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Europa muss bei 5G Gas geben, um zu den USA aufzuschließen
5G 5 Min Lesezeit 9 Kommentare

Europa muss bei 5G Gas geben, um zu den USA aufzuschließen

In der Vergangenheit konnte Europa wichtige Fortschritte in der Telekommunikation machen. Doch die Herrschaft des alten Kontinents als Weltmarktführer der Mobilfunktechnologie endet spätestens mit der Ankunft des schnellsten Netzes, das die Welt je gesehen hat: 5G.

Europas 5G-Ausbau kann mit den USA nicht mithalten

Während einige Netzbetreiber in den Vereinigten Staaten, Südkorea und China bis Ende dieses Jahres das Netz der nächsten Generation einführen, hinken ihre europäischen Konkurrenten hinterher. Sie werden voraussichtlich erst im folgenden Jahr nachziehen.

Dabei sind die Möglichkeiten des 5G-Netzes nicht nur für Endverbraucher wichtig, weil sie damit unterwegs Netflix in 4K flüssig streamen könnten. Der neue Mobilfunkstandard öffnet auch die Tür für eine ganze Reihe neuer Technologien wie autonome Fahrzeuge, ferngesteuerte Operationen oder das Smart Home der nächsten Generation.

Obwohl 5G bei Regierungen mehrerer EU-Länder mit hoher Priorität auf dem Plan steht, stößt der Ausbau auf viele Probleme. Widersprüchliche Vorschriften und unsichere Zeitpläne stehen dem Fortschritt der mobilen Konnektivität auf dem gesamten Kontinent im Wege.

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In China wurde die erste ferngesteuerte Gehirnoperation dank 5G erfolgreich abgeschlossen. / © Xinhua News

Viele Beteiligten steuern in unterschiedliche Richtungen

5G ist nicht nur ein neues Mobilfunknetz für Smartphones. Es ist auch Kern eines neuen Ökosystems, bei dem alle Teile des Puzzles passen müssen. Luca Schiavoni, Senior Analyst bei Assembly Research, sagt dazu: "Der Wettbewerb in Europa ist stärker und wird zudem von etlichen Regulierungsbehörden kontrolliert. Daher beklagen sich die Mobilfunkbetreiber ständig darüber, dass es schwieriger sei, in großem Maßstab zu wachsen".

Da die unterschiedlichen Netzwerke und Dienste über mehrere europäische Länder verteilt sind und kein einheitlicher Marktführer wie z.B. AT&T oder Verizon in den Vereinigten Staaten als Leitfigur dient, ist der 5G-Ausbau in Europa viel schwieriger als in Übersee. "Der bloße Konsens darüber, dass 5G wichtig sei, hat die Dinge nicht einfacher gemacht", so Schiavoni.

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AT&T ist mit seinem "5G Evolution" in den USA bei Kunden angeeckt. / © The Verge

Während der Analyst in eigen Punkten recht hat, muss man sich fragen, warum die europäischen Netzbetreiber bei 5G zögern. Denn in den Vereinigten Staaten werben AT&T und Verizon bereits aggressiv und wiederholen die Marketing-Strategien und -Fehler der frühen Tage von 4G/LTE. Die europäischen Betreiber hingegen haben erst vor kurzem damit begonnen, den Ausbau ihrer 5G-Netze zaghaft zu bewerben. Noch immer wirken viele von ihnen unsicher.

Trauriges Beispiel der Fragmentierung europäischer Digitalpolitik: Die Versteigerung der 5G-Frequenzen hat in vielen Ländern noch nicht stattgefunden. Dabei gilt sie als Ausgangspunkt, ohne den der Netzausbau nicht richtig starten kann.

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Einige europäische Länder werden vor 2020 keine 5G-Frequenzen versteigern. / © AndroidPIT

5G: die Situation in wichtigen europäischen Ländern

Italien

Entgegen mancher Erwartung ist Italien eines der europäischen Länder, das die Auktionen zu beiden relevanten Frequenzblöcken bereits im Jahr 2018 erfolgreich abgeschlossen hat. Telecom Italia (TIM) ist der größte Telekommunikationsanbieter der Halbinsel. Er plant mit Hilfe der 5G-Hardware von Samsung sogar die Einführung von 5G im Jahr 2019.

