Feuerwerk mit dem Smartphone fotografieren: So einfach geht das!
Um ein Feuerwerk „richtig“ zu fotografieren, braucht man eine große Kamera und ganz viel Ahnung? Von wegen: Auch mit dem Smartphone könnt Ihr tolle Feuerwerk-Fotos aufnehmen. Mit den richtigen Einstellungen und ein paar Tricks könnt auch Ihr mit Eurem Handy schöne Bilder von Silvester schießen.
Was brauchen wir?
1. Kamera
Zunächst braucht Ihr natürlich Euer Smartphone. Alternativ könnt Ihr diese Tipps aber natürlich auch mit Eurer Digitalkamera umsetzen. Praktisch alle Android-Smartphones bieten einen Pro-Modus, in dem Ihr Fokus, Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit manuell anpassen könnt. In Kombination mit der immer besseren Bildqualität ist Euer Smartphone damit bestens für gelungene Feuerwerk-Fotos gerüstet.
Euer Smartphone (iPhone, *hust*) hat keinen manuellen Modus? Probiert's doch zum Beispiel mit der App Filmic Firstlight (Android / iOS) oder einer der anderen alternativen Kamera-Apps aus diesem Artikel.
2. Mini-Stativ
Dazu würde ich Euch noch ein einfaches Stativ wärmstens empfehlen. Denn bei den erforderlichen Verschlusszeiten von mehreren Sekunden ist es auch mit den ruhigsten Händen nicht mehr möglich, scharfe Fotos zu schießen. Im Notfall könnt Ihr Euer Smartphone zwar irgendwo anlehnen oder behelfsmäßig einklemmen, habt dann aber nicht die volle Flexibilität, was den Bildausschnitt angeht.
3. Smartphone richtig ausrichten
Beim Ausrichten des Smartphones ist ganz wichtig: Achtet darauf, dass Ihr dem Feuerwerk lieber etwas zu viel Platz als zu wenig Platz auf dem Bild lasst. Das Foto könnt Ihr gerade in den Zeiten ultra-hochauflösender Smartphone-Kameras nachträglich immer noch zuschneiden.
Außerdem empfehle ich Euch, immer auch etwas Landschaft mit abzubilden, beispielsweise ein paar Gebäude im Vordergrund, einen Hügel oder einen Baum. So setzt Ihr das Feuerwerk in einen Kontext. Wenn Ihr es schafft, eine Wasserfläche (oder andere reflektierende Dinge) zwischen Euch und das Feuerwerk zu bringen, werdet Ihr mit spektakulären Spiegelungen belohnt.
Die richtigen Aufnahmeeinstellungen
1. Besser Pro-Modus als Feuerwerk-Modus
Einige Smartphones und Third-Party-Kamera-Apps bieten bereits Modi für Feuerwerk, die im Wesentlichen die von uns in diesem Artikel vorgeschlagenen Einstellungen aktivieren. Allerdings liefern die Kameras hier in der Regel JPEG-Bilder, die nur eingeschränkte Bearbeitungsmöglichkeiten bieten. Und sollten die Ergebnisse nicht Euren Vorstellungen entsprechen, habt Ihr hinterher weniger Korrektur-Möglichkeiten. Ich würde Euch daher empfehlen, im manuellen Modus beziehungsweise Pro-Modus zu fotografieren, der viele Einstellungsmöglichkeiten bietet.
2. RAW-Aufnahme aktivieren
Auch wenn das üblicherweise im Pro-Modus der Fall ist, solltet Ihr sicherstellen, dass der HDR-Modus abgeschaltet und dafür der RAW-Modus aktiviert ist. Der HDR-Modus sorgt nämlich gerne einmal bei bewegten Motiven für Geisterbilder, und RAW-Aufnahmen bieten eine deutlich größere Farbtiefe und eine bessere Dynamik. Um das volle Potenzial auszuschöpfen, müsst Ihr die RAW-Dateien allerdings mit einer speziellen App oder Software bearbeiten, einem sogenannten RAW-Converter.
Wir haben uns bereits an anderer Stelle mit RAW-Fotos und Smartphones auseinandergesetzt.
3. Die richtige Verschlusszeit
Im Pro-Modus Eures Smartphones werdet Ihr mit einer Vielzahl von Parametern konfrontiert. Ganz entscheidend ist hier die Verschlusszeit. Sie bestimmt, wie viele Effekte letztendlich auf dem Foto zu sehen sind. Mit einer sehr kurzen Verschlusszeit werdet Ihr von dem Feuerwerk nur einzelne Punkte auf dem Bild sehen. Erst Belichtungszeiten im Bereich von einer Sekunde bis hin zu mehrere Sekunden bilden schöne Lichtspuren ab. Allerdings gibt es auch hier eine sinnvolle Obergrenze: Zu lange Verschlusszeiten sorgen nämlich für ein mit Lichtspuren überfrachtetes Foto. Üblicherweise liefern Belichtungszeiten zwischen einer und acht Sekunden schöne Ergebnisse.
