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Kommentar 3 Min Lesezeit 33 Kommentare

Facebook: Bald Geld statt Daten?

Die Debatte rund um den Facebook-Datenskandal dreht sich immer schneller. Nun bringt Facebooks Geschäftsführerin Sheryl Sandberg ein ganz neues Thema auf die Tagesordnung: Was, wenn Facebook eine Bezahloption einführt?

Facebook gibt sich als kostenloser Service, das stimmt aber nur monetär. Sein Geld macht Facebook mit Werbung, die – im Idealfall – perfekt auf den User zugeschnitten ist. Dafür analysiert Facebook das Verhalten seiner User. Likes, wie lange ein Video läuft, welche Inhalte kommentiert ein User und viele weitere Datenpunkte speichert und verwertet das Unternehmen.

Sheryl Sandberg: Facebook ohne Tracking ...

Es gibt einige Optionen, wie Facebook-User der Datensammelei ein Ende bereiten können. Nur: Die nötigen Einstellungen sind in der Menüwüste von Facebook versteckt und stellen sich – zumindest meiner Erfahrung nach – gerne mal wieder um. Was fehlt? Ein Button für alles. Ein Button, der sämtliches Datensammeln erledigt.

Sheryl Sandberg sagt nun, ein solcher Button sei als Bezahlprodukt von Facebook vorstellbar. Wer Facebook kostenlos nutzt, wird also allen Orten von personalisierter Werbung verfolgt. Die zahlungswillige Kundschaft hingegen darf sich ganz ungestört und unbeobachtet auf Facebook austoben. Das ist erst einmal nur ein Gedankenspiel. Preise? Auch da gibt es nicht einmal eine Hausnummer.

... ist aussichtslos

Braucht es auch nicht: Denn wer würde denn wirklich für Facebook mit garantiertem Datenschutz bezahlen? Da ist schon das Wörtchen “garantiert”: Es braucht schon etwas Vertrauen, um Facebook diese Garantie abzunehmen. Das dürften aber gerade diejenigen nicht haben, die sich um den Datenschutz sorgen.

Ist das Bezahl-Facebook also eine komplette Nebelkerze? Mitnichten. Es zeugt vielmehr von der Ratlosigkeit, die sich an der Spitze des Konzerns breit macht.

Facebook finanziert sich via Werbung. Erfolgreichere Werbung gibt es via Targeting, also der Auswertung der vorhandenen persönlichen Daten. Das ist der Kernpunkt des Geschäfts von Facebook. Die dazugehörige Datensammelei ist Teil der Unternehmenskultur. Deswegen irrte damals Jan Koum, als er Milliarden von Facebook für WhatsApp annahm. Er glaubte öffentlich, Facebook sei ein passender Käufer und werde WhatsApp in Ruhe lassen. Bei einer Rechnung von 21 Milliarden US-Dollar war das schon damals eine naive Vorstellung. Sein letzter Erfolg war, WhatsApp-Chats via Signal-Protokoll zu verschlüsseln. Seither hat Facebook den Kampf um die Daten von WhatsApp-Usern verschärft.

Tracking ist tief in den Genen von Facebook verankert

Facebook steht nun mit heruntergelassener Hose da. Die Krisenkommunikation ist katastrophal, weil zu langsam und zu zögerlich. Mit einer kuriosen Idee kommt Facebook vielleicht ein paar Meter aus dem Schlamassel, aber nicht weit genug. Ein Tracking-freies Facebook via In-App-Kauf klingt zwar irgendwie gut, aber damit ist es ja nicht getan: Tracking ist tief in den Genen von Facebook verankert, das trackinglose Erlebnis wäre nicht dasselbe.

Oder würde der Knopf einfach nur die Nutzung zu Werbezwecken deaktivieren? Quasi wie der klassische Ad-Free-Kauf bei manchen Spielen? Das ist ja dann ganz an der Sache vorbei: Die riesigen Datenberge fallen bei Facebook ja trotzdem an.

Und ein Konzept gegen Fake News oder Belästigungen im Netzwerk ist auch kaum erkennbar. Wie viele User-Daten braucht Facebook wirklich? Wie geht Facebook mit seiner gesellschaftlichen Rolle und Verantwortung um? Das sind die Fragen, die die Chefetage bewegen sollten, nicht, ob ein Knöpfchen das Problem lösen könnte.

Würdet Ihr für ein trackingfreies Facebook bezahlen?