Die Worte von TIM-CEO Amos Genish lassen keinen Zweifel aufkommen: "Wir haben uns einen ziemlich anspruchsvollen Zeitplan gegeben und werden alle uns zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um unser Ziel zu erreichen: die Einführung von 5G in Italien; so schnell wie möglich". Im November 2018 gab TIM bekannt, dass es einen Prototyp eines 5G-Smartphones verwendet hat, um die erste Verbindung zu seinem neuen Netzwerk herzustellen.

Spanien

An den ersten 5G-Auktionen im Jahr 2018 beteiligten sich vier Unternehmen: Vodafone, Telefónica, Orange und MásMóvil. Vodafone Spanien gilt als führend und zeigt sich mit mehreren Tests seines 5G-Netzes in Städten wie Madrid, Valencia, Sevilla und Barcelona am aktivsten. Dies hat der Netzbetreiber der Allianz mit dem technischen Ausstatter Huawei zu verdanken. 2020 soll 5G auf spanischem Territorium einsatzbereit sein. Im Moment erscheint diese Einschätzung realistisch.

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Die USA schüren Bedenken gegen eine Huawei-5G-Infrastruktur in Europa. / © J. Lekavicius/Shutterstock

Deutschland

Nach dem offiziellen Dokument 5G Stategy for Germany des Bundesministeriums für Verkehr und Digitale Infrastruktur (BMVI) begannen die ersten Tests auf deutschem Boden im Jahr 2018. Mit der Markteinführung sollen wir bis 2020 rechnen.

Die Deutsche Telekom gab Mitte 2018 bekannt, dass die ersten 5G-Antennen Europas in Berlin an der Leipziger Straße und Winterfeldtstraße installiert werden und dass sie 5G in anderen Teilen der Hauptstadt weiter ausbauen wird. Darüber hinaus will das Unternehmen bis 2025 90 Prozent des Landes mit 5G versorgen, beginnend mit der Installation von 2.000 neuen Teilnetzen bereits 2019.

Telefónica Deutschland gab im Dezember 2018 bekannt, dass man mit Nokia ein Early 5G Innovation Cluster in Berlin aufbauen wolle. Damit werden die Leistung und Abdeckung der ersten 5G-Dienste in einem relativ dichten Stadtgebiet getestet und gemessen.

Die United Internet AG ist ein weiterer potenzieller Akteur im 5G-Rennen. Anfang 2019 gab der Anbieter hinter den Marken 1&1 sowie Drillisch bekannt, dass er an den Auktionen teilnimmt.

Frankreich

Bouygues Telecom war der erste Anbieter von 5G-Blöcken in Frankreich im Jahr 2019, mit der Ankündigung, wenige Tage nach Beginn des neuen Jahres einen 5G-Anruf in der Stadt Lyon mit Ericsson-Geräten und Qualcomm-Technologie erfolgreich durchgeführt zu haben.

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Qualcomm ist einer der größten Hersteller von 5G-Chips für Smartphones. / © AndroidPIT

Der französische Betreiber hat seine 5G-Tests bereits in dem Landstrich zwischen Lyon und Bordeaux mit einem Smartphone auf Basis von Qualcomms X50-Modem durchgeführt. Der Betreiber teilte später mit, dass er die Anzahl der aktiven Teststandorte zusammen mit Huawei auf insgesamt elf erweitert habe. Ähnlich wie seine Konkurrenten Orange und Altice, hat Bouygues Telecom seine Tests im vergangenen Jahr verstärkt. Ziel sei, 5G bis 2020 einzuführen.

Orange hingegen ist bereits 2016 eine 5G-Partnerschaft mit Ericsson eingegangen, arbeite aber auch mit Nokia zusammen. Es gab bereits erfolgreiche Tests zwischen Lille, Marseille und Paris. SFR, Eigentümer von Orange und Altice, konnte mit Cisco-, Huawei- und Nokia-Geräten Geschwindigkeiten von 2,3 Gbit/s erreichen.

Der 5G-Ausbau der französischen Netzbetreiber wird durch die dortige Regierung mit Begeisterung unterstützt und gefördert. Trotzdem wird Frankreich sicherlich nicht das erste Land der Welt sein, das seinen Bürgern das neue 5G-Netz anbietet. Auch dort soll das Netz erst 2020 starten und erst 2025 landesweit ausgebaut sein.