4. Niedrigste ISO-Empfindlichkeit
Der ISO-Wert bestimmt, wie empfindlich der Kamera-Sensor ausgelesen wird. Hier solltet Ihr den niedrigsten Wert einstellt, den das Smartphone anbietet, üblicherweise ISO 50 oder ISO 100, gerne aber auch noch niedriger. Die Lichteffekte sind nämlich sehr hell und werden sonst vollkommen überstrahlt abgebildet. Solltet Ihr ein Smartphone mit Iris-Blende haben wie das Samsung Galaxy S10, dann stellt die Blendenzahl auf einen möglichst hohen Wert, in diesem Fall auf F2.4.
Wer ganz fancy unterwegs ist, kann die ins Objektiv einfallende Lichtmenge mit Hilfe eines speziellen ND-Filters für Smartphones zu begrenzen.
5. Manueller Fokus auf unendlich
Der nächste Aspekt betrifft den Fokus, den Ihr bei den Pro-Modi ebenfalls manuell festlegen könnt. Setzt diesen auf die Einstellung "unendlich", oft auch durch einen Berg gekennzeichnet. So stellt Ihr sicher, dass die Kamera-App bei jedem Foto auf weit entfernte Motive scharfgestellt ist. Vergesst nur nicht, nach den Feuerwerk-Fotos diese Einstellung wieder rückgängig zu machen, denn sonst geraten beispielsweise Portraits allesamt unscharf.
6. Weißabgleich auf Tageslicht
Für den Weißabgleich würde ich Euch ebenfalls eine manuelle Einstellung empfehlen, nämlich jene für Tageslicht beziehungsweise etwa 5000K bis 5500K, falls Eure Kamera-App das Festlegen einer bestimmten Farbtemperatur erlaubt. Nachdem Ihr (hoffentlich) RAW fotografiert, könnt Ihr den Weißabgleich aber hinterher auch problemlos noch anpassen.
Das richtige Timing entscheidet!
Ganz wichtig für gelungene Feuerwerk-Fotos ist schließlich noch das richtige Timing. Üblicherweise seht Ihr bei Großfeuerwerken immer die Kugelbomben etc. als leuchtende Spur in den Himmel steigen – dann dauert es noch etwa eine halbe Sekunde, bis der Effekt explodiert. Das wäre also genau der richtige Moment, das Foto auszulösen.
Das richtige Timing könnt Ihr übrigens auch schonmal üben: Spielt auf Euerm Computer oder Fernseher einfach ein Feuerwerk-Video ab und versucht, dieses abzufotografieren. So bekommt Ihr ein Gefühl dafür, wie sich gerade unterschiedliche Verschlusszeiten auf das fertige Bild auswirken. Um Spiegelungen zu vermeiden, solltet Ihr in einem dunklen Raum üben.
Verwackeln trotz Stativ vermeiden
Auch wenn Ihr ein Stativ verwendet, gibt es eine Verwacklungsgefahr: Nämlich dann, wenn Ihr mit dem Finger den Auslöser betätigt. Das lässt sich normalerweise durch ein Verwenden des Zwei-Sekunden-Selbstauslösers vermeiden. Aufgrund des kritischen Timings ist das hier jedoch nicht besonders praktikabel.
Ich würde Euch daher empfehlen, einfach ein Kabel-Headset zu nutzen. Üblicherweise könnt Ihr mit den hier angebrachten Buttons die Kamera-App des Smartphones auslösen. Sollte das nicht funktionieren, müsst Ihr gegebenenfalls in Eurer Kamera-App noch die Einstellung treffen, dass die Lautstärketasten zum Auslösen des Fotos genutzt werden dürfen.
Kein manueller Modus – was nun?
Das ist Euch alles viel zu kompliziert? Oder der manuelle Modus erlaubt nur sehr kurze Verschlusszeiten erlaubt? Dann helfen Modi mit Namen wie „Lichtspuren“, „Langzeitbelichtung“ oder dergleichen weiter. Durchstöbert hier einfach mal die Kamera-App Eures Smartphones, welche Optionen Euch zur Verfügung stehen.
Übrigens eignen sich die oben genannten Tipps nicht nur für die Fotografie von Feuerwerk, sondern beispielsweise auch für Lichtmalerei oder um bei einem Stadtfoto vorbeifahrende Autos in lange Lichtspuren zu verwandeln. Und ich bin mir sicher, Ihr findet auch noch weitere Szenarien!
Wenn Ihr noch weitere Tipps für Feuerwerk-Fotos oder irgendeine Art von Feedback habt, dann freue ich mich über Eure Kommentare. Ansonsten bleibt mir nur noch zu sagen: Viel Spaß beim Silvester-Feuerwerk, passt auf Eure Flossen auf und rutscht gut ins neue Jahr!
So und morgen bitte ein Artikel "Wie mache ich die schönsten Fotos zu
😋🤳🤶 Weihnachten."
Die ersten Weihnachtsartikel stehen ja schon vereinzelt in den Läden.
