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Kommentar 3 Min Lesezeit 52 Kommentare

Facebook und die Daten: Die unendliche Geschichte muss aufhören

Cambridge Analytica ist eine seltsame Firma. Ex-Mitarbeiter Christopher Wylie gab zu Protokoll, man habe damals Daten von rund 50 Millionen Facebook-Nutzern erhalten und genutzt, um Donald Trump zum Sieg bei den US-Wahlen 2016 zu verhelfen. Der Effekt ist umstritten, nicht aber das Datenschutzproblem von Facebook. Und das muss aufhören.

Die Daten, welche die Anwender freiwillig an Facebook übertragen, sind vielfältig und werden mit der Zeit immer mehr. Likes, Namen, Freunde, Beziehungen, Urlaube, Telefonnummern, Arbeitgeber, Fotos, Videos – Facebook weiß vielleicht nicht alles über uns, aber eine ganze Menge. Dass man damit zielgerichtete Werbung ausliefern und einen Newsfeed erstellen kann, der eher einer engen Blase als einem weiten Horizont gleicht, weiß mittlerweile jedes Kind. Doch da geht noch mehr.

Mit Hilfe dieser Informationen lassen sich Profile über Vorlieben und Ablehnungen erstellen, die unter anderem dazu genutzt werden können, persönliche Entscheidungen vorherzusagen. So auch die Entscheidung, an welcher Stelle auf dem Wahlzettel ich mein Kreuz mache. Das will sich Cambridge Analytica zunutze gemacht haben, um zahlenden Kunden wie Donald Trump im Wahlkampf hilfreich unter die Arme zu greifen.

Facebook trifft doppelte Mitschuld

Dafür braucht Cambridge Analytica aber große Datenmengen. Unter Verstoß gegen die Facebook-Richtlinien hat man sich, so Christopher Wylie, komplette Datensätze von rund 270.000 Facebook-Nutzern besorgt. So weit, so schlimm. Doch über diese Daten-Beute gelang Cambridge Analytica noch an viel mehr, nämlich an die Daten der jeweiligen Facebook-Freunde. So sollen Daten von rund 50 Millionen Menschen in die Hände der Firma gelangt sein.

Facebook trifft dabei zweifache Mitschuld. Erstens konnte die App "thisisyourdigitallife" diese Daten sehr einfach abgreifen, ohne dass dieser Zugriff blockiert wurde. Zweitens, so Wylie weiter, habe sich das Unternehmen kaum bemüht, dass Cambridge Analytica die Daten löschen musste, nachdem die Affäre bekannt wurde. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Facebook lebt von den Daten seiner Nutzer, doch es ist dem Unternehmen offenbar völlig egal, wenn sich Dritte dieser Daten bemächtigen.

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Mark Zuckerberg auf dem Unpacked 2016 in Barcelona. / © ANDROIDPIT

Dabei ist die Frage, ob Facebook tatsächlich einen merklichen Einfluss auf den Ausgang von Wahlen hat, unerheblich. Es lässt sich ohnehin kaum stichhaltig beweisen. Doch alleine die Tatsache, dass die Möglichkeit besteht, Unternehmen solche Massen an Daten zukommen zu lassen, und das ohne Wissen der Nutzer – denen diese Daten immerhin irgendwie ja auch gehören – und ohne echte Gegenwehr von Facebook, ist ein dicker Bock, der nicht passieren darf.

Die Nutzer machen Facebook groß und können es auch wieder klein machen

Mark Zuckerberg ist sehr gut darin, sein Facebook-Imperium je nach Anlass groß oder klein erscheinen zu lassen. Dies fasst meine Kollegin Angela Gruber auf Spiegel Online treffend zusammen. Eines steht außer Frage: Was Facebook groß gemacht hat und auch ziemlich flott wieder klein machen kann, das sind die Anwender. Dreht sich die Stimmung nachhaltig gegen Facebook und kommt dann vielleicht noch ein passender Konkurrent daher – jetzt vielleicht nicht unbedingt Vero, aber etwas in der Art – kann es mit Facebook schneller bergab gehen, als so Mancher sich das vorstellt. Die Warnzeichen, etwa die stark gesunkene Facebook-Nutzung bei Teenagern, sind bereits vernehmlich.

Deshalb sollte es auch im Interesse von Mark Zuckerberg sein, hier endlich seiner Verantwortung gerecht zu werden. Klar, Facebook ist kostenlos, und kostenlose Social-Media-Dienste bezahlt man in aller Regel mit seinen Daten und mit Werbung. Doch das heißt noch lange nicht, dass das Unternehmen damit anstellen kann, was es will. Das muss Facebook lernen, und zwar schnell.

