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2 Min Lesezeit 14 Kommentare

EU-weites Handy-Verkaufsverbot abgewendet

Da haben Hersteller, Verbraucher und auch die EU-Organe selbst aber noch einmal Glück gehabt! Kurz vor knapp hat die EU-Kommission einen drohenden Verkaufsstopp für Smartphones und jede Menge anderer technischer Geräte abgewendet.

Die Alarmglocken schrillten unüberhörbar, denn es drohte ein großes Chaos und ein riesiger Schaden für die Wirtschaft und die Kunden. Smartphones und andere Geräte mit Funk-Modul hätten aus den Regalen der Händler in der EU entfernt, der Verkauf gestoppt werden müssen. Um  zu verstehen warum, ist ein kleiner Ausflug in die Welt der europäischen Richtlinien, vorgaben und Prozesse notwendig.

AndroidPIT Smartphone On fire
Auch die Politik kann Brandstifter sein / © AndroidPIT

 

Die Richtlinie 2014/53/EU, als Radio Equipment Directive (RED) genannt und seit Juni 2016 in Kraft, soll eigentlich genau regeln, welche Eigenschaften Geräte haben müssen, die Funkwellen empfangen oder senden können - also Smartphones, aber auch Router, Navis, moderne Kameras und ähnliche Dinge. Allerdings ist die Vorlage sehr allgemein gehalten und bringt die Hersteller in Schwierigkeiten. Um nämlich ein Gerät für den Verkauf in der EU mit dem notwenigen CE-Siegel auszustattet, müssen außerdem die harmonisierten europäischen Normen der europöischen Normierungsorganisation ETSI erfüllt werden. Weil die ETSI aber mit der Formulierung der durch die RED notwendigen Normierungen Monate hinter her hinkt, fehlen relevante Vorgaben zur Zertifizierung der Geräte - und damit dürfen sie nicht verkauft werden.

"Innovative Produkte können nicht auf den Markt kommen"

Die Bundesregierung kritisierte die ETSI und andere EU-Behörden scharf und verlangte eine Lösung für das Problem. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD): „Nach Ablauf der Übergangsfrist werden ab Juni 2017 zahllose neue, innovative Produkte aufgrund fehlender Zulassungsnormen nicht auf den Markt gebracht. Alte Produkte von Tausenden europäischer Hersteller können nicht mehr verkauft und müssten vom Markt genommen werden.“ Die EU-Kommission und die ETSI schoben sich unterdessen den Schwarzen Peter hin und her. Konkrete Schritte zur Lösung des Problems: Fehlanzeige.

Nun hat die EU-Kommission sich mit einem Trick beholfen und Zeit verschafft. Alte Produkte, die nach den früheren Regeln zertifiziert wurden, dürfen auf dem Markt bleiben. Neue Produkte sollen übergangsweise nach den alten Vorgaben zertifiziert werden. Zudem hätten die Hersteller nun die Möglichkeit, "Sicherheit und Konformität ihrer Geräte über andere Wege zertifizieren zu lassen" und so das CE-Label zu erhalten. Die vor einem Jahr eingeführte RED wird damit de facto ausgesetzt und das Problem erst einmal vertagt. Immerhin: Das Verkaufsverbot, das ab Juni 2017 gedroht hätte, ist erst einmal vom Tisch.

Quelle: FAZ, Welt, Welt

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14 Kommentare

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  • So ein Quatsch. War von Anfang an ein Sommerloch-Thema. Ein April-Scherz, eine Ente.


  • Viele Köche verderben den Brei...

    Wenn ich schon höre...EU-Richtlinie, Brüssel und Zertifizierung und irgendwelche Label...dann bekomm ich einen "Dicken Hals".
    Es ist Richtig das alles seine Norm und Ordnung haben soll. Aber was da schon alles schief gelaufen ist und Millionen €uro in den Sand gesetzt wurden, da kann man schon die Fassung verlieren. Und besser wird es auch nicht.

    Dann hoffen wir mal das alle noch den Überblick behalten und wissen was sie tun und sich nicht versehentlich selber Abschaffen. ;-)


  • Was für ein Blödsinn......


  •   24
    Gelöschter Account 11.04.2017 Link zum Kommentar

    Irgendwie schade! wir sind nicht in der eu und hätten verkaufen dürfen.
    Das wäre ein Geschäft gewesen!


  •   54
    Gelöschter Account 11.04.2017 Link zum Kommentar

    Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg...↗

    Die Nutzung einer Übergangsregelung seitens zuständiger Behörden bis zur Fertigstellung der neuen Richtlinie und Einführung dieser ist ein positiver Weg.


  • Ich frag mich echt, was an diesem Artikel gut sein soll... Vlt weil es sich nicht nur um Android direkt dreht, sondern um allgemeine Themen? Maybe... Inhaltlich ist das hier aber Bild-Niveau...

