). Bei bestimmten Vorgängen habe ich sie auch ohne USB-Kabel schon kurz grün aufblinken sehen. Was wollte uns acer damit sagen? War wohl bei einer Installation im Hintergrund.

Wo haben acer und google die Entwickler-Werkzeuge versteckt? Ganz lustig. Unter „Einstellungen“ „Über das Telefon“ muss siebenmal „Build-Nummer“ gedrückt werden. Dann wird man zum Entwickler geadelt und hat die Möglichkeit z. B. USB-Debugging freizuschalten. Somit steht adb und eine Fernkonsole für das Gerät zur Verfügung. Ein weiterer Weg zur Datenübertragung und eine vollständige Sicherung auf dem eigenen Computer lassen mehr Freiraum. Root ist man damit noch lange nicht. Eine Verbindung mit adbfs muss obigen Geschwindigkeitstest über sich ergehen lassen und zeigt beim Schreiben deutliche Schwächen, aber beim Lesen ähnliche Performance wie eine direkte Anbindung eines USB-Kartenlesers. Also sind bei MTP/ssh die Protokolle die bremsenden Faktoren und nicht die Hardware.

Am Ende der Testphase gilt es ein Fazit zu ziehen. Es gibt verschiedene Gründe, das Acer liquid E3 plus behalten zu wollen. Sei es die zur Micro-SIM geschrumpfte Karte, die im alten Gerät gar nicht mehr passt, sei es das augenfreundlichere größere Display oder welche Facette des umfangreichen Angebots auch immer. Der größte Kritikpunkt ist das wenig überzeugende GPS, das wegen seines Stromhungers sowieso wenig Verwendung finden wird. Letztlich zählt das, was in einer Partnerschaft den größten Wert hat: Ich habe es lieb gewonnen und möchte es nicht mehr missen.

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  • Forum-Beiträge: 20

05.06.2014, 18:32:41 via Website

Das Bild Abbruch.png war mir durch die Lappen gegangen und wird hier nachgeliefert, weil beim Bearbeiten dews Ursprungsartikels sonst (fast) alle Bilder zermascht würden. (Irgendein Problem mit dem Editor). image

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  • Forum-Beiträge: 33.139

05.06.2014, 18:39:11 via App

Hi,

Sehr schöner Test, tolle Sprache!

Zum Thema GPS: In Einstellungen / Standortdienste / GPS einfach A-GPS und/oder EPO aktivieren und alles ist gut.

Herzliche Grüße

Carsten

Ich komm' mir langsam vor wie jemand, der ich bin // #cäthe

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  • Forum-Beiträge: 24.201

05.06.2014, 18:41:53 via App

Carsten M.

Hi,

Sehr schöner Test, tolle Sprache!

Richtig, da bin ich durchaus der gleichen Meinung und freue mich, dir hiermit meine Zustimmung ausdrücken zu können :)

StayDirty ツ


⇨Dirty⇦nexus5x [7.1.1]

⇨Dirty⇦ nexus4 [5.0.2]

⇨Dirty⇦ nexus7 (Flo) [6.0.1]

⇨CodefireX⇦desire hd [4.2.2]

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  • Forum-Beiträge: 14.850

05.06.2014, 18:52:06 via App

Da kann ich mich nur anschließen! Sehr angenehme Ausdrucksweise mit sehr gutem, sachbezogenem Inhalt! :)

Viele Grüße, Andi

☞ Bist Du einsam und allein? Sprüh' Dich mit Kontaktspray ein! ☜

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  • Forum-Beiträge: 34.457

05.06.2014, 19:08:51 via App

ein weiterer schöner Bericht 👍

L.G. Erwin
..................
Wissen ist Macht. Nichts wissen macht nichts.
Wer einen Rechtschreibfehler findet darf ihn behalten.
Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende.
Hat dir mein Beitrag gefallen? Dann würde ich mich über ein Danke freuen.
(cool)

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  • Forum-Beiträge: 20.761

05.06.2014, 19:52:37 via App

Trotz vieler Fakten so flüssig lesbar wie eine Kurzgeschichte. Wirklich toll geschrieben.

Don't turn your back, don't look away. And don't Blink . Blink and you're dead.

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Gelöschter Account
  • Forum-Beiträge: 8.739

05.06.2014, 20:02:16 via Website

Wow!!! Ein Bericht besser als der andere!


Ich habe keine Lust mehr auf Bastelei und widme mich lieber wieder dem Real Life. Die Idee gärte schon länger. Tschüß!