Via: FAZ

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Top-Kommentare der Community

  • Tenten vor 2 Monaten

    Apit macht es wie Facebook, man nimmt mit, was man kriegt. Verantwortung? Bitte die anderen, wir selbst können uns diese nicht leisten. Aber auf der Empörungswelle surfen wir schon ein bisschen mit, bringt uns ja Leser. So sad!

  • Tenten vor 2 Monaten

    Nein, das ist Unsinn, soziale Netzwerke braucht es und muss es auch weiterhin geben. Sie haben ja auch jede Menge sinnvolle Funktionen. Es muss aber gewährleistet sein, dass niemand die Daten einfach abgreifen und für seine Zwecke verwenden kann.

    Du kannst dich natürlich weiterhin gerne live mit Freunden treffen, aber das ersetzt nicht die positiven Aspekte, die so ein Netzwerk ebenfalls mit sich bringt.

  • Aries vor 2 Monaten

    Facebook ist aktuell in aller Munde. Das Problem ist aber viel größer. Microsoft steht seit Windows XP in der Kritik, dass nicht ersichtlich ist, was im Hintergrund übertragen wird. Mit Windows 10 kam die Diskussion erneut auf. Jedoch hat sie nie die Medienaufmerksamkeit erreicht, wie jetzt Facebook durch Cambridge Analytica.

    Android ist im Grunde (so wie die Geräte verkauft werden) auch ein Spionagesystem von Google. iOS ist diesbezüglich zwar deutlich besser, aber Apple ist deshalb kein Robin Hood. In beiden Systemen sind die Apps voll mit Modulen von mehr oder weniger bekannten Firmen, die ebenfalls Daten sammeln.

    Das Internet ist, nachdem es öffentlich freigegeben wurde, von vielen privaten Initiativen groß gemacht worden. Früher oder später stellt sich die Frage nach der Finanzierung und was liegt näher, als Werbung. Aber das waren eben nur Bilder, genauso wie eine Werbeseite in einer Zeitschrift. Irgendwann wurde hinter die Bilder ein Tracking gelegt, um dem Besucher relevantere Werbung zu zeigen. Wen interessiert schon in Deutschland US-Werbung und umgekehrt?

    Dieses Tracking ist jedoch so ausgewuchert, dass sehr persönliche Infos übertragen werden. Mit den Smart Devices sind die Möglichkeiten nochmal enorm gestiegen und die Vergangenheit zeigt, was möglich ist, macht auch irgendwann jemand. Gesetze hinken immer hinterher. Das liegt in der Natur der Sache - zumindest in Demokratien. Die globale Verfügbarkeit der neuen Medien macht es der Gesetzgebung zusätzlich schwer. Das haben die Big-Player auf dem ITK-Sektor schamlos ausgenutzt.

    Man muss im Leben für alles zahlen. Warum eigentlich nicht für soziale Netzwerke, E-Mail, Cloudspeicher. Wir sind so von "kostenlos" verwöhnt, dass wir sogar kostenloses WLAN in den Städten erwarten, aber die 70 Cent für die Autobahn-Toilette hinterfragt kaum jemand. Die Frage, ob wir für Facebook zahlen würden, ist deshalb vollkommen berechtigt. Vor allem überlegt man es sich dann genauer, ob man so etwas braucht und in welchem Umfang.

  • Holger S. vor 2 Monaten

    Einer Datenkrake auch noch Geld hinterher werfen nur damit sie einen nicht mit Werbung belästigen, aber genauso ausspionieren wie vorher?
    Wer so naiv ist, dem hilft auch kein Arzt mehr.
    Im Prinzip wollen die nur doppelt verdienen. Mit den Gratisnutzern die mit Werbung zahlen müssen und mit denen die zahlen u. deren Daten anderweitig verwertet werden. Autsch.

  • Th K vor 2 Monaten

    Welche "Dienstleistung" dort wäre denn überhaupt bezahlenswert?

33 Kommentare

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  • C. F.
    • Blogger
    vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    Ein sehr lesenswerter Artikel, den ich eigentlich von AndroidPit erwartet hätte:

    "Kommt mit uns ins Fediverse

    Mit freier Software wie GNU social oder Mastodon können alle, die es wollen, einen Server im sogenannten „Fediverse“ (kurz für Federated Universe) anbieten. Jede dieser Instanzen ist eigenständig und dennoch mit den anderen verbunden. Daneben gibt es auch die „Federation“, bestehend aus Diaspora und Hubzilla."

    https://digitalcourage.de/blog/2018/kommt-mit-uns-ins-fediverse


  • Schon wieder Facebookskandal... Kann Der Dreck mal aufhören?


  • Ich würde dafür nie zahlen. Aber die Bezahlversion würde uns nicht schützen. Denn wenn Facebook unsere Daten nicht verkauft tut es ein anderer.