Was denkt Ihr, kann Facebook es sich erlauben, weiter so auf der Privatsphäre seiner Nutzer herum zu trampeln?

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Top-Kommentare der Community

  • C. F.
    • Blogger
    vor 8 Monaten

    Für den Nutzer selbst wäre alles ganz leicht: ich lösche meine Accounts bei facebook und WhatsApp, deinstalliere die Apps, lade mir Messenger wie Threema, wire, Conversations oder ChatSecure runter und eröffne einen Account bei GNUsocial und/oder Diaspora. Und wenn das nur jeder zehnte machen würde, hätten alle schnell gewechselt. Und damit ein Zeichen an Zuckerberg und Co gesetzt.

    Tja....hätte, könnte....

    Leider hat die "Maschinerie" die Nutzer so dermaßen in ihre Abhängigkeit gebracht - man muss es eigentlich schon Sucht nennen - dass alle Apelle an den eigenen Datenschutz wie ein Ruf in den dichten Nebel verhallen.

  • Tenten vor 8 Monaten

    Ich sehe die Schuld aber nicht nur bei den Nutzern, sondern auch bei den Medien. Dieser Artikel oben geht zur Zeit durch etliche Magazine und Blogs und alle sind empört. Aber was tun diese Medien denn sonst groß, um ihre Leser aufzuklären oder um Facebook und Co davon zu überzeugen, mit den Daten der Nutzer anders umzugehen? So gut wie nichts. Hie und da mal ein kleiner Artikel zum Datenschutz, um das Gewissen zu beruhigen, aber das wars dann auch schon. Ich sehe hier die Medien schwer in der Verantwortung, schließlich haben sie auch dazu beigetragen, Facebook oder WhatsApp groß zu machen.

52 Kommentare

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  • Ich kann mir gut vorstellen dass der Mark Zuckerberg in der USA vor Gericht gezerrt wird und auf Milliarden Dollar verklagt wird weltweit Schadensersatz


  • Für mich ist das ganz einfach: Facebook sammelt Daten, die sind nicht sicher und können auch in dritte Hände gelangen, also muss ich, als Nutzer von Facebook das wissen und mich entsprechend verhalten. Da ich persönlich nicht auf Facebook verzichten kann und will, lebe ich damit, aber facebook bekommt zumindest nicht die Daten, die ich nicht geben will, z.B. wo genau ich lebe (klar lässt sich das aus vielem schließen), was ich arbeite und meine persönlichen vorlieben sind zumindest nicht völlig offengelegt. Ich weiß um dieses Datenproblem und habe zumindest mit dem was online ist und verwendet werden kann, kein Problem.

    Ich mag facebook an sich aber nicht, die Art wie man mit den Nutzern und deren Daten umgeht, finde ich absolut unmögich und ich kann jeden verstehen, der diesem Laden den Rücken kehrt.

    Ich verwende facebook nur und ausschließlich per Browser und habe keine facebook App oder Messenger App auf meinen Geräte, nur (und leider noch) WhatsApp, wobei ein Großteil meiner Kontakte auch über Telegramm und ICQ vorhanden sind. Ich nutze facebook als Kontaktplattform für internationale Kontakte und um ab und an was zu posten bzw. zu lesen, das ist im Grunde schon zu viel, aber ich habe auch Freude mit dieser Datenkrake und nehme das daher in Kauf.....

    Und genau das ist das Hauptproblem vieler, sie sind sich gar nicht bewusst was da so alles über sie gesammelt wird, legen ihr Sein total offen und wundern sich, wenn das Internet alles weiß, oder noch blöder, freuen sich sogar darüber, dass die Werbung kommt, für das Produkt für das sie sich interessieren .... Google das verbieten, was ja geht, daran denkt kaum einer, keine Apps/Anwendungen auf facebook nutzen (in Vebindung mit irgenwelchen Services und Spiele) und halt wenig preisgeben sind Maßnahmen die kaum einer ergreift.

    Und zum Schluß, wenn wir alles wechslen würden, zu wem auch immer in Netz, der oder das Unternehmen würde genau das gleiche tun, zumindest über Kurz oder lang ... es gibt nur einen Weg, keine Nutzung von facebook und google und twiter und und und und selbst dann ... so mit Smartphone in der Tasche, ist man ziemlich sicher mit vielen Infos im Netz irgendwo vertreten... also muss man wissen, was läuft und was man zulässt und was nciht und das tut ja leider kaum einer.... Ich tue es aber, aber nicht ausreichend, doch ich bin mir bewusst darüber .....