Freut Ihr Euch auch schon auf 5G? Welchen Dienst würdet Ihr zuerst im neuen Netz nutzen?

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9 Kommentare

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  • Für einen intelligenten Fortschritt muss es nicht sein. Aber G5 wird vielfach durch uns strahlen, nämlich pro Anbieter und pro Mast. Weil z.Z. alles vom Geldsystem regiert wird. Da interessiert die Verantwortlichen kein Baumsterben, Insektensterben.... Da sollen sich nachher die Naturschützer und Ärzte was einfallen lassen oder die Köpfe einschlagen. Hauptsache ein paar Leute können auf der Autobahn in Ruhe Kriegsfilme schauen oder Zocken. Oder müssen zu Hause den Spülknopf am Klo nicht mehr drücken.
    Halbwegs anständig wäre, das EIN Netz für alle vorgeschrieben wird, So wie ein Gleis für alle Bahnen. Gott sei Dank, ist das historisch gewachsen, sonst würden hier auch 4 parallel gebaut. Aber bei dem ausbildungslosen Personal in der Regierung kann nichts mehr vernünftiges rauskommen. Also mal richtig blau wählen! Das Wahlprogram ist sehr lesenswert!


  • Wer braucht schon 5G?
    Autonomes Fahren interessiert mich rein gar nicht und die vielzitierten "Milchkannen" wären, genauso wie ich, mit einer lückenlosen 3G-Versorgung auch auf dem Land mehr als zufrieden.
    So viele Spargel können die unmöglich aufstellen, dass 5G ausserhalb von Ballungszentren funktionieren könnte und dort gibt´s ja eh schon überall WLAN...

    Anscheinend sind hier nur noch Vollpfosten am Regieren: autonomes Fahren, Flugtaxis, 5G und Söders Raumfahrtprogramm... da muss man schon sehr "speziell" sein, um sowas zu wollen.


  • Das Problem, auch bei Elektroautos, ist das gefühlte Durchschnittsalter hierzulande 70 Jahre ist.
    Die Amis und die Asiaten sind schon nicht mehr einholbar.


    • Nun spreche ich voll dagegen, bin auch schon Ü50 und immer up to date was die Technik betrifft, finde E-Autos nicht übel wenn die Reichweite entsprechend ist. 5G für die Industrie ist gut, für privat sehe ich keinen richtigen nutzen.



  • Toll, dann wird es bald da, wo ohnehin schon eine lückenlose Versorgung mit 4G ist, bald 5G geben. 😖

    Liebe Telefongesellschaften, es gibt immer noch viele Ecken in Deutschland, in denen bestenfalls Edge angeboten wird. Aber das interessiert von euch ja keinen, zu teuer und zu wenig Einnahmen.

    Das Vater Staat das bei der Versteigerung eingenommene Geld dafür ausgibt, diese Funklöcher zu schließen, glaube ich erst, wenn ich das Ergebnis sehe.


  • Was juckt mich die USA ?! wir müssen uns ganz gewiss nicht an den Kriegstreiber orientieren 😡
    was 5G in DE angeht ... das wird genau so ein Reinfall bzgl Ausbau Geschwindigkeit wie bei LTE ... am Ende sind es zuviele Teilnehmer und zu wenig Masten, was letztlich dafür sorgt das vielerorts es nur schleppend bis gar nicht vorran geht.


    • Über die möglichen Gefahren von 5G für die Gesundheit wird leider viel zu wenig berichtet, bei all den Hype um eine Technologie, welche meiner Meinung nach kein Problem löst, was nicht heute schon gelöst ist.


      • Grundsätzlich gehöre ich zwar nicht zu den Leuten, die wegen Funkstrahlung besorgt sind. Aber wenn jetzt vier Netze mit zig Masten kommen, habe sogar ich Bedenken und gekrönt wird das Ganze davon, dass das neue Netz wieder so ein Flickenteppich wird wie die bisherigen.
        Hätte es nicht auch ein einziges Netz getan, das gemeinsam gebaut und betrieben wird? Ich könnte darin nur Vorteile sehen (geringere Kosten, weniger Strahlung, bessere Abdeckung). Aber das wollten die Provider ja keinesfalls und deren Interessen haben natürlich Vorrang. 😒

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