  • Einer Datenkrake auch noch Geld hinterher werfen nur damit sie einen nicht mit Werbung belästigen, aber genauso ausspionieren wie vorher?
    Wer so naiv ist, dem hilft auch kein Arzt mehr.
    Im Prinzip wollen die nur doppelt verdienen. Mit den Gratisnutzern die mit Werbung zahlen müssen und mit denen die zahlen u. deren Daten anderweitig verwertet werden. Autsch.


  • Facebook nutzen per monatsabo oder anmeldegebühr?.... dann fährt Facebook sich selbst in den Abgrund.


  • Karl E vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    Ich habe oben bei der Umfrage eben mit nein gestimmt, weil ich nicht glaube, das facebook das je in Griff bekommen kann. Das einzige was die lernen werden, ist, dass sie neue Wege finden müssen, um Datenprobleme geheim zu halten....bzw. zu verschleiern....


  • Rexxar vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    Ich glaube Facebook ist halt unbeliebt, aber wird eben benutzt weil die Leute keine alternativen kennen oder suchen wollen.

    Ich weise hierbei auf Login mit Facebook und die Massen an Veranstaltungen sowie die Zerstreuung durchs Timeline scrollen hin, die hier attraktiv für die User ist.


  • C. F.
    • Blogger
    vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    Warum Geld für facebook bezahlen und nicht auf eine Alternative wechseln, die wirklich "social" ist?

    @AndroidPit: es ist jetzt wirklich an der Zeit mal einen Artikel über GNUsocial und Diaspora zu bringen.


    • Rexxar vor 2 Monaten Link zum Kommentar

      Leider sind diese Netzwerke nicht zentral, wenn ich meinen Kumpels erst sagen muss auf welchem Pod oder Channel oder so ich erreichbar bin...

      Es soll ein Netzwerk sein wo alle sind!


      • C. F.
        • Blogger
        vor 2 Monaten Link zum Kommentar

        Da kannst Du ja gleich bei facebook bleiben. Das gute an den Alternativen ist ja das dezentrale. Vielleicht solltest Du mal das Wiki lesen: https://wiki.gnusocial.de/de:start#und_gnusocialde oder bei Diaspora vorbei schauen: https://diasporafoundation.org

        "Statt die Daten aller Nutzer auf riesigen Servern von großen Organisationen zu sammeln, können lokale Server (“Pods”) überall auf der Welt aufgesetzt werden. Du entscheidest, auf welchem Pod du dich anmeldest und du kannst dich nahtlos mit der weltweiten Gemeinschaft von diaspora* verbinden."

        Du kannst Dich nahtlos weltweit verbinden. Oder betreibe selber einen Pod. Da können sich dann alle deine Kumpels anmelden...

        "HILFE ! WIE FUNKTIONIERT DIASPORA???

        Bei Diaspora anmelden (https://diasporafoundation.org/ > Oben rechts “TRITT BEI” > MELDE DICH AN > REGISTRIEREN > SUCH DIR EIN POD(Server) AUS.
        Direkt nach der Anmeldung auf der linken Menüseite “BEGRÜßE NEUE BENUTZER” wählen und sich vorstellen. Vielleicht landest du auch automatisch unter diesem Hashtag.
        Da Diaspora nicht Facebook ist, hat es nicht schon im voraus Daten über deine Vorlieben gesammelt.
        DESHALB IST WICHTIG, SEINE INTERESSEN ANZUGEBEN.
        Sonst kann es sein, dass man hier erst mal enttäuscht ist, da nicht viel passiert.
        Um das zu ändern, im Menü auf der linken Seite “#TAGS, DENEN DU FOLGST” wählen und mit Inhalten füllen. Beispielhaft: #Kunst #musik #spiegel online #TAZ #kultur #linux…
        Erst mal ordentlich bestücken(ca. 20 Tags oder mehr) und dann später wieder welche löschen oder hinzufügen.
        Alle deine zukünftigen Beiträge solltest du mit #(thema) taggen.

        Und wie finde ich jetzt neue Freunde???
        Indem du die User von interessanten Artikel einfach zu deinen Bekannten hinzufügst. Meiner Meinung nach, fühlt sich hier niemand auf den Schlips getreten, wenn jemand ihn als “neuen Freund/Freundin” zu seinen Kontakten hinzufügt.

        Und wie geht das??
        Den oder die Verfasserin des Artikels auswählen indem man mit der Maus über den Usernamen fährt und dort stehen bleibt. Dann erscheint ein Menü (Kontakte hinzufügen) in dem man auswählen kann, zu welcher Gruppe man den User hinzufügen möchte. Probier es erst mal mit Bekannte.

