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Wie ich eine Woche ohne Google überstand

Gmail, Youtube, Maps: Unser Leben ohne diese Google-Dienste ist schwer vorstellbar. Ich habe es getestet und eine Woche ohne Google verbracht. Ein Erfahrungsbericht.

Diese SMS nervt wie keine zweite: "Datenvolumen ist bis Monatsende gedrosselt"!
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"Hilfe, mein Google-Account wurde gesperrt." Solche und ähnliche Anfragen finden sich zuhauf in diversen Foren. Für die Nutzer bedeutet das: keine Kalenderfunktionen mehr, kein Zugang zu den Dateien auf Google-Drive und zu den eigenen E-Mails. Für mich ist das eine Horrorvorstellung.

Hilfe, mein Google-Account wurde gesperrt.

Meine Arbeitsleben ist eng verknüpft mit den Google-Diensten, ebenso mein privates Leben. Alle meine Bilder sind in Google Photos gespeichert. Ich habe einen Gmail-Account und ich nutze Google Maps, um mich in fremden Städten zurechtzufinden. Mit dem Google-Kalender organisiere ich mein Leben. Das alles zu verlieren, wäre für mich ein enormer Rückschritt.

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Auf Gmail muss ich verzichten. / © ANDROIDPIT

Trotzdem habe ich mich entschieden, eine Woche lang auf Google zu verzichten. Um zu erfahren, wie das Leben ohne die Dienste des Unternehmens aussieht. Dabei gibt es aber ein paar Einschränkungen. Denn praktisch ist es unmöglich, 100 Prozent Google-frei zu sein. Ich werde mein Samsung Galaxy S6 mit Android weiter nutzen. Was ich nicht nutzen werde, sind die Google-Apps, die Suche und alle zusätzlichen Dienste.

Welcher Browser darf es sein?

Ich verwende Google Chrome seit vielen Jahren. Welche Alternativen gibt es? Firefox ist für mein Experiment keine Alternative, denn der Browser nutzt Google Safe Browsing. Mercury kann ich ebenfalls nicht verwenden, da das Programm auf WebKit aufbaut, das von Google mitentwickelt wurde. Das trifft auch auf den Dolphin-Browser zu. Opera kommt auch nicht infrage, da die Anwendung auf Chromium basiert. Also entscheide ich mich für Puffin. Soweit ich weiß, ist dieser Browser frei von Google-Diensten.

Als erstes muss ich ein APK installieren, was mich zwar empfänglich für Malware macht. Aber im Google Play Store darf ich nicht nach Programmen suchen. Das Risiko muss ich eingehen.

Schließlich gelingt es mir, Puffin auf meinem Smartphone zu installieren. Alle meine Login-Daten sind hier nicht vorhanden, was mich ärgert. Dafür kann ich aber meine Lesenzeichen importieren. Wenigstens etwas. Ich bin überrascht, wie schnell Puffin auf meinem Smartphone läuft. So funktional und einfach in der Bedienung wie Chrome ist es allerdings nicht.

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Ohne Google-Dienste: der Puffin-Browser. / © ANDROIDPIT

Nächstes Problem: Ich kann die Google-Suche nicht verwenden. Eine Alternative wäre Bing, aber der Microsoft-Dienst stützt sich vor allem bei der Videosuche auf die Datenbank von Google. Also entscheide ich mich für DuckDuckGo. Der Suchdienst ist für den Schutz der Privatsphäre seiner Nutzer bekannt. Außerdem finden sich in den Sucheinträgen mehr und andere Ergebnisse als bei Google. Am Ende bin ich überrascht, wie leicht und genau es sich ohne Google suchen lässt.

Komplizierter wird es allerdings, wenn ich den Link eines Suchergebnisses anklicke. Auf einer Website eines Restaurants wird mir der Weg dorthin per Google Maps vorgeschlagen. Also muss ich die Adresse umständlich in HERE-Maps reinkopieren, um mir den Weg anzeigen zu lassen. Die App ist eine gute Alternative zu Google-Maps, aber längst nicht so komfortabel. Für meine Zwecke reicht sie aber vollkommen aus. Trotzdem ist Google-Maps in Millionen von Websites eingebunden, so dass es schwer ist, ohne den Dienst zurechtzukommen.

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Ohne Google Maps geht es, aber ohne mein S6 nicht. / © ANDROIDPIT

Das gilt auch für meinen Gmail-Account. Darüber laufen alle Konversationen sowohl beruflich als auch privat.

Das ist übrigens das Hauptproblem, wenn man ohne die Google-Dienste leben will. Die Dienste sind mittlerweile so sehr in unserem alltäglichen Leben verankert, dass es schwierig ist, Alternativen zu finden. Sicher, ich kann HERE-Maps statt Google Maps nutzen. Allerdings muss ich dann damit leben, dass es nicht so praktisch ist.

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 HERE-Maps ist eine Alternative zu Google Maps, aber ich mochte es nicht. / © ANDROIDPIT

Was sind aber die Gründe, um sich von den Google-Diensten freizumachen? Die Privatsphäre ist der wichtigste Grund für viele Nutzer. Wer weiß schon, wie viele Daten Google von uns hat und wofür sie verwendet werden.