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  • Forum-Beiträge: 10

10.06.2014, 17:45:53 via Website

Dieser Testbericht (und die anderen auch) haben mir sehr gefallen und ich habe einiges über das Smartphone erfahren. Nachdem ich zu langsam war mit meiner Bewerbung für das Testgerät und unbedingt ein neues brauchte (DualSIM), hatte ich es mir nämlich fast zeitgleich wie die Tester zugelegt. Und ich bin als Käufer und Nicht-Tester rundum glücklich als bisheriger (und ehemaliger) Samsung Galaxy S Duos-Besitzer. :D

Eine Bemerkung zur Größe der SIM-Karten. Ich war auch erschüttert, dass es nur die Micro-SD-SIM-Karte ins Handy geschafft haben. Meine Provider wollten ca. 20 Euro (pro Karte) für den Austausch, so dass ich zur Schere gegriffen habe. Aber auch das lässt das Liquid E3 Plus zu und seitdem die beiden Karten im Gerät sind, habe ich noch keinen Ausfall gehabt.

Alle anderen Bemerkungen (Pros/Contras) nehme ich auf und werde sie testen, soweit es noch nicht geschehen ist.

Grüße
Jupp

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  • Forum-Beiträge: 20

23.06.2014, 19:10:53 via Website

Nun gab es eine neue Runde der Ohrhörer-Problemeimage
Ohne Vorwarnung löste sich das metallische Innenleben des Steckers beim Herausziehen aus dem Handy. Ein Meldung an service-de@store.acer-euro.com brachte nur die Aussage
---Zitat
vielen Dank für Ihre Anfrage. Gerne würden wir Ihnen bei der Beantwortung
Ihrer Anfrage behilflich sein.

Über unseren AcerStore bieten wir Zubehör und Garantieerweiterungen zu ACER
Produkten an. Leider können wir Ihnen an dieser Stelle keinen technischen
Support oder eine Gewährleistungsabwicklung anbieten. Hierfür bitten wir
Sie um Ihr Verständnis.

Für technische Anfragen wenden Sie sich bitte mit der Seriennummer Ihres
Gerätes an den technischen Support der ACER Computer GmbH. Sämtliche
Kontaktmöglichkeiten unseres Service werden Ihnen über folgenden Link im
Internet angezeigt:

http://www.acer.de/ac/de/DE/content/service-contact.
---Zitat Ende

Nach Schilderung des Vorfalls auf der Kontakt-Seite, kam die Antwort:
---Zitat
es ist notwendig Ihr Produkt in unsere Werkstatt zu schicken ...
Bei dem von Ihnen beschriebenen Problem handelt es sich leider vermutlich um einen Hardwaredefekt.
Um den Fehler genau zu identifizieren und zu beheben ist es notwendig, dass Ihr Gerät in unserem Repair Center technisch überprüft wird.
...
Die Datensicherung obliegt dem Auftraggeber. Acer weist vorsorglich darauf hin, dass im Rahmen der Fehlersuche, -beseitigung Daten gelöscht werden können.
Eine Datensicherung durch das Acer Service Center ist nicht möglich. Jegliche Schadensersatzansprüche sind entsprechend ausgeschlossen.
---Zitat Ende

Ich hätte zwar kein Problem, die kaputten Ohrhörer einzuschicken. Aber wie soll ich von denen eine Datensicherung erzeugen? :D
Außerdem dürfte der ganze postalische Aufwand die Schadenshöe nicht rechtfertigen. Dies Haltung teilte ich im Acer-Chat-Service mit und erhielt nach einigem hin-und-her die Zusicherung, neue Ohrhörer direkt vom Technik-Team zu erhalten, da in der Service-Abteilung sowas nicht vorrätig wäre.

Heute kamen die (derzeit) einwandfreien Stöpsel an. Hoffe, die halten sehr lange ;)

Übrigens stieß mein Hinweis, dass man lins und rechts nicht zuordnen könne auf wenig Verständis. Das würde doch keine Rolle spielen. Naja, bei Musik aber doch.

Viele Grüße
Andraes

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  • Forum-Beiträge: 8.773

23.06.2014, 19:53:12 via App

Die sind halt ein Unternehmen dass auf Computer (Smartphones zähl ich da dazu) speziellert sind.
Die haben mit Musik wenig am Hut.

Ich denke mal, so ein Fehler wie er bei dir aufgetreten ist ist ne Ausnahme

Keep cool :D

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  • Forum-Beiträge: 7

25.06.2014, 20:09:53 via Website

Das mit der Kopfhörerbeschriftung ist schon kurios, aber find ich gut, dass der Service auch funktioniert.

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