    Normierungsprozesse sind was ganz normales im EU-Alltag. Dass es da Streitereien, Blockierungen und Zeitverzug gibt, wissen wir nicht erst seit heute. Die TTIP und CETA Verhandlungen sind da ein Beispiel, aber eben auch nur ein Beispiel. Wöchentlich werden in Brüssel 256348523 ( oder so ähnlich ) Normen geprüft. Streit gibt es da immer. Von den Unternehmen. Vom Nicht-EU-Ausland. Und vor allem unter den EU-Ländern. Den Briten ist es ganz wichtig, dass ihre Kaffeemaschinen mit 1,4 bar brühen, damit sie auf ihnen auch Tee kochen können, die Italiener wollen Aber starke 3,2 bar für ihre Espressi. Beiden ist es ganz, ganz wichtig. Todwichtig. Dass sich die Normierungsprozesse also verschleppen, ist eher die Regel als die Ausnahme, ein Verkaufsstopp​ drohte dennoch nie. Der Artikel genannte "Trick" wurde schon tausendfach angewandt.

    Und wir sollten uns über solche Sachen nicht aufregen, sondern eher freuen (auch wenns schwerfällt). Denn solche Streitereien zeigen doch, dass die EU-Institutionen, dass Demokratie und Rechtsstaat funktionieren - In den USA zerbricht das alles, in der Türkei sind sie schon verschwunden. Wir können uns also glücklich schätzen, auch wenn das manche Leute anders sehen.

    In diesem Sinne allen ein "Puh, nochmal Glück gehabt" und der Redaktion viel Erfolg bei ihrer Qualitätsoffensive.

    Minato


  • Der Hersteller erhält das CE-Label nicht.

    Ansonsten ein echt interessanter Artikel. :)


  • Der Kompromiss in der vorliegenden Form - die Kommission gibt nach - war vorhersehbar. Ein Machtkampf zwischen ETSI und Kommission hätte nur Verlierer gesehen. Wer nun Schuld hat, die Kommission, die das Normungsmandat zu spät erteilt hat, oder die ETSI, die auch ohne Mandat hätte anfangen können, spielt keine Rolle mehr. Die Normierungsarbeit ist schwierig und die Normensätze als Grundlage neuer Entwicklungen müssen praktisch fehlerfrei sein. Ihre rechtzeitige Fertigstellung lässt sich nicht mit der Brechstange erzwingen.
    Bei einem Verkaufsverbot hätten nicht nur Hersteller, Arbeitnehmer, Provider und Händler massive wirtschaftliche Schäden erlitten. Der EU insgesamt, stellvertretend für die Kommission, wären Ärger, Hohn und Spott sicher gewesen - und das im Wahljahr 2017.
    Warum die Bestandsgeräte, die ohnehin zu beiden Normensätzen konform sein müssen, dann hätten aus den Regalen genommen werden müssen, wäre ohnehin nicht zu vermitteln gewesen.


  • Schade, das Verbot hätte ich zu gerne miterlebt. 😎


  • Eu... Eine super Idee aber da blockiert man sich selber. Versucht alles durch zu reglementieren. Und das scheitert


    • Es mag viele überflüssige Reglementierungen geben. Die meisten Normen sind aber mitnichten überflüssig. Sie stellen die Interoperabilität von Geräten, z.B. Smartphones mit den Basisstationen beliebiger Hersteller und Provider, sicher. Ausserdem stellen sie einigermaßen sicher, dass sich verschiedenen elektrische Geräte, die nicht zwingend miteinander verbunden sind, sich nicht gegenseitig stören (EMV-Normen) oder den Nutzer gefährden (div. Safety-Normen).
      Die Normen alleine stellen das genau genommen noch nicht sicher. Mitunter sehr aufwändige Zertifizierungstest stellen sicher, dass ein Gerät einer Norm entspricht (und bestimmte Teile davon z.B. nicht falsch interpretiert wurden). Dies wiederum ist eine notwendige, aber nicht zwingend hinreichende Voraussetzungen für Interoperabilität.
      In der Praxis kann es dann immer noch zu Haklern und kleineren Problemen kommen, die aber in aller Regel mit überschaubarem Aufwand behebbar sind.
      Ausserdem helfen die Normen Kosten zu senken. Bevor Schrauben oder Muttern normiert waren, gab es eine gigantische Vielzahl von Typen, die mitunter schwer zu beschaffen waren, und wegen kleiner Stückzahlen sehr teuer. Die Normierung hat sie zu Standardbauteilen gemacht, die in riesigen Stückzahlen hergestellt werden, und damit kostengünstig produziert werden können.

      trixi


  • So ein Verkaufsverbot hätte gerade noch gefehlt. EU schön und gut. Aber sie machen es sich selbst und anderen oft schwerer als unbedingt nötig.


  • Interessanter Artikel, gute Arbeit!

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