Hochwertiges Stativ bzw. hochwertige Halterung ähnlicher Machart.
Mich interessiert vielmehr, wo es ein Stativ ähnlich der Abbildung gibt, welches man dann auch im Urlaub für den Motorroller zum Halten des Handys als Navi nutzen kann und vor allem welches qualitativ hochwertig erscheint. Hat da jemand einen Tipp für mich? Sollte natürlich Herstellerübergreifend funktionieren.
Danke!
Such einfach nach flexiblen Kamerastativen und du wirst fuendig. Ob die allerdings dazu taugen, sie als Halterung auf nem Roller zu benutzen, wage ich zu bezweifeln.
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Staff
vor 3 Monaten Link zum KommentarBei dem flexiblen Stativ handelt es sich um ein Gorillapod von Joby. Ich hatte eins von genau dieser Bauart mal beim Mountainbiken am Lenker als Camera Mount und hab meinen Flip Video damals (RIP) mangels Stabilität aus einem zwei Meter tiefen Schacht fischen müssen :D
Ich würde da dringend zu einer Schraubhalterung fürs Smartphone raten.
Gute Tipps. Aber wäre es nicht schöner, das Feuerwerk live zu genießen, anstatt mit dem Daddeldings herumzufummeln? Wie bei den meisten "Fotos" - guckt sich sowieso nie wieder einer an.
Super danke, bis Silvester wieder vergessen.
Dann aufschreiben.
HEY!! Frohes neues Jahr! 🎆🎇🎆🎇🎆🎇🎆🎇🎆
(muß jetzt leider raus und Rasen mähen)
Feuerwerksfotos an Silvester?! Ist euer automatisches Veröffentlichungssystem für alte Artikel aus dem Takt geraten?
Ja, August scheint mir der perfekte Monat zu sein, um einen solchen Artikel aus der Versenkung zu holen.
Hier in Süddeutschland gibt es im August durchaus "Seefeste" und ähnliche Veranstaltungen, bei denen sehr hochwertiges, weil professionelles Feuerwerk abgebrannt wird. Aber auch am Rhein finden im August mehrere, sehr sehenswerte "Rhein in Flammen"-Veranstaltungen statt, bei denen professionelles Feuerwerk abgebrannt wird. (Die meisten Termine dürften hier allerdings knapp vorbei sein.) Es muss also nicht immer Silvester sein.
Es gibt auch im Sommer genügend Feuerwerke. Diese sind nicht nur an Silvester zu sehen.
Zum Glück ist Silvester bald vorbei, dann könnt Ihr wieder Bilder von allem anderen machen.
@Andy,
da hast Du völlig Recht, von all dem Feuerwerk, das ich in meinem Leben sah, habe ich nur einige Bilder vom letzten behalten. Da war ich mit meiner Familie in Abu Dhabi über die Feiertage. Da konnte ich einige prima Fotos mit Skyline machen, dann hat das Erinnerungswert, sonst nicht.
Guten Rutsch für Euch alle......
🍾🕕🎆🎉
"Lass uns doch noch mal das Feuerwerk vom letzten Jahr ansehen!" hat noch nie jemand gesagt.
Feuerwerk kann man jeden Tag haben
😯💦👨✈️🚔 musst nur besoffen Auto fahren oder so.
Aber folgendes beachten:
Ohne jedes Fotowissen – sind die Bilder meist beschissen
•Sonne lacht - Blende 8 (oder kleiner 11 etc.)
•Blende 8 auch bei Nacht
•Zwischen 11 und 3 - hat der Fotograf frei
•An Tagen ohne Sonnenschein – bringt F5 dir Farben rein
•Scheint keine Sonne durch die Ritzen – musste Blitzen
•Sonne im Rücken – Auslöser drücken
•Portraits im Zimmer – Blende 8 klappt immer
•Fast schon nacht – Blende 2,8
•Schnelles Tier – Blende 4
•Grünes Gewächs – Blende 5,6
•Ist die Schärfentiefe ranzig – nimm doch Blende 22
•Kein Blitz dabei – Blende 2
•Ist das Makro Matsch und scheußlich – Blende 11 bis 32
•Vordergrund macht Bild gesund
•Hintergrund nicht kunterbunt
•Geht im Sucher die Sonne nicht auf – hast den Deckel Du noch drauf
•Wenn man die Blende offen hält - wird das Motiv perfekt freigestellt
•Ist der Zoom dir unbekannt - dann nimm das Objekt bis zum Rand
Das spannende an den Fotofilmen war die Ungewissheit ob die Fotos auch was geworden sind wenn man nach einer Woche warten die Filme abgeholt hat.
Zu Analogzeiten bestimmt tolle Regeln.
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Blogger
vor 11 Monaten Link zum KommentarZählt auch zu Digitalzeiten noch.
Bis auf "Schnelles Tier - Blende 4" geh ich bei allen mit. 😀
Nee. Ich fotografiere Portraits auch mit ner 1.8er Blende. Bei strahlendem Sonnenschein.