Ich habe während meines Experiments herausgefunden, dass es sehr schwierig ist, Google aus dem Weg zu gehen. Selbst wenn ich die Dienste, die Suche und Apps nicht nutze, setzt Googles AdSense seine Cookies.

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Ist die Privatsphäre so wichtig, dass man Google nicht mehr verwenden will? / © ANDROIDPIT

Das Beste, das wir als Nutzer machen können, ist sorgsam mit unserer Privatsphäre umzugehen und die vielen Einstellungen zu verwenden, die uns Google dafür bietet. Dazu gehört zum Beispiel das Deaktivieren von Standortdaten.

Bevor ich mit dem Experiment angefangen habe, habe ich mir wenig Sorgen darüber gemacht, welche Daten Google von mir sammelt. Google Now habe ich zum Beispiel wie selbstverständlich genutzt. Nach einer Woche ohne Google muss ich sagen, dass es sehr schwer ist, den intelligenten Diensten zu widerstehen, da sie für mich sehr bequem sind. Trotzdem habe ich jetzt das Bedürfnis, meine Daten so gut wie möglich zu schützen.

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Google hört genau zu. / © ANDROIDPIT

Ich bin mir nach dieser Woche aber auch darüber im Klaren, dass ich ohne Google nicht leben möchte. Ich mag Googles Nutzer-Interface, die Kompatibilität und die Funktionalität über mehrere Apps hinweg. Das betrifft meinen Kalender, Google Maps, den E-Mail-Dienst, den Browser sowie die Cloud-Dienste.

Keine leichte Entscheidung

Auf der einen Seite ist mir meine Privatsphäre wichtig. Auf der anderen Seite finde ich die Art und Weise, wie Google meine Daten dazu verwendet, um die Dienste für mich zu verbessern, faszinierend und nützlich. Darum ist eine Entscheidung für oder gegen Google nicht einfach zu treffen. Viele Anwendungen würde es so nicht geben, wenn wir uns entschieden hätten, dem Konzern unsere Daten nicht anzuvertrauen.

Trotzdem sollten wir uns bewusst darüber sein, dass die Daten, die wir einem Unternehmen wie Google überlassen, nicht mehr uns gehören und von heute auf morgen verschwunden sein können. Darum sollte man über eine alternative Speicherung von Bildern und Kalendereinträgen nachdenken. Sonst sind wir die nächsten Nutzer, die sich in einem Forum mit "Hilfe, mein Google-Account wurde gesperrt" an andere wenden.

Wie abhängig seid Ihr von Google und was denkt Ihr über die Gratwanderung zwischen Privatsphäre und Bequemlichkeit? Schreibt es uns in die Kommentare.

Top-Kommentare der Community

  • Ludwig 31.03.2016

    Naja, Google wegen der Privatsphäre nicht zu nutzen ist ja heutzutage schon ein Witz, viele Nutzer benutzen Whats App, tummeln sich bei Faceblöd rum, tanken mit Kreditkarte oder benutzen eine Paybackkarte, schleudern quasi mit den eigenen Daten nur so um sich und wollen dann bei Google ihre Daten schützen, dümmer gehts dann nimmer.

  • Tenten 31.03.2016

    Ganz ehrlich, eine mögliche Abhängigkeit von Google interessiert mich wenig. Die wollen nur wissen, wie man lebt.
    Da finde ich die Abhängigkeiten von Konzernen wie Monsanto, DuPont und Syngenta wesentlich bedenklicher. Da gehts darum, ob man lebt.

  • Katy B. 30.03.2016

    Scheinbar haben manche den Artikel nicht verstanden. Ohne Google klarkommen ist komplizierter als man glaubt. Meist wissen wir gar nicht, dass wir Google nutzen. Das ganze Android Smartphone ist Google. Fängt schon bei der Pflicht an das Gerät mit einer Gmail Adresse einzurichten. Aber was soll's, ich mag die Vorzüge von Google. Klasse Artikel!

80 Kommentare

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  • Garnicht.

  • Wie ist die Menschheit bloß früher lebensfähig gewesen als es noch keine Smartphones usw. gab...🤔
    Wie kommen die Menschen heute in ihrem Leben zurecht, die weder Smartphones noch PC usw. besitzen und nutzen...🤔
    Das soll tatsächlich möglich sein...😮

  • Mhm, ich habe mich vor inzwischen zweieinhalb Jahren bei Facebook gelöscht. Der Preis (die Daten) war zu hoch für den Nutzen, den ich von Facebook hatte. Im Endeffekt zahlte ich nur, um zu sehen wer was mag und um Hochzeitsbilder von Freundesfreunden zu sehen. Mehr passiert da ja inzwischen nicht mehr...
    Die Daten, die Google von mir bekommt, "bezahle" ich gerne, weil ich tagtäglichen, praktischen Nutzen habe...ich bin nun kein Fanboy, aber bei Google bekomme ich aus einer Hand zurück, was ich brauche. Und dafür "bezahle" ich gerne!