        Und wie kann ich herausfinden ob vielleicht schon wirkliche Freunde hier sind???
        Benutze das Suchfenster und fahnde auch nach Spitznamen. Hier ist kein Klarnamenzwang!

        Poste mal einen Beitrag und vergiss nicht die Tags. Warte vielleicht ein 1- 2 Tage bis jemand antwortet. Es muss sich erst herum sprechen, das du hier bist.
        Bau dir einen neuen Stamm an Bekannte auf. Um so mehr nimmst du an der Gemeinschaft hier teil

        Wenn du jetzt mehr wissen willst, wie das hier alles so funktioniert, dann empfehle ich diese Video Tutorials:

        Diaspora Social Network Anleitung 1/2: https://www.youtube.com/watch?v=I24C9ScA1Y8&t=262s
        Diaspora Social Network Anleitung 2/2: https://www.youtube.com/watch?v=zgi1iEhuops&t=8s
        Die Facebookfreunde zu Diaspora einladen und dort wiederfinden: https://www.youtube.com/watch?v=V_gzFGgqbVw

        Viel Spaß hier und investiere ein wenig Zeit - Es lohnt sich. Nicht vergessen! Bei Facebook und Twitter war man auch erst einmal allein.
        #neuhier #diaspora #anleitung #tutorial #hilfe #netzwerk"


  • Wieso berichtet eigentlich niemand über die deutsche Post?

    Wir haben hier soviele Moralaposteln die uns den Wert von Datenschutz eintrichtern wollen... Oder wollen diese Leute einfach nur Bestätigung für ihren paranoiden Datenschutz Wahn erhaschen.

    Hier in den Kommentaren schaffen sich viele ihre eigene Filter Bubble. Man befindet sich unter gleichen und bestätigt sich gegenseitig... Dadurch werden einige hier immer lästiger. Schaut euch Mal die Welle an. Die Parallelen zu einigen Leuten hier nehmen erschreckend zu.
    Ich möchte niemanden beim Namen nennen, dass ist denke ich aber auch garnicht notwendig.


    • Tenten vor 2 Monaten Link zum Kommentar

      Wenn dir kritische Auseinandersetzung mit wichtigen Themen lästig ist, dann solltest du vielleicht zukünftig nur noch bei Giga oder Chip lesen.


    • C. F.
      • Blogger
      vor 2 Monaten Link zum Kommentar

      "Wir haben hier soviele Moralaposteln die uns den Wert von Datenschutz eintrichtern wollen... Oder wollen diese Leute einfach nur Bestätigung für ihren paranoiden Datenschutz Wahn erhaschen."

      Wir haben hier aber mindesten genau so viele - wenn nicht noch mehr - Datenschutzverweigerer, die uns den Unsinn des selbigen vermitteln wollen. Wollen diese Leute auch einfach nur Bestätigung für ihre unverantwortungsvolle Datenschutzignoranz erhaschen? Zeigen, wie toll sie sind? Dass ihnen ja doch nichts passiert? Die befinden sich auch unter ihresgleichen, bestätigen sich gegenseitig. Ich möchte auch niemanden bei Namen nennen. Ist glaube ich auch nicht notwendig.

      Und jetzt?


    • Aries vor 2 Monaten Link zum Kommentar

      Über die Deutsche Post und deren Umgang mit Personendaten wird berichtet. Sogar schon seit der Jahrtausendwende. Zusammen mit der Facebook und Cambridge Analytica haben es die Medien nur wieder aufgegriffen. Hier geht es aber um Facebook und das ist nicht verwunderlich auf einer Website, deren Thema Smart Devices sind.

      Du willst keine Namen nennen, mich wirst Du aber beim "Datenschutz-Wahn" im Kopf haben. Dann sollte Dir aufgefallen sein, dass ich regelmäßig durchaus andere Punkte anspreche. Eines mag ich jedch überhaupt nicht: Wenn man das Handeln von anderen gegen das von Facebook aufrechnet. Wenn es um Datenschutz geht, geht es um Datenschutz. Dann können wir hier über die Möglichkeiten sprechen, wie Facebook Einhalt gebieten kann. In einem anderen Artikel geht es um Google oder Microsoft.

      Wenn Du schon den Film "Die Welle" als Beispiel heranziehst, dann ist Facebook und Cambridge Analytica das beste Beispiel für einseitige Manipulation von Meinungen. In dieser Form ist es bisher einmalig, was mit persönlichen Daten passiert ist.

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