  • Wer Facebook meidet und meint damit cool zu sein ist echt lächerlich.


  • Das zeigt mir wieder je weniger soziale Netzwerke desto besser ist es. Denn mein Leben und meine Daten gehören nur mir! Sollte es mal ein Betriebssystem geben das nicht an Apple und Google hängt bin ich der erste der wechselt. Denn jeder egal was er sagt will nur Dein bestes Deine Daten um es zu Geld zu machen ob Du willst oder nicht. Es liegt halt in der Natur des Menschen gierig zu sein.


  • C. F.
    • Blogger
    vor 8 Monaten Link zum Kommentar

  •   40
    Gelöschter Account vor 8 Monaten Link zum Kommentar

    "Die Nutzer machen Facebook groß und können es auch wieder klein machen"

    Sehr guter Satz!
    ------------------------

    Mehr möchte ich dazu auch nicht sagen weil ich zum Glück nicht bei Facebook gelandet bin.
    Ach doch. Eines noch:

    "...kann Facebook es sich erlauben, weiter so auf der Privatsphäre seiner Nutzer herum zu trampeln?"

    Fragt mal unseren Ex.Justizminister jetzt Außenminister, was Facebook kann. Der hat ja einen guten Draht zu denen. Für 50 Mille macht Facebook doch jeden Sch***.


  • Seit zwei Jahren kein Facebook und seit ein paar Monaten auch kein Instagram mehr. Mehr als Werbescheludern sind das eh nicht mehr…habe nicht das Gefühl, dass ich irgendetwas verpasse was mir wichtig wäre.


  • Ende letzten Jahres gab es übrigens einen schönen Artikel, dass die passive Facebook Nutzung krank machen kann. Facebook hat das gleich richtig gestellt und hat betont man solle einfach aktiver sein um ein besseres Erlebnis zu haben ^^

    Social Network ist Fluch und Segen... Es ist toll Plattformen zu haben die viele Leute erreichen... Aber dann sind dort leider halt auch viele Leute auf die man verzichten kann...


  • Ich war noch nie Freund von solchen netzwerken. weiß nicht warum... ich hab nicht den Drang alle 5 Minuten was posten zu müssen oder die sucht nach 1000000000000 followern


    • Hab ich auch nicht, trotz Nutzung 💁


      • Gibt einige viele die leider so sind und süchtig der Welt mitzuteilen wann die auf dem lokus sitzen oder was weiß ich... die sucht brauchich nicht. Heutzutage versuchen viele mit sinnlosen Dingen berühmt zu werden...🙄👎... ich unterhalte mich lieber richtig mit Menschen


      • C. F.
        • Blogger
        vor 8 Monaten Link zum Kommentar

        Ich habe vor kurzem im Fernsehen eine Reportage gesehen, wo man zwei Familien für 4 Wochen ihre Brüllwürfel (Alexa und so...) aus dem Alltag genommen und die Amazon-Accounts stillgelegt hatte. Erschreckend, die hatten regelrecht Entzugserscheinungen und waren nach der Testphase sowas von froh, sich wieder bei Amazon einloggen und kaufen zu können. Die fanden das sogar komisch, morgens in die Küche zu kommen und keine Antwort auf "Guten Morgen, Alexa" zu bekommen. Und genau so sieht's bei der Sucht nach facebook, WhatsApp, Twitter, etc. aus....


      • Wird immer schlimmer. Obwohl okay ich guck heut Abend um 1 und morgen halb 6 formel 1 freie Training aus melbourne bei NTV und Sonntag um 6 früh RTL Formel 1😁.ist auch so eine sucht bei mir seit 1992.


  • Ich habe schon vor 3 Jahren mein Profil gelöscht. Das war ein guter Schritt!
    Irgendwie habe ich seitdem auch mehr Zeit für meine Freunde. 🤗
    #nichtständigamhandyklicken


    •   11
      Gelöschter Account vor 8 Monaten Link zum Kommentar

      Obwohl, das Wort "Gelöscht" bei Facebook relativ ja irgendwie ist.


  • Eine gute Strategie um sich in den nächsten 10 Jahren selbst zu demontieren Facebook! I like 👍

    Diese Firma wird mal wie ICQ und StudiVZ enden... Lediglich WhatsApp sehe ich weiterhin als sehr starke Dominanz und hoffe das Europa da schnell mit Datenschutz/Bußgeldern zuschlägt 🎓💶

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