  • Es gibt noch einen Browser ohne Datenweitergabe wie bei Fatzebuck und Co., ganz neu und basiert auf Firefox und nennt sich Cliqz. Eine deutsche Entwicklung, runterzuladen über deren eigene Homepage und für mich DER Browser, habe alle anderen deaktiviert. Man kann genau verfolgen, an wen - wenn nicht vorher entfernt - Daten gesendet werden würden. Ich bin total begeistert!!! Testet ihn mal!!! Auch Ihr Lieben von Androidpit, und gebt mal Euer geschätztes Urteil ab...

    • Cliqz ist nicht unbedingt privat! Ich wäre mir nicht sicher, ob der nicht sogar noch mehr sendet!
      SemperVideo hat dazu ein sehr empfehlenswertes Video gemacht -> h[DiesenTeilEntfernen]ttps://youtu.be/6eybE5GVROk

  •   33

    Wir werden die Uhren nicht mehr zurückdrehen können, denn die Büchse der Pandora wurde längst geöffnet und wir alle sind seit langem in einer stetig wachsenden Abhängigkeit verhaftet.
    Wer glaubt, eine Privatsphäre aufrecht erhalten zu können, ist hochgradig naiv.
    Ob es nun Windows, Android oder Apple ist, spielt keine Rolle. Es ist wie Pest oder Cholera.
    Es geht meiner Meinung nach nur über den Weg des sorgsamen Umgangs und der Verbreitung seiner persönlichen Daten. Man muss nicht jedes soziale Netzwerk nutzen, sondern viel mehr am realen Leben und der damit verbundenen normalen Kommunikation teilnehmen.
    Leider ist dies bei vielen Menschen heute nicht mehr möglich und eine soziale Kompetenz nur noch außerordentlich selten anzutreffen.
    Insgesamt eine sehr traurige Entwicklung.

  •   58

    Manche Aussagen im Artikel, wie auch in den Kommentaren sind schon arg naiv. Einfach nur ein paar Apps nicht mehr nutzen entbindet mitnichten vom gesamten Google Framework. Zudem ist Google einer der weltweit größten Anbieter von Server-Kapazitäten. Selbst Microsoft und Apple kaufen Webspace und Serverdienste bei Google.

    Ein "Leben ohne Google" lässt sich im mobile-Bereich kaum noch durchführen. (Ein Leben ohne Apple und Microsoft in übrigen auch nicht... was Hardcore Androiden oft nicht bewusst ist.)

  • Android ohne Google Dienste macht wenig sin. Das System ist einfach darauf ausgelegt mit Google Diensten benutzt zu werden. Die einzige wirkliche Alternative zu Android ist und bleibt IOS.

  • Ich werde es anders machen^^ ich werd mich von Android trennen^^ und zu Windows wechseln. Ist seit Windows 10 eh echt geil geworden.

  • Ohne Google und das mit Android? Du hättest ein iPhone benutzen sollen.

  • Ich finde die Wandlung der letzten Jahren generell erschreckend, auf positive und negative Art und Weise. Ich denke Google ist nur das Synonym für den digitalen Wandel im Alltag, aber wenn man sich mal ein paar Gedanken macht was sich in den letzten 15 Jahren so getan hat, ist der Horizont viel weiter.
    Ich selber lese Bücher auf dem Kindle statt sie in Buchform zu kaufen, im Urlaub 5 Bücher dabei zu haben die aber weniger platz weg nehmen als eines ist sehr komfortabel. Dabei gebe ich meine Daten an Amazon.
    Generell Amazon und der Preisvergleich im Internet.
    Dann noch Streaming über Amazon Prime oder Netflix, was im Monat weniger kostet als ein Kino Besuch. Die sammeln ebenfalls meine Daten.
    Musik hören über Spotify, Cloudspeicher für meine Fotos und Dateien bei OneDrive, die Jobsuche über Stepstone statt dem Arbeitsamt, Musikerkennung über Shazam, GPS Tracking beim Joggen, Online-Banking, Öffnungszeiten von Geschäften über Google raus finden, das Handy als Navi und akzeptabler Fotoapparat, Kalender über google, Notizen über Google...
    Erschreckend wie vielen Anbietern ich meine Daten zur Verfügung stelle, aber der Komfort dadurch ist es mir (leider) Wert.

  • Ich hoffe diese Aussagen wie, "Ohne Google Dienste möchte ich nicht mehr leben", sind einfach nur überspitzt und nicht ernst gemeint. Ich finde es abnormal, wie sich Menschen an ihre Technik klemmen.

    Immerhin, dort draußen, außerhalb von Smart und Online gibt es auch noch analoge Karten, Nachschlagwerke. Bücher, sogar zum anfassen! Und ich habe letztens erlebt, dass ein Mann einen anderen Mann gefragt hat, wie er denn zu Ort X käme: tatsächlich bekam Erster die richtige Wegbeschreibung vom Zweiten erklärt. Wahnsinn, oder?

    Und nein. Ich habe nichts gegen Smartphones und Technik - ich verwende sie selbst. Aber dieses Gezwänge und Abhängig machen finde ich schlimm.

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